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Herbstreise 2017

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Besondere Empfehlung

Mevlana Dschelaleddin Rumi
Das Meer des Herzens 
geht in tausend Wogen
104 S., geb., € 22,00
Bestseller

Hikmet, Nâzim
Das schönste Meer 
ist das noch nicht befahrene
244 S., geb., € 19,90

Demnächst:

Uchqun Nazarov
Das Jahr des Skorpions
Roman, aus dem Usbekischen von Ingeborg Baldauf
320 S., geb., € 19,90
978-3-935597-54-8
Uchqun Nazarov (geb. 1934), das »Enfant terrible« der usbekischen Literatur, entwirft in seinem Roman »Das Jahr des Skorpions« ein finsteres Panorama der usbekischen Gesellschaft der 1940er Jahre: Der Roman folgt dem Weg dreier junger Frauen in den schwierigen Kriegsjahren. Lebensmittel sind knapp, die Männer an der Front, die Nichterfüllung des Arbeitssolls gilt als Sabotage und nur eine, Muqaddas, hat als Tochter eines skrupellosen Emporkömmlings und Kriegsgewinnlers keine materiellen Sorgen. Der »Skorpion« gibt sich als frommer Mann, der Allah im Munde führt und bedient sich gleichzeitig bestens des Stalinschen Repressionsapparates. Besorgt um seine Geschäfte und sein gesellschaftliches Fortkommen scheut er nicht vor Denunziationen und notdürftig kaschiertem Mord zurück und zerstört letztendlich sogar seine eigene Familie. 

Ahmed Arif
Aus Sehnsucht nach dir hab ich die Ketten abgetragen
Hasretinden Prangalar Eskittim
160 S., geb., 18,00 €
978-3-935597-44-9
Ahmed Arif wurde in Diyarbakir geboren und begann bereits als Gymnasiast ab 1943 in linken Literaturzeitschriften zu veröffentlichen. Ein frühes Gedicht, das er als Student der Philosophie schrieb, machte ihn bekannt und brachte ihn ins Gefängnis. Es beschrieb die extralegale Hinrichtung von 33 kurdischen Schmugglern durch das Militär, ein Skandal, der die Republik erschütterte. Arif wurde mehrfach wegen »kommunistischer Propaganda« angeklagt und inhaftiert. Beeinflusst von Nâzim Hikmet und André Gide, entwickelte Arif einen eigenen Stil, der die Formensprache der Moderne mit den Mythen und Epen der kurdischen Berge verband und die vielfältigen Dialekte und Sprachen Anatoliens aufnahm. Mit seinen Gedichten schuf er gleichsam eine poetische Landkarte seiner Heimat. Seine politische Haltung verhinderte im repressiven Klima der 1950/60er Jahre jedoch eine vielversprechende künstlerische Karriere. Arif schlug sich als Korrektor und Lektor durch und veröffentlichte gelegentlich in Literaturjournalen. Erst 1968 erschien sein einziger Gedichtband »Hasretinden Prangalar Eskittim«, der unzählige Auflagen und Raubkopien erlebte. Seine Gedichte aber fanden Aufnahme in Liedern der Popkultur und in legendären Filmen von Yilmaz Güney.
Du erblühtest,
in meiner Einsamkeit
Blau und Grün,
Erblühtest.
Hasenblut, rotgetupft - glänzend.
Ich besiegte die Schmerzen, den Verrat …

Gehen,
in deinen Augen gehen: in die Verbannung.
Liegen,
in deinen Augen liegen: im Knast.
Wo sind deine Augen?

Kein »To be or not to be«.
Und gar kein »Cogito ergo sum« …
Hauptsache ist, zu verstehen das Unvermeidliche,
Die unaufhaltsame Lawine
Die endlose Strömung.

Trinken,
in deinen Augen trinken: das Mondlicht,
ankommen,
in deinen Augen ankommen: im Geheimnis der Seele.
Wo sind deine Augen?
In meiner Seele Geheimnis warst du eine Seele
Kein Blut, unsere Liebe ergoss sich in die Nacht,
Als der Henker die Schlinge
zuzog …

Hören,
In deinen Augen hören: drei Bäume,
Schweigen,
In deinen Augen schweigen,
Rasiermessergleich …
Wo sind deine Augen?



aktuell

Jale Sancak
Die Stadt der verlorenen Lieder
Literarische Streifzüge durch Istanbul
188 Seiten, frz. brosch., € 14,50
978-3-935597-78-4
Städte werden zu den Orten, die sie sind, durch die Menschen, die in ihnen wohnen und ihnen einen unverwechselbaren Charakter geben. Jale Sancak begibt sich auf die Suche nach diesen Menschen. Sie befragt die Leute auf der Straße, trifft sich mit lokalen Größen, Architekten und Bauingenieuren, Straßenhändlern und den Originalen von 17 Istanbuler Stadtvierteln. Sie sucht nach den Spuren der Vergangenheit, den Kiezmythen und Legenden und beobachtet den Wandel der pulsierenden Großstadt. Aus diesen Dokumenten erschafft sie Skizzen vom Leben der Türken, Griechen, Juden, Kurden, Armenier und Roma, der Yuppies und Kleinkriminellen, der Tagelöhner und Lebemänner.
Der Bogen spannt sich von dem Nobelquartier Niþantaþý bis nach Sulukule, dem Viertel der Zigeuner. Als Musiker und Blumenverkäuferinnen sind die Roma im Nachtleben der ganzen Stadt präsent. Niþantaþý auf der europäischen Seite orientiert sich am New der York High Society, internationale Modehäuser prägen das Straßenbild. Gegenstück auf der asiatischen Seite des Bosporus ist die Baðdad Caddesi, wo Heranwachsenden regelmäßig Autorennen veranstalten. In Hacý Hüþrev dagegen leben viele Gauner gemäß dem Grundsatz: »Sein Brot schafft er aus dem Nichts.« Der Stadtteil Fener wiederum ist der Sitz des »Vatikans« der orthodoxen Kirche. Im Frühjahr das Oberhaupt der Kirche traditionell ein Kreuz ins Meer. Und plötzlich findet sich sein Bild auf einem Kartenspiel wieder. Galata ist berühmt als Wohnort der Venezianer, die Gazi Mahallesi wird von Aleviten und Kurden bevölkert.
Jale Sancak pflegt den Stil der Reportage, ungezwungen bewegt sie sich inmitten der von ihr Porträtierten. In ihren Texten mischen sich literarischer Stil mit dem Slang der Straße und den Geräuschen der immerwachen Stadt.


E. Fuat Keyman/Nurhan Yentürk
Debatten zur globalisierten Türkei
Wirtschaft, Politik, Gesellschaft
316 S., € 18,00
978-3-935597-72-2
Der bereits 2010 erschienene Band versammelt Analysen namhafter Wissenschaftler: Antworten auf Fragen, die hierzulande in den Medien immer noch kaum gestellt werden: Wie konnte die »Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung « (AKP) so einen rasanten Aufstieg nehmen? Ausgangspunkt ist der Militärputsch 1980, der den Weg für den neoliberalen Umbau des Landes freimachte. Die kemalistischen Eliten des Landes stürzten das Land in schwere Wirtschaftskrisen. Die Vorgängerpartei der AKP betrieb noch allein religiöse Propaganda, Erdogan hingegen setzte auf die soziale Karte. Als Bürgermeister kümmert er sich um ganz reale Probleme und erwarb sich so den Ruf eines ehrlichen Modernisierers. Die AKP schien die Partei zu sein, den Sumpf aus Korruption, tiefem Staat und wirtschaftlicher Vernachlässigung des anatolischen Hinterlands auszutrocknen. Detailliert beschreiben die Autoren die ökonomische Entwicklungen in der Türkei; von den Auswirkungen der Finanzkrise über das Außenhandelsdefizit, das Sozialversicherungssystem und die politische Ökonomie der AKP bis zur Problematik der EU-Beitrittsverhandlungen. Analysiert werden ebenso geopolitische Konzeptionen, das Verhältnis von Neoliberalismus und Islam und nicht zuletzt das Schulsystem der Türkei, das ein Gemisch aus Opfermythos, Staatshörigkeit und Nationalstolz propagiert und letztlich anfällig macht für Verschwörungstheorien, autoritäres Denken und Hass auf Minderheiten. Haben sich auch einige Schlussfolgerungen der Autoren hinsichtlich der demokratischen Potentiale der AKP als zu optimistisch erwiesen, bieten doch die tiefgehenden Untersuchungen eine schlüssige Erklärung für die gegenwärtigen Prozesse und die zögerliche Haltung des Westens, sich zu den Menschenrechtsverletzungen in der Türkei klar zu positionieren. Die Präsenz deutscher Großunternehmen in der Türkei beipielsweise ist in den letzten zehn Jahren massiv angestiegen. Konsumieren und Beten, frei von gewerkschaftlicher Organisierung und gesellschaftlicher Mitbestimmung, optimiert die Rendite. Islamismus und freier Markt sind kein Widerspruch. 


