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Seite 1
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LISTE DER JÜDISCHEN MINIATUREN
Hentrich & Hentrich Verlag
Berlin, Leipzig   Inh. Dr. Nora Pester
Capa-Haus, Jahnallee 61, 04177 Leipzig
Tel.: 0341-581 55 898, info@hentrichhentrich.de
... Reiseauftrag
Auslieferung: Medien Service Runge
Runge MSRTeam 4
Bergstraße 2,  33803 Steinhagen 
Tel. 05204-998-455, Fax -114
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LINK = Ausgewählte Backlist

Vorschau.: 
 Koschere Comics
Cohn-Scheune
 Koschere Küche
Bedrohliche Zeit
Jewish Theater:.Turin photos
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Ausgewählte Neuerscheinungen: =Vorschau HERBST/WINTER 2026/2027...........................  ..

Rita Ostrovska
Bruchstücke jüdischer Geschichte./Fragments of Jewish History
Fotografische Erkundungen fünf ukrainischer Schtetl  1989–2001
128 S., geb., zahlr.Fotos, € 27,00
978-3-95565-793-2
Von 1989 an bereiste Rita Ostrovska mehrere Kleinstädte im Südwesten der Ukraine und fotografierte dort eine im Verschwinden begriffene Welt: Bruchstücke jüdischen Lebens nach der Shoah und Jahrzehnten der sowjetischen Unterdrückung.
Dieser Band enthält über 150 künstlerische, teils bisher unveröffentlichte Fotografien, aufgenommen in den Schtetl Schargorod, Tschernewtsi, Mogilew-Podolsky, Berditschew und Berschad. Vier dieser Städte lagen während des Zweiten Weltkriegs im rumänisch besetzten ‚Gouvernement Transnistrien‘, wo es einem etwas größeren Anteil der jüdischen Bevölkerung gelang, den Holocaust zu überleben. Die Bilder zeigen das traditionelle jüdische Leben, das dort trotz Gewalt, Krieg und Antisemitismus fortbestand. Gegenübergestellt sind diesen Eindrücken Bilder, die die Künstlerin kurz vor ihrer eigenen Emigration im Jahr 2001 aufnahm, als bereits über drei Millionen Jüdinnen und Juden nach Israel, in die USA oder Deutschland ausgereist waren.
Rita Ostrovska geboren 1953 in Kiew, studierte an der Hochschule für Kinoingenieure in Leningrad (1971–1977), an der Hochschule für journalistische Studien in Kiew (1982–1983) sowie an der Kunsthochschule Kassel Visuelle Kommunikation (2003-2009).1993 wurde sie auf dem 1. Internationalen Fotofestival in Moskau als Fotografin des Jahres ausgezeichnet


Hanna Shay
Aufwachsen in bedrohlichen Zeiten.
Growing up in Threatening Times
Herausgegeben von Andrea Wittkampf mit Illustrationen von Simon Schwartz
Deutsch und englischer Text
304 S., geb., € 32,90
978-3-95565-781-9
Hanna Shay, geb. Herzberg, lässt in ihren Erinnerungen die Erfahrungen und Perspektiven eines jungen jüdischen Mädchens lebendig werden, das während der NS- Diktatur aufwuchs. Ihre Großeltern waren noch fest im Judentum verwurzelt, ihre Eltern hingegen überzeugte Sozialisten und Pazifisten. Nach der Machtübernahme durch die Nazis wurde die Familie aus Erfurt auf eine ungewisse Odyssee durch Europa gezwungen. Hanna berichtet von der Internierung im Durchgangslager Westerbork über Theresienstadt bis nach Auschwitz, wo Hannas Vater ermordet wurde, und von verschiedenen Zwangsarbeitslagern. Sie schildert detailliert die allmählich zunehmenden Entbehrungen, denen sie und ihre Familie ausgesetzt waren, sowie die Bedingungen in den Lagern. Darüber hinaus beschreibt sie das "Wiedererwachen" in der Nachkriegszeit nach ihrer Befreiung aus Mauthausen in Österreich am 5. Mai 1945. Später siedelten Hanna, ihre Schwester und ihre Mutter nach Kalifornien, wo Hanna 2003 verstarb. Ihre 1989 für ihre Nachkommen verfassten Erinnerungen teilt ihre Familie nun mit der Öffentlichkeit, ergänzt durch ein Nachwort ihrer Kinder, Familienfotos, erläuternde Dokumente, Illustrationen und historische Analysen.

Ben Gershon
Jewy Louis - Masal Tow
Witzige koschere Comics 2
64 S., , 100 Abbildungen., br., € 15,00
978-3-95565-746-8
Mit seinem zweiten Buch koscherer Comics führt der Cartoonist Ben Gershon durch das jüdische Jahr mit all seinen Feiertagen - vom jüdischen Neujahrsfest über Chanukka, Purim, Pessach und natürlich dem wöchentlichen Schabbat. Umgeben von Rabbinern, jüdischen Müttern und Antisemiten begegnet er auch dem größten Schlamassel mit einem Augenzwinkern. Alles klingt meschugge, aber Jewy Louis feiert das jüdische Leben. Die Comics von Jewy Louis erscheinen wöchentlich in der Jüdischen Allgemeinen sowie im Tachles Wochenmagazin in der Schweiz.


Igor Turin
Jewish Theater of the World
360 S., zahlreiche Abb., br., € 49,00
978-3-95565-792-5
Igor Turin has traveled the world documenting professional Jewish theaters. He covers both theaters in the Diaspora and the only Israeli theater that performs in Yiddish. The focus is on stages that preserve Jewish culture and tradition, engage with Jewish themes, identify as Jewish theaters, and operate professionally. The photographs capture representative moments from rehearsals and performances and offer insights into the artistic diversity of this theatrical world. Accompanying texts outline the history, development, key figures, and significant productions of each theater. It is the first comprehensive global documentation of all active professional Jewish theaters. Initiated from a personal impulse and shaped by the experiences of recent years, the project has developed into an impressive testament.
Igor Turin Dr., completed photographic training alongside his medical studies with the renowned photographer Rudolf Holtappel (Germany) and worked closely with him for several years. Since 1999, he has photographed at various theatres in Germany alongside his medical practice and is the author of numerous publications


Alex Jacobowitz
100+ Synagogen im Osten Europas
Deutsch/Englisch
800 S., geb., 1000 Abb., € 90,00
978-3-95565-786-4
Während der Shoah wurden Tausende Synagogen im Osten Europas zerstört, ihre Gemeinden ermordet. Auch nach dem Krieg wurden unter sowjetischer Vorherrschaft viele weitere Synagogen geschlossen oder beschlagnahmt. Weniger bekannt sind die Geschichten von Hunderten Synagogen, die überlebt haben. „100+ Synagogen im Osten Europas“  nimmt den Leser mit in zwanzig Länder, in denen diese Gotteshäuser– trotz aller Widrigkeiten – noch heute besichtigt werden können: vom beeindruckenden Wiener Stadttempel im Biedermeier-Stil bis zur Monasteriote-Synagoge der sephardischen Gemeinde in Thessaloniki, von Europas ältester, ununterbrochen genutzter Synagoge, der gotischen Altneuschul in Prag von 1270, bis zur einzigen aktiven Synagoge in Estland, die 2007 im skandinavischen Stil erbaut wurde. Vom Baltikum bis zum Balkan haben Synagogen aus dem Mittelalter, der Renaissance und dem Barock überlebt. Jede ist ein einzigartiges Zeugnis jüdischer Kultur in Albanien, Belarus, Bulgarien, Estland, Griechenland, Kroatien, Lettland, Litauen, Moldawien, Österreich, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, Slowenien, der Slowakei, Tschechien, der Ukraine, Ungarn und der Türkei.
Alex Jacobowitz Xylophonvirtuose, spezialisiert auf traditionelle jüdische Musik. 2002/2003 war er als Kantor für die jüdische Gemeinde Augsburg tätig.


Alex Jacobowitz
Synagogen im Osten Europas,
Kalender 5787/5788
18 Blatt, 29,5 x 21 cm (aufgehängt 42 cm lang) /36 Seiten, Spiralbindung und Aufhängeloch, € 19,00
978-3-95565-785-7
Der jahrhundertelange Kampf der Juden um Bürgerrechte in Osteuropa spiegelt sich bis heute in ihren Synagogen wider. Die Gemeinde der Prager Altneuschul von 1270 sicherte sich gegenüber dem König das Recht zu, ihre eigene Flagge hissen zu dürfen, die noch heute über dem Gotteshaus weht. Als die jüdischen Gemeinden Spaniens 1492 vertrieben wurden, war die sephardische Synagoge in Dubrovnik ein Leuchtturm für die Flüchtlinge, ebenso wie die osmanische Synagoge in Sofia von 1909, an deren Einweihung der König von Bulgarien teilnahm. Als die deutsche Wehrmacht 1941 die hölzerne Synagoge in Gwozdziec, Polen (heute Hvizdets, Ukraine), niederbrannte, ahnte niemand, dass 70 Jahre später eine Nachbildung der Synagoge – mitsamt ihren prächtigen religiösen Wandmalereien – von 300 Freiwilligen wieder aufgebaut werden würde. Jede der sechzehn in diesem Kalender 5787/5788, von September 2026 bis Dezember 2027,vorgestellten Synagogen steht für Generationen von Gemeinden im Osten Europas. Das Kalendarium enthält alle gesetzlichen Feiertage in Deutschland, die jüdischen Feiertage und Halbfeiertage sowie Platz für Notizen und Termine.


Lars-Broder Keil
Leopold Ullstein
Liberaler und Medienrevolutionär
80 Seiten, 20 Abb., Broschur,  € 8,90
978-3-95565-799-4
200. Geburtstag am 6. September 2026: Leopold Ullstein (1826–1899) ist eine der wichtigsten Verlegerpersönlichkeiten in der deutschen Mediengeschichte. Als Begründer des nach ihm benannten Zeitungs-, Zeitschriften- und Buchverlags in Berlin steht er für kreativen und erfolgreichen Journalismus, aber genauso für Unternehmergeist und Führungsstärke. Ullstein, der aus einer jüdischen Papierhändlerfamilie im fränkischen Fürth stammte, machte sich außerdem einen Namen als liberal denkender und sozial eingestellter Demokrat. Er attackierte Bismarcks Politik und kümmerte sich einige Jahre als Stadtverordneter um die Belange Berlins. Als Leopold Ullstein ins Mediengeschäft einstieg, war er bereits 50 Jahre alt. Schnell stellte sich der Erfolg ein, er war aber klug genug, seine fünf Söhne früh mit einzubeziehen.


Thomas Schinköth
Sina und Herman Berlinski
„Für immer …“  Zwei Musikerleben
80 Seiten, 20 Abb., Broschur,  € 8,90
978-3-95565-800-7
Sina Berlinski geb. Goldfein (1910–2011) und Herman Berlinski (1910–2001) wuchsen in Leipzig auf, wo sie am Landes- konservatorium für Musik studierten. Vielfältige Impulse verdankten sie dem Leipziger Kulturleben. 1933 flohen sie nach Paris. Dort setzten sie ihre Studien fort, unterrichteten, wirkten für ein Ballettensemble bzw. ein jiddisches Theater. 1941 gelang ihnen die Ausreise in die USA. Herman Berlinski fand als Organist, Chorleiter und Musikdirektor in New York und Washington ein vielseitiges Wirkungsfeld. Ihm lag die Erneuerung der Synagogenmusik am Herzen. Er schuf zahlreiche Kompositionen, darunter die Freitagabendliturgie Avodat Shabbat und 12 Orgelsinfonien. Sina Berlinski war Pianistin und Klavierpädagogin. Als Mitstreiterin des Baritons Todd Duncan konnte sie sich den langgehegten Wunsch erfüllen, Gesang und Klavierspiel zu verbinden. Die Stadt ihrer Kindheit und Jugend besuchten Herman und Sina Berlinski ab 1981 mehrmals. Der Leipziger Autor Thomas Schinköth schildert ihr Leben aus einer sehr persönlichen Perspektive.

