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Herbstreise  2022
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Althusser: Marx´Grenzen
Lacan, gelesen von Žižek
VEB von Hirschhausen

Neuerscheinungen:

Sylvain Lazarus
Chronologien der Gegenwart
Aus dem Französischen von Jan Philipp Weise und Moritz Herrmann
160 S., br., € 26,00
978-3-949153-03-7
Was bedeutet Zeitgenossenschaft, wenn die Gegenwart politisch und subjektiv durch eine umfassende Zustimmung zum Staat gekennzeichnet ist? Was tun, wofür und wozu sich entscheiden, wenn es heute anscheinend keine »Politik vom Standpunkt der Leute« gibt oder sie sich nur vereinzelt, vorübergehend und ansatzweise auftut? Nachdem sich im Zuge der 2000er Jahre die organisierte Form der Politik zumindest vorläufig geschlossen zu haben scheint, legt Sylvain Lazarus in diesen 2018 gehaltenen Vorträgen eine Bestimmung unserer politischen Gegenwart sowie dessen vor, was es bedarf, um dieser als solcher gegenüberzutreten. Dies schließt nicht nur eine Analyse der aktuellen Konjunktur und des gegenwärtigen Staates ein, sondern wirft vor allem die Frage nach der Subjektivität auf, wenn diese sich weder auf den unwirksam gewordenen Klassenantagonismus noch eine nichtstaatliche politische Organisation stützen kann. In Fortführung seiner These, das Subjektive sei ausgehend von sich selbst zu untersuchen, statt es von Anfang an in Bezug zu Objektivitäten zu setzen, lotet Lazarus die Möglichkeiten aus, unter denen sich jenseits politisch-staatlicher Organisationen ein Denken der Leute artikulieren kann, das dem Realen Rechnung trägt.


Louis Althusser
Marx in seinen Grenzen
Aus dem Französischen von Jutien Veh und Jan Phitipp Weise
160 S., br., € 29,00
978-3-949153-05-1
Louis Althusser ist hierzulande vor allem für seine sogenannte epistemologische Marx-Lektüre in Für Marx und Das Kapital lesen bekannt, die rigoros zwischen einem idealistischen jungen und einem materialistischen reifen Marx unterscheidet. Dabei wurde jedoch kaum zur Kenntnis genommen, dass Althusser selbst seine philosophischen Arbeiten fast durchgängig auch als politische Interventionen innerhalb der Kommunistischen Partei verstand, der er den größten Teil seines Lebens angehörte. Sein Verhältnis zur Partei wurde allerdings im Laufe der 1970er Jahre immer spannungsvoller angesichts ihrer Unfähigkeit, eine Politik ausgehend von den neuen Massenbewegungen zu formulieren. Davon zeugen auch die hier versammelten Texte, die es unternehmen, die Ende der 1970er Jahre ausgerufene Krise des Marxismus auf dessen innere Grenzen zurückführen, um ausgehend davon neue politische Wege zu eröffnen: Der Marxismus verfügt weder über eine Theorie des Staates noch der Politik, die wir gerade dann in ihrer Eigenständigkeit denken müssen, wenn wir dem Staat-Werden der Partei in der Sowjetunion und jeder juridisch-ideologischen Reduktion der Politik etwas entgegensetzen wollen. Damit greift Althusser in die Diskussion ein, die Ende der 1970er Jahre unter Mitgliedern westeuropäischer Kommunistischer Parteien um die Frage nach der »Diktatur des Proletariats« entbrannte. In dem Abschied von der »Diktatur des Proletariats«, den die »eurokommunistischen « Parteien damals vollziehen, erkennt Althusser mitnichten deren Demokratisierungs- und Öffnungsbestreben. Statt einem Ende des Stalinismus bedeutet dieser Abschied eine Fortsetzung des Stalinismus mit anderen Mitteln, weil dadurch den politischen Initiativen der Massen eine Absage erteilt wird. Im Kontext genau dieser politischen Auseinandersetzungen steht auch das Fragment gebliebene Werk Marx in seinen Grenzen, in dem er erneut Das Kapital und andere marxistische Klassiker liest, um ein anderes Denken von Ideologie, Partei, Staat und Politik zu entwickeln. Anstatt Marx, wie in Althussers kanonischen Werken, ideell vervollständigen zu wollen, stellt er damit die direkte Frage nach dessen Grenzen: Was an seinem Denken ist noch immer aktuell, was unverstanden und was ungedacht geblieben? Erst ein solcher Grenzgang des Marx’schen Denkens erlaubt, so Althusser, eine historische Bilanz des Marxismus zu ziehen, auf deren Grundlage die Politik neu entworfen werden könnte.

