---homeVerlagsvertretung Tell Schwandt & Gabriele Schmiga, 14089 Berlin, Lerchenstr. 14a, Tel 030-832 4051..bestellbuch@t-online.de
Herbstreise  2021

Karl Robert Langewiesche
Nachfolger, Hans Köster
Verlagsbuchhandlung KG
Reiseauftrag
Grüner Weg 6 
61462 Königstein im Taunus
Telefon 06174-7333.Fax 06174-933039
info@langewiesche-verlag.de
Verlagsauslieferung:
LKG An der Südspitze 1-12, 04571 Rötha 
Nadja Bellstedt
Tel. 034206 65-256, Fax 034206 65-1771

Gesamtverzeichnis
DIE BLAUEN BÜCHER
Bei uns auf dem Lande: 9.Aufl.
 Architektur

Neuerscheinungen:


Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Rostock-Warnemünde
80 S., 146 Abb., br., € 9,80
978-3-7845-1851-0
500 Jahre nach Martin Luthers Auftritt vor dem Wormser Reichstag und 150 Jahre nach der Einweihung des neugotischen Kirchen-Neubaus in Warnemünde blickt dieses Buch auf eine noch viel ältere Geschichte christlichen Lebens in Warnemünde zurück. Das Buch zeigt in über 140 Bildern die bedeutenden Glaubenszeugnisse, die von der Warnemünder evangelisch-lutherischen Kirchen­gemeinde und anderen Institutionen bewahrt werden. Skizzen zur ­Religionsgeschichte vom Mittelalter bis in die „Nach-Wende“-Zeit 1990-2021 begleiten die Bilder. Acht Beiträge von fünf Expertinnen und Experten ihres Faches ­stellen die Prinzipalstücke dieser Geschichte vor und teilen dazu auch einige neue Erkenntnisse mit.
Kristina Hegner (ehem. Landesmuseum Schwerin) stellt das Kruzifix aus der 1. Hälfte des 15. Jh. vor und die kaum bekannte „Warnemünder Madonna“ (Mitte 15. Jh.). Von Jan Friedrich Richter (Staatl. Museen Berlin) stammt der Beitrag zu dem teils geschnitzten, teils gemalten Flügelaltar von 1475, ferner beschreibt er den knapp 4 Meter großen Christophorus, den er auf „um 1535“ datiert. Christine Magin (Uni Greifswald) gibt Einblicke in die Erforschung alter Warnemünder Inschriften und gewinnt daraus mehrfach erstaunliche Erkenntnisse. Einleitend bietet Christoph Wegner, Leiter des Heimatmuseums, eine Einführung in die Ortsgeschichte, und schließlich beschreibt Christiane Werbs, Landeskirchenmusikdirektorin i. R., die Orgeln.
Dem Leser werden darüber hinaus Bilder und Informationen zu ­Kirchen-Gestühlswangen, Hausmarken, Kanzel, Lesepult, Abendmahlsgerät, Leuchter, Taufstein, Votivschiffen, Glocken und Uhren und einer rätselhaften Grabplatte geboten. Selbstverständlich kommt auch die Bau-Beschreibung samt Bau-Geschichte der neogotischen Kirche nicht zu kurz, die wie keine andere den Beschlüssen des Dresdner evangelischen Kirchentags von 1857 entsprach.
Den verbindenden „roten Faden“ durch das Buch bilden Skizzen zur Religionsgeschichte vom Mittelalter bis heute mit Bezug zu Warnemünde, aber auch allgemein zu protestantischem Kirchenbau und protestantischer Kirchen-Einrichtung.

Carl Larsson
Unser Heim
48 S., 26 farb. Abb. u. 16 Zeichnungen, geb., € 14,80
3. verbesserte Auflage
978-3-7845-2740-6
Mit diesen Bildern von seinem Heim und Familienleben eroberte der schwedische Maler die Herzen der Welt: Dieses Bilderbuch war von seinem Autor gedacht als Kampfschrift für einen neuen Wohnstil. Der schwedische Maler Carl Larsson (1853-1919) begann mit dieser Aquarell-Serie angeblich 1894 auf Anregung seiner Frau Karin, weil er während einer Regenperiode nicht draußen malen konnte. Larsson wollte 1899 »den Geschmack und das Familienleben reformieren«, und das ist ihm in erstaunlichem Maß gelungen: mit diesen Bildern wurde er berühmt, und diese Art, sein Haus einzurichten, beeinflusst bis heute das Interior Design.
Die Texte begleiten die Bilder mit oft humorvoller, spontaner Nachdenklichkeit. Larsson bereichert mit ihnen die literarische Gattung der Plauderei um eine reizvolle Variante. Wenn Larsson scheinbar zu Kindern reden will, muss doch gesagt werden, dass zumindest die zahlreichen Themen europäischer und speziell schwedischer Erwachsener der 1890er Jahre – z.B. Erziehungs­fragen oder Fragen der Wohnungseinrichtung – für Kinder kaum verständlich sein werden (dies ist ein Grund dafür, dass diese ­Bilder von einem Verlag benutzt wurden, um ein Kinderbuch zu illustrieren: ‘Unser Haus’). Als Dokument des lebensreformerischen Aufbruchs jener Jahre ist der Text jedoch so erfrischend und vergnüglich zu lesen, daß wir das Original in Übersetzung vorgelegt haben.
Die Bilder entstanden über einen Zeitraum von einigen Jahren zwanglos neben den größeren Auftragsarbeiten aus dem Bedürfnis, Szenen aus dem Alltag von Larssons Familie festzuhalten. Nicht nur die wichtigsten Räume dieses Künstler-Hauses und -Haushalts, auch seine ländliche Umgebung und natürlich die Kinder figurieren in diesem Buch.

Carl Larsson
Bei uns auf dem Lande
48 S., 25 farb. u. 34 schw.-w. Abb., geb., € 14,80
9. Auflage
978-3-7845-2745-1
Wie damals viele Intellektuelle in ganz Europa begeistern sich um 1900 auch die Larssons für das Landleben. Der schwedische Maler (1853-1919) schildert in seinem zuerst 1906 erschienenen »Künstlerbuch«, wie er 1897 einen kleinen Bauernhof in Sundborn bei Falun in der Provinz Dalarna kauft. In Text und Bild führt er mit Künstlerblick durch den Jahreslauf auf dem Lande.
Dabei wird die schwere Arbeit, die damals jahraus jahrein von einem bäuerlichen Betrieb zu leisten war, von Carl Larsson selbstverständlich verklärt dargestellt. Der Staub in der Scheune beim ­Dreschen oder Worfeln wird ebenso zu einem unwiderstehlichen malerischen Motiv wie die klare Winterluft beim Torfstechen oder die Geselligkeit, welche die Mägde trotz der anstrengenden Arbeit der Kartoffel-Lese abgewinnen. Doch der ehemalige Sozialist Larsson rechnet anscheinend im Jahr 4 nach dem Generalstreik in Schweden damit, dass seine Leser sich bewusst sind, welch schönem Schein sie sich in diesen Bildern hingeben können. Es ist nicht zuletzt die vieldeutig-poetische Seite seiner Kunst, die noch heute Kinder und Erwachsene an Larsson begeistert.
Das Buch hatte der Verleger Karl Otto Bonnier bei Larsson ‘bestellt’, und diesen Auftrag erfüllt der Künstler teils mit poetisch-begeistertem Schwung, teils mit zarter Ironie. Den Zug zurück zur Natur hatte Larsson zwar von seinen bäuerlichen Vorfahren geerbt. Doch reflektiert der Künstler mit seinem Text in seinem typischen Plauderton auch Tendenzen der Zeit wie Technik-Skepsis, das Bedürfnis nach Umwertung bürgerlicher Werte und die Suche nach neuen Zielen. Kommt uns das heute, 2020, bekannt vor?
Das originelle Buch, in Temperament und Formwille ein Zeitdokument, wird hier textlich ungekürzt, mit allen 24 Aquarellen, allen 34 Zeichnungen und Vignetten sowie den originalen farbigen Vor- und Nachsatzblättern vorgelegt. Damit unterscheidet es sich von anderen Ausgaben, die teilweise Larssons Text durch einen neuen Kinderbuch-Text ersetzten (»Unser Hof«).