Die Nase des Sultans
Illustrierte Geschichte der türkischen Karikatur vom 19. Jh. bis in die heutige Zeit.
zweisprachig 2010 erschienen (Hrsg.: Sabine Küper-Büsch und Nigar Rona)
264 S., € 28,00
978-3-935597-68-5
Es fing alles mit einer Nase an. Der von Sultan Abdülhamit II nämlich. Der hasste Anspielungen auf sein formidables Riechorgan derart, daß er selbst das Wort Nase durch die Zensur komplett verbieten ließ. Eine Steilvorlage für die Meister des spitzen Stiftes. Nie spielte eine Nase vorher oder nachher eine größere Rolle in der bildenden Kunst. Bis heute ist den türkischen Zeichnerinnen und Zeichnungen nichts heilig. Aufs Korn genommen wird so ziemlich alles, was sich sonst in der Tagespresse nur selten in dieser Direktheit findet: die Rückständigkeit der Dörfler, das übermächtige Militär, autoritäre Familienstrukturen, prügelnde Polizisten, mafiöse Politiker, Gewalt gegen Frauen, Kinder und Minderheiten, sich wandelnde Moralvorstellungen, Cyberwahn, Fundamentalisten und Faschisten, die Orientalismen des Westens und die Stereotypen über den Westen.
Turgut Ceviker führt durch die Geschichte der Karrikatur im Osmanischen Reich und der Türkischen Republik. Sabine Küper-Büsch und Nigar Rona präsentieren das legendäre Satiremagazin »Girgir«(Spaß) aus den wilden 70ern und seine Nachfolger »LeMan und »Penguin«. 40 Karrikaturistinnen werden auf je zwei Doppelseiten mit Kurzbiographie und ihren Bildern vorgestellt. Vervollständigt wird das Buch durch ein Personen- und Publikationsregister.


Kenan Mortan /Monelle Sarfati
Heimatliche Fremde
Türkische Migration nach Deutschland
356 S. Br., € 18,00
987-3-935597-83-3
50 Jahre türkische Arbeitsmigration sind ein Anlass für Sonntagsreden oder alarmistische Prognosen. Oder für eine Feldforschung zu 50 Jahren Hoffnung und Enttäuschung, Anpassung und Abgrenzung, Nationalismus und Transnationalität. Kenan Mortan und Monelle Sarfati haben im Zeitraum von 2009-2011 in vier deutschen Städten türkischstämmige Arbeiter, Künstler, Politiker, Unternehmer, Schulabbrecher, Hausfrauen und Rentner nach ihren Erfahrungen und Einschätzungen befragt. Eingebettet in einen kurzen Abriss der historischen und ökonomischen Bedingungen der Arbeitsmigration vermitteln die Ergebnisse ein dem medialen Mainstream entgegengesetztes Bild: Ein Großteil der Befragten begreift sich als »Deutschländer« mit einer hybriden Identität, die sich als integrale Bestandteile der deutschen Gesellschaft sehen. Ausgrenzung und Selbstabschottung verlaufen nicht nach ethnischen, sondern sozialen Kriterien. Die sogenannte Integrationsdebatte entpuppt sich als Teil der gewünschten Seggregation bestimmter Bevölkerungsgruppen. Die Studie von Kenan Mortan & Monelle Sarfati besticht durch Detailreichtum, die Unterschiedlichkeit der vorgestellten Charaktere und Schicksale und Schlussfolgerungen, die weder beschönigen noch verteufeln, sondern nach Perspektiven der »Deutschländer« fragt. Dabei werden im positiven wie negativen die praktischen Fortschritte der derzeitigen Integrationspolitik in Deutschland und ihrer Auswirkung auf die Gesamtgesellschaft einer kritischen Betrachtung unterzogen. Der interessierte Leser erfährt zudem anhand vorgestellter Vereine und Institutionen – von Gülen-Schulen bis zu DiTiB – etwas über kaum öffentlich thematisierte Organisationsformen migrantischen Lebens in Deutschland wie auch über den Konflikt zwischen den Generationen, den Zuwanderern der ersten Generation und der hier Geborenen, die anderen Lebensentwürfen folgen.

Monelle Sarfati lehrte auf Zypern Öffentliches Recht und lebt heute in Istanbul.
Kenan Mortan lehrt Wirtschaftswissenschaft   an der Mimar Sinan Universität Istanbul und arbeitet als Sachbuchautor.
lieferbar:


Nalan Barbarosoglu
Silbernacht
220 S., Gb., € 18,80
978-3-935597-70-8
In einer Stadt mit reicher Vergangenheit spielen sich die kleineren und größeren Alltagsturbulenzen einer Metropole ab - ein allegorischer wilder Stier, der die Menschen zertrampelt, wenn sie ihn erzürnen. Die Protagonistin Gülnaz, aufgrund unglücklicher Lebensumstände zur Prostituierten geworden, stemmt sich gegen das wilde Tier. Gezwungen, einen Soldaten zu heiraten, den sie kaum kennt, folgt sie ihrem Mann in die kleine Provinzstadt, in der er stationiert ist. Tagsüber wäscht sie die Wäsche der Soldaten, abends wird sie von ihrem Mann an seine Kameraden verkauft. Vor ihrem unerträglichen Dasein als Soldatenhure und dem Gerede in der Kleinstadt flieht Gülnaz nach Istanbul. Ohne Geld und Ausbildung bleibt ihr nur die Prostitution. Sie versucht, die Männer zu bezwingen, die sich an ihr vergehen, ermordet sie gar. Gülnaz wird damit zur Projektionsfläche für erlittenes Unrecht. Ihre Verbrechen bleiben ungesühnt, sie kommt und geht wie ein Gespenst. Mit jedem Mord gewinnt sie an Kraft. Sie mordet, um den Makel von sich und der Stadt abzuwaschen, der sich in den 80er Jahren, in den Putschzeiten, auf ihr anhäufte.   Nahezu unbemerkt vermischen sich in Episoden die Ebenen der Realität und des Fantastischen zu einem expressionistischen Roman. Das Monstrum Stadt, das als reißender Stier über Istanbul thront, erinnert das unfassbare Grauen der gothic novel. Das Rätselhafte des modernen Lebens löst sich nicht kontinuierlich auf, sondern auf Umwegen. Vieles bleibt ambivalent, wie die selbstentfremdete und sich selbst entfremdende Jagd nach dem Glück und Gülnaz' Suche nach ihrer Identität. Nalan Barbarosoglu spielt mit Metaphern und dem Symbolgehalt der Wörter. Ihre Sprache ist Musik, der Soundtrack von Schreckensszenarien. Sie ist poetisch, klar, entwirft Stimmungsbilder. Sie berichtet, beschreibt bis ins Detail, betrachtet mit den Augen eines Philosophen die Welt - doch diese Welt ist zumeist sprachlos.

Wann bin ich dir ferner, wenn
du meinen Körper wie ein
lichtdurchflutetes Wasser
umschließt oder wenn ich,
nachdem ich mich in Glut ver-
wandelte, an deinem Körper
nach und nach abkühle? Das
ist die Frage, Gülnaz, die in
dieser Nacht ohne dich in
meinem Gehirn ein Feuer ent-
facht...
Mit dieser Frage erlebe ich die
sternlose, regenschwere
Nacht... Mit dieser Frage lerne
ich ein weiteres Mal auswen-
dig, wie dein Kissen, dein
Laken, dein Bettüberzug
gewebt ist. Der Südwestwind
sammelt, während er sich in
das Dunkel der Nacht schiebt,
die Wolken ein.
Ich höre die Stimme des lauen
Windes, der die Vorhänge am
offenen Fenster bauscht.
Aber mitten in der Menge bist
du ein Phantom, das mich
nicht wahrnimmt.


Nalan Barbarosoglu wurde 1961 in Adapazari geboren. Ihr Studium schloß sie 1982 an der Literaturwissenschaftlichen Fakultät der Istanbul-Universität im Bereich Philosophie ab. Etwa zur selben Zeit begann sie auch mit dem Schreiben, ihr erstes Werk setzt sieh mit der Philosophie Thomas Kuhns auseinander. Heute lebt Nalan Barbarosoglu als Schriftstellerin und Lektorin in Istanbul. In der Türkei hat sie vier Erzählbände veröffent. »Silbernacht« ist ihr erstes Buch, das vollständig auf deutsch erscheint.