Jean-Caude Milner
Harry Potter und die Lehrjahre der Politischen Philosophie
160 S., br., € 19,00
978-3-949153-04-4
Das, was man das Phänomen Harry Potter nennen kann, hat sich inzwischen generationenübergreifend konsolidiert. Während noch vor einigen Jahren Kinder ihren Eltern von den magischen Abenteuern Harry Potters erzählten, geben heute neue Eltern die Geschichte an ihre eigenen Kinder weiter. Doch worauf gründet sich die Faszination für genau diese Erzählung? Und noch wichtiger: Was wird in dieser Potter'schen Erzählung überhaupt vermittelt? Wenn sich weiterhin immer neue Zuschauerinnen und Leserinnnen mit dieser Erzählung und häufig sogar dank ihrer bilden, was für ein politisches Modell steht hinter dieser Bildung? Jean-Claude Milner schlägt vor, das Werk von J. K. Rowling konsequent als einen Bildungsroman zu verstehen, der in der Tradition des europäischen Humanismus und der britischen politischen Philosophie zu verorten ist. Den Weg, den wir mit Harry Potter beschreiten, ist ein Bildungsweg, der sich mit Dumbledores Strategie einer humanistischen Politik der Toleranz überkreuzt, die in ihrer Radikalität mitunter an Unmenschlichkeit grenzt, jedoch letztlich darauf zielt, die magische Welt von der ihr innewohnenden Versuchung zu befreien, der Vorstellung ihrer eigenen Überlegenheit nachzugeben. Voldemort steht bekanntlich für genau solch eine Versuchung, die nicht ohne Anklänge an die Politik und Geschichte des 20. Jahrhunderts bleibt. Darüber hinaus rückt die magische Welt den Kapitalismus in ein neues Licht. Die humanistische Referenz auf die Antike und insbesondere auf die Philosophie Platons dient hier also letztlich einer modernen Frage stellung: Wie der Macht entgegentreten, wenn diese sich als Wissensmacht gibt? Genügt dafür das britische Modell, die Lehre des Wissens mit einer Lehre der Toleranz zu verknüpfen? Auch wenn sich die Filme aktuell nochmals um einige Episoden erweitern, erscheint die eigentliche Zeit der Entdeckung der Geschichte vorbei. Es ist nun an der Zeit zu begreifen, um was es sich bei der Potter’schen Erzählung handelt.