Carl Larssons Welt
192 S., 410 Abb., geb., € 29,80
978-3-7845-2709-3
Neuauflage Oktober 2021 in Vorbereitung
In bis heute einmaliger Weise stellt dieses Buch Larssons schönste und bekannteste Bilder in den Zusammenhang mit anderen ihnen thematisch verwandten Larsson-Bildern aus anderen Zeiten, es zeigt dadurch auch zahlreiche wenig bekannte Motive. Vor allem aber wird damit Larssons Leben und Werk vorgestellt als „gemalte Utopie vom Leben als `Spiel'“: Die Bildfolge zeigt anscheinend nur die ständige Veränderung von Familie und Haus. Aber durch die Texte erweisen sich die Bilder außerdem als permanente künstlerische Erprobung von Daseins-Entwürfen: die ständige existentielle Auseinandersetzung eines Künstlers um 1900 mit Themen und Problemen seiner Zeit wird deutlich.


Der Kleine Carl Larsson-Kalender 2022
Englisch, Deutsch
12 S. 23 cm hoch x 31 cm breit, Farbtafeln mit Kalendarium, Spirale, € 9,80
978-3-7845-9821-5
Der "Kleine Carl Larsson-Kalender" erscheint ununterbrochen seit 1977. Abgesehen von seiner stets mit wenig bekannten Bildern überraschenden Bildauswahl ist er besonders "alltagstauglich" im aufgegeklappten, an der Wand hängenden Zustand durch das auf jeder Rückseite vorhandene monatliche "Notizkästchen-Kalendarium". Die Motive für 2022: Das Torfstechen – Atelieridyll (1885) –Papas Zimmer – Rosalind – Erik Kvarnberg bei der Gartenarbeit – Lisbeth spielt die böse Prinzessin in Atterboms Theaterstück »Blauer Vogel« – Sommertag (Garten mit Karin und Brita) – Auf Wikinger zug in Dalarna – Ferienaufgaben (Es-björn) – Das Lesezimmer – Die Andere Hälfte des Ateliers – Zwischen Weihnachten und Neujahr mehr Larsson

Der Grosse Carl Larsson-Kalender 2022
12 Blatt, 42 x 46 cm quer, Farbtafeln und Deckblatt, Spirale, Schuber, € 19,80
978-3-7845-9831-4
Der "Große Carl Larsson-Kalender" viersprachig Deutsch - Schwedisch - Englisch - Französisch mit überraschenden, wenig bekannten Bildern des berühmten schwedischen Malers der Jahrhundertwende um 1900. Die Motive für 2022: Ein Bauernhof in Dalarna (Bingsjö) –Die Ruheecke in der Guten Stube – Das Melken –Das traurige Frühstück der Siebenschläferin –Esbjörn im Gras – Erster Unterricht – Unter der Kastanie – Die Veranda – Suzann’ und noch ein ‘ann – Das Schlafzimmer der kleinen Mädchen –Schwiersohn singt – Lucia-Morgen


Carl Larsson
Anderer Leute Kinder
lieferbar: 88 S., 40 farb.Zeichn., geb, € 14,80
978-3-7845-2721-5
1913 spürte Larsson wohl, daß er in gewisser Hinsicht das Opfer seiner eigenen Popularität geworden war: hatte man ihn doch schon als den „guten Onkel aller Schweden" apostrophiert, und hatte der berühmte Schriftsteller und jahrzehntelange Freund August Strindberg Larssons Darstellungen eines glücklichen Familienlebens 1908 für verlogen erklärt. Kann dieser Hintergrund erklären, weshalb sein Text zu `Anderer Leute Kinder' so viel verschmitzte Resignation enthält, obwohl er sich erklärtermaßen an Kinder richtet? Ruft Larsson diese Kinder wie auch die zwischen 1891 und 1913 gemalten zu Zeugen dafür auf, daß und inwiefern er es doch ehrlich gemeint hat?
Der heutige Reiz dieser Kinder-Bilder aus 22 Jahren ist kaum auf einen Nenner zu bringen. Zu unterschiedlich sind die Bilder unter künstlerischem Aspekt wie auch durch die in ihnen mitgeteilten Tatsachen - ebenso widersprüchlich wie der Text. Aber ist nicht ein dermaßen breites Spektrum von Kind-Sein und Erwachsen-Werden in dieser Folge zu finden, daß jeder Zeitgenosse das eine oder andere wie einen Spiegel auch unserer heutigen, ängstlichen, rätselhaften oder ungeklärten Empfindungen auffassen kann? Zumindest in dieser Hinsicht ist Larsson ehrlich, echt und damit: schön!

Carl Larsson
Das Haus in der Sonne
Herausgegeben von Karl Robert Langewiesche
80 S., 96 Abb., dav. 17 farbig; br., € 12,80
978-3-7845-2701-7
über 500.000 verkaufte Exemplare
Aus einem Querschnitt durch Larssons Arbeiten (Bildern und Texten) 1909 entstanden, hat dieses Blaue Buch Millionen begeistert und den schwedischen `Malerpoeten' (1853-1919) weltberühmt gemacht. Dieses Buch ist immer wieder zum „Kult-Buch" für etliche Generationen seit 1909 geworden, trotz oder wegen Kaiserreich, Weimar und „Drittem Reich", Fifties und 68ern. Denn es handelt von der Freiheit der Kinder, von einem persönlichen Wohn-Stil, von der Macht der Frauen und der Blumen....Karl Robert Langewiesche hat damals seine Auswahl mit allem Raffinement getroffen und ein ungelehrtes Lehrbuch der „Lebensreform" vorgelegt. Dieser Evergreen wurde stets von Kindern geliebt und von Erwachsenen bewundert, von den Theoretikern der Moderne aber (zu Recht) beargwöhnt (diesen empfehlen wir die rezeptionsgeschichtliche Studie von Cecila Lengefeld: „Der Maler des glücklichen Heims", welche aufdeckt, warum und wie Langewiesche seine Appelle in dem Buch gesetzt hat). Diese Auswahl ist `authentisch' insofern, als sie die Sonnenseiten des Zeitgeistes der deutsch-`wilhelminischen' Kaiserzeit um 1900 widerspiegelt, Larssons Reflexionen aber nur in Form von Reflexen zeigt. Die Auswahl-Leistung Langewiesches wird messbar an den übrigen in unserem Verlag vorgelegten Larsson-Büchern.

Carl Larsson
Die Larssons
lieferbar: 64 S., 94 Abb., € 14,80
978-3-7845-2731-4
In seinem typischen Plauderton stellt Carl Larsson uns seine Frau Karin, ihre sieben Kinder sowie seine Eltern vor. Außerdem gewährt er Einblick in seine Kindheit und Karriere, ferner seine Ansichten zu Religion und Politik. Jedes der Farbbilder nach bekannten und weniger bekannten Gemälde der Zeit zwischen 1883 und 1902 kommentiert der Künstler selbst. 
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DIE BLAUEN BÜCHER


Fritz Schmalenbach
Käthe Kollwitz
lieferbar: Neuauflage zweisprachig deutsch / englisch
90 S., 72 Abb., geb., € 12,80
978-3-7845-2672-0
In diesem Buch wird, gestützt auf eine repräsentative Auswahl aus dem Werk von Käthe Kollwitz und wesentlichen biografischen Fakten, als Thema ihrer Kunst das Elementare menschlichen Leidens - von dem die Not der Armen nur eine der zahlreichen Formen ist - gesehen. Eine Kunst, die Not darstellt in der Absicht, die Herzen aufzurütteln, ist in hohem Maß davon bedroht, sentimental, rührselig zu werden. Dagegen ist die Kunst der Kollwitz ganz und gar unsentimental. Dieses Buch wurde 1965, im Jahr seines Erscheinens, als eines der „schönsten Bücher" ausgezeichnet. Es hat seither seine Faszination nicht eingebüßt, sondern sich in mehreren Auflagen neben zahlreichen anderen Kollwitz-Büchern ausgezeichnet behauptet.