Haydar Karatas
Nachtfalter
Aus dem Türkischen von Sara Heigl
320 S.,geb., 18,00 €
978-3-935597-89-0
1938 wird eine junge Frau von den Nachbarn aus dem Dorf gejagt. Ihr Mann, ein einflussreicher Stammesführer, war als Freischärler von den Regierungssoldaten getötet worden. Die Dorfbewohner fürchten weitere Vergeltungsaktionen. Mit ihrer fünfjährigen Tochter an der Hand macht sich die Frau auf einen beschwerlichen Weg. Hunger und Kälte wüten in den Dörfern, die Männer werden zum Kriegsdienst eingezogen oder verstecken sich in den Bergen. Die Gedanken der Rebellen kreisen um Ehre, Rache und Blut, während die Kinder und Frauen ums nackte Überleben kämpfen. Die Mutter sucht eigentlich nur einen ruhigen Platz für sich und ihr kleines Mädchen. Doch die neue säkulare Macht bestimmt sie, entgegen den archaischen Sitten, zur Erbin über die riesigen Ländereien ihres getöteten Mannes und legt das Schicksal der Dorfbewohner in ihre Hände. Nun gerät sie in einen erbarmungslosen Kampf der Familien um Land und Einfluss. Und mittendrin ein kleines Mädchen und eine seltsame Puppe, die wie ein Nachtfalter aussieht …
Haydar Karatas (geboren 1973) saß als politischer Aktivist im Gefängnis, bevor er in die Schweiz emigrierte, wo er seitdem als Schriftsteller lebt. Er erzählt die große Tragödie der Provinz Dersim, als das türkische Militär brutal gegen die dort lebenden kurdischen Aleviten vorging, ganz und gar unheldisch aus der Perspektive eines kleinen Mädchens:
Der Dersim-Aufstand war der letzte große Kurdenaufstand in der Türkei. Er ereignete sich 1937/38 in der Region Dersim, die in etwa der heutigen Provinz Tunceli entspricht, und wurde von den Eliten der sogenannten Dersim-Kurden angeführt, welche zu den Zaza zählen. Als Anführer gilt Seyit Riza. Staatlichen türkischen Berichten zufolge sollen zehn Prozent der insgesamt 65.000 bis 70.000 Einwohner der betroffenen Teile des historischen Dersims im Verlauf der Auseinandersetzungen getötet worden sein. Die Regierung schlug die Revolte mit massiver Gewalt gegen Rebellen und Zivilisten nieder. Zahlreiche Bewohner wurden aus ihren Dörfern vertrieben, die anschließend zerstört wurden. Die Verluste auf Seiten der Armee betrugen etwa 100 Soldaten. Im Jahr 2011 entschuldigte sich die türkische Regierung für die Massaker und räumte 13.806 Todesopfer ein.


Leben und Sprüche
der Sufi-Meister
des Islam
Aus dem Persischen von Hossein Kazemzadeh-Iranschähr
192 Seiten, frz.brosch., € 12,00
 978-3-935597-39-5
»Bei der Betrachtung des Lebens der Mystiker (…) erkennen wir, daß drei große Eigenschaften ihr Leben durchdrungen und gekennzeichnet haben. Diese Eigenschaften sind Weisheit, Schöpferkraft und Selbstbeherrschung. Aus der Weisheit haben diese gotterfüllten Mystiker jene tiefe Erkenntnis geschöpft, welche die Denker aller Zeiten in Erstaunen versetzt hat. Aus ihrer Schöpferkraft heraus haben sie jene Wundertaten vollbracht, die noch heute für viele Menschen rätselhaft und unglaublich erscheinen, da die Wissenschaft die Gesetze solcher Phänomene noch nicht kennt. Und durch ihre Selbstbeherrschung haben sie jene göttliche Macht der Entsagung, der Bedürfnislosigkeit, der Erhabenheit und der Freiheit erworben, welche die gewaltigsten Herrscher und Machthaber ihrer Zeit zwangen, zu ihren Füßen zu knien.«

 Das erstmals in den 30er Jahren aufgelegte Buch vermittelt Legenden, Sprüche und Lebensläufe der islamischen Mystiker, deren Wirken Dichter und Denker nicht nur der orientalischen Welt beflügelte und zu einem wesentlichen Bezugs-punkt des Islam im Vorderen Orient, Iran und Zentralasiens wurde.Der Herausgeber will vor allem dem europäischen Publikum die Entstehung und das Wesen des Sufismus nahebringen.



Mevlana Dschelaleddin Rumi
Das Meer des Herzens geht in tausend Wogen
Aus dem Persischen von Friedrich Rückert mit Kalligraphien von Thomas Steinbach
104 S., geb., € 22,00
978-3-935597-23-4
Der persische Mystiker Mevlana Dschelaleddin Rumi (1207 – 1273) war einer der bedeutendsten Dichter seiner Zeit. Seine Lehre sah die Liebe als Hauptkraft des Universums und das Universum als ein harmonisches Ganzes. Gott durch Liebe näherzukommen ist der Weg zu wahrer Erfüllung. In der Liebe zu den Menschen manifestiert sich die Liebe zu Gott. Das erotische Moment verschmilzt mit dem metaphysischen. Die Schönheit seiner Verse sichert ihm über seine religiöse Lehre hinaus einen festen Platz in der Weltkultur.
Dem Dichter und Begründer der deutschen Orientalistik Friedrich Rückert (1788 – 1866) gebührt das Verdienst, die Verse Rumis nicht nur in eine poetische Sprache übertragen, sondern dabei auch die Vielschichtigkeit und Vieldeutigkeit des Originals ins Deutsche übernommen zu haben.


Yunus Emre
Das Kummerrad
Gedichte [zweisprachig] übersetzt von Zafer Senocak
96 Seiten, kt., € 12,50
978-3-935597-07-4
Die mystische Dichtung Yunus Emres zählt zu den Grundpfeilern der türkischen Literatur. Er war im 13./14. Jahrhundert einer der ersten Dichter, die die türkische Volkssprache benutzten und eine Symbiose zwischen den islamischen und türkischen Traditionen verwirklichten. Deshalb wurde er von den städtischen kulturellen Kreisen mehr oder minder übersehen, während seine Gedichte auf dem Lande von Mund zu Mund gesprochen, gesungen und so erhalten wurden.
Erst nach Ausrufung der Republik und der kulturellen Neuorientierung der türkischen Gesellschaft wurde Emre als einer der größten türkischen Dichter gewürdigt, sein Einfluß auf die gesamte Volksdichtung sichtbar. Auch die moderne türkische Lyrik sieht in ihm ein wichtiges Vorbild, einen Meister der Sprache und des lakonischen Gedichtes. Yunus Emre gelang es, die komplizierten Glaubensvorstellungen der islamischen Mystik in klaren und eindringlichen Bildern auszudrücken. Seine humanistische Haltung und sein auf Gottesliebe konzentrierter Glaube machen ihn zu einem universellen Dichter.
Yunus Emre wurde den Überlieferungen und Legenden nach Mitte des 13. Jhds. in Mittelanatolien als Bauernsohn geboren, trat in die Dienste eines Scheichs und wanderte als Derwisch durch ganz Vorderasien. Er ist einer der großen Denker der islamischen Aufklärung.



Ivan Gogolev
Das Dritte Auge.
Drei Leben einer Seele
[Literatur aus Sibirien]
Aus dem russ. von Walerija Weiser
240 Seiten, frz. brosch., € 12,00
978-3-935597-43-2
"Ist das eine erhabene Legende oder die grausame Wahrheit?
Niemand weiß es zu sagen. Die zahllosen verflogenen Jahre, die
geheimnisvoll dröhnend in den Tiefen des Himmels verhallt
sind, schweigen darüber. Die finstere Felsinsel, die stolz über
dem rauschenden Wasser aufragt, weit, weit weg von hier,
dort wo der lebensspendende Fluß Lena ins eisige Polarmeer
mündet — sie allein mag es wissen, doch sie wahrt das heilige
Geheimnis unerschütterlich...
Doch es kommt eine Zeit, da sich der Nebel lichtet und die
unverdient vergessenen Schatten wieder auferstehen.
Das Geheime wird offenbar. Die Zeit istgekommen, den lebenden
Zweibeinern davon zu berichten, jenen, die alles sehen, alles wissen
und verstehen wollen..."
Das  Roman-Poem ist das nachgelassene Werk des jakutischen Schriftstellers Ivan Gogolev. Es ist eine moderne Adaption zahlloser Legenden und Mythen der ostsibirischen Sacha, des östlichsten Türkvolkes.

In drei Teilen erzählt der Roman von der legendären Schamanin Kyrasa
und ihrer Suche nach neuer Heimat. Der weiße Schamane Baryylaach
und seine kleine Tochter Kyrasa fliehen vor dem Schwarzen Tod in den
unwirtlichen Norden. Als der Vater im Kampf mit dem Bärengeist ge-
tötet wird, muß sie allein in der Wildnis überleben. In der Begegnung
mit Menschen, Tieren und mythischen Wesen erkennt sie ihre Bestim-
mung als Schamanin. Kyrasa trifft auf den altgläubigen Mönch Foma,
dem sie in Liebe folgt und muß erleben, wie ihr Volk von den Steuer-
eintreibem des Zaren gedemütigt und ausgeplündert wird.
Ihr zweites Leben ist eine Parabel auf den Zusammenstoß zwischen in-
digenen Völkern und europäischen Eroberern. Kyrasa versucht als Phi-
losoph und Lehrer in einem mythischen Land die Ihren gegen die gold-
gierigen Eindringlinge zu führen.
Im drittem Leben ist sie Tochter armer jakutischer Bauern. Ihre Mutter
stirbt bei der Geburt, ihr Vater wird verhaftet. Kyrasa schlägt sich bis ins
Jakutsk der späten Stalinzeit durch, gerät in kriminelle Machenschaften
und landet im Gefängnis...
Von all dem erzählt sie den staunenden Zuhören am Ufer des Flusses,
dessen Wellen den gespaltenen Berg umtosen. Gogolev stellt die Frage,
wie zwei Kulturen friedlich und in gegenseitigem Respekt miteinander
leben und voneinander lernen können.