Matthis Krischel, Silke Fehlemann, Benjamin Kuntz
Arthur Schlossmann
Sozialhygieniker – Gesundheitsaufklärer – Pionier der Säuglingspflege
104 Seiten, 20 Abb., Broschur,  € 10,90
978-3-95565-801-4
Arthur Schlossmann (1867–1932) war Wegbereiter der modernen Säuglingspflege und ein führender Vertreter der Sozialhygiene im Kaiserreich und der Weimarer Republik. Sein Wirken stand für eine Medizin, die Labor, Klinik und Gesellschaft zusammendachte. In Dresden gründete er 1898 das weltweit erste spezialisierte Säuglingskrankenhaus. Ab 1907 war er Professor für Kinderheilkunde an der Akademie für praktische Medizin in Düsseldorf, der Vorläufereinrichtung der heutigen Medizinischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität. Als Gründer des Vereins für Säuglingsfürsorge im Regierungsbezirk Düsseldorf kämpfte der Arzt und Sozialreformer für eine Senkung der Säuglingssterblichkeit. Nach dem Ersten Weltkrieg war er als Listenführer der Deutschen Demokratischen Partei Mitglied der verfassunggebenden preußischen Landesversammlung. Mit der Organisation der monumentalen Ausstellung für Gesundheitspflege, Soziale Fürsorge und Leibesübungen (GeSoLei), die 1926 in Düsseldorf stattfand, setzte er in der hygienischen Volksaufklärung neue Maßstäbe.Ein auf dem Gelände des Düsseldorfer Universitätsklinikums errichtete Denkmal erinnert bis heute an den „Retter der Kinder"


Leipzig - Momentaufnahme.
Das Fotoarchiv Mittelmann
Herausgegeben vom Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig
160 S., geb., zahlr.Fotos, € 24,90
978-3-95565-795-6
Ausstellung im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig bis 4. April 2027 Ein vergessener Schatz: Mehr als 2.000 Glasnegative wurden 1988 auf einem Leipziger Dachboden entdeckt, das Archiv von Abram Mittelmann. Der jüdische Fotograf lebte und arbeitet hier von 1909 bis 1938 mit seiner Familie. Wie viele seiner jüdischen Kunden war Mittelmann mit seiner Frau aus Russland eingewandert. Sie wurden ab 1933 verfolgt und um ihr Lebenswerk gebracht. Abram Mittelmann wurde ermordet. Erst 2022 erhielten Nachkommen die Fotos zurück. Die meisten Aufnahmen sind Porträts. Doch Leben und Schicksale, Leistungen oder Verstrickungen dieser Frauen, Männern und Kinder werden erst allmählich sichtbar. Dieses Buch zeigt Bilder und Biografien der Familie, ihrer häufig jüdischen Kundschaft oder Nachbarschaft. Dazu kommen Netzwerke der jüdischen und der Stadtgesellschaft und nicht wenige NSDAP- und SA-Mitglieder. Eine Entdeckung ist die Fotokunst des Sohns Eugen Leon Mittelmann. Er spezialisierte sich ab 1925 auf Porträts von Leipziger Bühnenkünstlern, schuf Fotoexperimente und Werbung. Neues Sehen und Alltagsbilder von Großstadt-Menschen ist beides: Zeugnis der Zeit um 1930. In Zusammenarbeit mit Nadia Vergne, Enkelin von Abram Mittelmann und Eigentümerin des Fotoarchivs, mit Beiträgen von Achim Beier | Friederike Degner | Rolf Sachsse | Johanna Sänger | Nadia Vergne.


Andrea Hopp
Wo die Vergangenheit wohnt
Die Historiker Michael Graetz und Fritz Stern.
Eine Verflechtungsgeschichte
356 S., br., zahlr. Fotos, € 24,90
978-3-95565-796-3
Wie hängen Heimat, Exil und Geschichtsschreibung zusammen? Dieser Frage geht die Autorin am Beispiel von Michael Graetz (1933–2018) mit vergleichenden Blicken auf Fritz Stern (1926–2016) nach. Ausgehend von einer Villa in Breslau/Wroclaw, die vor 1933 die Familien des israelischen und des US-amerikanischen Historikers zusammenführte, verknüpft sie (Familien-)Biografie und Historiografie. Der Bogen wird zurück in die deutsch-jüdisch-bürgerliche Lebenswelt der Vorfahren ihrer Protagonisten hin zu einer Erfahrungsgemeinschaft gespannt, verflochten durch frühen Verlust und Flucht infolge der nationalsozialistischen Vertreibung. Dieses Buch erhellt die ebenso heilsame wie schöpferische Kraft des Schreibens von Geschichte in neuen nationalen Kontexten und Denkräumen, stets in Verbindung mit einem bildungspolitischen Auftrag, ausstrahlend auf ihr Geburtsland und bei Michael Graetz, nach einem Aufwachsen im Transit und staatenlos, mit dem Rückhalt des gegründeten Staates Israel als Licht im Dunkel.
Andrea Hopp Dr. phil., ist Historikerin, Fellow am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin und am Buber-Rosenzweig-Institut der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Dort arbeitet sie seit 2025 am Forschungsprojekt „Synagogen-Gedenkbuch Hessen“ mit. Bis Anfang 2026 leitete sie den von ihr aufgebauten Standort Schönhausen der bundesunmittelbaren Otto-von-Bismarck-Stiftung.


Uwe Dziuballa
SCHALOM Kochbuch - Ein Gedanke lernt gehen!
168 S., geb., € 22,00
978-3-95565-723-9
Das SCHALOM Kochbuch ist weit mehr als eine Sammlung von Rezepten und Geschichten. Es ist eine Einladung, sich auf koschere Küche einzulassen - und authentisches jüdisches Leben in Sachsen aus erster Hand kennenzulernen. Wer die im Buch vorgestellten Gerichte nachkocht, begibt sich auf eine Reise durch Aromen und Gewürze, durch Traditionen und Geschichten, durch Festtage und Alltagsküche. Die Gerichte öffnen im Verbund mit Geschichten aus dem SCHALOM ein besonderes Fenster zu authentischer jüdischer Kultur. Und sie bieten die Gelegenheit, selbst Teil dieser Erfahrung zu werden - am eigenen Küchentisch, im Kreis von Familie und Freunden.


Antisemitismus in den Künsten
Eine Einführung
Herausgegeben von Stella Leder für das Institut für Neue Soziale Plastik
144 S., br., € 26,90
978-3-95565-788-8
Die Künste sind Orte der Imagination und übernehmen deshalb in der Geschichte und Gegenwart des Antisemitismus eine spezifische Funktion. Es sind die Künste, die antisemitische Bilder und Geschichten von Juden erfinden, die so prägend sind, dass sie die Existenz und Geschichte realer Juden überschreiben. Dieser Band führt in verschiedene Formen von Antisemitismus ein und fragt, wie diese sich in Geschichte und Gegenwart der Bildenden Künste, der Literatur, des Theaters und der Musik äußern. Auch aktuelle Debatten, die das Verständnis von Antisemitismus in der Kultur prägen, werden thematisiert. Er schließt mit praktischen Leitfäden für Kulturinstitutionen zu den Themen Veranstaltungsstörungen und Öffentlichkeitsarbeit. Damit liegt erstmals ein Grundlagenwerk vor, dass sich an alle wendet, die in künstlerischen Kontexten arbeiten und sich mit dem Thema Antisemitismus befassen möchten. Mit Beiträgen von Jakob Baier | Juliette Brungs | Ana Hoffner ex-Prvulovic* | Eva Marburg | Maria Kanitz und Lukas Geck | Steffen Klävers | Doron Rabinovici | Nike Thurn | Tina Turnheim | Tom David Uhlig


Dora Horn
Von der Liebe zu toten Juden
Ansichten einer gestörten Gegenwart
300 S., geb., € 28,00
978-3-95565-784-0
Warum übt ausgerechnet jüdisches Leiden – als Chiffre für die schlimmsten Übel der Welt – eine solche Faszination aus, während jüdisches Leben in der Gegenwart so wenig respektiert, ja, nicht selten als störend empfunden wird? Dara Horn geht dieser unbequemen Frage nach, und verbindet dabei so unterschiedliche Phänomene wie den globalen Kult um Anne Frank, das jiddische Staatstheater der Sowjetunion, die jüdische Geschichte der chinesischen Stadt Harbin und den wenig bekannten Lebensretter Hannah Arendts, Varian Fry. Mit klarem Blick verknüpft Horn Geschichten aus aller Welt mit Momenten aus ihrem eigenen Familienalltag: Wie erklärt man einem zehnjährigen jüdischen Kind Shakespeares Shylock? Warum empören Hakenkreuze auf Schultischen kaum jemanden? Und welche Kraft liegt in der jüdischen Tradition, im Gebet und im Lernen? Eindringlich arbeitet Horn die Lebendigkeit, Komplexität und Tiefe jüdischen Lebens heraus – gegen einen Antisemitismus, der – trotz allem „Nie wieder“ – erneut auflebt.
Anetta Kahane: „Dara Horn hat etwas ganz Außergewöhnliches zu Stande gebracht. Sie beleuchtet die innere Tiefe des Jüdischen, um zu beschreiben, wie absurd, einfältig und gefährlich der Antisemitismus ist. Klug, empathisch und brillant geschrieben.“


Gunda Trepp
Blinde Flecken des Westens
Medien, Moral und ein missverstandener Konflikt
180 S., geb., € 19,00
978-3-95565-789-5
Als am 17. Oktober 2023 eine Bombe auf dem Gelände des Al-Ahli-Hospitals in Gaza explodierte, machten Medien weltweit Israel verantwortlich – zu Unrecht, wie sich später herausstellte. Als erste Stimmen dem jüdischen Staat einen Genozid an den Palästinensern vorwarfen, übernahmen zahlreiche Zeitungen und Sender das Narrativ bereitwillig. Ausgewählte Experten bestätigten diese Sichtweise. Gegenpositionen tauchten kaum auf. Meinungen wurden zu Fakten. Wie entstehen Deutungen von Krieg – besonders im Nahen Osten? Warum setzen sich bestimmte Erzählungen so schnell durch? Und was geschieht, wenn Journalisten Komplexität nicht mehr abbilden, sondern sich anhand vermeintlich moralischer Kriterien entscheiden, was sie berichten und worüber sie schweigen? Rudolf Augsteins Maxime „Sagen, was ist“ scheint vielerorts durch „Zeigen, was wir fühlen“ ersetzt worden zu sein. Gunda Trepp ist ausgebildete Juristin und Journalistin. Sie lebt und arbeitet in San Francisco und Berlin und ist die Ehefrau des Rabbiners und Religionsphilosophen Leo Trepp (1913–2010).


Ines Sonder
1936
Deutsch-jüdische Stimmen aus Palästina im Jahr des Arabischen Aufstandes
360 S., br., zahlr.Abb., € 29, 90
978-3-95565-794-9
Vor 90 Jahren: Der Schriftsteller Arnold Zweig lebt auf dem Berg Carmel bei Haifa und hadert mit seinem Dasein in Palästina, der Architekt Erich Mendelsohn baut die Villen für Chaim Weizmann und Salman Schocken, der junge Ernst Loewy kommt mit der Jugend-Alija ins Land und ist von der kulturellen Atmosphäre in seinem Kibbuz enttäuscht, die Journalistin Gerda Luft berichtet als Palästina-Korrespondentin der Jüdischen Rundschau vom Tagesgeschehen und den Lebensbedingungen der deutsch-jüdischen Einwanderer. Sie alle – und auch die vielen anderen deutsch-jüdischen Stimmen, die hier zu Wort kommen – leben 1936 in Palästina und haben zum Teil ausführliche Berichte in Tagebüchern, Briefen und der Presse hinterlassen.
Ines Sonder Dr. phil., ist Kunsthistorikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien, Universität Potsdam.


Weitererzählen
Die Cohn-Scheune – Jüdisches Museum und Kulturwerkstatt
296 S., br., zahlr.Abb., € 26, 90
978-3-95565-461-0
Mit der Cohn-Scheune existiert ein aktiver Erinnerungsort, der über Jüdinnen und Juden informiert, die bis zu ihrer Vertreibung in Rotenburg und den umliegenden Gemeinden gewohnt und gearbeitet haben. Neue Erkenntnisse zu einzelnen Lebensgeschichten führen zum „Weitererzählen“ über lokale Begrenzungen hinaus und erweitern die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit und ihren Folgen in geographischer, biographischer und zeithistorischer Dimension. Im Zentrum der Beiträge stehen die Verfolgung und das Exil, das auch den beiden Cohn-Töchtern in Kolumbien bzw. in England das Leben rettete. Weitere Texte widmen sich dem Museum als Bildungsort, informieren über seine Geschichte und den Ausbau der Ausstellung, laden zur Reflexion über Religion, Kultur und Tradition ein und geben Einblicke in das vielfältige Veranstaltungsprogramm der Kulturwerkstatt. Der Band präsentiert umfangreiche Rechercheergebnisse, zahlreiche Dokumente und Fotografien aus Archiven und Privatbesitz sowie die kommentierte Ausgabe der Briefe von Gertrud und Hermann Cohn vom März 1939 bis zum Januar 1943 und autobiographische Texte von Hildegard Jacobsohn geb. Cohn.