Naomi Jackson Groves
Ernst Barlach – Leben im Werk
Plastiken, Zeichnungen und Graphiken, Dramen, Prosawerke und Briefe
Neuauflage
120 S., 120 Abb., geb., € 14,80
978-3-7845-4154-9
Dieser einzigartige Querschnitt durch Barlachs Gesamtwerk (Schriften, Graphiken und Plastiken) hat sich auch nach rund 40-jähriger Forschung als ideale Einführung zu Ernst Barlachs Leben und Werk behauptet. Für diese Auflage wurden weitere 4 s/w-Bilder von Plastiken durch Farbaufnahmen ersetzt. Die Hauptwerke Barlachs sind mit wenigen Ausnahmen in diesem Band vertreten – die Texte in Auszügen. Eine Übersicht der Lebensdaten und ein Verzeichnis der wichtigsten Quellen machen diesen Band zu einem Nachschlagewerk. Ernst Barlach (1870 – 1938) zählt zu den bekanntesten Künstlern der Moderne. Seine Kunst wurde von den Expressionisten anerkannt, Existenzphilosophen zählten ihn unter die ihren, seine Dramen wurden bis in die 1930er Jahre aufgeführt, meist unter hervorragenden Regisseuren. Hinter den von ihm behandelten Themen wie Armut, Krieg, Glaube, Unrecht oder Unterdrückung wird seine Hauptfrage nach der Möglichkeit menschenwürdigen Daseins stets deutlich.
Kannte man bisher vor allem den Plastiker Barlach, so bietet dieses Buch einen Überblick über den „ganzen Barlach“, den Schriftsteller, Graphiker und Plastiker. Und dies chronologisch geordnet und so miteinander verwoben, dass die existientielle Position Barlachs stets deutlich wird. Auch seine Frühzeit wird nicht ausgeblendet. Die Autorin gibt behutsame Hinweise und Kommentare, ihre Einführung ist kunsthistorischer Essay und Lebensbeschreibung zugleich.
Naomi Jackson Groves [1910 - 2001] besuchte 1936/1937 Deutschland mit einem Reisestipendium der Canadian Federation of University Women, um Fälle kreativer Vielseitigkeit zu untersuchen. Sie entdeckte ihre ersten Barlachs, die schmerzlich schwer zugänglich waren, in den Jahren, als der Künstler von den Nazis als „Kulturbolschewik“ gebrandmarkt, seine Werke nicht zeigen durfte. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt sie den Ph.D. an der Harvard University, mit einer Dissertation, die für die Einschätzung von Barlachs Werk von entscheidender Bedeutung blieb. Sie trägt den Titel: „Ernst Barlach - Die Entwicklung eines vielseitigen Genies“. Seit den 1940er Jahren beschäftigt sich Frau Groves sowohl mit Germanistik als auch mit Kunstgeschichte, übersetzte Barlach-Werke ins Englische, knüpft Kontakt zu seinen Freunden und Sammlern in Europa und Nordamerika und half in den USA und Kanada bei der Organisation von Ausstellungen seiner Werke und Aufführungen seiner Stücke in englischer Sprache. Sie hat sich bei der Erstellung der von Friedrich Schult in Güstrow zusammengestellten Arbeitskataloge nützlich gemacht. und war jahrelang Vorstandsmitglied der Ernst Barlach Gesellschaft (Hauptsitz in Hamburg). Von 1951 bis 1958 war sie für die bildenden Künste an der McMaster University in Hamilton, Ontario, verantwortlich, die ihr im Mai 1972 einen Ehrendoktor in Literaturwissenschaft verlieh, zum größten Teil für ihre Bemühungen auf dem Gebiet der Barlach-Forschung.

Gleichzeitig liegt eine englische Ausgabe vor:

Naomi Jackson Groves
Ernst Barlach - Life in Work
Sculpture, Drawings and Graphics, Dramas, Prose Works and Letters in Translation.
124 S., 120 Abb., geb., € 14,80
978-3-7845-4153-2
Well known internationally as a sculptor, the North German artist Ernst Barlach (1870-1938) is revealed in the present volume as an outstanding writer as well, being accepted already as such in German literary circles. Barlach s writings early stories, later dramas and novels, diaries and letters are presented alongside his drawings, woodcuts and lithographs, his first clay working models alongside the later completed sculpture in wood, bronze, or other medium. No other single book on the multi-gifted artist reveals as fully and objectively the creative unity of spirit behind the interplay of his many forms of expression. The presentation is in chronological order and thematic context, sometimes with cross-references in the captions, to clarify the complex connections. The formative years of this artist with the `thinking eye are stressed just as fully as is the period of his maturity. With few exceptions, all major works are included most writings perforce in excerpt; several of these appear here for the first time in book form. Discreet guidance is given in brief commentaries; the Introduction interweaves the artist s life and work. A short chronology of dates is appended, along with a list of works for English readers. Constant good contact has been maintained with Barlach research centres in Güstrow, Hamburg, and Ratzeburg, as well as with the publishing house of R. Piper & Co. in Munich. The entire translation, as well as the original selection, is by the editing author.
Barlach emerged by 1911/1912 as a highly regarded sculptor in wood and despite his penchant for solitary off-sidedness enjoyed deep respect among the German Expressionists who belonged to a generation younger than his own. By 1930 seven of his plays had been given stage production, usually under outstanding directors. After the Second World War, public interest in his sculpture and graphic work was roused by notable exhibitions and by the establishment in West and East Germany of at least four permanent centres for his work. Critical German editions of his dramas and prose works, two large volumes of his letters, and three imposing volumes of his oeuvre in visual media show the astounding breadth of his creative production. Outside Germany as well, Barlach research flourishes vigorously.
Naomi Jackson Groves [born in Montreal 27.7.1910, died in Ottawa 26.12.2001] visited Germany in 1936/1937 on a travelling fellowship from the Canadian Federation of University Women, in order to explore cases of creative versatility. She discovered her first Barlachs, painfully difficult of access, in the years when the artist, branded by the Nazis as a culture Bolshevik and not allowed to show his works, endured his final misery in his Heidberg studio outside the town of Güstrow in Mecklenburg. No personal meeting took place, but from that time forth the author of this book has held true to the artist she considers the greatest of the multi-gifted of his century. Shortly after World War II she obtained the Ph.D. at Harvard University, with a thesis read by Professors Karl Vietor and Jakob Rosenberg Germanics and Art History in unison academically rare but vital for Ernst Barlach s work. The voluminous thesis, still the only combined appraisal of Barlach s work in all media, is titled: Ernst Barlach The Development of a Versatile Genius . Since the 1940s Mrs. Groves has been actively engaged in both Germanics and Art History, translating Barlach works into English, establishing contact with his friends and collectors in Europe and North America, and happily helping in the United States and Canada to arrange exhibitions of his works and performances in English of his plays. She has made herself useful in the preparation of the Work Catalogues compiled by the late Friedrich Schult in Güstrow, and has served for years as a Board Member of the Ernst Barlach Society (headquarters in Hamburg). From 1951 to 1958 she was in charge of Fine Arts at McMaster University in Hamilton, Ontario, which in May 1972 granted her an honorary Doctor of Letters, in large part for her efforts in the field of Barlach research.


Horst Appuhn
Der Bordesholmer Altar
und die anderen Werke von Hans Brüggemann
3. durchgesehene Auflage
lieferbar: 64 S., 100 Abb. (30 farb.), geb., € 7,00
978-3-7845-0299-1
Der Bordesholmer Altar, 1521 vollendet, steht heute im Dom zu Schleswig. Hans Brüggemann, von Herzog Christan Albrecht beauftragt, ließ sich für diesen größten szenischen Schnitzaltar Norddeutschlands unter anderem von Dürer-Holzschnitte anregen. Seine Werke finden sich aber auch anderwärts, so in Kopenhagen und Husum, und werden hier ebenso vorgestellt wie erläutert.

Hannes Möhring
König der Könige
Der Bamberger Reiter in neuer Interpretation
64 S., 120 Abb., geb., € 9,80
978-3-7845-2141-1
Wen sollte der Bamberger Reiter – eines der von Nationalisten schon vor 1933 missbrauchten Kunstwerke – darstellen?
Der Mediävist und Orientalist Hannes Möhring bietet eine überzeugende Antwort: den am Ende der Zeiten wiederkehrenden Messias, den „König der Könige“ aus der Offenbarung des Johannes. Die Skulptur des waffenlosen Reiters im Bamberger Dom, geschaffen wohl vor 1237, sollte die Gläubigen daran erinnern, dass die Feinde des Christentums, vor allem die Muslime, nur durch Gottes Wort wirklich zu besiegen seien. Nach der Entfaltung seiner These bezieht der Autor auch andere berühmte Figuren des Bamberger Skulpturenprogramms in seine Untersuchung ein, bevor er die bisherigen Meinungen zum Reiter diskutiert. Dann geht er der Frage nach, ob mit dem Reiter auch ein Krypto-Porträt Kaiser Friedrichs II. gemeint gewesen sein konnte, weil Friedrich von seinen Zeitgenossen mehrfach mit dem Messias verglichen worden ist. Abschließend führt Möhring den Leser ein in die Endzeit-Erwartungen der Christen, Juden und Muslime zur Zeit der Kreuzzüge und in die damaligen Auseinandersetzungen über das Recht zur Tötung von Glaubensfeinden. Eine Kopie des Bamberger Reiters ist zur Zeit auf der Saladin-Ausstellung in Halle (später Oldenburg und Mannheim) zu sehen, eine Ausstellung, die vorwiegend die mittelalterlichen Kreuzzüge zum Thema hat. Hannes Möhring hat an dieser Ausstellung mitgewirkt.
DIE BLAUEN BÜCHER: Die einzige lieferbare Darstellung des »Gesamtwerks« Riemenschneiders (um 1460-1531)

Die Berliner „Skulpturensammlung“ der SMPK ist eine Hochburg Tilman Riemenschneiders, sowohl was den Bestand an Originalwerken betrifft als auch die Forschung. Die aktuelle Auflage sollte daher im Berliner Buchhandel vorrätig sein, und zwar wegen ihres Alleinstellungsmerkmals, da es seit Jahrzehnten keine Darstellung des Gesamtwerks außer in diesem Titel gibt, noch dazu jetzt wieder ganz aktuell! Die Autorin ist übrigens Berlinerin . . .