Ivan Gogolev-Kyndyl wurde 1930 als Sohn einer Lehrerfamilie in Vtlüj geboren. Nach seinem Studium am
Gorki-Literaturinstitut in Moskau war er ab 1954 für einige Jahre Redakteur heim Jakutischen Buchverlag,
später Lehrer für jakutische Sprache und Literatur an der Abendschule für werktätige Jugendliche in Po-
krovsk; sein Lehen widmete er seinem künstlerischen Schaffen.
Als 18-jähriger veröffentlichte Gogolev seine ersten Gedichte und schrieb von da an Werke in allen literari-
schen Genres. Seine Gedichte, Dramen, Romane und Libretti in jakutischer und russischer Sprache füllen
mehr als 50 Bücher. Von ihm geschaffene Lieder hielten Einzug in die jakutische Populärkultur. Nach
schwerer Krankheit starb Ivan Gogolev am 22. November 1998. Der vielfach ausgezeichnete Schrifftsteller
wurde unter großer öffentlicher Anteilnahme mit einem Staatsakt zu Grabe getragen.



Elke Windisch:
Zentralasien -Politische Reisereportagen
Afghanistan /Kasachstan /Kyrgystan /Tadschikystan /Turkmenistan /Usbekistan
2. überarbeitete Auflage
300 Seiten, frz. Br., € 18,80
978-3-935597-80-7
Immer noch sind die fundierten Informationen aus dem politischen und geografischen Raum zwischen Iran, Kaukasus bis zum Hindukusch spärlich gesät. Elke Windisch gehört zu den wenigen Berichterstattern, die nicht nur in der Lage sind, sich ohne Dolmetscher mit den Menschen in der Region zu verständigen und überzeugende politische Analysen zu liefern. Sie hat auch einen mitfühlenden Blick für die Opfer repressiver Regimes und einer scheinheiligen Politik des Westens. Allein oder mit ihrem Filmteam unternahm sie seit über 10 Jahren zahlreiche abenteuerliche Reisen durch die ehemaligen Sowjetrepubliken und Afghanistan. Die »rasende Reporterin« porträtiert mutige Frauen in Turkmenistan, moderne Piraten am Kaspischen Meer, islamische Untergrundkämpfer und afghanische Kriegsfürsten, Fischer am sterbenden Aralsee, Schatzsucher, deutsche Entwicklungshelfer und tadschikische Flüchtlinge im Kugelhagel zwischen den Fronten. Eingebettet sind die Geschichten in die Geschichte von den frühen Völkerwanderungen, den Eroberungen Alexander von Mazedoniens und der Araber, der Lehre Zarathustras und dem Kampf um soziale Gerechtigkeit, russischer und britischer Kolonialpolitik bis zu dem Machtgerangel zwischen den USA, Russland und der EU um Einflußsphären und Rohstoffe und nicht zuletzt den unbeherrschbaren »War on Terror«. Wer einen verständlichen und spannend geschriebenen Überblick über die Geschichte und Gegenwart der zentralasiatischen Länder bekommen möchte, ist mit Elke Windischs Reportagen bestens bedient.

INHALTSVERZEICHNIS:
Prolog
 

Teil I: Anahita, Ahura Mazda und Allah – der unerfüllte Traum von sozialer Gerechtigkeit
Die Akte Zarathustra
Die Achämeniden
Götterdämmerung im Lichtreich
Hyperborea: Das Land über dem Schneesturm
Grenzübergang »Freundschaft«
 

Teil II: Blaue Kuppeln und goldene Paradiesvögel - Im Land der tausend Städte
Buchara: Kalifen, Khane, Kaiser
»Ich schminke keine Leichen«
Alischers Paradiesvögel
Weiße Jurten und roter Sand
 

Teil III: Dornenpfad in die Moderne
Zurück in die Zukunft – nationale Emanzipation und historische Kontinuität
 

Teil IV: Königspoker am Meer der Chasaren – Energie
Es muss immer Kaviar sein
Hazar denizi – Das türkische Meer
Die Tankstelle der Zukunft
 

Teil V: Die Tränen Anahitas – Wasser
Tochtogul – Kirgisiens Rungholt
Teniz – die Wiedergeburt eines Meeres
Ein selten dämlicher Hund
Der weiße Fluch Choresmiens
Zeitbombe Karakalpakistan
Anahitas Rache
Hoffnung für Doschyak
 

Teil VI: Islamisten auf dem Vormarsch
Trommeln und Kalaschnikows
Auge um Auge, Zahn um Zahn
Eine typisch afghanische Biografie
Pulverfass Fergana-Tal
Schwarzer Tee hat mehr Kalorien
Das böse Erbe der Gottkönige
 

Teil VII: Schachroch am Hindukusch
Warten auf den Tod
Der kalte Frieden
Schnitt für Kabul
Heimkehr in ein fremdes Land
Bemetrinasa
Roter Mohn
Wild Card Playing
 

Teil VIII: Die unvollendete Revolution
Politische Physik
Die Nacht der langen Messer
Rosa Schnee
 

Epilog
Karten
Zeittafel
Personen- und Ortsregister




Kirkor Ceyhan
Ein Klopfen an der Tür
148 S., Br., € 18,00
978-3-935597-81-4
2015 jährt sich zum 100. Mal der Völkermord an den osmanischen Armeniern. Nicht nur für unseren Autor und seine Familie, für Tausende von Armeniern begann vor hundert Jahren ein unfassbarer Leidensweg in die Wüsten Syriens. Der erste Weltkrieg tobte in Europa. Verzweifelt kämpfte das Osmanische Reich einen Mehrfrontenkrieg und befand sich in Auflösung. Nachdem armenische Milizen begonnen hatten, an der Seite der Russischen Armee gegen die Osmanen zu kämpfen, ordnete die Regierung die ethnische Säuberung des Landes an – alle Armenier sollten aus dem Kernland deportiert werden. Der Bausoldat Simon, der Vater von Kirkor Ceyhan, und seine Familie entgingen diesem Schicksal zunächst, indem sie zum Islam konvertierten.
Eines Tages klopfte es dennoch an der Tür. Man hatte Simon denunziert, weil er Flüchtlinge bei sich versteckte, und schickte ihn mit seiner Familie auf den Weg nach Deir ezZor. Für Kirkor wurde dieses Klopfen an der Tür zum Sinnbild für das Leiden der türkischen Armenier. Kirkor Ceyhan, geboren 1926 in Zara, schreibt in einem Brief an eine befreundete armenisch-türkische Autorin: »Mein Leben ist umrankt von unglaublichen Abenteuern. Hätte ein anderer Adamssohn nur ein einziges davon erlebt, hätte es ihm das Rückgrat gebrochen und er wäre diesem Wahnsinn unrettbar zum Opfer gefallen. Ich aber beschreibe die Ranken als Schmuck.« In diesem Sinne hat er aus den Erzählungen seiner Familie einen halbdokumentarischen Roman geschaffen. Mit Empathie und einer gehörigen Portion Galgenhumor erzählt Kirkor Ceyhan die Abenteuer der Familie auf ihrem Leidensweg. Er wurde damit zum Vorbild für eine ganze Generation türkisch-armenischer Schriftsteller bei der Verarbeitung der lange verdrängten traumatischen Ereignisse. Kirkor vermeidet nationalistische Zuschreibungen und hält mit seinem Roman ein Plädoyer für individuelle Verantwortung und Moral, gerade auch in Zeiten des Krieges. REZENSION
Die Liebesgedichte des Klassikers der modernen türkischen Lyrik in Neuauflage:


Hikmet, Nâzim :
Das schönste Meer ist das noch nicht befahrene
Gedichte [zweisprachig] Aus dem Türkischen von Helga Dagyeli-Bohne und Yildirim Dagyeli
244 S., geb., € 19,90
978-3-935597-21-0
»Ich liebe dich, wie man Brot in Salz taucht und ißt,
wie ich den Mund an den Wasserhahn presse, um zu trinken,
         wenn ich nachts im Fieber erwache,
wie man ein schweres Paket mit unbekanntem Absender
        hastig, freudig erregt und argwöhnisch öffnet,
so liebe ich dich, als flöge ich zum ersten Mal im Flugzeug
                     über das Meer,
    .     so liebe ich dich, wie das sanft
in der Dunkelheit versinkende Istanbul,
.............das mein Innerstes rührt, so liebe ich dich,
        ..........Als wollte ich sagen: ›Gottlob, wir leben!‹
So liebe ich dich.«


Die aufrührerische Lyrik des Klassikers der modernen türkischen Lyrik in Neuauflage:

Nâzim Hikmet [zwspr]:
Die Luft ist schwer wie Blei
268 S., geb., € 19,90
978-3-935597-19-7
Die Sammlung umfasst vor allem die politischen Gedichte: Protagonisten des Kampfes gegen Unterdrückung, Fremdherrschaft und soziales Unrecht sind nicht die großen Männer, die »Geschichte machen«, sondern die chinesischen Kuli, die Republikaner in Spanien, japanische Kinder, deutsche Pfarrer und türkische Bauern.
 