Die Cohn-Scheune – Jüdisches Museum und Kulturwerkstatt
Fundstücke
Präsentationen verdrängter Geschichte(n)
220 S., br., zahlr.Abb., € 24,90
978-3-95565-798-7
Der Band versammelt ausgewählte Beiträge aus dem Veranstaltungsprogramm der Cohn-Scheune. Die Autorinnen und Autoren geben Einblicke in ihre Recherchen zu vergessenen Geschichten und verdrängter Geschichte. Fündig geworden sind sie in unterschiedlichen Archiven, in Entschädigungs- und Rückerstattungsakten, in autobiographischen Aufzeichnungen, persönlichen Dokumenten und Berichten, in Fotosammlungen und Alben, in Nachlässen und in wissenschaftlichen Publikationen. Sie befassen sich anhand einzelner Lebensgeschichten mit antisemitischer Verfolgung, behandeln auch die Täterseite, nehmen die Nachkriegsgesellschaft und ihren Umgang mit den NS-Verbrechen in den Blick. Mit diesen Fundstücken soll ein Beitrag zur Weiterentwicklung einer mündigen Erinnerungskultur geleistet werden. Dazu gehört es, nicht nur gründliche Kenntnisse zu vermitteln und Aufklärung zu leisten, sondern emotionale Anteilnahme, politische Erkenntnis und auch die moralische Bewertung des Unrechtgeschehens zu ermöglichen.
Mit Beiträgen von Johanna Amthor | Wolfgang Benz | Wolfgang Dörfler | Adriane Feustel Stephanie Habel | Hiltrud Häntzschel | Inge Hansen-Schaberg | Alfred Hoffmann | Lisa Hoppe und Nico Delpy | Kathrin Kleibl | Claudia Koppert | Matthias Loeber | Lior Oren | Almuth Quehl | Sylke Schumann | Klaus Volland | Manfred Wichmann


Rabbi Walter Rothschild / Joyce Rothschild / Rabbi Sylvia Rothschild
„Sans Papiers“
A Biography of Landgerichtsrat Walter Fritz Rothschild (1890–1950) and his Family
1400 S., geb., € 49,00
978-3-95565-768-0
This is a Family Chronicle, reflecting the German Jewish experience of the 20th century. Walter Rothschild was born 1890 into
an established and prosperous family in Hannover – his father Julius had worked his way up from Dorfjudentum to become a
government adviser. Walter studied at German universities, fought for the Kaiser and became a judge – until the world changed again in 1933. Following ‘internal exile’ and maltreatment in Dachau he was able to flee, stateless and increasingly paraplegic,
to Switzerland. His son Edgar had been sent abroad for his own safety and arrived in England just before War broke out. Walter’s main desire was to stay in contact with his son, whose own adolescent and youthful ambitions were also affected by the conflict and the post-war situation. Discovery of several caches of documents has enabled us to trace a lot of the story – though gaps remain – of our family from Germany to Switzerland and England. 

Yaron Lischinsky
Glimpses from the Life of a Peacemaker
Augenblicke aus dem Leben eines Friedensstifters, Deutsch/Englisch
mit Texten von Andrew Burrows | Noa Ginosar | Hanan Lischinsky | Yu
Matsuda | Ron Prosor | Zineb Riboua | Catherine Szkop
152 S., geb., 100 Abb., € 27,00
978-3-95565-791-8
Yaron Lischinsky, israelischer Botschaftsmitarbeiter mit deutschen Wurzeln, wurde am 21. Mai 2025 im Alter von nur 30 Jahren vor dem Capital Jewish Museum in Washington D.C. zusammen mit seiner Verlobten Sarah Milgrim von einem antisemitischen Terroristen erschossen. Der Tod des jungen Paares löste weltweit Entsetzen aus.Obwohl er in Deutschland aufwuchs, waren Yarons Leben und Werk eng mit Israel und der israelischen Gesellschaft verbunden. Dieser Bildband vereint im Gedenken an Yaron sein fotografisches Talent mit persönlichen Essays von Freunden, Kollegen, Mentoren und Menschen, die von ihm beeinflusst wurden. Die Kombination seiner Fotografien von Orten, an denen er lebte und arbeitete, wie Washington D.C. und Jerusalem, mit persönlichen Reflexionen beleuchtet Charakter, Werte und Weltsicht eines begabten Diplomaten.


Sven Trautmann-Meincke, Gabriele Goldfuß
Leipzig
Der Verband ehemaliger Leipziger in Israel
und die Vereinigung ehemaliger Leipziger in New York
128 S., br., zahlr.Fotos, € 16,00
978-3-95565-782-6
Nach der Schoah entstanden vor allem in Israel, aber auch in anderen Ländern, einzigartige landsmannschaftliche Zusammenschlüsse jüdischer Überlebender. Trotz ihres großen Einflusses auf das Gemeinschaftsleben und ihre vielfältigen Aktivitäten sind diese Vereinigungen bislang kaum erforscht.
Leipziger Überlebende gründeten zunächst in New York die in den 1940er- und 1950er-Jahren aktive „Vereinigung ehemaliger Leipziger“ (Leipziger Jews BenevolentAssociation). 1953 folgte in Israel der „Verband ehemaliger Leipziger in Israel“ (Associationof Former Leipziger in Israel). Die Publikation stellt erstmals die Akteurinnen und Akteure in diesen Vereinigungen und ihre Verdienste um das Gedenken an die Ermordeten vor. Sie beleuchtet unter anderem das von ihnen gegründete Altersheim (Elternheim), das Mitteilungsblatt sowie weitere umfangreiche soziale und erinnerungskulturelle Aktivitäten. Zudem werden die erneute Annäherung an die Stadt Leipzig nach der Friedlichen Revolution und die Beiträge dieser Zusammenschlüsse zur deutsch-israelischen Verständigung aufgezeigt.
Sven Trautmann-Meincke wurde 1989 in Leipzig geboren und studierte Politikwissenschaft sowie Afrikanistik in Leipzig und Stellenbosch (Südafrika). 2020 wurde er mit einer Arbeit über internationale Organisationen promoviert. Er arbeitet als Referent im Referat Internationale Zusammenarbeit der Stadt Leipzig und ist unter anderem für die Städtepartnerschaft zwischen Leipzig und Herzliya (Israel) zuständig. Seit 2013 organisiert und betreut er das Leipziger Besuchsprogramm für jüdische Nachfahren. Neben seiner Tätigkeit bei der Stadt Leipzig recherchiert und schreibt er zu Themen sowie Personen der jüdischen Geschichte Leipzigs.
Gabriele Goldfuß studierte Philosophie, Sinologie und Theologie in Tübingen, Beijing und Paris. Sie wurde im Fachbereich Sinologie promoviert und war ab 1994 Dozentin an der Universität Leipzig. Seit 2001 ist sie Leiterin des Referats Internationale Zusammenarbeit der Stadt Leipzig und zuständig für das europäische und internationale Engagement der Stadt Leipzig, die Städtepartnerschaften, kommunale Entwicklungszusammenarbeit und das Leipziger Besuchsprogramm für jüdische Nachfahren sowie die Betreuung dieses Netzwerkes.

Sven Trautmann-Meincke, Gabriele Goldfuß
Leipzig
The Association of Former Leipziger in Israel
and Leipziger Jews Benevolent Association in New York
128 S., br., zahlr.Fotos, € 16,00
978-3-95565-783-3
After the Shoah, unique region-based associations of Jewish survivors emerged, primarily in Israel but also in other countries. Despite their significant influence on community life and their diverse activities, these associations have received little scholarly attention.Survivors from Leipzig first founded the Leipziger Jews Benevolent Association in New York, which was active in the 1940s and 1950s. This was followed in 1953 by the “Association of Former Leipziger in Israel” (VerbandehemaligerLeipziger in Israel). This publication presents, for the first time, the key figures in these Associations and their contributions to commemorating the victims. Among other things, it highlights the old age home (Elternheim) they established, the news bulletin (Mitteilungsblatt) they published, and other extensive social and remembrance-related activities. It also examines the renewed connection to the City of Leipzig following the Peaceful Revolution and the contributions to the German-Israeli relations.


Joachim Schlör
Brückenallee 33
Eine Heimatvorstellung. A Concept of Home
Deutsch/Englisch
420 S., geb., € 35,00
978-3-95565-797-0
Im Mittelpunkt des Buches steht ein Haus, das es nicht mehr gibt. Die Brückenallee 33 in Berlin-Tiergarten wurde 1892 erbaut, im Krieg 1943 zerstört und die Ruine für den Bau des modernen Hansaviertels 1957 abgetragen. Zu seinen Bewohnern zählte neben dem Leibarzt des Kaisers, dem Generaloberst von Moltke und dem Künstler Hermann Struck auch – im dritten Stock – die Familie Freudenheim. Der Patriarch Simon Freudenheim hatte seine Söhne von Samter bei Posen nach Berlin in den Holzhandel geschickt, sein Sohn Leopold bezog die Wohnung 1904 und schrieb die Geschichte seiner Familie „nach Berlin hinein“. Trotz der kurzen Zeit, die man dort bis 1926 verbrachte, blieb die Brückenallee der zentrale Bezugspunkt in der Familienerinnerung, die Leopolds Sohn Ernst Freudenheim auf dem Weg in die Emigration – „aus Berlin hinaus“ – für die nachfolgenden Generationen aufschrieb. Im Dialog der Generationen entsteht ein Bild davon, was Heimat bedeutete, wie sie verlorenging, und wie sie erinnert wird.
Joachim Schlör Kulturwissenschaftler, ist Professor Emeritus für jüdisch/nichtjüdische Beziehungsgeschichte an der Universität von Southampton. Zu seinen Forschungsthemen gehören die Stadtgeschichte, die Kulturgeschichte der Migration und die Widerspiegelung individueller Erfahrung in persönlichen Dokumenten wie Briefen, Tagebüchern.

Rabbiner David Zwi Hoffmann
Der Schulchan Aruch und die Rabbinen
über das Verhältnis der Juden zu Andersgläubigen
Herausgegeben von Rabbiner Moshe Baumel und dem Rabbinerseminar zu Berlin
228 S., br., € 22, 00
978-3-95565-790-1
Diese überarbeitete und edierte Neuauflage des 1894 veröffentlichten Meisterwerkes von Rabbiner David Zwi Hoffmann (1843–1921), dem 2. Rektor des Rabbinerseminars zu Berlin, gibt einen detaillierten Einblick, wie die Lehren des Talmuds und bedeutender rabbinischer Autoritäten von Wissenschaftlern systematisch verdreht wurden, um antisemitische Stimmungen im Deutschen Kaiserreich zu schüren. Rabbiner Hoffmann analysiert akribisch zentrale Passagen aus dem Talmud und anderen rabbinischen Texten und widerlegt dabei die falschen Darstellungen, mit denen jahrhundertelange Verfolgungen des jüdischen Volkes gerechtfertigt wurden. Unter Einbeziehung sowohl rabbinischer als auch christlicher Quellen zeigt der Autor, dass der Talmud in Wirklichkeit Toleranz, Mitgefühl und Respekt für alle Menschen lehrt, unabhängig von deren religiösen Überzeugungen. Dieses Buch vermittelt ein differenziertes Verständnis des Talmuds und seiner Lehren und bietet eine wertvolle Quelle für alle, die religiöse Intoleranz bekämpfen und den interreligiösen Dialog fördern wollen.
Rabbiner Moshe Baumel ist in Vilnius geboren und in Berlin aufgewachsen. Er lernte an der Yeshiva Shaarei Torah in Manchester und bereitete sich dort auf das Rabbinat Studium am neu gegründeten Rabbinerseminar zu Berlin vor, das er in der Folge besuchte. Nach der Ordination zum Rabbiner war er ab August 2010 zwei Jahre lang als Jüdischer Leiter des Gymnasiums der Zwi-Peres-Chajes Schule der Israelitischen Kultusgemeinde Wien tätig. Parallel zu seiner Tätigkeit als Jüdischer Leiter der Schule absolvierte er ein Studium an der Universität Wien, welches er mit einem B. A. und M. A. in Judaistik und Geschichte abschloss. Im Sommer 2012 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde Gemeinderabbiner der jüdischen Gemeinde Osnabrück. Nach zwei Jahren in Osnabrück entschied er sich, das Rabbinats-Studium zu vertiefen. In Manchester lernte er zwei Jahre lang bei Dayan Jakov Oscher Westheim rabbinische Praxis und wurde anschließend mit dem Prädikat „Jadin Jadin“ zum Dajan (rabbinischer Richter) ordiniert. 2015 wurde er zum Gemeinde-Rabbiner der Israelitischen Gemeinde Basel gewählt. 2019 promovierte er an der Universität Basel mit einer Dissertation zur „Einheitsgemeinde“. 2024 veröffentlichte er eine neue deutsche Übersetzung des Traktats Megilla des Babylonischen Talmuds. Zudem ist er seit 2022 als Rosh Beit Midrasch des Rabbinerseminars zu Berlin tätig.