Iris Kalden-Rosenfeld
Tilman Riemenschneider
und seine Werkstatt
6. aktualisierte und erweiterte Auflage 2019
175 S., 300 Abb., dav. 59 farbig. geb, € 16,80
978-3-7845-3227-1
Riemenschneider (um 1460-1531) ist einer der bedeutendsten deutschen Bildhauer der Spätgotik. Weitgehend unberührt von den Einflüssen der Renaissance, war er ein Handwerksmeister mit außergewöhnlichem Geschick – das perfekte Finish seiner Figuren weist keinerlei Werkzeugspuren auf. Trotz der Verwendung traditionellen Formengutes schuf er Neues und nie zuvor Gesehenes. Neben der verhaltenen Körpersprache seiner Figuren faszinierte damals und heute die Holzfarbigkeit der zumeist „unbunt“ lasier­ten Skulpturen und das damit verbundene Spiel von Licht und Schatten. Dem Hauptteil des Buches, der die wichtigsten Werke ausführlich und mit zahlreichen Detailaufnahmen in chronologischer Folge vorstellt, folgt ein Katalogteil aller übereinstimmend als „gesichert“ geltenden Werke des Meisters und seiner Werkstatt. Die Zu- und Abschreibungen zum oder vom eigenhändigen Werk Riemenschneiders, zu oder von seiner Werkstatt oder zu Nachahmern beschäftigt die Wissenschaft bis heute. Deshalb zeigt das neue Blaue Buch auch beliebte, aber inzwischen „abgeschriebene“ Werke. Das ausführliche Standort-Register bietet ggf. auch die Inventarnummern der Museen, von denen etliche im Ausland, auch in Amerika, liegen. Dargestellt wird auch die Arbeitsweise des Meisters und seiner Werkstatt sowohl in organisatorischer und technischer Hinsicht als auch bezüglich möglicher Vorbilder, Anregungen, Auftraggeber und Adressaten. Dabei berücksichtigt die Autorin stets auch das soziale, wirtschaftliche und politische Umfeld Riemenschneiders als Zeitzeuge der Reformationszeit.

Gerhard Straehle
Der Naumburger Stifter-Zyklus
Elf Stifter und der Erschlagene im Westchor (Synodal-Chor) des Naumburger Doms
2. Auflage
lieferbar: 104 Seiten, 121 s/w-Abb., br., € 12,80
978-3-7845-2962-2
Für jeden an mittelalterlicher Skulptur im ‘Heiligen Römischen Reich’ und an der Geschichte des 13. Jahrhunderts interessierten Leser ist dieses Buch ein Muss als Führer in den Westchor des Naumburger Doms mit seiner ‘Triumphierenden Kirche’ in den Glasfenstern und seinem berühmten Stifterzyklus. Gerhard Straehle beschreibt jede einzelne der zwölf Figuren genau und erklärt eingehend ihre historischen Bedeutungen sowie Biographien anhand zeitgenössischer Quellen. Das Buch erzählt auch die spannende Geschichte vom Machtkampf zwischen den Bischöfen in Naumburg und den Markgrafen in Meißen zur Zeit der Entstehung des Zyklus. Außerdem wird erstmalig gezeigt, dass dieser Bildhauer nicht aus Frankreich, sondern aus dem Hauskloster der Wettiner in Altzella gekommen ist, wo der junge Naumburger Meister zehn Jahre zuvor das heute fast vergessene Grabdenkmal des Markgrafen Dietrich des Bedrängten gemeißelt hat. Die Frage nach den Auftraggebern und deren Interessen beantwortet der Autor durch eine Auswertung einschlägiger Dokumente aus der Entstehungszeit des Westchors. Diese Dokumente schließen eine liturgische Funktion der Stifterfiguren aus, wie sie die Autoren des Katalogs der Naumburg-Ausstellung von 2011 favorisieren. Dieselben Dokumente zeigen vielmehr, dass dem politischen Willen des Markgrafen eine entscheidende Bedeutung zukam bei der Konzeption und Gestaltung des Stifterzyklus mit der Darstellung von elf Stiftern und einem ,Erschlagenen’ (Dietmar) im Synodal-Chor der Naumburger Bischofskirche. Abschließend (vor der Wiedergabe ausgewählter Urkunden) stellt der Autor die wichtigsten bisherigen Interpretationen zum Naumburger Stifterzyklus vor. Gerhard Straehle wurde 2008 mit einer grundlegenden Arbeit „Der Naumburger Meister in der deutschen Kunstgeschichte“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München im Fach Kunstgeschichte bei Prof. Dr. Bernhard Schütz promoviert. 


Stefan Muthesius
Kunst in Polen - Polnische Kunst 966-1990
Eine Einführung
108 S., 323 Abb., geb., € 9,80
978-3-7845-7610-7
Dies ist das erste (und bisher einzige) von einem Nicht-Polen verfasste Buch über die Geschichte von 1000 Jahren Kunst in Polen. Eingangs schildert der Autor die Rolle der (polnischen, französischen und deutschen) Kunsthistoriker in der nationalen Frage. Ausführliche Literaturhinweise machen den Band zum Handbuch. Muthesius gelingt es, sehr gegensätzliche Aspekte zu bedenken, etwa den regionalen, den nationalen, den europäischen, den Weltkunst- und den Herrschafts-Kunst/Volkskunst-Aspekt.
„Es ist so müßig wie historisch unangemessen – und leider immer noch verbreitet –, Polen gleichsam jegliche geistigen Eigentumsrechte an solchen Werken abzusprechen. ein sehr mutiges und insgesamt geglücktes Unterfangen.” (Arnold Bartetzky, Journal f. Kunstgeschichte)
Außerhalb des eigenen Landes sind Kunst und Architektur Polens noch so gut wie unbekannt. Ein paar Bilder von Krakau oder Warschau mögen in den Sinn kommen und Mitteleuropäer erinnern sich an Gebäude in Schlesien und den baltischen Städten - aber diese gehören sicherlich eher zur deutschen als zur polnischen Kunst? Eine solche Aussage muss heute als oberflächlich, wenn nicht irreführend angesehen werden. Die gotische Architektur West- und Nordpolens bildete nur zwei von zahlreichen regionalen oder provinziellen Schulen Europas. Die Renaissance-Kunst von Danzig hatte ihre Heimat hauptsächlich in den Niederlanden. Das Gleiche gilt natürlich auch für den größten Teil der Kunst in Zentralpolen: Die "polnische Renaissance" war praktisch ein direkter Import aus Italien, hochwertige Kunst im 18. Jahrhundert stammte aus Frankreich und der Landschaftsgarten aus Großbritannien - ganz zu schweigen vom kosmopolitischen Neoklassizismus, oder universelle Moderne. Gab es streng genommen jemals eine "polnische Kunst"? Die gleiche Frage kann natürlich auch zur "deutschen Kunst" und zur Kunst und Architektur vieler anderer Länder gestellt werden. Tatsache ist jedoch, dass seit dem späten 18. Jahrhundert versucht wurde, bestimmte Formen oder Themen in der Kunst als spezifisch "polnisch" zu definieren. Es begann mit der Darstellung großer nationaler Ereignisse, mit einer Liebe für die Details der "nationalen" Kleidung und der polnischen Landschaft. Architekten, Kritiker und Denkmalpfleger begannen ihre Kampagnen, um ältere Gebäude als zu einem "nationalen Stil" gehörend zu charakterisieren. All dies geschah gerade zu der Zeit, als die Deutschen die "Deutsche" aller Kunst innerhalb Deutschlands und sogar jenseits ihrer Grenzen betonten, zum Beispiel im angrenzenden Polen. Die nationale Macht manifestierte sich nicht nur in Ereignissen, sondern auch in Formen und Stilen. Die Einführung dieses Buches konzentriert sich ausführlich auf die Entwicklung der polnischen Kunstgeschichte und die kunsthistorisch-politische Debatte. Der Haupttext und die über 300 Abbildungen versuchen, sowohl dem nationalen als auch dem europäischen Argument gerecht zu werden. Insgesamt blieb der polnische Kulturnationalismus eher in sich geschlossen, sogar egozentrisch. Dies kann erklären, warum dieses Buch das erste ausländische Werk zur polnischen Kunst ist.
INHALT: Einführung: Kunst, Nation, Politik und der Kunsthistoriker: Die Gründung einer akademischen polnischen Kunstgeschichte; Deutsch-polnische Streitigkeiten I: Anfänge; Die Schlacht um Veit Stoss; II: Der kunsthistorische Angriff auf Polen. Kunsthistorischer Wiederaufbau. Kunstgeschichte und kommunistischer Staat. Das "Nationale", das "Populäre"; Probleme der Bewertung. Hinweise zur Einführung. Einige Kriterien der Wahl. Die frühen Perioden. Gotische Architektur. Kirchenbeschläge im Mittelalter. Die polnische Renaissance. Sarmatismus. Warschauer Stadtpaläste. Der letzte König als Patron. 1760-1900: Palladianismus, Gartenarchitektur, Neoklassizismus, Neugotik. Malerei und Nationalismus vom späten 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert. Die Kunst des 20. Jahrhunderts: Architektur und Design; Skulptur; Weitere gegenständliche Künste; Grafik-Design; Die Kunst des Plakats. Allgemeine Bibliographie. Index. Historische Karten. Aussprache hilft.
DER AUTOR: Stefan Muthesius (* Berlin 1939) unterrichtet Kunstgeschichte an der School of World Art Studies und Museology der University of East Anglia in Norwich. Zu den Veröffentlichungen gehören: Victorian Architecture (mit Roger Dixon); Das englische Vorbild; Das englische Reihenhaus; Hochhaus. Modernes öffentliches Wohnen in Großbritannien (mit Miles Glendinning).