Willkommen Baby,
       du bist zu leben an der Reihe,
dir lauern Diphterie auf, Keuchhusten, Schwarze Pocken,
.............Malaria, Tuberkoluse, Krebs und dergleichen mehr,
...... Arbeitslosigkeit, Hunger und dergleichen mehr,
ein Zug-, Bus-, Flugzeug-, Arbeitsunfall, Erdbeben,
.................Überschwemmung, Dürre und dergleichen mehr,
Schwermut, Trunksucht und dergleichen mehr,
.............Polizeiknüppel, Gefängnistor und dergleichen mehr,
....dir lauern die Atombombe auf und dergleichen mehr.
Willkommen, Baby,
   ...............   du bist zu leben an der Reihe;
dir lauern der Sozialismus auf, der Kommunismus und
dergleichen mehr

Hikmet mit S. Hermlin beim 3. Schriftstellerkongress der DDR
Die späten Exil-Gedichte des Klassikers der modernen türkischen Lyrik in Neuauflage:

Nâzim Hikmet
Eine Reise ohne Rückkehr
Gedichte [zweisprachig] aus dem Türkischen von Helga Dagyeli-Bohne und Yildirim Dagyeli
280 S., geb., € 19,90
978-3-935597-20-3
Das Leben ist eine Reise, in jeder Stätte ist Heimat. Die späte Lyrik Hikmets widerspiegelt seine Begeisterung über fremde Länder, vermischt mit der Ahnung des Todes und der Sehnsucht nach der verlorenen Heimat Türkei.
Welche Stadt gleicht dem Wein?
Paris.
du trinkst das erste Glas,
es schmeckt herb,
das zweite steigt dir zu Kopf,
beim dritten kommst du nicht mehr vom Tisch hoch,
Ober, noch eine Flasche!
Und schließlich, wo du auch bist, wohin du auch gehst,
bist du ein Trunkenbold aus Paris, mein Augapfel.
Welche Stadt
ist schön selbst im Dauerregen?

Paris…

Hikmets Sohn, in welcher Stadt möchtest du sterben?

In Istanbul,
Moskau
und in Paris…




Asim Bezirci
Nazim Hikmet
Leben. Werk. Kunst
Eine kritische Studie
Aus dem Türkischen von Helmut Flörchinger
232 S., br., € 16,90
978-3-935597-46-3
Asim Bezirci zeichnet den Lebensweg des bekanntesten türkischen Dichters nach: von den nationalistischen ersten Versen des Gymnasiasten aus gutbürgerlichem Hause, der sich bald zu Fuß auf den Weg macht, um sich den Befreiungsarmeen anzuschließen bis zum Kommunisten und Avantgardisten, der für seine Überzeugungen ins Gefängnis und Exil ging, ausgebürgert wurde, dessen Verse in aller Munde waren und zu Volksliedern wurden. Bezirci lässt an einem bewegenden Leben in einer bewegten Zeit teilhaben und liefert einen fundierten Zugang zu den Gedichten und den Umständen ihrer Entstehung. Weggefährten, Freunde und Feinde kommen zu Wort, in einem Langinterview erläutert Hikmet selbst seine Poetik. Ohne die Studie Asim Bezircis bliebe die Literaturgeschichte der Avantgarde des 20. Jahrhunderts lückenhaft.
.
In einer tief verschneiten Nacht
zerrte man mich vom Esstisch weg,
steckte mich in ein Polizeiauto,
schickte mich in einem Zug fort,
sperrte mich in ein Zimmer,
und so fing mein Abenteuer an
.
Asim Bezirci wurde 1927 in Erzincan als Sohn einer mittellosen Familie geboren und studierte in Istanbul türkische Sprache und Literatur. 1950 begann er für Zeitschriften zu schreiben. Aufgrund seiner Artikel wurden allein acht Strafverfahren gegen ihn eingeleitet, er selbst monatelang inhaftiert, bis er in allen Verfahren freigesprochen wurde. Ab 1955 widmete er sich gänzlich der Literatur und Literaturkritik. Er brachte die Werke zahlreicher türkischer Schriftsteller heraus, übersetzte europäische Autoren ins Türkische und übertrug Literatur der osmanischen Zeit ins Neutürkische. Asim Bezirci war im Vorstand der Schriftstellergewerkschaft und Mitglied des Friedenskomitees. Er starb am 2. Juli 1993 in Sivas, als ein islamistischer Mob das Hotel anzündete, in dem Schriftsteller, Verleger und andere Teilnehmer eines Festivals wohnten. Er hinterlässt ein Werk von 68 Büchern und ungezählten Zeitschriftenaufsätzen.

Orhan Veli Kanik
Fremdartig
zweisprachig: Gedichte, aus dem Türkischen von Yüksel Pazarkaya
Neuauflage
260 S., geb., € 19,90
978-3-935597-22-7
Das brodelnde Leben der Metropole Istanbul und mittendrin der traurige, der spöttische, der immer verliebte Bohémien und Nachtschwärmer Orhan Veli Kanik: ein aufmerksamer Beobachter und Zettelschreiber. Von 1949 bis 1950 gab er das literarische Blatt »Yaprak« heraus. Er und seine Freunde nannten sich die »Fremdartigen« und revolutionierten durch ihren lakonischen wie bissigen Stil die türkische Poesie. Orhan Veli, den Nâzim Hikmet einst seinen »kleinen Bruder mit dem löchrigen Herzen« nannte, wurde 1914 in Istanbul geboren und verstarb dort 1950 an den Folgen einer Gehirnblutung. Seine Gedichte sind jedoch bis heute populär und bestechen durch ihren Witz.

Birsen Coskun-Öztürk
Baustelle Istanbul
Stadterneuerung, Sanierung, Gentrifizierung im Stadtteil Beyoglu
200 S., zahlr.Abb., geb., € 22,00
978-3-935597-88-3
Seit etlichen Jahren ist auch die Metropole Istanbul von dem weltweit zu beobachtenden Trend zu Stadtumbau und Gentrifizierung erfasst. Insbesondere die historischen Stadtteile erleben einen Bauboom, der wenig Rücksicht auf gewachsene Strukturen und die Bedürfnisse der derzeitigen Bewohner nimmt. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen um die Räumung des Gezi-Parks im Bezirk Beyoglu 2013 warfen ein Schlaglicht auf die Probleme, die die kommerzielle Verwertung städtischen Innenraums hervorbringt. Die Stadtplanerin und Architektin Birsen Coskun-Öztürk hat lange in dem Viertel am Bosporus recherchiert und die Stadterneuerungsmaßnahmen und den Umgang mit der historischen Bausubstanz kritisch begleitet. Exemplarisch werden zwei aufgewertete Bauobjekte beschrieben, die Auswirkungen einer städtischen Politik, die auf Abriss ganzer Straßenzüge und Umsiedlung ärmerer Bevölkerungsschichten in Betonviertel setzt. Die Autorin macht Vorschläge für eine soziale und nachhaltige Stadtentwicklung, die der Monotonisierung und Gentrifizierung Istanbuls entgegenwirkt.

Zafer Senocak
Deutsche Schule
Roman
200 S., Gb., € 18,00
978-3-935597-85-2
Salih Bey wurde Anfang des vergangenen Jahrhunderts als junger Kadett von Istanbul nach Berlin geschickt, um in der Armee des Kaisers ausgebildet zu werden. Er verliebt sich und bleibt in Deutschland, als deutscher Offizier nimmt er am Ersten Weltkrieg teil.
„In der Lehranstalt wurden wir von deutschen Lehrern ausgebildet. Die Deutschen hatten sogar zugestimmt, dass die türkischen Offiziere nach Deutschland kommen und in der deutschen Armee einer Ausbildung unterzogen werden. Reichskanzler Bismarck hatte nur eine Bedingung: Osmanische Offiziere, die eine Ausbildung in der deutschen Armee antraten, mussten die deutsche Uniform tragen. Dies war für die Wahrung der Disziplin und Ordnung der deutschen Armee schlechterdings notwendig. Die Deutschen dulden keine Unordnung. In der deutschen Armee hätten osmanische Uniformen den gewohnten Anblick stören können. Disziplin kann nur dann herrschen, wenn Haltung, Benehmen und Aufzug harmonieren. Alles andere ist undenkbar. Auf dieser Grundlage ist die nationale Einheit der Deutschen aufgebaut. Des Deutschen Zucht und Ordnung, eigentlich Vorbild für alle Welt, hatte für das Osmanische Reich, das aus einem Vielerlei von Nationen bestand, eine besondere Bedeutung. Wir waren von der Neugier für Deutschland beseelt. Manch einer unter uns machte gar keinen Hehl aus seiner Verehrung für Deutschland. An jenem Tag waren wir mit der Morgensonne aufgestanden. Wir hatten uns zurecht gemacht und nahmen unsere Plätze vor dem Bahnhof in Haydarpasa ein, dessen Bau kürzlich von den Deutschen fertig gestellt worden war. Hier abfahrende Züge würden eines Tages sogar Bagdad erreichen.“
Nach dem verlorenen Krieg quittiert Salih den Dienst und wird Geschäftsmann. Sommer 1941: Salih, inzwischen sechzig Jahre alt und seine Frau Annette sind kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nach Istanbul ausgewandert. Bald darauf verstirbt seine Frau und Salih beginnt, seine Memoiren zu schreiben. Hitlers Armeen haben die Sowjetunion überfallen. Salih will als deutscher und türkischer Patriot den »alten Kameraden« helfen. In seinen Augen sind deutsche und türkische Interessen durchaus im Einklang. Die Sowjetunion muß geschlagen werden. Er erhofft sich dadurch eine Befreiung der Türkvölker vom sowjetischen Joch. Mit dem deutschen Botschafter, Franz von Papen, ist er befreundet. Doch die Nazis, die bei ihm ein und ausgehen, verhalten sich gegenüber seinem Angebot reserviert bis ablehnend. Salih gerät mitten in einem Spionagekrieg, der in der neutralen Türkei ausgetragen wird. Nur langsam begreift Salih, was in Deutschland vor sich geht. Seine politisch naive Haltung wird zunehmend auf die Probe gestellt. Als eine Freundin aus früheren Tagen, die Jüdin ist, auf der Flucht nach Palästina in Istanbul auftaucht, bricht Salihs Welt gänzlich zusammen. Er weiß, dass er vom türkischen Geheimdienst beschattet wird und beschließt sich zu stellen...
Link: Das Buch auf der Frankfurter Buchmesse 2012