Mandy Gehrt
Mapping a Memory
Kartographie einer Erinnerung
You are looking at one
Deutsch/Englisch
328 S., br., zahlr. Fotos, € 32,00
978-3-95565-779-6
Ausgehend von einem übersehenen Gedenkort in Markkleeberg imLandkreis Leipzig folgt die Künstlerin Mandy Gehrt den Spuren derHolocaustüberlebenden Dr. Zahava Szász Stessel bis in die VereinigtenStaaten der Gegenwart. Als 13- und 14-jährige ungarisch-jüdischeMädchen überlebten sie und ihre Schwester Auschwitz und das KZ-Außenlager von Buchenwald in Markkleeberg. Nach der Befreiung führten ihre Wege über Ungarn, Deutschland und Zypern bis nach Israel und New York.
Auf Reisen zu den Stationen dieser Nachkriegsgeschichte fotografierte Mandy Gehrt Gedenkorte, Gebäude, Landschaften und andere Spuren der Vergangenheit. Die Bilder werden ergänzt durch Gespräche mit Zahava Szász Stessel, Erinnerungen aus ihrem Buch „Schneeblumen“, Begegnungen mit Angehörigen, Fachleuten undzufälligen Wegbegleitern sowie durch Recherchen in Archiven und Literatur. So entsteht eine Kartographie der Erinnerung, die diese nicht als abgeschlossen betrachtet, sondern als Bewegung begreift. Das Buch erzählt von Flucht, Neubeginn, Bildungswegen und Selbstbehauptung – und von der Frage, wieÜberlebende nach 1945 weiterlebten, lernten, studierten, arbeiteten, schrieben und ihre Geschichte gegen das Vergessen behaupteten.
Mandy Gehrt lebt und arbeitet als bildende Künstlerin und Kunstvermittlerin in Leipzig. Sie studierte Kunstpädagogik an der Universität Leipzig, Druckgrafik in Oslo und Medienkunst an der Hochschulefür Grafik und Buchkunst Leipzig. Ihre Arbeiten wurden international gezeigt; Stipendien führten sie u. a. nach Weimar, Kairo und New York.Im Zentrum ihrer künstlerischen Forschung stehen NS-Geschichte, DDR-Vergangenheit und Familienbiografien.


Abdel-Hakim Ourghi, Johannes Twardella
Islamischer Antisemitismus in der Schule
Theorie und Vermittlungspraxis
144 S., br., € 22, 00
978-3-95565-787-1
In den letzten Jahrzehnten ist eine neue Form von Antisemitismus in Erscheinung getreten: der islamische Antisemitismus. Er ist auch bei Kindern und Jugendlichen anzutreffen. Beeinflusst durch ihre Familien, das soziale Umfeld, Fernsehen und die sozialen Medien tragen sie ihn in die Schule, wo er zu einem erheblichen Problem wird, nicht zuletzt für jüdische Schülerinnen und Schüler. Statt Verschweigen und Wegsehen bedarf es dringend wirksamer Strategien, um islamischem Antisemitismus an Schulen entgegenzuwirken. Was ist unter koranischem Antijudaismus zu verstehen?Was besagt der Begriff der Judenfeindschaft? Was kennzeichnet den islamischen, was den israelbezogenen Antisemitismus?Was ist Palästinaphilie? Diesen und weiteren Fragen widmen sich die Autoren dieses Bandes. Sie bieten realitätsnahe und zukunftsorientierte didaktische Konzepte, die als Anleitung für Lehrende aller Fächer dienen können und die zeigen, wie die Schule mitislamischem Antisemitismus umgehen und sich vor ihm schützen kann.
Abdel-Hakim Ourghi ist Leiter des Fachbereichs Islamische Theologie und Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Er gilt als Vertreter eines liberalen und aufgeklärten Islam im deutschsprachigen Raum. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte des frühen Islam, die Hermeneutik des Koran, die islamische Reformbewegung und der islamische Antisemitismus. Zu seinen jüngsten Publikationen zählen: „Die Juden im Koran. Ein Zerrbild mit fatalen Folgen” und „Die Liebe zum Hass. Israel, 7. Oktober 2023”.
Johannes Twardella studierte Germanistik, Sozialkunde und Philosophie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main und an der Universität Münster. Er promovierte mit einer soziologischen Arbeit über den Koran und habilitierte sich in Erziehungswissenschaften mit einer Arbeit auf dem Gebiet der qualitativen Unterrichtsforschung. Er ist Lehrer an einem Frankfurter Gymnasium und Privatdozent an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Seine Forschungsinteressen liegen auf dem Gebiet der Unterrichtsforschung, der Professionsforschung, der Soziologie des Islam sowie der Pädagogik des Islam. Zuletzt ist von ihm erschienen: „Islam und Pädagogik. Zur Position des Lehrers im Islam“.


Vom Taunus in die Welt
Lebenswege der Familie Hirsch
Herausgegeben von Angelika Rieber in Zusammenarbeit mit dem Geschichts- und Heimatverein Wehrheim
206 S., br.,zahlr. Abb., € 22, 00
978-3-95565-780-2
Ausgehend von der jüdischen Familie Hirsch aus Wehrheim erzählt „Vom Taunus in die Welt“ die Geschichte eines Aufbruchs von einem Dorf im Taunus in die hessischen Mittelstädte, nach Frankfurt am Main und ganz Deutschland, und verknüpft damit Lokalgeschichte mit gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen. Die Biografien der Hirschs berichten vom sozialen Aufstieg und den gesellschaftlichen Veränderungen seit dem späten 19. Jahrhundert, bis die nationalsozialistische Verfolgung das friedliche Zusammenleben gewaltsam beendete. Einige der hier vorgestellten Jüdinnen und Juden wurden zur Flucht nach Europa, Nord- und Südamerika sowie Afrika gezwungen, während andere deportiert und ermordet wurden. Besonderes Augenmerk gilt dem Prozess der „Arisierung“ und dem Verhalten der Beteiligten. Auch die dörfliche Gemeinschaft in Wehrheim vor, während und nach der NS-Zeit und die Rolle des dortigen NS-Bürgermeisters werden in den Blick genommen. Die Schilderungen von Nachkommen der Familie Hirsch über die Spurensuche in der früheren Heimat ihrer Vorfahren gewähren einen Ausblick auf die
Erinnerungsarbeit der Zukunft.

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Mit eigener Stimme
75 Jahre Zentralrat der Juden in Deutschland
220 S., geb., € 26, 90
978-3-95565-755-0
Dieser Band dokumentiert die bundesweit einzige Ausstellung zum 75-jährigen Bestehen des Zentralrats der Juden in Deutschland. Die Themen der Schau reichen von juristischen und organisatorischen Fragen der Gründungszeit („Wiedergutmachung“) über erinnerungspolitische Kontroversen der 1980er und 1990er Jahre, die mit R. W. Fassbinder und M. Walser verbunden waren, bis hin zu den Reaktionen auf antisemitische Inhalte der documenta fifteen. Herausgearbeitet wird, wie der Zentralrat für die Formung und Verteidigung demokratischer Grundwerte eintrat, als Anwalt des Grundgesetzes handelte. Ziel des Projekts ist es, die Verdienste des Zentralrats für die jüdische Gemeinschaft zu würdigen und zugleich seine Bedeutung für die demokratische Entwicklung der bundesrepublikanischen Gesellschaft herauszustellen. Die Ausstellung veranschaulicht auch das Spektrum lebendiger Kultur und gesellschaftlichen Engagements, das durch den Zentralrat gefördert wird. Aktionsfelder sind u. a. Sport, Kampf gegen Antisemitismus, Dialog zwischen den Religionen, aber auch Pop-Kultur, wie der mitreißende Musik- und Tanzwettbewerb „Jewrovision“ für junge Jüdinnen und Juden.


Mascha Malburg / Joshua Schultheis
Worüber Juden reden
Zehn Gespräche aus Deutschland
112 S., br., € 24, 90
978-3-95565-758-1
Juden sind meist nur zu bestimmten Anlässen in der deutschen Öffentlichkeit präsent. Etwa dann, wenn der NS-Verbrechen gedacht wird oder die politische Lage in Nahost eskaliert. Die Realität jüdischen Lebens erscheint dadurch verzerrt. Wer wissen will, was Juden wirklich beschäftigt, wie sie auf sich selbst und dieses Land blicken, muss ihnen zuhören, wenn sie miteinander sprechen. Die Redakteure der „Jüdischen Allgemeinen“ Mascha Malburg und Joshua Schultheis haben jeweils vier Juden für zehn Gespräche zusammengebracht: Juden, die aus der Ukraine und Russland emigriert sind, und Juden, deren Familien seit Generationen hier leben. Juden aus New York oder Tel Aviv, die in Berlin eine Heimat gefunden haben, und Juden, die ihre ostdeutschen Städte nicht der AfD überlassen wollen. Aschkenasische und misrachische, queere und patrilineare Juden. Gemeinsam bilden die Interviews ein einzigartiges Kaleidoskop der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland.


Elizabeth Rosner
Jenseits dieses Waldes / Beyond This Forest
Gedichte / Poems
deutsch / englisch
194 S., br., € 19,90
978-3-95565-754-3
Elizabeth Rosner ist eine der wichtigsten Stimmen der Zweiten Generation in den USA. Ihr Vater, ein deutscher Jude aus Hamburg, war Überlebender des KZ Buchenwald, ihre Mutter, eine polnische Jüdin, überlebte das Ghetto von Wilna. Nach der Befreiung wanderten sie in die USA aus. In „Jenseits dieses Waldes“ verarbeitet Rosner in Gedichten und Prosa die Spuren von Erinnerung, Verlust und Weiterleben, aber auch das Ringen um die Bedeutung von Sprache, Religion und vererbter Erfahrung für ihr Leben als Tochter von Holocaustüberlebenden. Eindringlich und präzise beschreibt sie Bruchstellen der Familiengeschichte, Sprachlosigkeit sowie Möglichkeiten der Versöhnung – mit ihrem Vater, aber auch mit Nachfahren der Täter. Dieses zweisprachige Buch versammelt die Gedichte aus Elizabeth Rosners „gravity“ erstmals in deutscher Übersetzung. 

Zwi Nigal
„Glück musste man haben“
Vom Leben, Überleben und Weiterleben nach der Shoah
Herausgegeben von Laila Scharfenberg
416 S., br., € 32,00
978-3-95565-769-7
Zwi Nigal wurde 1923 in Wien geboren. In der Geschichte seiner Familie findet sich das ganze Spektrum antisemitischer Verfolgung: Schikanen, Deportation, Ghetto, Lager, bis hin zur Abweisung illegaler Flüchtlinge, die, den NS-Konzentrationslagern entkommen, vor Haifa von den Briten abgefangen und im Indischen Ozean interniert wurden. Er selbst kam 1939 legal ins Britische Mandatsgebiet Palästina, wo arabischer Terror den Neuanfang bedrohte. Der Überlebenskampf ging weiter, auch nach der Staatsgründung. Er wirkte am Aufbau des Staates Israel mit und verteidigte ihn in zahlreichen Kriegen. Ein erfahrungsreiches Leben, von dem Zwi Nigal als Zeitzeuge an Schulen sagte: „Ich habe immer Glück gehabt.“ In seinem persönlichen Schicksal spiegeln sich einhundert Jahre Zeitgeschichte. Er legt jedoch nicht nur ein eindrückliches Zeugnis von leidvoller Erfahrung ab, sondern auch vom Hoffen und Weitergehen, vom ständigen Kampf um das Existenzrecht, sowohl von Jüdinnen und Juden als auch des Staates Israel.

Eberhard Schmidt
Der Meisterfälscher von Paris
Roman
200 S., geb., € 19,90
978-3-95565-762-8
Paris 1940 unter deutscher Besatzung. Der fünfzehnjährige René wird wie alle seine Altersgenossen von den Ereignissen überrascht. Ebenso wie seine wenig ältere Schwester Julie und das befreundete Geschwisterpaar André und Claudine muss er sich entscheiden, wie er sich gegenüber der repressiven Einschränkung seiner Lebenswelt verhalten soll. Sollen die Jugendlichen
sich den neuen Gegebenheiten anpassen und versuchen, einigermaßen unbeschadet durchzukommen, wie es viele Erwachsene
tun? René und Claudine entschließen sich, Widerstand zu leisten: Sie helfen dem Meisterfälscher David bei der Herstellung und
Verteilung gefälschter Pässe und Lebensmittelkarten. Sie retten damit Tausende von verfolgten jüdischen Kindern, Frauen und
Männer vor den deutschen Sicherheitsdiensten. Während sich die Situation in der Stadt in den nächsten Jahren dramatisch zuspitzt und zur tödlichen Bedrohung für einige der Jugendlichen wird, geben sie nicht auf. Am Ende, nach der Befreiung der Stadt im August 1944, sind sie nicht mehr dieselben wie zuvor. Dieser Roman ist eng an reale Ereignisse und Personen angelehnt. Historisches Vorbild für den Meisterfälscher David ist der russisch-jüdische Chemiker und Fotograf Adolfo Kaminski (1925–
2023), der die Fälschungen mit immer ausgefeilteren Methoden betrieb und trotz Verfolgung durch den SD nie enttarnt wurde.