Stefan Muthesius
Art, Architecture and Design in Poland 966-1990
An Introduction
In Englischer Sprache
120 S., 323 Abb., geb., € 9,80
978-3-7845-7611-4

Umgebinde
Eine einzigartige Bauweise im Dreiländereck Deutschland - Polen - Tschechien
248 S., 480 Abb., geb., € 24,80
978-3-7845-5210-1
Eine einmalige Hauslandschaft hat sich im östlichsten Zipfel Deutschlands, der südlichen Oberlausitz, und den angrenzenden Gebieten, auch Polens und Tschechiens, in erstaunlicher Dichte erhalten. Sie ist durch die Umgebinde-Bauweise gekennzeichnet, grob gesagt eine Kombination von Blockhaus und Massivbau sowie meist auch Fachwerk und der namengebenden Stützkonstruktion, dem "Umgebinde".32 Autoren aus verschiedenen Fachrichtungen, aus Deutschland, Polen und Tschechien, betrachten alle Aspekte der - vielfach abrissgefährdeten - Umgebindehäuser: Konstruktionen, Geschichte, Verbreitung, die Regionen des „Umgebindelandes“ und ihre regionaltypischen Eigenheiten mit Beispielen aus den wichtigsten „Umgebinde-Dörfern“, Ziermotive, Farbe am und im Haus, Umgebinde und Ökologie, Sanierungs-Problematiken, Haustechnik, Wohnqualität, alte und neue Nutzungen, Zukunftsaussichten.

Über 100 Jahre Bauhaus:

Bläsing, Peter
Architektur der Zwanziger Jahre in Deutschland
Ein Vermächtnis in Gefahr
lieferbar: 300 S., 670 Abb., davon 338 farbig, br., € 19,80
978-3-7845-8044-9
Was blieb von der Architektur der 1920er Jahre, die keineswegs nur aus „Bauhaus“ oder „Internationaler Moderne“ bestand?
Eine Definition solcher Architektur, die ihre Entstehungszeit am besten repräsentiert, hat 1929 Walter Müller-Wulckow gezeigt in seinen drei Blauen Büchern „Bauten der Arbeit und des Verkehrs“, „Wohnbauten und Siedlungen“ sowie „Bauten der Gemeinschaft“, 323 Fotos von 248 Bauten. Diesen hat Peter Bläsing in den letzten fünfzehn Jahren mit großer Sorgfalt nachgespürt und sie fotografiert, und zwar möglichst aus dem Blickwinkel von 1929. Eines der Ergebnisse: 27% der Gebäude wurden inzwischen zerstört oder bis zur Unkenntlichkeit verändert, erstaunlich viele sind aber mehr oder weniger gepflegt und einigermaßen original erhalten.
Anders als bei Müller-Wulckow sind hier die neuen Bilder den alten in ortsalphabetischer Folge gegenübergestellt. In den Bildbeischriften findet der Leser die von Bläsing recherchierten genauen Adressen sowie vielfach Kurz-Notizen seiner Recherchen.
Der Kunsthistoriker Christian Welzbacher betrachtet in seinem einführenden Essay, durchaus auch mit provokanten Zuspitzungen, die Problematik eines angemessenen Umgangs mit diesem architektonischen Erbe. So weist er unter anderem darauf hin, dass sowohl die Bilder von 1929 als auch die jüngsten bestenfalls Abbilder einer „Moderne“ sind, die immer nur zwischen Buchdeckeln oder in den Köpfen existiert hat.  Peter Bläsing hat die Bauten nicht nur neu und in Farbe fotografiert, sondern - soweit möglich - auch genaue Standort-Angaben (261 Adressen) sowie vielfach Daten zur Bauhistorie recherchiert. Um das Bildmaterial als Nachschlagewerk, gewissermaßen als Architekturführer zu nutzbar zu machen, wurden die Bilder nach dem Ortsalphabet geordnet. Alte Aufnahmen werden jetzt in kleinem, die neuen in größerem Format darüber wiedergegeben, begleitet von knappen Textangaben zu den Bauten. Daraus ergab sich das schmalhohe Buchformat. Wo mehrere Bilder von ein und demselben Bau existieren, werden diese möglichst auf derselben Buch-Doppelseite gezeigt. das Taschenbuch zeigt was noch übrig ist bzw. 1994-2009 noch übrig war.
Hermann Henselmann (1905-1995) gilt heute vielen immer noch als Vater der historisierenden „Stalinallee“.  Er setzte sich jedoch Zeit seines Lebens gegen viele politische Widerstände für eine moderne Architekturauffassung ein:
Bevor Hermann Henselmann nach 1945 zu einem der führenden Architekten der DDR avancierte, war er bereits in zwei weiteren politischen Systemen als Architekt tätig gewesen. Anhand seines Werkes lässt sich beispielhaft verfolgen, wie die Moderne in Abhängigkeit zum politischen Kontext mit unterschiedlichen und zum Teil sich widersprechenden Inhalten belegt worden ist: Während der Weimarer Republik favorisierte Henselmann klar das „Neue Bauen“. In der NS-Zeit erhielt er als „Halbjude“ Arbeitsverbot, dann jedoch eine Anstellung im Industriebau, in Polen baute er Mustergehöfte für „Volksdeutsche“. In der SBZ gelang es ihm, Modellplanungen zu entwickeln, die nicht nur für den Wiederaufbau Maßstäbe setzten, sondern auch später für die DDR wegweisend wurden. Seine Bauten an der „Stalinallee“ in Ost-Berlin können sicherlich als die prägnantesten Beispiele des „stalinistischen Zuckerbäckerstils“ bezeichnet werden. Während der 1960er Jahre gelang es Henselmann schließlich, eine Moderne mit „sozialistischem Antlitz“ als Staatsarchitektur in der DDR durchzusetzen.