Zafer Senocak, 1961 in Ankara geboren, wuchs in Istanbul und München auf. Er schreibt Bücher in deutscher und türkischer Sprache sowie essayistische Beiträge für Zeitungen und Rundfunk. Diese erscheinen in taz, Die Welt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurter Rundschau, Tagesspiegel, Rheinischer Merkur, Süddeutsche Zeitung sowie im Deutschlandradio, Deutschlandfunk und WDR. In den 1980er Jahren debütierte er mit Gedichten, für die er 1984 mit dem Literaturstipendium der Stadt München ausgezeichnet wurde. Weitere Gedichtbände, seine vielbeachteten Essaybände und vier Romane erschienen ab den 1990er Jahren. Seit 2004 veröffentlicht Senocak auch auf Türkisch. 2008 erschien der beim Dagyeli Verlag in deutscher Sprache Roman »Der Pavillon« (»Kösk« bei Alef Yaymevi /Istanbul). Zafer Senocak war »writer in residence« an verschiedenen renommierten amerikanischen Universitäten. Ein Portraitbuch über den Autor erschien 2003 in Großbritannien in der Reihe Contemporary German Writers. Senocaks Werke sind in mehrere Sprachen übersetzt worden; Ende 2008 erschien eine Auswahl seiner Gedichte in den USA. Zafer Senocak beschäftigt sich seit mehr als zwanzig Jahren mit deutsch-türkischer Mentalitätgeschichte und gilt als einer der profundesten Kritiker nationalistischer Ideologien.


Metin Kacan
Haselnuss 8
Roman
220 S., Gb., €18,80
978-3-935597-69-2
Käptn Meto auf Kaperfahrt durch den Ozean Istanbul.
Käptn Meto, Herr der schicken Wagen, Bändiger der 8-Zylinder, strandet in der harten Realität. Seine ewige Liebe weist ihn zurück. Meto verweigert sich der selbstzerstörerischen Beziehung zu Sevda, der reichen, verwöhnten Frau aus dem morbiden Istanbuler Großbürgertum, der Kokskönigin. Sevda rächt sich an ihrem Spielzeug. Käptn Meto, der Herzensbrecher, findet sich wieder im Knast. Seine wilden Phantasien sublimieren sich zu sufischer Gottesliebe.
Und draußen vor dem Gefängnistor wartet der rotweiße Malibu. Fahr los!

In »Haselnuss 8« feiert Metin Kacan das Scheitern. Tragik und Komik sind ein bizarres Zwillingspaar.
Die Sinnsuche in einer zerfallenden uesellschaft, der Wahnwitz der Postmoderne, die Paranoia des Bürgertums, diese Lektüre feit gegen die Untergangsszenarien konservativer Apologeten. Der Orient schlägt zurück. Türkischer Metrobeat und überdimensionierte amerikanische Benzinkutschen tanzen auf den Straßen des wuchernden Molochs Istanbul. Metin Kacan lacht den jammerlappigen Kulturpessimisten ins Gesicht. Punkrock vom Feinsten. Besser kann das Lebensgefühl des Istanbuler Prekariats nicht beschrieben werden.

Es war eine Clique,
bei der jeder den anderen
bis hin zu den Dreckflecken
auf der Unterwäsche, bis hin zu
deren Marke und Design kannte,
man sich aber Dritten gegen
über nichts anmerken ließ.
Der Name des allgemeinen
moralischen Verfall
der Vergiftung der sozialen
Beziehungen und der seelischen
Angeknackstheit war
Unabhängigkeit oder Freiheit.
Jeder Begriff wurde
vcrkehrtherum verstanden.
Auch absichtliche Verdrehungen
kamen vor. Aber die in die Luft
steigenden und im leeren Raum
miteinander anstoßenden Gläser
und die wie Zwillingsbabys
gewickelten Zigaretten
machten, daß niemand von
derartigen horizontalen
Übergängen Notiz nahm.

Metin Kacanwurde (15 November 1961 – 6 January 2013) Schon 1961 zog die Familie nach Istanbul, wo der Vater einen Friseurladen eröffnete. Kacan arbeitete als Autoschlosser, Zimmermann und Blechschmied und gründete mit 16 Jahren seine eigene Gang. Sein erster Roman Cholera Blues (im Original "Agir Roma") erschien 1990 und avancierte in der Türkei zum Bestseller.





Metin Kacan:
Cholera Blues
Roman aus Istanbul,
160 S.,  Br., €  14,50
978-3-935597-38-8
In einem der heruntergekommenen alten Istanbuler Viertel zu Beginn der 70er Jahre wächst der mutige, aber willensschwache Salih, Sohn des Friseur Ali auf. Während sein älterer Bruder Reco sich in die Welt der Comicromane flüchtet und sich als Zeichner dem Gott des Gekichers verpachtet, ist Salih fasziniert von der Eleganz und Coolness des Gangstertums. Als der Beschützer des Viertels, der ehrenwerte Arap Sado, von den »Krebstypen«, der neuen Mafia, die das Viertel unter ihre Kontrolle bringen will, ermordet wird, beschließt Salih, dessen Erbe anzutreten. Indes er seinem Ziel, Mythos der Straße zu werden, immer näher kommt und zudem bei der Edelprostituierten Tina landen kann, bahnt sich eine Familientragödie an. Selbst daß er das Monster von Cholera schnappen kann, bewahrt ihn nicht vor der Verzweiflung über seine drittklassige Rolle in einem Spiel ohne Hoffnung. Salihs Laufbahn in der Welt der Dealer, Mörder und Falschspieler mündet in eine Katastrophe.

Der autobiographische Roman löste in den neunziger Jahren in der Türkei einen Boom aus – verfilmt und in Musik umgesetzt, neunmal aufgelegt – schildert er das Leben in Istanbuls Innenstadtviertel Cholera.

Cumhuriyet:»Mit dem Titel ›Cholera Blues‹ erinnert Kaçan einerseits an die (türkische) Literatur, andererseits an die leidenschaftlichen Melodien der Roma. Dieses Buch, ganz und gar im Slang geschrieben, das selbst der Normalleser mit großer Leichtigkeit liest, macht uns mit ›Menschen außerhalb des Bauches‹ der Metropole bekannt. Armenier, Griechen, Juden, Zuwanderer aus Anatolien, die bunt zusammengewürfelte Gesellschaft mit ihren Gesetzen der Subkultur führt ein illegales Leben. Kaçan verstand es, mit einer illegalen Sprache, dem Slang, ein vollständiges Tableau zu zeichnen.«
Metin Kaçan wurde 1961 in Kayseri geboren. Im gleichen Jahr zog die Familie nach Istanbul, wo der Vater einen Friseurladen eröffnete. Kaçan arbeitete als Autoschlosser, Zimmermann und Blechschmied und gründete im Alter von 16 Jahren seine eigene Gang. Nachdem die letzten Mitglieder der Gang getötet wurden, begann er mit dem Schreiben. 1988 gab er mit Kurzgeschichten in der Zeitschrift »Mizah« sein literarisches Debüt. Sein erster Roman »Cholera Blues« (im Original »Agir Roman«) erschien 1990 und avancierte in der Türkei zum Bestseller. 1995 schrieb er das Drehbuch zu »Agir Roman«, der Film kam 1997 in die Kinos. Gemeinsam mit Kemal Aratan gab er »Istedikleri Yere Gidenler« Erzählungen von Straßenkindern über ihr Leben heraus. 1997 veröffentlichte er »Findik Sekiz« und 1999 »Harman Kaplan«. 2002 erschien der Erzählband »Adalara Vapur«. Metin Kaçan hat am 6.1.13 sein Leben beendet.