Andrea Hammel
Die schwierige Geschichte der Kindertransporte
1938/39 nach Großbritannien
Überarbeitete deutsche Ausgabe
200 S., geb., € 22, 00
978-3-95565-760-4
1938 und 1939 flohen über 10.000 Kinder und Jugendliche nach Großbritannien, um der Verfolgung durch die Nazis zu entkommen. Diese als „Kindertransport” bekannte Aktion wurde lange Zeit als humanitäre Rettung gefeiert – doch hinter den vielen Geschichten der Geretteten verbergen sich unangenehme Wahrheiten. Die britische Regierung befreite die jungen – zumeist jüdischen – Kindertransportflüchtlinge von der Visumpflicht, aber die Organisation und Finanzierung des Programms musste von Freiwilligen übernommen werden. Die britische Regierung verlangte eine Garantie zur Absicherung gegen etwaige Kosten und weigerte sich, die Eltern der Flüchtlingskinder aufzunehmen. Bei den Auswahlkriterien wurden diejenigen bevorzugt, die voraussichtlich den größten Beitrag zur britischen Gesellschaft leisten würden und nicht die dringendsten Fälle. Einige Kinder und Jugendliche wurden in ungeeigneten Pflegestellen untergebracht, wo viele weitere Traumata erfuhren. Andrea Hammels fachkundige Analyse, geschrieben mit beeindruckender Empathie und Einsicht, wirft ein neues Licht auf die tatsächlichen Ereignisse während der Kindertransportaktion und den Jahren danach. Dieses aufschlussreiche und leidenschaftliche Buch ist eine unverzichtbare Lektüre für alle, die sich für die Geschichte der Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland interessieren, und bietet Denkanstöße dafür, wie wir Kindern, die heute vor Konflikten fliehen, das Leben erleichtern können.

„Herr Fischer, wie tief ist das Wasser?“
Inter- und transmediale Perspektiven auf Kinderund Jugendmedien des Exils
224 S., br., zahlr. Abb., € 29, 90
978-3-95565-761-1
Nach 1933 hat sich die Lebenswelt für Kinder und Jugendliche in Deutschland radikal verändert. Dieser Wandel hat vielfach dazu geführt, dass sie ins Exil gehen mussten. Viele der ebenfalls emigrierten Künstlerinnen und Künstler widmeten sich den Perspektiven dieser Kinder und Jugendlichen. Unter den verschiedenen Produktionsbedingungen der jeweiligen Exilländer entstanden Texte und andere mediale Auseinandersetzungen, die sich an diese Altersgruppe richten oder die aus ihrer Perspektive erzählen. Dieser Sammelband ist interdisziplinär angelegt und rückt Kinder- und Jugendmedien des Exils in den Blick. Den Schwerpunkt bilden inter- und transmediale Perspektiven im historischen Wandel, die in den Beiträgen reflektiert werden und auch visuell und bildlich umgesetzt sind. Die Autorinnen und Autoren widmen sich der künstlerischen und literarischen Produktion, den Netzwerken sowie der kinderliterarischen Rezeption von Exilen bis in die heutige Zeit.


Stefanie Oswalt
„Uns brennt der Boden unter den Füßen…“
Eine jüdische Familie zwischen Berlin, Santiago de Chile und dem Ghetto Litzmannstadt
224 S., br., € 24,00
978-3-95565-766-6
Anfang 1939 flüchtet Rudi Pincus, ein 21-jähriger Optikergeselle aus Berlin vor der nationalsozialistischen Verfolgung nach Chile. Seine Eltern erhalten keine Visa und müssen zurückbleiben. Von nun an ist die Familie nur noch durch Briefpost miteinander verbunden. Als die Eltern im Oktober 1941 ins Ghetto Litzmannstadt deportiert werden, reißt die Korrespondenz ab.
Jahrzehnte später stoßen die Enkel auf die Briefe von damals. Sie beginnen, Herkunft und Schicksal der ermordeten Großeltern
zu rekonstruieren. Es gelingt, die Wurzeln der Familie bis ins frühe 19. Jahrhundert zurückzuverfolgen. Besonders wichtig aber ist
die Korrespondenz. Sie veranschaulicht die Herausforderungen und Hoffnungen, die Selbstbehauptung und die Verzweiflung der
Familie angesichts der zunehmenden Bedrohung. Erstmals werden Wertvorstellungen und Persönlichkeiten der Vorfahren fassbar. „Bin ich ein Überlebender?“, fragen sich die Nachkommen, eine Frage, die angesichts des weltweit wieder zunehmenden
Antisemitismus eine vielschichtige Aktualität gewonnen hat.


Akademischer Antisemitismus
120 S., br., € 19, 90.
978-3-95565-757-4
In erschreckendem Ausmaß sind deutsche Hochschulen seit dem Massaker des 7. Oktober 2023 Schauplätze antisemitischer Übergriffe. Jüdische Studenten werden attackiert, Universitätsräume beschmiert und verwüstet, Veranstaltungen zu jüdischem Leben und zu Israel abgesagt. Nicht selten geschieht dies mit Schützenhilfe von Professoren, Lehrbeauftragten und Wissenschaftlichen Mitarbeitern. Es gibt eine direkte Verbindung zwischen der im 20. Jahrhundert entstandenen künstlerischen, kulturellen und intellektuellen Bewegung der postmodernen Theorie und der aktuellen Vielfalt an Judenhass. Dieser „akademische“ Antisemitismus zeichnet sich vorrangig durch Judenhass und antisemitische Israelkritik unter dem Deckmantel rationaler Analyse und wissenschaftlichen Auftretens aus. Er bildet den theoretischen Begründungsrahmen für antisemitischen Aktivismus und Israelfeindschaft. Dieser Sammelband beleuchtet die postmodern beeinflussten Debatten u. a. im Postkolonialismus, in den Genderstudien, den Orientwissenschaften, den Genozidwissenschaften und dem Völkerrecht.


Richard Herzinger
Letztes Wort Freiheit
Essays
280 S., br., € 24, 00
978-3-95565-756-7
Bereits der junge Publizist Richard Herzinger sorgte mit einem Vortrag über Heiner Müller und dessen Schwäche für Reaktionäre wie Carl Schmitt und Ernst Jünger für Aufsehen. Seine ersten Essays publizierte er in der Zeitschrift „Merkur“, die sich damals als westlich-antitotalitär verstand. Sein Essay über die deutschen Intellektuellen nach Srebrenica bot eine der schärfsten Auseinandersetzungen mit den diversen „Niederlagen des Denkens“ bei Jürgen Habermas, Hans-Magnus Enzensberger und Peter Handke. Herzinger stellte sich unbeirrt in eine Linie mit Dissidenten und Renegaten wie Manes Sperber, Widerständlern wie Albert Camus und neuen Philosophen wie André Glucksmann. Dabei erwies sich sein analytisches Denken als geradezu prophetisch: Vor Putin warnte er bereits im Jahr 2000. Er setzte sich publizistisch, aber auch als Aktivist unermüdlich für die demokratische Ukraine ein, ebenso für das unverbrüchliche Existenz- und Selbstverteidigungsrecht Israels und gegen jeden Antisemitismus. Diese Auswahl an Essays versucht, das gesamte Spektrum seines Denkens zu entfalten und dessen zeitlose Relevanz aufzuzeigen. Eine Bibliographie ermöglicht weitere Entdeckungen. 

Yossi Klein Halevi
Briefe an meinen palästinensischen Nachbarn
Aus dem Englischen übersetzt von Malte Gerken
232 S., br., € 24, 00
978-3-95565-771-0
In dem Versuch, den quälenden Stillstand zwischen Israelis und Palästinensern zu überwinden, wendet sich 2018 der israelische Kommentator und preisgekrönte Autor Yossi Klein Halevi mit diesem Buch direkt an seine palästinensischen Nachbarn. Er zeigt Verständnis für das Leiden der Palästinenser, während er zugleich darlegt, wie sich der Konflikt aus israelischer Sicht darstellt. In „Letters to My Palestinian Neighbor“ entwirrt Halevi den ideologischen und emotionalen Knoten, der den Konflikt zwischen Juden und Palästinensern seit fast einem Jahrhundert prägt. In lyrischer, bildreicher Sprache legt er die komplexen Stränge aus Glauben, Stolz, Wut und Angst frei, wobei er sich auf die Geschichte und seine persönlichen Erfahrungen als in Israel lebender Jude stützt. Halevis Briefe richten sich nicht nur an seine palästinensischen Nachbarn, sondern an alle Nachbarn im Nahen Osten. Er lädt sie dazu ein, mit eigenen Briefen zu antworten, um es so Palästinensern und Israelis, Arabern und Juden zu ermöglichen,
die Geschichten der anderen zu hören. Dieser deutschen Erstübersetzung seines Buches hat Halevi einen Brief an die deutschsprachigen Leser vorangestellt.


Anna Maria Droumpouki
Die schlimmen Zeiten sind nicht vorbei
Jüdisches Leben in Nachkriegsgriechenland 1945 – Mitte der 1980er Jahre
260 S., geb., € 24, 90
978-3-95565-763-5
Anna Maria Droumpouki beleuchtet ein bisher wenig erforschtes Kapitel der europäischen Nachkriegsgeschichte: das jüdische
 Leben in Griechenland von 1944 bis 1949. Sie zeigt, wie Überlebende nach der Shoah in eine Heimat zurückkehrten, die sich
grundlegend verändert hatte – eine Heimat, die ihnen nicht nur Sicherheit, sondern oft auch Zugehörigkeit verweigerte. Zerstörte oder besetzte Häuser, dezimierte Gemeinden und ein gesellschaftliches Klima aus Gleichgültigkeit, Unverständnis oder Ablehnung prägten ihren Neuanfang. Im Mittelpunkt stehen die Erfahrungen der Rückkehr, die Herausforderungen des Wiederaufbaus und die Suche nach Sichtbarkeit und Anerkennung in einer Gesellschaft, die die jüdische Präsenz lange marginalisierte. Anhand von persönlichen Dokumenten, Briefen und mikrohistorischen Fallstudien zeigt das Buch, wie Überlebende versuchten, ihr Leben neu zu ordnen und ihren Platz in der Nachkriegsgesellschaft zu behaupten – ein Prozess, der tief in die europäische Erinnerungskultur hineinwirkt. 

Hillel Cohen
Schattenarmee
Arabisch-palästinensische Kooperation mit dem Zionismus 1917–1948
432 S., br., € 32, 00
978-3-95565-770-3
Inspiriert von Geschichten, die er als Kind im Westjordanland hörte, deckt Hillel Cohen in diesem außergewöhnlichen und wunderschön geschriebenen Buch eine verborgene Geschichte auf, die für die Erzählung des Israel-Palästina-Konflikts von zentraler Bedeutung ist, aber bis heute größtenteils bewusst ignoriert wurde. „Schattenarmee“ erzählt von Arabern, die sich von Beginn der arabisch-israelischen Auseinandersetzungen an auf die Seite der Zionisten stellten und ihnen politisch, wirtschaftlich und in Sicherheitsfragen halfen. Basierend auf neu freigegebenen Dokumenten und Recherchen in zionistischen, arabischen und britischen Quellen folgt der Autor unter anderem Beduinen, die jüdische Nachbarn beherbergten, Waffenhändlern, pro-zionistischen Propagandisten und Informanten sowie lokalen Führern, die mit den Zionisten kooperierten, um eine alternative Geschichte der Mandatszeit aufzudecken, deren Auswirkungen bis heute reichen. Hillel Cohen beleuchtet die palästinensische Nationalbewegung, die diese „Kollaborateure“ als Verräter brandmarkte und verfolgte; die zionistische Bewegung, die sie benutzte, um die palästinensische Gesellschaft von innen heraus zu untergraben, und sie dann verriet; und diejenigen selbst, die eine alternative Sichtweise des palästinensischen Nationalismus vertraten. „Schattenarmee“, das in Israel mit großem Beifall und heftigen Kontroversen aufgenommen wurde, bietet eine entscheidende neue Sichtweise auf die Geschichte von unten und stellt grundlegende Fragen über die Wurzeln des Israel-Palästina-Konflikts.