Christian von Hirschhausen
Vom sozialistischen VEB zum kapitalistischen Unternehmen
Eine Analyse der Industriereformen in Osteuropa (1989-1994)
352 S., br., € 35,00
978-3-949153-00-6
Bekanntlich überschlagen sich zu Beginn der 1990er Jahre die Ereignisse: Auf den Fall der Berliner Mauer folgt rasch der Zusammenbruch des sozialistischen Ostblocks, woraufhin zahlreiche Staaten wie auch IWF, Weltbank und Europäische Entwicklungsbank eine Reihe optimistischer Wirtschaftsprognosen verkünden. Doch bereits nach kurzer Zeit wird ersichtlich, dass sich diese angesichts des rasanten Einbruchs der Produktion und eines flächendeckenden Anstiegs der Arbeitslosigkeit als naiv herausstellen. Nicht erst heute, 30 Jahre später, wird deutlich, dass die Vorstellung eines reibungslosen »Übergangs« von der so genannten Plan- in die Marktwirtschaft sich als Hirngespinst erwiesen hat. Weil das Buch inmitten der Wirren dieser Ereignisse bereits eine ernsthafte Bilanz aus diesen zieht, ist es nicht nur seiner Zeit, sondern auch uns voraus. Denn letztlich verfügen wir auch gegenwärtig noch über keinen Begriff davon, was in dieser Zeit passiert ist. Dementgegen entwickelt das Buch zwei Thesen, die sich in seinem Verlauf wechselseitig erhellen und dadurch die Klarheit erzeugen, die bis heute noch fehlt. Erstens: Im Sozialismus gibt es keine Ökonomie. Zweitens: Zwischen dem Sozialismus und seinem »Danach«, dem Postsozialismus, besteht ein irreversibler Bruch. Diese zwei Thesen werden nicht nur in Auseinandersetzung mit den Debatten um den »Übergang« in den 1920er Jahren entwickelt, sondern ebenso aus einer Kritik der zeitgenössischen politischen Ökonomie. Weil es im Sozialismus keine Ökonomie gibt, finden die gängigen Wirtschaftsschulen in ihm ihre Grenze, die sie nur auf Kosten der Verkennung ihres Gegenstands überschreiten können. Dass die industrielle Dynamik der sozialistischen Produktion nicht mit einer Wirtschaft verwechselt werden darf, die in ihren Grundzügen unweigerlich kapitalistisch ist (allgemeines Tauschäquivalent, Wertgesetz), entnimmt der Autor unter anderem seiner ausgiebigen Untersuchung von nahezu 60 ehemaligen sozialistischen Betrieben. Diese werden somit während der historisch einzigartigen Situation untersucht, in der die Organisation ihrer Zerstörung noch im vollen Gange ist. Dieses Buch legt mitunter die Grundlage dafür, sich mit Ernsthaftigkeit und intellektueller Redlichkeit den Fragen auszusetzen, die der Sozialismus des 20. Jahrhunderts an uns stellt.
Christian von Hirschhausen (*1964) ist Professor für Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik an der Technischen Universität Berlin und Forschungsdirektor am DIW Berlin  mit den Arbeitsschwerpunkten Energie, Verkehr, Umwelt, Unternehmen und Märkte. 1995 reichte er an der École des Mines de Paris seine Doktorarbeit in Industrieökonomik mit dem Titel »Du combinat à l’entreprise« zur sozialistischen und postsozialistischen Industriedynamik ein.

Slavoj Žižek
Schrägsicht
Lacan mit Populärkultur: Eine Einführung
279 S., br., € 35,00
978-3-949153-01-3
In der hiesigen intellektuellen Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse ist der Name Jacques Lacan nach wie vor verrufen. Nicht selten wird er als einer der unverständlichsten, obskursten und politisch fragwürdigsten Denker denunziert, den der sogenannte Poststrukturalismus hervorgebracht hat. Mit »Looking Awry« liefert der Philosoph Slavoj Žižek zu Beginn der 1990er Jahre eine der vielleicht zugänglichsten Einführungen in die Lacan’sche Psychoanalyse, deren Plädoyer es ist, diese Karikatur Lacans ein für alle Mal hinter sich zu lassen. Indem er die zentralen Kategorien aus Lacans Seminaren und Schriften – von der Triade des Imaginären/Symbolischen/Realen über den Gegensatz von Trieb und Begehren bis hin zum Objekt a – nicht direkt in Angriff nimmt, sondern »schräg« – aus Perspektive der zeitgenössischen Ideologie und Massenkultur – betrachtet, legt der Autor die radikalen Implikationen von Lacans Werk frei. So ist Žižek stilgebend für eine Lesart, die es erlaubt, die Lacan’sche Theorie über ihren klinischen Kontext hinaus auf jeden noch so erdenklichen Winkel unseres Alltagslebens zu übertragen, weshalb man versucht ist, darin eine zeitgenössische Neufassung von Freuds »Psychopathologie des Alltagslebens zu sehen. Dabei wendet Žižek Lacans eigene Formel »Kant mit Sade« kurzerhand auf ihn selbst an: So wie Lacan die Kant’sche Ethik durch die Augen der Sade’schen Perversion gelesen hat, stößt man in diesem Buch auf eine ganze Reihe von »Lacan mit...«: über Alfred Hitchcock, Patricia Highsmith, Ruth Rendell, Stephen King und Franz Kafka bis hin zu Edgar Allan Poe, William Shakespeare und Sophokles. Nebst einem Gewaltmarsch durch antike Tragödien, Detektivgeschichten und allem voran die Populärkultur des 20. Jahrhunderts liefert »Schrägsicht« zudem eine Reihe von Lacan’schen Interpretationen des politischen Zeitgeistes der frühen 1990er Jahre, die eine teils unheimliche Aktualität bewahren, etwa in Bezug auf das Erstarken nationalistischer Ideologien in Europa oder die verheerenden Auswirkungen der Klimakrise. Žižek präsentiert uns also einen Lacan, den es sich auch heute noch – womöglich sogar mehr denn je – zu lesen lohnt. Slavoj Žižek (*1949) ist Philosoph und derzeit internationaler Direktor des Birkbeck-Instituts für Geisteswissenschaften an der University of London, Professor für Philosophie und Psychoanalyse an der European Graduate School sowie Senior Researcher und Professor am Institut für Philosophie der Univerza v Ljubljani. Seine Arbeiten fokussieren eine Vermittlung zwischen Lacan’scher Psychoanalyse, hegelianischer Philosophie und marxistischer Kritik.
Lacans Werk neu entdeckt:


Lorenzo Chiesa
Subjektivität und Andersheit
Eine philosophische Lektüre Lacans
277 S., br., € 42,00
978-3-949153-02-0
Was heißt es heute, Lacan zu lesen?
Subjektivität und Andersheit geht von der Prämisse aus, dass Lacan als „paradox systematischer Denker“ gelten muss, der uns sein Werk in der offenen Form eines work in progress hinterlassen hat. Als ein solches verlangt es eine minutiöse Lektüre, die sich den Brüchen und – endlich auch – der Systematik von Lacans Theorie des Subjekts stellen muss. Gemäß dieser Theorie muss Subjektivität, so der Autor, ins Verhältnis zu der für sie konstitutiven Andersheit gesetzt werden.
Dabei wird im Durchlauf von Lacans psychoanalytischer Lehre eine philosophische Grundthese erkennbar: Das von der Sprache gespaltene Subjekt, das ein Problem mit seiner Sexualität hat, ist ein sprechendes Tier. Aus leicht anderer Perspektive gefasst: Freuds Ödipuskomplex, über den wir individuell in die Sprache eintreten, bildet die ontogenetische Form der Entstehung des Transzendentals und daher die unvollständige Weise, in der wir überhaupt erst zu menschlichen Tieren werden. Dies liefert die philosophische Lesbarkeit von Lacans Werk sowie den Rahmen, innerhalb dessen die Kategorien des Imaginären, Symbolischen und Realen begriffen werden müssen. Wie der Autor betont, kommt dabei, entgegen der lacanianischen doxa, insbesondere dem Imaginären eine Schlüsselrolle zu, weil es bereits diese Ebene ist, auf der sich das menschliche Tier in seiner biologisch abweichenden Sexualität von anderen Tieren abhebt.
Als eine systematische und durch Klarheit bestechende Einführung gibt dieses Buch einen Leitfaden an die Hand, Lacans Werk selbst kennen zu lernen. Insofern erhebt es nicht den Anspruch, die eigene Lektüre Lacans zu ersetzen. Während Einsteigende also in diesem Buch eine Einführung finden, die ihnen wesentliche Grundbegriffe der Lacan’schen Psychoanalyse aufschlüsselt und darüber hinaus die nötige Orientierung liefert, sich dem Lacan’schen Text zu nähern, werden all jene, bereits mit Lacans Werk Vertrauten durch diese Arbeit dazu eingeladen, dieses neu zu entdecken und sich Fragen zu stellen, deren Antworten auch über die Grenzen dieses Buchs hinausführen. Für Chiesa selbst – und alle, die seine Herausforderung annehmen – bildet dieses Werk den Beginn einer noch anhaltenden Arbeit, die das fortsetzt, was Lacan uns offen hinterlassen hat.
Lorenzo Chiesa (*1976) ist Lecturer an der Newcastle University und lehrt darüber hinaus an der European Graduate School. Er arbeitet zurzeit zu einem Buch zu Bürokratie und Kapitalismus (MIT Press) sowie, gemeinsam mit Adrian Johnston, an einem Buch zu Agnostizismus und Atheismus (Northwestern University Press). Er ist außerdem Herausgeber der kürzlich eröffneten Reihe Insubordinations bei MIT Press, die sich Übersetzungen radikaler italienischer Denkerinnen des 20. Jahrhunderts widmet.

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