Anna Farouqi :
Weltreiche erblühten und fielen
650 Jahre Geschichte Rixdorfs und Neuköllns
Der Neukölln-Comic
Herausgegeben von Dr. Dorothea Kolland
120 S., Br., € 9,50
 978-3-935597-82-1

Rezension:
http://www.tagesspiegel.de/kultur/comics/weltreise-durch-neukoelln/1862552.html



Yorgos Valasiadis
Und über Tatavla fällt Schnee
 200 S., Gb., € 14,80
978-3-935597-71-5
Eine Zeitreise in die Stadt am Bosporus, die vor Jahrhunderten Konstantinopel hieß – das kosmopolitische Istanbul. Der autobiographische Roman des Istanbuler Rum, so heißt die griechischsprachige Minderheit, Yorgos Valasiadis, entführt uns in die Welt seiner Kindheit und Jugend, die Gassen von Tatavla der 1950/60er Jahre. Zwischen Rebellion und Rock’n Roll stellt er uns seine Familie, Freunde und Nachbarschaft vor: Vater Yannis, der in Uniform wie eine Vogelscheuche aussah und den Offiziersfrauen Pantoffeln a la Hollywood anfertigen musste, Großvater Kostas, der im Suff eine Polizeiwache überfiel, Patenonkel Antiochos, in dessen Lokal Atatürk ein- und ausging, die resolute Urgroßmutter Sultana, die das Brot für die Familie mit einer vorgetäuschten Schwangerschaft ergattert, den Schulfreund Restis, der den gestrengen Lehrer im Bordell erwischt, die jüdische Tante Rebecca, deren Bruder von deutschen Agenten während des Krieges ermordet wurde, Fischer, Wahrsager, Wasserträger… Mit einer an Aziz Nesin gemahnenden Schalkhaftigkeit und geradezu übersprudelnden Erzählfreude berichtet Yorgos Valasiadis vom Leben der Minderheit, von Migration und Integration und von der Schönheit des Lebens.
Yorgos Valasiadis, 1940 in Istanbul geboren, absolvierte 1960 das Zografion Gymnasium. Nach seinem Wehrdienst als Leutnant in der türkischen Armee, heiratet er und emigrierte 1965 nach Deutschland, wo er ein Fachhochschulstudium als Außenhandelswirt abschloss. Seit 1975 ist er deutscher Staatsbürger, lebt In Frankfurt/ Main und arbeitet für eine internationale Institution. Nebenbei lehrt er Iaido – die japanische Samuraischwertkunst, verfasst Haikus und schreibt Geschichten in griechischer, türkischer und deutscher Sprache. Seine Erzählungen erschienen in verschiedenen Anthologien, sein letzter Roman wurde zeitgleich in griechischer und türkischer Sprache publiziert.

»Kasachische Bibliothek«
Lassen Sie sich in eine faszinierende Welt
zwischen Nomadentum und Moderne entführen.
Kasachstan – das neuntgrößte Land der Erde im Herzen des eurasischen Kontinents scheint auf der geopolitischen wie literarischen Landkarte immer noch ein weißer Fleck. Und doch war Kasachstan ein Zentrum uralter Zivilisationen. Hier siedelten die Skythen, die das Pferd nach Ägypten und Europa brachten. Byzanz, Bagdad und die Rus schickten ihre Gesandschaften nach Otrar, der Hauptstadt des Kiptschakenreiches, die eine der größten Bibliotheken des Mittelalters beherbergte. Der Reichtum der Seidenstraßenmetropolen lockte die Heere des Chingis Khan an. Zahllos sind die Völker, die in den unendlichen Steppen und den hohen Bergen eine unvergleichliche Kultur hervorbrachten. Zahllos sind auch die Lieder und Legenden. Das Wort des Sängers galt stärker als das Schwert.
Seit dem 19. Jahrhundert Bestandteil des Russischen Imperiums, wurden in Kasachstan die Armeen Koltschaks und der britischen Invasoren geschlagen. Das Land war in der Stalinära ein Verbannungsort für Ungarn, Wolgadeutsche, Koreaner, Polen und Tschetschenen. Vielen von ihnen rettete die Gastfreundschaft der Kasachen in der rauhen Steppe das Leben.
Die »Kasachische Bibliothek« wird fortgesetzt:
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Berge, Steppe, Menschen, Vögel, Lieder. Eine populäre Stimme der kasachischen Dichtung. Lyrisch und wortgewaltig

Mukaghali Makatayev
Berge sind Legende
Gedichte, zweisprachig mit einem Nachwort von Mario Pschera
Aus dem Russ. von Walerija Weiser und Mario Pschera
200 S., geb., € 14,50
978-3-935597-52-4
Der kasachische Lyriker Mukaghali Makatayev (1931 – 1976) war zu Lebzeiten bekannt – berühmt wurde er nach seinem frühen Tod. Da waren schon Dutzende seiner Gedichte vertont und die ersten Bände veröffentlicht und übersetzt.
Stilistisch waren seine Gedichte und Poeme an Dante, Trakl, Rimbaud und Jessenin orientiert, sie griffen die Verlorenheit der Kriegskinder auf, huldigten einer überwältigenden Natur oder sinnierten über die Kleinheit menschlicher Existenz. Makatayev spottete über die Eitelkeit der Dichter und nahm sich selbst nicht davon aus. Selbst seiner Krankheit und dem nahenden Tod konnte er noch eine satirische Seite abgewinnen. Heute zählt er zu den populärsten Dichtern Kasachstans.

Mukaghali Makatayev (1931-1976)

Abdishamil Nurpeissow
Der sterbende See
»Kasachische Bibliothek«
Roman, Aus dem Russischen von Annelore Nitschke
ca. 580 Seiten, gebunden, € 29,90
978-3-935597-47-0
Der Roman des 1924 geborenen Abidshamil Nurpeissow nimmt die Tragödie des Aralsees zum Anlaß, über das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt zu sprechen, über Verantwortung und Schuld. Zwei Freunde aus Jugendtagen, Shadiger und Asim verlieben sich in die selbe Frau. Während Asim Bakisat verläßt und Karriere als Wissenschaftler macht, verzweifelt Shadiger am Verschwinden des Sees. Er beginnt, gegen den Fortschrittsglauben der Oberen zu rebellieren. Sein Widersacher ist ausgerechnet der aalglatte Asim, der zudem ein Verhältnis mit seiner alten Liebe, Shadigers Frau Bakisat beginnt. Die Dorfbewohner drängen Shadiger seine Ehre wiederherzustellen. Doch für Shadiger ist dieser Kampf längst ein Kampf um die Existenz seines Volkes geworden. In einer stürmischen Winternacht kommt es auf dem Eis des Aralsees zum Showdown.
Die ökologische Katastrophe des Aralsees ist das beherrschende Thema der mittelasiatischen Republiken und damit auch des populären Abdishamil Nurpeissow, dessen Werke seit den 70ern u.a. im Verlag »Volk und Welt« in deutscher Sprache publiziert wurden. Bereits in den 80er Jahren erschien ein von der Zensur beschnittenes Fragment des Romans. Das Thema ließ den Autor jedoch nicht los. Mehrfach ergänzte er den Text um Passagen, schärft seine Aussagen. Immer kompromißloser klagt Nurpeissow Karrierismus, Scheinheiligkeit und blinden Fortschrittsglauben an. Die letzte aktualisierte Fassung erschien 2005 in der Republik Kasachstan. Eine Verfilmung wird derzeit vorbereitet. Nurpeissows Roman gewinnt so Vorbildwirkung für eine engagierte Literatur gegen den banalisierenden Zeitgeist, in einer Welt, in der Profitstreben und Gleichgültigkeit die Grundlagen unserer Existenz bedrohen.

Muchtar Auesow
Aufstand der Sanftmütigen
»Kasachische Bibliothek« Erzählung, Aus dem Russischen von Eckhard Thiele
200 Seiten, gebunden, € 14,90
978-3-935597-48-7
1916 brodelt es im zaristischen Mittelasien. Der Zar hat, entgegen seiner Verpflichtungen, Befehl gegeben, junge Kasachen zum Kriegsdienst in der Etappe einzuziehen. Nach den alltäglichen Demütigungen, Landraub und Bevormundung bringt dieser Tropfen das Faß zum Überlaufen. Selbst der für seine Sanftmut gerühmte Stamm der Albaner wird von der Empörung erfaßt. Der quirlige Marktplatz im Karkaratal im Grenzgebiet zu Kyrgyzstan und China, auf dem Nomaden, Bauern und Händler aller Regionen aufeinandertreffen, wird zum Umschlagplatz von Neuigkeiten und wachsendem Unmut. Die Nomaden formieren sich zum Widerstand. Tausende von Reitern brechen gegen die zaristischen Obrigkeit und ihre Handlanger, die reichen Beis auf. Der Aufstand jedoch wird niedergeschlagen und die Aufständischen, die das folgende Blutbad überlebt haben, packen ihre Jurten und ihren Besitz zusammen und fliehen ins Ungewisse. Der Marktplatz bleibt verlassen zurück.
Muhtar Auesow wurde 1897 in eine kasachische Nomadenfamilie im Gebiet Semipalatinsk geboren. Sein Großvater brachte ihm die Liebe zum kasachischen Aufklärer und Nationaldichter Abaj nahe, sein Onkel schickte ihn in die städtische russische Schule. 1919 beendete Auesow das Lehrerseminar in Semipalatinsk, 1928 die Fakultät für Orientalistik in Leningrad. Er war einer der wenigen aus der kasachischen Intelligenz, die die stalinschen Säuberungen überlebten. Nach seiner Promotion in Taschkent war er ab 1946 Mitglied der kasachischen Akademie der Wissenschaften. Auesow schrieb seit 1917 Erzählungen, Theaterstücke und Romane und übersetzte die russischen Klassiker ins Kasachische. Er starb 1961 in Moskau.