Regina Jonas
Fräulein Rabbiner Jonas
Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden?
Herausgegeben von Rabbinerin Elisa Klapheck
Überarbeitete und ergänzte Neuausgabe
336 S., geb., € 29,90
978-3-95565-752-9
Regina Jonas (1902–1944) studierte an der Berliner „Hochschule für die Wissenschaft des Judentums“. Am 27. Dezember 1935 erhielt sie als erste Frau in der jüdischen Geschichte eine „Smicha“, das Rabbinatsdiplom, und wurde damit die erste Rabbinerin der Welt. Die vorliegende Neuausgabe dieses Buches mit einer biographischen Einleitung sowie Regina Jonas' Streitschrift zur Rechtfertigung der Frau als Rabbinerin erscheint zum 90. Jahrestag ihrer Ordination und 25 Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung
durch Elisa Klapheck. Damals war vom Leben und Wirken der in Berlin geborenen, 1942 nach Theresienstadt deportierten und
zwei Jahre später in Auschwitz ermordeten Rabbinerin noch nicht viel bekannt. Seither hat sie einen festen Platz in der jüdischen Geschichte eingenommen und wurde zum Vorbild für die nächsten Generationen von Rabbinerinnen.
Neu entdeckte Dokumente und Berichte von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen erweiterten die Erkenntnisse zu Leben und Wirken der ersten Rabbinerin und sind in diese Neuausgabe eingeflossen. Eine zusätzliche Einführung geht außerdem auf die Wirkungsgeschichte des Buches seit seiner Erstveröffentlichung ein.

Matthias Brandis
Margarete
Erinnerungen an das Leben einer Jüdin in schwierigen Zeiten
88 S., br., € 29,90
978-3-95565-753-6
Matthias Brandis erzählt das Leben seiner Mutter Margarete (1911–1990), die, in eine bürgerliche Familie hineingeboren,
eine behütete und unbeschwerte Kindheit erlebte. Nach der Hochzeit mit ihrem 19 Jahre älteren Ehemann wuchsen jedoch
spätestens ab 1933 ihre Sorgen, wie für alle Jüdinnen und Juden in der nationalsozialistischen Diktatur. Die meisten Verwandten,
allein 19 Cousinen und Vettern, flohen aus Deutschland in verschiedene Länder. Ihre Eltern, ein Onkel und zwei Tanten konnten
sich zunächst nicht vorstellen, dass auch sie ernsthaft bedroht seien. 1942 und 1943 wurden sie ins KZ Theresienstadt deportiert. Ihre Mutter hat diese Lagerzeit als Einzige überlebt. Margarete musste die Familie mit vier Kindern, die zwischen 1930 und 1939 geboren wurden, durchbringen. Drei Ausbombungen, der Verlust der Arztpraxis ihres Mannes und die Unterbringung ihrer Kinder in einem Heim außerhalb Hamburgs verlangten ihr einen starken Durchhaltewillen ab. Die Sorge um die Kinder und die Familie sowie das Schuldgefühl, dass sie ihre Eltern nicht retten konnte, blieben zeit ihres Lebens eine psychische Belastung.

Silja Behre
Zionistische Selbstbehauptung
Jochanan Bloch: eine intellektuelle Biographie zwischen Dialog und Dissens
200 S., br., Abb., € 24, 90
978-3-95565-765-9
Der 1919 in Berlin geborene Religionswissenschaftler Jochanan Bloch war nicht nur der Initiator der 1957 an der Freien Universität Berlin gegründeten Deutsch-Israelischen Studiengruppen (DIS) und einer der bekanntesten Buber-Forscher seiner Zeit, sondern auch eine kritische und zuweilen polemische Stimme im deutsch-jüdischen Dialogdiskurs nach der Schoah. Im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft, Theologie und Politik und in Auseinandersetzung mit den Vertretern des intellektuellen West-Berlins der 1960er und 1970er Jahre – wie Jacob Taubes und Helmut Gollwitzer – stellt Blochs Biographie die prägende Frage der deutsch-israelischen Beziehungen: Wer hat die Deutungsmacht über jüdisches Leben in Deutschland und die israelische Politik? Von den frühen deutsch-israelischen Debatten führen die Spuren von Blochs intellektuellem Parcours zwischen Berlin und Beer Sheva schließlich auch zu den Konflikten um das ideelle Erbe zweier deutsch-jüdischer Symbolfiguren: Martin Buber und Franz Kafka.


Josephina Ehret-Strößner
Edith Weiss-Mann
„Unser geistiges Leben wurde gemordet!“ – Von Hamburg ins Exil nach New York
180 S., geb., € 22, 90
978-3-95565-764-2
Die gebürtige Hamburgerin Edith Weiss-Mann (1885–1951) machte sich als Cembalistin und Gründerin der Vereinigung zur Pflege alter Musik um die Etablierung der historisch informierten Aufführungspraxis in Deutschland im frühen 20. Jahrhundert verdient. Darüber hinaus bot sie jungen Menschen durch Musikvorträge Möglichkeiten der Weiterbildung an. Obwohl WeissMann aus einer jüdischen Familie stammte, konnte sie nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten trotz einiger Einschränkungen weiter als Musikerin arbeiten. Dennoch wurde letztlich auch ihr „geistiges Leben gemordet“. 1939 musste sie Hamburg verlassen und ins New Yorker Exil emigrieren. Dort gelang es ihr, ihre musikalische Karriere beinahe nahtlos fortzuführen. Als neues Tätigkeitsfeld erschloss sie sich mitunter Auftritte im Rundfunk. Diese erste und umfangreiche Biographie zu Edith WeissMann zeigt die Kontinuitäten und Brüche vor und nach der Emigration auf und fragt nach den Hintergründen für den späten Zeitpunkt der Exilierung sowie der Bedeutung des Heimatverlustes.

Werner Liedtke
Bürde und Würde
Familie Sigmund Meyer 1778–1942
176 S., geb., zahlr. Abb., € 29,00
978-3-95565-767-3
Aus provinzieller, bedrückender Enge und nach hasserfüllten Pogromen gelingt der Familie Meyer ohne fremde Förderung
durch Fleiß, Bildung und mutige Entscheidungen innerhalb von drei Generationen der soziale Aufstieg zu Wohlstand und Ansehen in der königlichen Haupt- und Residenzstadt München. So ist die Familiengeschichte eingebettet in und Beispiel für das
 erfolgreiche Streben nach bürgerlicher und rechtlicher Gleichstellung vom Ende des Zeitalters der Aufklärung bis in die erste
Hälfte des 20. Jahrhunderts. Werner Liedtke stellt die Daten und Fakten der Zeitgeschichte der Familiengeschichte und ihren Dokumenten gegenüber. Er endet mit den Briefen, die Sigmund III. Meyer an seine Schwiegertochter aus dem Sammellager München-Milbertshofen im Bewusstsein seines ihm bevorstehenden Todes im KZ Theresienstadt schreibt.
JÜDISCHE MINIATUREN:

Benjamin Kuntz / Felicitas von Aretin
Edith Peritz
Ärztin – Plastische Chirurgin – Frauen-Netzwerkerin
100 S., br., 30 Abb., € 9,90
978-3-95565-749-9
Die aus Breslau stammende Ärztin Edith Peritz (1897–1985) war eine Pionierin der plastischen Chirurgie in Deutschland. Nach dem an der Universität ihrer Heimatstadt absolvierten Medizinstudium kam sie 1922 nach Berlin. Hier war sie zunächst als Assistenzärztin am Städtischen Rudolf-Virchow-Krankenhaus tätig. In Paris ließ sie sich von der bekannten ästhetischen Chirurgin  Suzanne Noel weiterbilden. Zurück in Berlin eröffnete sie eine eigene Praxis und wurde Mitglied in der Berliner Gesellschaft für Chirurgie. Sie engagierte sich im Bund Deutscher Ärztinnen, der Vorläuferorganisation des heutigen Deutschen Ärztinnenbundes. 1930 gründete sie auf Anregung von Suzanne Noel den ersten deutschen Soroptimist Club – ein Netzwerk berufstätiger Frauen. Zu dessen Mitgliedern zählten u. a. die Schauspielerin Tilla Durieux, die Fotografin Lotte Jacobi und die Schriftstellerin Gabriele Tergit. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierte Edith Peritz 1936 in die USA. In New York baute sie sich eine neue Existenz auf. Im Gegensatz zu vielen anderen Fachkolleginnen gelang es ihr, im Exil wieder als Ärztin zu arbeiten. Sie blieb bis ins hohe Alter beruflich aktiv und stand bis zu ihrem Tod mit ehemaligen Weggefährtinnen in Kontakt.
Ratgeber US Einwaderung 1940:

Adam N. Johnson / Julius L. Seligsohn
Der Auswandererberater
80 S., br., 30 Abb., € 8,90
978-3-95565-775-8
Dr. Julius L. Seligsohn (1890–1942) war ein deutscher Rechtsanwalt, Aktivist und Sozialarbeiter. Im Ersten Weltkrieg erhielt er das Eiserne Kreuz Erster Klasse und wurde zum Leutnant befördert – beides seltene Auszeichnungen für einen Mann jüdischer Herkunft. Nach dem Krieg trat Seligsohn in die Anwaltskanzlei seines Vaters ein und spezialisierte sich auf Patent- und Urheberrecht. 1933 wurde er Gründungsmitglied der Reichsvertretung der Deutschen Juden. Die Emigration wurde bald
zur dringendsten Aufgabe der Organisation, die Tausenden von Juden vor dem Holocaust die Flucht aus Deutschland ermöglichte. Seligsohn spielte eine Schlüsselrolle im Emigrationsprozess und war als Vertrauter Leo Baecks eine wichtige Verbindungsperson zwischen verschiedenen jüdischen Organisationen. 1940 veröffentlichte er einen Ratgeber für jüdische Einwohner Deutschlands, die in die Vereinigten Staaten auswandern wollten. Noch im selben Jahr beteiligte sich Seligsohn an Protestaktionen gegen die Massendeportation von Juden und wurde daraufhin verhaftet.  Nach seiner Inhaftierung im Gestapo-Hauptquartier am Berliner Alexanderplatz wurde er in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht, wo er Anfang 1942 im Alter von 51 Jahren starb.


Marta Fraenkel
Pionierin der gesundheitlichen Aufklärung
100 S., br., 30 Abb., € 9,90
978-3-95565-748-2
Die Ärztin Marta Fraenkel (1896–1976) hat sich um die gesundheitliche Aufklärung der Bevölkerung verdient gemacht. Sie war Generalsekretärin der „Großen Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen“ (GeSoLei) 1926 in Düsseldorf. Mit ihrer wegweisenden Arbeit für diese größte Messe der Weimarer Republik empfahl sie sich für die II. Internationale Hygieneausstellung, die 1930/31 in Dresden stattfand. Am dortigen Deutschen Hygiene-Museum war sie in verschiedenen Leitungsfunktionen tätig und setzte bleibende Akzente für das moderne Ausstellungswesen und die Wissen-
schaftspopularisierung. Dabei konnte sie sich in einem vorwiegend von Männern geprägten Umfeld behaupten. Als Jüdin nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten entlassen, zog sie 1935 nach Belgien. In Brüssel wurde sie Mitarbeiterin der „Ligue Nationale Belge contre le Cancer“ und Beraterin des internationalen Krebskongresses. 1938 emigrierte sie in die USA. Aufgrund ihrer guten Sprach und Fachkenntnisse fand sie eine Anstellung bei einer kommunalen Wohlfahrtsbehörde in New York. Von 1944 bis 1949 war sie Medizinische Beraterin der US-Regierung in Washington und anschließend bis zu ihrem Eintritt in den Ruhestand „Public Health Officer“ in New York.

Rebecca Schwoch
Emma Schindler
Hamburgerin – Augenärztin – Wissenschaftlerin
80 S., br., 30 Abb., € 8,90
978-3-95565-772-7
Emma Schindler (1883–1944) wuchs in Hamburg auf und besuchte hier Privatschulen, da ihr als Mädchen der Besuch eines Gymnasiums verschlossen war. Das Abitur konnte sie nur als „Externe“ an einem Jungengymnasium ablegen, was ihr 1913
gelang. Von da an begann ein unaufhaltsam anmutendes Streben nach akademischer Bildung und Entwicklung. Sie studierte Medizin, promovierte 1919 und erhielt 1920 die Approbation. Bereits 1922/23 war sie Fachärztin für Augenheilkunde. Dr. Schindler eröffnete eine Praxis, forschte an der Augenklinik des Eppendorfer Krankenhauses und publizierte in angesehenen Fachzeitschriften. 1933 änderte sich auch für Emma Schindler alles. Ihr wurde zunächst die Kassenzulassung entzogen, 1938 die Approbation. Ab 1941 versorgte sie als „Krankenbehandlerin“ jüdische Patient:innen im Israelitischen Krankenhaus. 1942
erfolgte ihre Deportation nach Theresienstadt und 1944 nach Auschwitz, wo sich ihre Spur verliert. Seit 2026 trägt der Hörsaal der Augenklinik am UKE ihren Namen.