Kossel, Elmar
Hermann Henselmann und die Moderne
Eine Studie zur Modernerezeption in der Architektur der DDR
Hrsg. v. Adrian von Buttlar und Kerstin Wittmann-Englert in der Reihe FORSCHUNGEN ZUR NACHKRIEGSMODERNe
des Fachgebietes Kunstgeschichte am Institut für Kunstwissenschaft und Historische Urbanistik der Technischen Universität Berlin
lieferbar: 200 S., 202 Abb., fadengehefteter Festeinband, € 39,80
978-3-7845-7405-9
Dieses Buch über Hermann Henselmann (1905-1995) stellt erstmals das Verhältnis des ehemaligen Chefarchitekten von Ost-Berlin zur Moderne im wechselnden politischen Kontext ausführlich in den Focus der Betrachtung. Henselmann gilt vielen noch immer als Vater der historisierenden Stalinallee. Jedoch setzte er sich Zeit seines Lebens gegen viele politische Widerstände für eine moderne Architekturauffassung ein. Als gelernter Raumgestalter konnte bereits in jungen Jahren an der Seite des Filmarchitekten Alexander Ferenczy eine extravagante Villa am Genfer See mit entwerfen – nach Ferenczys unvermittelten Unfalltod 1931 behauptete Henselmann allerdings, die modernistische Villa KenWin sei allein sein Werk. Aus heutiger Sicht markiert dies den Beginn einer Selbststilisierung, mit Hilfe derer Henselmann stets eloquent seine Position in wechselnden politischen Kontexten zu behaupten wusste. Während der NS-Zeit, die Henselmann, nach eigener Aussage, vorwiegend lesend im inneren Exil verbrachte, war er (wie viele Vertreter seiner Generation, die nicht emigrierten) im Industriebau angestellt, wo die Moderne ihren festen Platz innerhalb der Stilhierarchie der Nationalsozialisten hatte. Darüber hinaus baute er im besetzten Polen Bauerngehöfte für sogenannte „Volksdeutsche“, die zu den Musterprojekten der Zeit gerechnet werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg machte Henselmann in der „ SBZ“ als Direktor und Professor der Hochschule für Baukunst und Bildende Künste in Weimar eine Karriere als Architekt und Hochschullehrer. Ihm gelang es dabei, Modellplanungen zu entwickeln, die nicht nur für den Wiederaufbau in Thüringen Maßstäbe setzten, sondern auch später für die DDR wegweisend wurden. Nach der NS-Zeit suchte er die neue sozialistische Gesellschaft mit einer modernistischen Architektur zu versinnbildlichen. In den 1950er Jahren geriet die Moderne jedoch durch die nach stalinistischem Vorbild eingeführte Architektur der „ nationalen Traditionen“ in Misskredit, so dass Henselmann erwog, die DDR zu verlassen. Auch wenn er sich nur widerwillig darauf einließ, konnte er stadtbildprägende Bauten realisieren. Während der 1960er Jahre gelang es ihm schließlich, eine Moderne mit sozialistischem Antlitz als Staatsarchitektur in der DDR durchzusetzen. Dieses Buch ist weder eine Monographie noch eine Biographie über Henselmann, vielmehr verdeutlicht die Studie am Beispiel seines Werks, dass das formale Instrumentarium der Moderne zu keinem Zeitpunkt an einen festen (politischen) Inhalt gebunden war. Elmar Kossel wurde 2008 mit dieser Arbeit an der FU Berlin bei Prof. Dr. Harold Hammer-Schenk promoviert. Als Postdoc-Stipendiat und Assistent am Kunsthistorischen Institut in Florenz, Max-Planck-Institut, forschte er zur Architektur und Städtebau im Faschismus und zur Moderne in Italien. 2013 erscheint vom selben Autor die kommentierte Übersetzung des Tagebuches des italienischen Archäologen und Kunsthistorikers Ranuccio Bianchi Bandinelli: „Hitler, Mussolini und ich. -  Aus dem Tagebuch eines Bürgers“. Elmar Kossel lebt als freier Kunsthistoriker und Übersetzer in Florenz.



Manfred Schukowski unter Mitarbeit von Wolfgang Erdmann (†), Wolfgang Fehlberg und Kristina Hegner.
Die Astronomische Uhr in St. Marien zu Rostock
Im Umfang stark erweiterte und aktualisierte 3. Auflage, With english summary
80 S., über 140 Abb., davon 116 farbig, br., € 7,90
978-3-7845-1237-2
Dieses Buch ist die inhaltsreichste Publikation über diese UNESCO-Welterbewürdige Uhr, die älteste noch gehende Astronomische Uhr der Welt
mit ihrem originalen Gehäuse und den Uhrwerken, erbaut 1472, erweitert und im Dreißigjährigen Krieg im reformatorischen Geist neu gestaltet.
Die jetzige 3. Auflage ist textlich und bildlich stark erweitert und beschreibt auch die Aktualisierung der Kalenderdaten auf die Jahre 2018-2150.

Inhalt:

3 ZUR EINFÜHRUNG
ZEITMESSUNG UND ERSTE MITTELALTERLICHE RÄDERUHREN
4 Jahr – Monat – Tag
6 Temporal- und Äquinoktialstunden
6 Zeitmesser von der Antike bis ins Mittelalter
7 Die ersten „gehemmten“ Räderuhren
8 Die Spindel-Hemmung mit Waag
9 Zum Wandel des Zeitbewusstseins vom 13. bis zum 15. Jahrhundert: Die Funktion bestimmt die Form
DIE FRÜHEN ASTRONOMISCHEN UHREN
10 Die frühen astronomischen Uhren
11 Die „Ostsee-Uhrenfamilie“
AUS DER GESCHICHTE DER STADT ROSTOCK UND DER PFARRKIRCHE ST. MARIEN
15 Rostock im Mittelalter
17 Die Pfarrei St. Marien im Mittelalter
18 Die „Kirchenfabrik“: Bau-Behörde der Pfarrei
18 Die Marientiden-Bruderschaft: ein Herren-Kaland
19 Zur Baugeschichte der Rostocker Marienkirche
ZUR GESCHICHTE DER ROSTOCKER SCHAU-UHR
20 Die Glocken
22 Die Uhr im Rostocker Kämmereibuch von 1379/80
23 Der Uhrmacher Nikolaus Lilienfeld
22 Zur mittelalterlichen Uhren-Topographie Rostocks
23 Die heutige Uhr in St. Marien
27 Der Ablass von 1472
28 War der Uhrmacher Hans Düringer in Rostock tätig?
30 Die Rostocker Uhr in nachmittelalterlicher Zeit
32 Wechsel der Kalenderdaten 2017/2018
BESCHREIBUNG DER ROSTOCKER ASTRONOMISCHEN UHR
33 Die beiden konkurrierenden Uhren / Die Rostocker Uhr besaß eine Anzeige auch nach Westen
34 Die heutigen Anzeigen der Rostocker Uhr
34 Die Rostocker Uhrscheibe
36 Zur Geschichte von Tierkreisbildern und Monatsbildern
37 Die zwei Rostocker Tierkreise
42 Die Rostocker Monatsbilder
46 Die Anzeigen des Rostocker Zifferblatts
49 Die Rostocker Evangelistensymbole
50 Das Rostocker Kalendarium
52 Die Rostocker vier Astronomen
54 Der „Kalendermann“
55 Die neue Beschriftung der Kalenderscheibe
58 Die Anzeigen des Rostocker Kalendariums
62 Der Aufsatz und der Rahmen
65 Die Werke
ANHANG:
75 Der Ablasstext von 1472, lateinisch
76 LITERATURHINWEISE
78 ENGLISH SUMMARY
Das Blaue Buch zur ältesten noch gehenden Astronomischen Uhr der Welt (1470/73 fertiggestellt, ein Vorgängerbau wird schon 1379/80 erwähnt) erschien zuerst 1992. Das Buch hat den Vorteil, nicht nur die Technik der Uhr zu erklären, sondern auch die Astronomie, Entstehungsgeschichte und Kunstgeschichte der Uhr sowie vor allem den Zeitgeist, aus dem heraus sie entstanden ist und kontinuierlich weiter gepflegt wurde.

Rostock besitzt die weltweit älteste noch funktionierende astronomische Uhr, welche - neben vielem anderem - die "neue Zeit" vollständig analog anzeigt, nämlich gleich lange Stunden im Verhältnis zu den astronomischen Anzeigen, im Unterschied zu den seit der Antike gebräuchlichen "Temporal-Stunden", die je nach Jahreszeit unterschiedlich lang waren. Damit war z. B. die Zeit-Meßbarkeit wieder auf eine Basis gestellt, die den Interessen der arbeitsteiligen Gesellschaft, den Kaufleuten, Seefahrern und Werkstätten besser entsprach, als die auf den Gebetsrhythmus von Klerikern abgestellte "alte" Zeiteinteilung.