Für den Interkulturellen Unterricht

Dayeli-Bohne:
Literatur im interkulturellen Sprachunterricht, Bd. I:
Eine literaturwissenschaftliche Analyse von Y. Kemals Werk, Sänger der Cukurova
 3-935597-40-1
299 S., Br., € 26,00
Im ersten Band stellt Helga Dagyeli-Bohne Leben und Werk des türkisch-kurdischen Schriftstellers Yasar Kemal vor ihrem literaturgeschichtlichen und politischen Hintergrund dar. Sein Werk ist geeignet, der Phantasie junger Menschen unbekannte Räume zu eröffnen und sich mit neuen Situationen und Lebensgewohnheiten vertraut zu machen. Kemals Romane beeindrucke vor allem durch die fulminante Beschreibung der Natur in ihrer ganzen Pracht und Fülle, aber auch in ihrem Schrecken. Farben, Formen, Motive und Symbole werden auf ihren mythologischen und sozialen Gehalt hin untersucht. Sie dienen als Spiegelbild der sozialen Verhältnisse einer sich verändernden bäuerlichen und nomadischen Welt.
Helga Dagyeli-Bohne wurde 1940 in Nürnberg geboren. Sie unterrichtete viele Jahre an einer Gesamtschule und promoviene zum Thema "Literatur im interkulturellen Sprachunterricht". Zusammen mit Yildirim Dagyeli übersetzte sie Werke zahlreicher Autoren aus dem Türkischen, darunter Näzim Hikmet, Sait Faik, Demir Özlü und Yasar Kemal.


Helga Dagyeli-Bohne
»Literatur im interkulturellen Sprachunterricht«
Bd. II: Literaturdidaktik und Projektarbeit
 3-935597-41-X
300 Seiten, kart., € 26,00
Spätestens seit Veröffentlichung der ersten PISA-Studie ist die Misere an deutschen Schulen kaum noch zu übersehen. Gerade in sogenannten »Problemvierteln« scheitern sie häufig an ihrem Bildungs- und Integrationsauftrag. Bereits zu Beginn der 90er Jahre führte Helga Dagyeli-Bohne in einer Nürnberger Schule mit hohem Migrantenanteil Schulprojekte zu interkulturellem Literaturunterrichtunterricht durch. Anhand des Werkes von Yisar Kemal wurden die Schüler an
Themen wie Multikukuralität und kulturelle Identität herangeführt. Die Autorin beschäftigt sich mit der Umsetzung in den Deutschunterricht. Vor dem Hintergrund eines Paradigmenwechsels in der Pädagogik werden im literaturdidaktischen Teil die theoretischen Grundlagen gelegt für die
sich anschließenden vier Unternchtsproiekte. Jedes Unterrichtsvorhaben wird genau dokumentiert; die im Kreativen Schreiben und im produkt- und handlungsorientierten Unterricht entstandenen Schreibentwürfe der Heranwachsenden werden anhand eines Evaluationsleitfadens
ausgeweitet. Kemals Werk erweist sich dabei nicht nur für interkuliurelles Lernen als sehr geeignet, sondern auch für das Lernen mit allen Sinnen, weil es grundlegende Menschheitserfahrungen ohne Begrenzung auf ein Land oder eine Nation in den Mittelpunkt stellt und von einer tiefen Humanität geprägt ist. In vielen Einzelheiten ermöglicht das Buch dem Leser nachzuvollziehen, wie Jugendliche im Unterricht sprachlich, literarisch und damit auch in ihrer Persönlichkeitsentwicklung dadurch gefördert werden, daß sie sich aktiv mit dem Werk des Autors auseinandersetzen. Sie schreiben z.B. einen Brief an den Autor, der beantwortet wird, lassen sich anregen zu eigenen Schreibversuchen, setzen Teile eines Romans in Hörzenen um, vergleichen Texte Kemals mit einem Paralleltext aus der Romantik sowie den Texten der Klassenkameraden. Die Autorin macht zahlreiche Vorschläge, wie man Lesefreude bei jugendlichen Lesern wecken bzw. erhalten, ihre
Motivation fördern und damit ihre Kompetenzen im Fach Deutsch verbessern kann. Wie wichtig gerade dies ist, haben uns die jüngsten Studien zur Lesekompetenz Jugendlicher drastisch vor Augen geführt. Der Band enthält zahlreiche Anregungen für den Literaturunterricht und fächerübergreifende Projekte. Das Werk Yasar Kemals, so wie es von der Autorin vorgestellt wird, ist in hohem Maße für den Unterricht geeignet, um Lernenden vor Augen zu führen, wie sinnstiftend die »Erzählung« Postmanscher Prägung sein kann, von der die Autorin zu Beginn ausgeht.

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Dagyeli, Yildirim:
Die Zeiten im Türkischen und die Konjugation [ 350 türkischer Verben ]
Br., € 12,80

  Yildirim Dagyeli

 

Elçin:
Das weisse Kamel
Roman, aus dem Aserbaidschanischen von Alpaslan und Gökalp Bayramli
226 S., gebunden, € 16,90
ISBN 3-935597-34-7

Für den kleinen Alekber, der einmal Schriftsteller werden möchte, bietet das Leben in einem Altstadtviertel Bakus zu Beginn des Zweiten Weltkrieges mit seinen skurilen Existenzen den Stoff für zukünftige Geschichten. Aus seinem Blickwinkel heraus eröffnet sich ein geheimnisvoller Mikrokosmos aus politischem Verrat und verbotener Liebe.

Elçin geboren 1943 in Baku, wurde Ende der 50er Jahre mit Erzählungen, Novellen und literaturkritischen Arbeiten bekannt. In der Breschnewära erhielt er zwei Jahre Schreibverbot. Elçin übersetzte auch klassische und moderne Weltliteratur in das aserbaidschanische Türkisch.





»Islam auf Sendung«
Islamische Fernsehprogramme im Offenen Kanal
Mit zahlreichen Abbildungen und Sendeverzeichnissen.
Herausgegeben von Anke Bentzin, Jeanine Elif Dagyeli, Ayfer Durdu und Riem Spielhaus
200 S., Br., €  14,80
978-3-935597-45-6
In den letzten Jahren wird viel über die Mediennutzung von Migranten in Deutschland gesprochen. Studien setzen sich mit der Rolle auseinander, die Satellitenfernsehen und Sendungen aus den Heimatländern für die migrantischen Gemeinden spielen und stellen die Frage nach deren Beitrag für die Integration in Deutschland. »Islam auf Sendung« beschäftigt sich mit Muslimen, die aktiv die Möglichkeiten des Mediums Fernsehen ausschöpfen, indem sie selbst Sendungen über ihre Sicht des Islam produzieren. Dies wiederum ist nur im Rahmen der Offenen Kanäle möglich. Offene Kanäle entstanden bei der Privatisierung des Fernsehens in verschiedenen Städten und Regionen der Bundesrepublik. Ziel dieser Offenen Kanäle war es, vor allem unterrepräsentierten gesellschaftlichen Gruppen einen Zugang zu Medien und zur Selbstdarstellung zu verschaffen. Obwohl bei der Konzeption nicht an Migranten und noch weniger an Muslime gedacht war, begannen diese die Offenen Kanäle intensiv zu nutzen. Mancherorts werden Offene Kanäle bereits vorrangig durch die in ihnen ausgestrahlten islamischen Sendungen wahrgenommen.
Die Autorinnen gehen Fragen nach der Sichtbarkeit des Islam in Deutschland, Selbstrepräsentation und Veränderungen innerhalb des muslimischen Diskurses nach, die durch die Nutzung des Mediums Fernsehen angestoßen werden. Anhand von Sendungen, die im Offenen Kanal Berlin zwischen 1998 und 2005 ausgestrahlt wurden, werden der Offene Kanal, muslimische Sendemacher, Sendeformate und -Inhalte dargestellt. Die Gestaltung islamischer Autorität im Fernsehen, islamische Binnenkommunikation und Zuschauerreaktionen sowie der Umgang mit der multilingualen islamischen Gemeinschaft in Deutschland und die daraus resultierende Sprachwahl für die Sendung werden analysiert. Das Buch zeigt die Vielfältigkeit der islamischen Diskurse in Deutschland: von Diskussionsrunden, vorgetragenen Lektionen und Predigten bis hin zu spirituellen Wegen zum islamischen Wissen. Interviews mit Akteuren und dem Offenen Kanal sowie teilnehmende Beobachtung runden das Bild ab.
Die Herausgeberinnen sind Islamwissenschaftlerinnen, die in verschiedenen Bereichen zum Thema Islam in Deutschland gearbeitet haben. Anke Bentzin und Riem Spielhaus sind als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen am Institut für Asien- und Afrikawissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin tätig. Jeanine Elif Dagyeli ist Verlegerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Orientwissenschaftlichen Zentrum der Martin-Luther-Universität Halle. Ayfer Durdu promoviert am Zentralasienseminar der Humboldt-Universität zu Berlin.

 
Nâzim Hikmet:
Yasamaya
Dair
Die markante Stimme des Hamburger Schauspielers 
Demir Gökgöls in elegant zurückhaltenden Jazz eingebettet:
Die seit langem beste Interpretation Hikmets.
 Yorum: Demir Gökgöl
[ In Fatih Akins Film »Gegen die Wand« 
spielt er den Vater von Sibel ]
  € 15,30
CD in türkischer Sprache [Rückseite]

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