Urs Thaler
Hugo Günzburger
Ein Zigarrenfabrikant aus Emmendingen
98 S., br., 30 Abb., € 9,90
978-3-95565-777-2
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte die Zigarrenindustrie im Land Baden eine enorme wirtschaftliche Bedeutung. Keine andere Industrie zählte mehr Beschäftigte und schon gar nicht mehr Frauen. In keiner anderen Industrie gab es mehr jüdische Unternehmer. 1930/33 besaßen sie 12 Prozent aller Zigarrenfabriken im Deutschen Reich. Hugo Günzburger war einer dieser erfolgreichen jüdischen Zigarrenfabrikanten. 1910 gründete er in Emmendingen sein Unternehmen. 30 bis 40 Arbeiterinnen produzierten die Zigarren in einem gemieteten Wirtshaussaal. Danach ging es rasant aufwärts. Um 1933 zählte Günzburger & Co. 1200 Personen und gehörte zur schmalen Spitzengruppe der deutschen Zigarrenfabriken. Die Erfolgsgeschichte endete 1936 mit „Arisierung“ und Emigration. Danach folgte ein beschwerlicher Neubeginn in den USA und nach 1945 zähe Restitutionsverfahren. Das Buch erzählt von Hugo Günzburgers Rolle als Fabrikant und Geschäftspartner, aber auch von seiner privaten Seite als Sohn, Bruder, Gatte und Vater.

Maximilian Winkler
Alfred Szendrei
Ein Musikleben zwischen Oper, Rundfunk und Synagoge
80 S., br., 30 Abb., € 8,90
978-3-95565-773-4
Alfred Szendrei (1884–1976) wurde in Budapest geboren und wirkte nach einer internationalen Laufbahn als Operndirigent und Komponist für mehr als zehn Jahre in Leipzig, wo er maßgeblich am Aufbau der musikalischen Abteilung des neugegründeten Rundfunks beteiligt war. Die Übertragung von Konzerten und neuer Musik im  Radio war eines seiner zentralen Anliegen, das sich sowohl in seiner beruflichen Tätigkeit als auch in seiner 1931 erschienen Dissertation niederschlug. Kurz vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten musste Szendrei Leipzig verlassen und emigrierte über Paris in die USA. In diese Zeit fällt seine Hinwendung zur Musik des Judentums und die Entstehung seiner Bibliographie der Jüdischen Musik, die zu einem Grundlagenwerk des Faches wurde. Zunächst in New York und ab 1944 in Los Angeles wirkte Alfred Sendrey, wie er sich
von nun an nannte, als Kantor und Wissenschaftler bis ins hohe Alter, dessen musikalisches Leben von der Oper über den Rundfunk bis in die Synagoge führte.


Andreas Jüttemann / Benjamin Kuntz
Adolf Baginsky
Nestor der deutschen Pädiatrie
100 S., br., 30 Abb., € 8,90
978-3-95565-750-5
Der aus dem schlesischen Ratibor stammende Kinderarzt Adolf Baginsky (1843–1918) gehört zu den herausragenden Vertretern seines Faches. Nach dem Medizinstudium in Berlin und Wien ließ er sich als praktischer Arzt in Seehausen bei Magdeburg, anschließend in Nordhausen nieder. 1872 kehrte er nach Berlin zurück und eröffnete ein Ambulatorium für kranke Kinder.
Für seine Idee eines Kinderkrankenhauses gewann er prominente Unterstützer wie den Mediziner Rudolf Virchow. 1890 wurde er Gründungsdirektor des Kaiser- und Kaiserin-Friedrich-Kinderkrankenhauses, das er bis kurz vor seinem Tod leitete. Dem späteren Nobelpreisträger Emil von Behring half er bei der Einführung des DiphtherieHeilserums. An der Berliner Universität unterrichtete er als außerordentlicher Professor für Kinderheilkunde – ein Lehrstuhl blieb ihm als Jude verwehrt. Als Autor von Lehrbüchern und Herausgeber von Fachzeitschriften wie dem „Archiv für Kinderheilkunde“ trug er maßgeblich zur Etablierung der Pädiatrie als medizinische Fachdisziplin bei. Er setzte sich für die Verabschiedung des Reichsimpfgesetzes ein und initiierte die ärztlichen Reihenuntersuchungen von Schulkindern sowie die Einführung des Hitzefrei an Schulen.


Susanne Guski-Leinwand
Paul Plaut
Psychologe – Mediziner – Inspirationsforscher
80 S., br., 20 Abb., € 8,90
978-3-95565-774-1
Paul Plaut (1894–1960) war Berliner Bürger, der wegen der Verfolgungen durch die Nationalsozialisten mit Hilfe seiner Frau Thekla 1938 noch nach London emigrierte. Dort konnte er als Mediziner im Bereich der Psychiatrie eine neue Existenz aufbauen. Seine in Deutschland erlangte berufliche Qualifikation reichte vom Psychologen über den Psychiater bis hin zu einer Forscherpersönlichkeit, die sich früh schon für Zusammenhänge des Psychischen bei Inspiration und inneren Widerstandsfähigkeiten interessierte. Als Freiwilliger im Ersten Weltkrieg entwickelte er zusammen mit Weggefährten der Psychologie die Methode der Psychografie als Fragebogen-Instrument. Daneben war er persönlich der Literatur
und den Künsten zugeneigt und beschäftigte sich mit Lyrik. Seine noch in Deutschland erschienenen, bedeutsamen Arbeiten, sind heute nahezu unbekannt.

 Carsten Schmidt
Synagoge Feuerland
Jüdisches Leben zwischen Friedrichstraße und Wedding 1871-1939
112 S., br., € 15, 00
978-3-95565-734-5
Sommer in Berlin-Mitte: An der Chausseestraße Ecke Liesenstraße steht eine Tankstelle, bunte Lichter leuchten auf, dahinter moderne Wohnblocks. Irgendwo dazwischen stand eine kleine Hofsynagoge. Sie wurde 1899 errichtet und vom Verein Ohel Jizchak gut vier Jahrzehnte genutzt. Der kleine Verein, gegründet 1879, gehörte zu den zahlreichen Berliner Privat-Synagogenvereinen. Hier, in der Oranienburger Vorstadt, befand sich die Wiege des Berliner Industriezeitalters. Und zwischen Arbeiterbewegung und frühem Antisemitismus entstand jüdisches Leben mit Geschäften, Bibliothek, Religionsunterricht und einer wachsenden Gemeinde. Später verlief genau dort, wo die Synagoge stand, ein Teil der Grenze zwischen Ost- und West-Berlin. Der Stadthistoriker Carsten Schmidt geht auf Spurensuche nach jüdischen Lebenswelten, die vollständig in Vergessenheit geraten sind. Schmidt rekonstruiert anhand der einstigen Synagoge das Gemeindeleben im Chausseestraßen-Kiez. Dabei werden Rabbiner-Persönlichkeiten, Mitglieder des Vereins und Veranstaltungen in der Synagoge und im Viertel auf der Grundlage der damaligen Tageszeitungen erstmals zu einer eigenen Welt verknüpft.

Die Erfindung der "Kleidung von der Stange" und ein Kaleidoskop des kreativen Berlins vor 100 Jahren: Berlins bedeutenste Modehäuser

Gesa Kessemeier
MODESTADT BERLIN
Geschichte der Berliner Konfektion und Modesalons 1836-1936 in 50 Porträts
696 S., 510 Abb., ca. 2,5 Kg , geb., € 50,00
9783-95565-730- 7
„Berlin ist Mode!“, so hieß es 1927. Joe Strassner war ein Star der Modewelt, Lilian Harvey seine Lieblingskundin. Ku’damm und Tiergartenviertel lockten Modebegeisterte. Doch wer kennt heute noch Berliner Designer und Designerinnen der 1920er Jahre? Wer kennt ihre Entwürfe und die Orte, an denen sie arbeiteten? Und warum sind ihre Namen heute unbekannt? Das Buch lädt ein, die vergessene Modegeschichte Berlins wiederzuentdecken: von den Anfängen der Konfektion im 19. Jahrhundert über die goldene Dekade der „Berliner Haute Couture“ in den 1920er Jahren bis hin zur brutalen Zerstörung dieser glanz- vollen Weltnach 1933. Hunderte, in historischer Detektivarbeit erstmals rekonstruierte Biografien und Firmengeschichten führender Modehäuser, Modeschöpfer und Modejournalistinnen ebenso wie ihrer prominenten Kundinnen – von Lilian Harvey bis Marlene Dietrich – erlauben einen ganz neuen Blick in die Vergangenheit der Modestadt Berlin, ihren glänzenden Aufstieg und tiefen Fall nach 1933.


Wie deutsch ist Jiddisch?
Zu Kontroversen in Sprach-, Geschichts- und Rechtswissenschaft
über eine identitätspolitische Frage
Herausgegeben von Volker Beck
264 S., br., € 24,90
978-3-95565-744-4
„Jiddisch ist nicht Deutsch“, sagt der Bundesgerichtshof apodiktisch. Das deutsche Recht leitet weitreichende Differenzierungen aus dieser These ab. Wie tragfähig das ist, oder eben auch nicht, hinterfragen die Autorinnen und Autoren dieses Bandes: Welche Gemeinsamkeiten haben Jiddisch und Deutsch? In welchen kulturell geprägten Räumen ist das Jiddische entstanden? Wie verhalten sich die Verwandtschaftsverhältnisse von Deutsch und Jiddisch? Kann man „Mameloshn“ sprechen und trotzdem dem deutschen Sprach- und Kulturkreis angehören? Auf welchen konzeptionellen Grundlagen beruhen die Definitionen deutscher Volkszugehörigkeit? Sind solche identitätspolitischen Homogenisierungen heute noch zeitgemäß? Dieser Band versammelt verschiedene Perspektiven auf die jiddische Sprache und ihre komplexen Beziehungen zum Deutschen. Er bietet vielschichtige Einblicke in die Geschichte, Struktur und Soziolinguistik des Jiddischen im europäischen Kontext. Beleuchtet wird die historische Entwicklung des Jiddischen, einschließlich seiner Rolle für das jüdische Leben in Osteuropa, der Sowjetunion und Israel. Aber auch die Debatten über Sprachnormierung und Germanismen werden erörtert. 

Sylvia Rogge-Gau
Dasein als Pflicht. Theater als Leidenschaft
Julius Bab. Die Biographie
312 S., geb., € 24,90
978-3-95565-735-2
Die Lebensgeschichte des Berliner Theaterkritikers, Schriftstellers und Dramaturgen Julius Bab (1880–1955) spiegelt wie kaum eine andere Biographie deutsch-jüdische Kulturgeschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wider. Auf der Grundlage von Quellen aus zahlreichen Archiven und aus Familienbesitz schildert Sylvia Rogge-Gau Julius Babs jüdische Kindheit und Jugend im Kaiserreich. Sie beschreibt seine Entwicklung vom preußischen Patrioten des Ersten Weltkrieges hin zum Kriegsgegner und überzeugten Unterstützer der Weimarer Republik. Zudem beleuchtet sie sein Engagement gegen den  Antisemitismus sowie seine zentrale Bedeutung für den Jüdischen Kulturbund in Zeiten von Ausgrenzung, Unterdrückung und Verfolgung jüdischer Bürgerinnen und Bürger in Deutschland. Schließlich zeigt sie auch sein Wirken als Mittler zwischen deutscher und amerikanischer Kultur in der Emigration in den USA. Seine Biographie zeichnet das Leben eines wachen Zeitzeugen in unterschiedlichen politischen Systemen und Gesellschaften nach.

Kinderbuch zum Exil

Clément Moreau
Tim, Tom und Mary
36 S., 20 Farbabb., geb., € 17,00
978-3-95565-726-0
Eine Bildergeschichte über Flucht und Solidarität zum Ausmalen und Erzählen Der Künstler Carl Meffert (1903–1988) lebte ab 1933 als Flüchtling unter dem Namen Clément Moreau in der Schweiz und ab 1935 mit seiner Frau Nelly Guggenbühl im argentinischen Exil.1940 entstand die Bilderfolge „Tim, Tom y Mary“, die davon erzählt, wie Tim sich mit seiner Katze vor dem Krieg rettet. Mit einem Kindertransport aus Holland kommend, findet er Aufnahme bei seinen Verwandten in England. Nach den deutschen Luftangriffen flieht er zusammen mit seinem Cousin Tom und seiner Cousine Mary und vielen anderen Kindern ins Exil nach Buenos Aires.
In eindrücklichen Bildern gelingt es dem Künstler, die Fluchtgeschichte als Reise und großes Abenteuer zu erzählen. In bedrohlichen Situationen können die Kinder sich und sogar die Katze retten, weil sie tatkräftig und solidarisch handeln und sich selbst behaupten können. Die mit viel Empathie erzählte Bilderfolge ist angesichts der sich weltweit dramatisch zuspitzenden Flüchtlingssituation hochaktuell und pädagogisch von großer Bedeutung. 