Professor Dr. Manfred Schukowski, Rostock, erklärt nicht nur, wie die multifunktionalen Anzeigen der astronomischen Uhr in Rostock abgelesen werden. Er beschreibt außerdem die Konstruktion der Uhr, nicht ohne die astronomischen Erkenntnisse und die technischen Erfindungen (insbesondere beim Problem der Hemmung) zu schildern, an denen jahrhundertlang geknobelt worden war.

Der Mediävist Wolfgang Erdmann vergleicht die Uhr mit anderen mittelalterlichen Uhren, darunter denen in Lübeck, Lund, Wismar, Stendal, Doberan, Stralsund und Danzig, und verdeutlicht damit den Stellenwert der Rostocker Uhr als eines neuen Typs in der Uhren- und "Zeit"- Geschichte. Erdmann untersucht auch die Frage nach den Auftraggebern - die u. a. mit der Rostocker Universität in Verbindung standen -, die Finanzierung und die Frage, warum die Uhr genau an dieser und keiner anderen Stelle in der Marienkirche aufgestellt wurde, ferner die Frage, wer der Uhrmacher war. In Verbindung damit klärt er sowohl die Bedeutung dieser Uhr für die Menschen im Mittelalter im liturgisch-kultischen Bereich wie auch Aspekte der Geistes-, Wissenschafts- und Kunstgeschichte dieser Uhr.

Dr. Kristina Hegner, Kunsthistorikerin am Staatlichen Museum Schwerin, beschreibt die mittelalterlichen Figuren an der Uhr.
Die - entgegen bisheriger Meinung - schon 1379/80 errichtete und 1472 "nur" modernisierte Uhr, die 1641/42 sowie 1710 renoviert und z. T. erweitert wurde, wird im Bildteil des Bandes mit ihrem Uhren- und Kalendariumszifferblatt, Stundenschlag- und Musikwerk, Figurenumlauf, astronomischen und astrologischen Anzeigen ebenso vorgestellt wie mit ihren wichtigsten technischen Elementen.

Die Kirche von St. Marien zu Rostock birgt also die älteste noch gehende mittelalterliche Astronomische Uhr der Welt. Die Forschung hat sich bislang wenig um dieses "Kirchenmöbel" gekümmert. Die einzige wissenschaftliche Monographie ist 1885 erschienen, sie behandelte aber die Geschichte der Uhr nur für den Zeitraum seit 1641.

Um für St. Marien einen touristischen Führer herauszugeben, waren umfangreiche Arbeiten und zusätzliche Forschungen erforderlich. Daß dieses Projekt nach zwei Jahren intensiver Arbeit nun verwirklicht wurde, ist außer dem Ehrgeiz des Verlegers vor allem der Zusammenarbeit des Rostocker Experten Prof. Dr. Manfred Schukowski mit dem Mediävisten Wolfgang Erdmann (ehemals Lübeck) und der Kunsthisorikerin Kristina Hegner (Landesmuseum Schwerin) zu verdanken.
Sechs mittelalterliche astronomische Uhren sind heute, in wichtigen Teilen oder Nachbauten, rings um die südliche Ostsee noch erhalten. Einzig die Uhren in Rostock und Stralsund besitzen noch zum weit überwiegenden Teil ihr mittelalterliches Werk. Und wiederum einzig das Werk in der Marienkirche zu Rostock funktioniert noch heute und möglicherweise bereits einige Jahre länger als bisher bekannt.

Entgegen bisheriger Meinung wurde die Uhr 1472 höchstwahrscheinlich nicht neu gebaut, sondern zu jener Zeit umgebaut und modernisiert. 90 Jahre zuvor, 1379/80 wurde auf Rechnung des Rats der Stadt Rostock aus Lübeck eine Uhr geliefert und in Betrieb genommen, welche die Rostocker 6% der gesamten städtischen Haushaltsmittel kostete, so steht es im Rechnungsbuch des Jahres 1379/80. Daß diese Uhr in der Marienkirche aufgestellt wurde ist zu vermuten, da im gleichen Jahr eine Stundenglocke für St. Marien gegossen wurde, sie hängt noch heute, allerdings stumm, im Turm. Die Gesamtsumme der Lübecker Uhren-Rechnung und vielerlei Bemerkungen über die jeweiligen Zutaten dieses Apparats lassen den Schluss zu, daß es sich nicht nur um eine einfache Schlaguhr gehandelt haben kann.

Über die aus Lübeck bestellte und gelieferte Uhr aus dem Jahre 1379 gibt es zunächst keine weiteren Belege. Es ist aber bekannt, daß im Jahre 1398 das Langhaus der Kirche einstürzte. Vergleiche mit Standorten anderer Ostsee-Uhren und dem Zerstörungsgrad des Kirchenschiffes lassen vermuten, daß diese Vorgänger-Uhr wohl nicht vollständig zerstört gewesen sein dürfte. Eine Reparatur dieses Instruments ist aus mehreren Gründen wahrscheinlich. Allein schon deshalb, weil die Uhr für Priester und Kaufleute von außerordentlichem Nutzen war. Ein solch teures Werk wird man auch nach einer Beschädigung wohl kaum vernichtet haben. Dafür sprechen zahlreiche Befunde.

Wenige Jahre nach diesem Rostocker Kauf aus Lübeck wird in Stralsund 1394 durch Nikolaus Lilienfeld eine astronomische Uhr fertiggestellt. Uhrmacher gab es damals nur wenige in Europa, ihnen wurde ein hoher Rang zuerkannt und sie kamen kaum ohne die modernsten Wissenschaften aus. Niemand hat bislang beachtet, daß bereits 1396 Nikolaus Lilienfeld als Uhrmacher "orologista" und "weiser Mann - homo discretus" in Rostock ansässig war, der unsere Uhr gut hat reparieren können. In dem Lebenswerk dieses Mannes wären rein zeitlich betrachtet, auch die anderen "Ostsee-Uhren" in Hamburg, Lübeck, Lund, vielleicht auch Stendal und Wismar, die verblüffende Gemeinsamkeiten aufweisen, unterzubringen. Gründete Lilienfeld in Rostock ein Zentrum wissenschaftlichen Uhrenbaues für die ganze Region?

1419 wird die Universität in Rostock gegründet, in der Philosophischen Fakultät wurde auch Astronomie gelehrt. Ein weiterer Beleg für in Rostock tätige Astronomen fand sich für das Jahr 1426/27. Konrad Gessel erhielt zu dieser Zeit in Rostock den akademischen Grad eines Baccalaureus für eine astronomische Abhandlung. Seine Arbeit ist kaum ohne das Vorhandensein einer astronomischen Uhr vorstellbar. Gessel fertigte für die Rostocker Dominikaner einen immerwährenden Kalender für die Jahre 1438-1464 an und unterhielt beste Beziehungen zum Deutschen Orden, der für seine Vorliebe für Groß-Uhren bekannt war. Gessel wirkte am 2. Thorner Frieden mit, dort dürfte er mit Hans Düringer zusammengekommen sein, dem Baumeister der Astronomischen Uhr in St. Marien zu Danzig von 1464/70. Immer wieder kehrte Konrad Gessel nach Rostock zurück.

1472 gilt bis heute gemeinhin als das Jahr der Enstehung unserer Rostocker Uhr in St. Marien. Als Beleg für diesen Bau der Uhr diente eine Veröffentlichung aus dem Jahre 1741, die einen Ablaßtext aus dem Jahr 1472 wiedergibt, in dem zu Geldspenden zum Bau "der neuen Uhr" und zur "Vervollständigung" derselben aufgerufen wird. Auch dieser Text wird in dem vorliegenden Buch einer genaueren Untersuchung unterzogen. Nach Abwägung verschiedener Umstände ist kaum auszuschließen, daß mit den Ablaßgeldern von 1472 nur die "Modernisierung" oder der "Umbau" der Uhr von 1379/80 finanziert werden sollte.
Die Modernisierung der Rostocker Uhr von um 1472 darf als die Danzig nachfolgende Arbeit Hans Düringers angesprochen werden, auch wenn dessen Spur gegenwärtig nur bis Thorn und Danzig nachweisbar ist. Die Unterschiede beider Uhren lassen weniger auf einen anderen Uhrmacher schließen, als darauf, daß eine Rostocker Vorgängeruhr dort so in Erinnerung war, daß sie die Gestaltungswünsche beeinflußt haben wird. In Danzig behielten sich die Ratsherren die Gestaltung des Uhren-Gesichts vor, in Rostock dürfte das nicht anders gewesen sein.