Ben Gershon
Jewy Louis Kalender 5786/5787
Mit koscherem Humor durch das jüdische Jahr
18 Blatt, 27 x 21 cm (aufgehängt 42 cm lang) /36 Seiten, Spiralbindung und Aufhängeloch, € 19,00
978-3-95565-727-7
In insgesamt 32 Cartoons begleitet Jewy Louis uns von September 2025 bis Dezember 2026 mit einem Augenzwinkern durch das jüdische Jahr. Das Kalendarium enthält alle gesetz lichen Feiertage in Deutschland, die jüdischen Feiertage und Halbfeiertage sowie viele inoffizielle und halbernste Feiertage und bietet Platz für Notizen und Termine.

Mit seiner Comicfigur „Jewy Louis“ schildert Ben Gershon lustige Situationen und die Absurditäten des jüdischen Lebens in einer nichtjüdischen Gesellschaft. Obwohl Jewy Louis wie ein orthodoxer Jude aussieht und versucht, die von der Tora vorgeschriebenen Regeln zu befolgen, steht er auch mit einem Bein in der modernen Gesellschaft. Das führt regelmäßig zu unerwarteten Wendungen und neuen Herausforderungen.

JÜDISCHE MINIATUREN:  LISTE DER JÜDISCHEN MINIATUREN


Robert von Lucius
Bruno Cassirer
Verleger – Kunsthändler – Mentor des Trabrennsports
84 S., br., € 8,90
978-3-95565-740-6
Bruno Cassirer (1872–1941) war der bedeutendste Verleger von Büchern über Kunst und Künstler im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Als Galerist war er gemeinsam mit seinem Vetter Paul Cassirer Wegbereiter des französischen Impressionismus in Deutschland und für viele Künstler von Rang, vor allem für Max Slevogt und Max Liebermann, die viele seiner Werke illustrierten. Seine Zeitschrift „Kunst und Künstler“ war über Jahrzehnte der wichtigste Kunstvermittler seiner Zeit. Kein anderer Verleger legte mehr Wert auf Buchgestaltung. Zwei seiner Lektoren – Christian Morgenstern und Max Tau, erster Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels – entdeckten mit Cassirer wichtige Autoren der deutschen Literatur.
Cassirers dritte Leidenschaft war der Pferdesport. Er war Mentor der Trabrennen und Retter der Berliner Trabrennbahn Mariendorf. Nach seiner Flucht 1938 gründete er einen Verlag in Oxford. Die Cassirers zählen zu den wirkmächtigsten Familien der jüngeren deutschen Geistesgeschichte.


Elke-Vera Kotowski
Hedwig Klein
Islamwissenschaftlerin und „kriegswichtige“ Übersetzerin
80 S., Abb., br., € 8,90
978-3-95565-743-7
Die 1911 in Antwerpen geborene Tochter eines ungarischen Kaufmanns absolvierte in Hamburg das Abitur und studierte an der damaligen Hansischen Universität ab 1932 Islamwissenschaften, Semitistik und englische Philologie. Ihre wissenschaftliche Expertise war geschätzt und ermöglichte ihr, auch als Jüdin während der NS-Zeit 1937 zu promovieren, allerdings wurde ihr der Doktortitel verweigert. Als hervorragende Sprachwissenschaftlerin lieferte sie wichtige Textbausteine für die Übersetzung von „Mein Kampf“ ins Arabische; sie hoffte, durch diese Arbeit sich und ihre Familie vor der Deportation zu schützen. Mehrere Versuche, Deutschland zu verlassen, misslangen. Hedwig Klein wurde deportiert und nach dem 11. Juli 1942 in Auschwitz ermordet.

Dorothee Hoppe
Fritz Haas
Muschel- und Schneckenforscher in Frankfurt und Chicago
80 S., Abb., br., € 8,90
978-3-95565-741-3
Fritz Haas wurde als Sohn jüdischer Eltern 1886 in Frankfurt am Main geboren. Schon während seiner Schulzeit sammelte er Fluss- und Teichmuscheln. Nach dem Abitur 1905 studierte er in Heidelberg Biologie bis zur Promotion und bekam im Anschluss daran 1910 eine Stelle am Senckenberg Museum. 1922 wurde er zum Kustos ernannt, und 1931 nahm er an der Schomburgk-Exkursion nach Afrika teil. Obwohl das Senckenberg während des Nationalsozialismus als zivilgesellschaftliche Institution anders als städtische und staatliche Einrichtungen agieren konnte, wurde dem renommierten Wissenschaftler schließlich 1936 gekündigt, sodass er nach einer Arbeitsmöglichkeit im Ausland suchen musste. 1938 emigrierte er mit seiner Familie in die USA, wo er am Chicago Field Museum of National History forschte und dort die malakologische Abteilung aufbaute. Die Monographie von Fritz Haas über die „Superfamilia Unionacea“ (Familie großer Süßwassermuscheln) gilt bis heute als Standardwerk.

Sarah Jaglitz
Die Samsonschule
Ein jüdisches Internat in Wolfenbüttel (1786–1928)
80 S., Abb., br., € 8,90
978-3-95565-742-0
Gegründet 1786 von Philipp Samson als Talmud-Tora-Schule für mittellose Familienmitglieder, wurde die Samsonschule nach dessen Tod 1805 zu einer jüdisch-reformierten Elementarschule modernisiert, die ihre Schüler im Gedanken der Emanzipation für den Bürgerstand erzog.

Helmut Braun
Selma Meerbaum
Ich will nicht sterben
84 Seiten, Abb., Broschur,  € 8,90
978-3-95565-658-4
Am 5. Februar 1924 wird in Czernowitz in der Rafgasse 6 ein Mädchen geboren. Seine Eltern Friederika Meerbaum, geborene Schräger und Max Meerbaum nennen das Kind Selma. Selmas Leben steht unter keinem guten Stern. Neun Monate nach ihrer Geburt stirbt ihr Vater. Die Mutter heiratet wieder. Beide Eheleute behalten ihre Wohnungen. da jede zu klein für eine Familie ist. Der Stiefvater adoptiert das Mädchen nicht. SeIma besucht die Volksschule, dann das Hoffmann-Lyzeum und für das 10. Schuljahr ein jüdisches Gymnasium. Sie verliebt sich in Lejser Fichmann, ihrer großen und einzigen Liebe, und schließt sich seiner zionistischen Jugendgruppe an. Mit fünfzehn Jahren beginnt sie Gedichte zu schreiben. Schöne Texte, an klassischen Vorbildern geschult, die Gesetze der Metrik beachtend, meist mit Endreimen. 1942 wird sie in ein von der SS geführtes Zwangsarbeiterlager deportiert.
Sie stirbt nach vier Monaten an Flecktyphus.  57 ihrer Gedichte werden gerettet und machen Selma unvergesslich:
Poem

Die Bäume sind von weichem Lichte übergossen,
im Winde zitternd glitzert jedes Blatt.
Der Himmel, seidig-blau und glatt,
ist wie ein Tropfen Tau vom Morgenwind vergossen.
Die Tannen sind in sanfte Röte eingeschlossen
und beugen sich vor seiner Majestät, dem Wind.
Hinter den Pappeln blickt der Mond aufs Kind,
das ihm den Gruß schon zugelächelt hat.

Im Winde sind die Büsche wunderbar:
bald sind sie Silber und bald leuchtend grün
und bald wie Mondschein auf lichtblondem Haar
und dann, als würden sie aufs neue blühn.

Ich möchte leben.
Schau, das Leben ist so bunt.
Es sind so viele schöne Bälle drin.
Und viele Lippen warten, lachen, glühn
und tuen ihre Freude kund.
Sieh nur die Straße, wie sie steigt:
so breit und hell, als warte sie auf mich.
Und ferne, irgendwo, da schluchzt und geigt
die Sehnsucht, die sich zieht durch mich und dich.
Der Wind rauscht rufend durch den Wald,
er sagt mir, daß das Leben singt.
Die Luft ist leise, zart und kalt,
die ferne Pappel winkt und winkt.

Ich möchte leben.
Ich möchte lachen und Lasten heben
und möchte kämpfen und lieben und hassen
und möchte den Himmel mit Händen fassen
und möchte frei sein und atmen und schrein.
Ich will nicht sterben. Nein!
Nein.
Das Leben ist rot,
Das Leben ist mein.
Mein und dein.
Mein.

Warum brüllen die Kanonen?
Warum stirbt das Leben
für glitzernde Kronen?

Dort ist der Mond.
Er ist da.
Nah.
Ganz nah.
Ich muß warten.
Worauf?
Hauf um Hauf
sterben sie.
Stehn nie auf.
Nie und nie.
Ich will leben.
Bruder, du auch.
Atemhauch
geht von meinem und deinem Mund.

Das Leben ist bunt.
Du willst mich töten.
Weshalb?
Aus tausend Flöten
weint Wald.
Der Mond ist lichtes Silber im Blau
Die Pappeln sind grau.
Und Wind braust mich an.
Die Straße ist hell.
Dann …
Sie kommen dann
und würgen mich.
Mich und dich tot.
Das Leben ist rot,
braust und lacht.
Über Nacht
bin ich
tot.

Ein Schatten von einem Baum
geistert über den Mond.
Man sieht ihn kaum.
Ein Baum.
Ein
Baum.
Ein Leben
kann Schatten werfen
über den
Mond.

Ein
Leben.
Hauf um Hauf
sterben sie.
Stehn nie auf.
Nie
und
nie.




Brennender Stoff
Deutsche Mode jüdischer Konfektionäre vom Hausvogteiplatz
Herausgegeben von Kristin Hahn und Sigrid Jacobeit
156 Seiten, 80 Farb-Abb., br.,  € 19,90
978-3-95565-275-3
Der Hausvogteiplatz und seine angrenzenden Straßen bilden eines der geschichtsträchtigsten Viertel der europäischen Konfektionsgeschichte sowie der Berliner Modegeschichte. Das Jahr 1836 ging  mit der Gründung der Firma „Gebrüder Manheimer“, die erstmals Kleidung (Mäntel) serienmäßig produzierte, als Geburtsstunde der Berliner Konfektion ein. Weitere Firmengründungen, überwiegend von jüdischen Besitzern, folgten unmittelbar, u. a. von Hermann Gerson und Nathan Israel. Mit dem Beginn des NS-Regimes wurde die Zerstörung der jüdischen Kleidungsindustrie und damit der Wurzeln der Berliner Konfektion eingeleitet. „Brennender Stoff“ erinnert an die Blüte, den Umbruch und den Untergang des einstigen Modezentrums. Kristin Hahn studierte Europäische Ethnologie und Erziehungswissenschaften in München und Berlin. 2011/2012 absolvierte sie das Postgraduate Research Program an der Middlesex University London. Ihre Forschungs- schwerpunkte liegen in der Kleidungsforschung sowie Alltagskultur. Derzeit lehrt sie an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Hiroshima1945

Shigemi Ideguchi
Singvögel und Raben waren auch nicht mehr da
Bericht aus dem Zentrum der Atombombenexplosion
120 S., br., € 16,90
978-3-95565-111-4
Shigemi Ideguchi hat den Atombombenabwurf am 6. August 1945 auf Hiroshima aus nur 500 Metern Entfernung erlebt und überlebt. Er hielt seine Erinnerungen in einem Tagebuch fest. Der Autor schildert nicht nur die Zerstörung von Gebäuden und Natur, sondern auch die Auswirkungen der atomaren Verstrahlung auf Körper und Seelen der Opfer.

Jacques Schuster / Marlene Gawrisch
Im raschelnden Laub der Vergangenheit
Der Jüdische Friedhof in der Schönhauser Allee in Berlin
Ein literarischer Spaziergang
112 S., geb., € 19,90
978-3-95565-703-1
Dieses Buch ist mehr als ein Friedhofsführer. Jacques Schuster entführt den Leser in eine längst versunkene Welt des deutschen Judentums. Er beschreibt, was Tod und Trauer im Judentum bedeuten, zeichnet in präzisen und zugleich eindringlichen Worten die Geschichte des Judenhasses von seinen Anfängen bis zum 7. Oktober 2023 nach und schildert, was die Gräber auf dem Jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee von denen erzählen, die dort seit Jahrzehnten und Jahrhunderten liegen. Schuster verleiht den Toten eine Stimme und nimmt den Leser in seinen lebendig erzählten Reportagen mit auf eine Zeitreise in die Vergangenheit.

Fortsetzung dieser Seite = Ausgewählte Backlist H&H




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