Technikgeschichtliche Untersuchungen an der Mechanik der Uhrwerke in Rostock und anderen Uhren der "Ostsee-Uhrenfamilie" werden zur weiteren Klärung dieses Bauwerks, dessen Berühmtheit weit über Rostock und den Ostseeraum hinausgeht, beitragen. Wichtig wäre insbesondere ein Vergleich mit dem nahezu unverändert erhaltenen sowie auf 1394 sicher datierten Werk in Stralsund, um zu einer wenigstens relativen Datierung des Rostocker Werks oder einzelner Teile zu kommen. Verglichen werden könnten auch Holz- und Metallverformungs- und -Verbindungstechniken, die Oberflächenbehandlung, die Lagerungen der beweglichen Teile sowie die Charakteristika handwerklicher Eigentümlichkeiten, Spuren von Umbauten, Wiederverwendungen und Restaurierungen, ferner auch Konstruktionsmerkmale wie Durchmesser und Mächtigkeit von Zahnrädern und Laternentrieben, Form und Folge der Zähne, Übersetzungsverhältnisse etc.

Einige berücksichtigte neuere Forschungs-Ergebnisse:
entgegen bisheriger Meinung wurde die Uhr nicht 1472 neu gebaut, sondern zu jener Zeit umgebaut und modernisiert
-"eine Vorgängeruhr von 1379/80 wird nachgewiesen
-"die Rostocker Uhr und ihr Platz unter ihresgleichen weltweit wird untersucht und dargestellt: die einzige noch mit mittelalterlichem Werk gehende astronomische Uhr weltweit!
-"der Stellenwert dieser Uhr in der Mentalitätsgeschichte wird gezeigt: genau an der Nahtstelle einer mentalitäts-geschichtlichen Wende
Der Uhrmacher der berühmten Stralsunder Uhr (1394), Nikolaus Lilienfeld wird als Rostocker Bürger nachgewiesen
-der Zusammenhang einer "Ostsee-Uhrenfamilie" wird etabliert
- eine Uhren-Topographie des mittelalterlichen Rostock wird vorgelegt
- Kritik des Ablasses von 1472, des einzigen bisherigen Datierungs-Belegs, wird geliefert
- kunsthistorische Einordnung und Datierung der Rostocker Tierkreis- und Monatsbilder erarbeitet (K. Hegner)
- Konrad Gessel (Baccalaureus als Astronom in Rostock 1426!) in Zusammenhang mit der Uhr gebracht
- eine ernsthaftere Begründung der Mitwirkung Hans Düringers am Umbau (nicht Neubau!) von 1472 wird geliefert
- Apostel des Apostelumgangs namentlich identifiziert
- das Indikationssystem des Rostocker Kalendariums wird erstmals gründlich erklärt und folglich die heutige Gestalt (von 1885) kristisiert
- erstmals in der lieferbaren Literatur überhaupt wird die Erfindung der Spindel-Waag-Hemmung historisch begründet, und zwar als Kombination von Theologie, Mechanik und Handwerk.


..... lieferbar:
Peter Strieder
DÜRER
3., überarbeitete und erweiterte Auflage 
400 S., 480 Abb., 33 x 25 cm, Ln. i. Schuber, € 68,00
978-3-7845-9142-1
Albrecht Dürer (1471-1528) ist der bekannteste deutsche Künstler und bis heute eine der interessantesten Persönlichkeiten der europäischen Kunstgeschichte. In zahlreichen, zum Teil von Dürer selbst weiterentwickelten künstlerischen Techniken erreichte er höchste Vollendung. Er war auch der erste Autor, der über kunsttheoretische Fragen in deutscher Sprache schrieb. Seine zwei Reisen nach Italien markieren den Schritt der deutschen Kunst von der Gotik zur Renaissance. Unzählige noch heute wirksame bildhafte Vorstellungen, besonders religiösen Inhalts, gehen auf seine Bilder zurück. 
Mit 480 Abbildungen, davon 184 in Farbe, wird die umfangreichste Auswahl aus Dürers Gesamtwerk in einem Band gezeigt. Das Abbildungsprogramm umfaßt mit 90 Werken nahezu sämtliche Gemälde Dürers; von Dürers 350 Holzschnitten werden 108 abgebildet, darunter zwei kolorierte farbig und die "Kleine Passion" vollständig. Aus den etwa 100 Kupferstichen und Radierungen wurden vier Eisenradierungen ausgewählt sowie 52 Kupferstiche, eingeschlossen die vollständige "Kupferstich-Passion". 34 Reproduktionen, davon 25 farbige, vertreten Dürers rund 60 Aquarelle bzw. Wasser- und Deckfarben-Malereien. Seine über 1.000 Zeichnungen werden repräsentiert durch 71 Federzeichnungen (davon 21 aquarellierte in Farbreproduktionen), 19 Pinsel- Zeichnungen (davon 8 farbig), 14 Kreide- oder Kohlezeichnungen (davon 2 farbig) sowie 18 Zeichnungen mit Metallstift. Hinzu kommen 4 Wiedergaben von Dokumenten und 35 Vergleichsabbildungen anderer Künstler (davon 4 farbig). In knappen Bildkommentaren gibt der Autor Hintergrund- Informationen und ggf. Hinweise auf wissenschaftliche Diskussionen. 
Weitere Experten widmen sich Dürers technischen Innovationen und Begabungen: Bruno Heimberg (ehem. Leiter des Doerner Instituts der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München) beschreibt Dürers Maltechniken und Georg Josef Dietz (Leiter der Restaurierungsabteilung am Kupferstichkabinett Berlin) Dürers Zeichentechniken, wobei er wichtige neue Erkenntnisse mitteilt. Prof. Dr. Joseph Harnest (ehem. Fachhochschule Rosenheim, †) rekonstruierte mit eigenem zeichnerischen Nachvollzug Dürers Weg zur Perspektive, womit er er manche Theorie widerlegte, und lieferte nebenbei eine Anleitung zum perspektivischen Zeichnen.
Was Zeitgenossen und Nachwelt bis ins 21. Jahrhundert jeweils an Dürer besonders faszinierte, zeigt Dr. Anna Scherbaum (wiss. Mitarbeiterin des Kunst- und Kulturpädagogischen Zentrums Nürnberg im Germanischen Nationalmuseum) in ihrer Auswahl aus Schriften über Dürer, der sie Texte des Meisters über sein Leben und seine Arbeit voranstellt. So erhält der Leser auch einen Eindruck vom sprachschöpferischen Genius Dürers.
Der allgemeinverständliche Text berücksichtigt nahezu sämtliche Aspekte und heute möglichen Interessen an Dürer, so z.B.: Leben, historisches Umfeld, Begegnungen und Ausstrahlung, Alltag und Ideale, Technik, Wirtschaft und Gesellschaft, Erfindungen und Theorien u.v.a.m.. Für Wissenschaftler und Sammler von praktischer Bedeutuung ist auch (im Anhang des Buches) der nach Bildthemen geordnete ikonographische Index der gezeigten Werke, der zu jedem Bild die neueste und die Standard-Literatur mitteilt (240 Nachweise zusätzlich zu den über 220 im Literaturverzeichnis genannten Titeln). Der Autor, Dr. Peter Strieder, überblickt die Dürerforschung wie kein anderer Kunsthistoriker. Unter seiner Leitung entstand 1971 die große Dürer-Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg zum 500. Geburtstag Dürers. Bis heute bereichert Strieder mit zahlreichen Beiträgen immer wieder die kunstgeschichtliche Forschung.
Unser Dürer-Buch bietet die reichhaltigste Auswahl aus Dürers Gesamtwerk. Es hat sich international als "das" Dürer-Buch durchgesetzt und erschien in mehreren Auflagen u.a. in Englisch (Abaris Books), Französisch (Albin Michel), Italienisch (Rizzoli), Japanisch (Chuokoronsha) und Niederländisch (Mercatorfonds). 


Hjert, Bertil
Carl Larsson - Das druckgrafische Werk
Schwedisch, englisch, französisch, deutsch
lieferbar: 264 S., 126 farb.Abb., Ln., € 79,00
978-3-7845-8301-3


 
 

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