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Herbstreise 2017

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Hentrich & Hentrich
Verlag Berlin   Dr. Nora Pester
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 Verlagsvorschau
Zweigs Rede zur Lage der Welt 1936

fünfsprachige Ausgabe, 
herausgegeben von der Casa Stefan Zweig 
Petrópolis, Brasilien
Kinderbuch

Die wahre Geschichte zweier Hunde
und ihrer jüdischen Familien in der Nazi-Zeit


Bulaty, Milan
Arbeitstage
144 Seiten, geb., € 17,90
978-3-95565-218-0
„Arbeitstage“ erzählt aus der Ich-Perspektive eines tschechischen Emigranten mit jüdischen Wurzeln von der banalen bis skurrilen Alltagswirklichkeit eines langjährigen Bibliotheksdirektors in Berlin. In einem Geflecht aus Autobiographie und Fiktion, Vergangenheit und Gegenwart mischen sich Alltags- und Traumwelten, Gedanken- und Wunschkonstruktionen - historische, berufliche, familiäre und auch sexuelle. Die Erinnerungsfragmente (an das Über- und Weiterleben der Eltern, die eigene Kindheit in der Tschechoslowakei, Flucht und Emigration über Rumänien in die Schweiz) durchzieht wie ein roter Faden, das Privateste und Menschlichste im fest strukturierten Tagesablauf innerhalb einer klar begrenzten räumlichen Oszillation im Berliner Berufsverkehr. Milan Bulaty, geboren 1946 in Prag und dort aufgewachsen. 1970 Emigration, Studium der Philosophie in Prag, Freiburg i.Br. und Heidelberg. Mitarbeiter der Amerika-Gedenkbibliothek und später Gründungsdirektor und Leiter des Jacob-und-Wilhelm Grimm-Zentrums, der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin.

Mike Schmeitzner
Richard Löwenthal
Widerständler - Wissenschaftler - Weltbürger
80 Seiten, 20 Abb., Broschur, € 8,90
978-3-95565-234-0
Der Berliner Politikwissenschaftler Richard Löwenthal (1908-1991) ist einer der bekanntesten deutschen Intellektuellen im 20. Jahrhundert. Er selbst bezeichnete sich als Deutscher, Jude und Brite zugleich, was seine eigene Entwicklung verdeutlicht: Der Kommunist und spätere Linkssozialist leistete Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Berlin und im Exil. In Großbritannien engagierte er sich journalistisch - so für,, Reuters" und für den ,,Observer". Als Professor für Politikwissenschaften an der FU Berlin sowie als Diktatur-Theoretiker und Vordenker der Sozialdemokratie entwickelte er sich letztlich zu einem weithin bekannten und auch streitbaren Intellektuellen der Bundesrepublik. Gastprofessuren führten ihn u. a. nach den USA und nach Israel. Dem jüdischen Staat blieb er zeitlebens in kritischer Solidarität verbunden.
JÜDISCHE MINIATUREN

Wolfgang Jacobsen
Erich Pommer
Filmproduzent zwischen Kunst, Industrie und Unterhaltung
88 Seiten, 11 Abb., Broschur, € 8,90,
978-3-95565-217-3
„Das Beste ist gerade gut genug für das Publikum", schärfte Erich Pommer seinen Mitarbeitern gerne ein. Er produzierte den expressionistischen FiIm ,,Das Cabinet des Dr. Caligari". Fest verbunden ist sein Name mit der Ufa, mit Filmen von F.W. Murnau und Fritz Lang ebenso wie mit frühen Tonfilmen wie ,,Der blaue Engel" und ,,Der Kongreß tanzt". Er war ein Freund der Schauspieler, förderte Marlene Dietrich, Lilian Harvey, Maureen O'Hara und Hildegard Knef. Emil Jannings, Willy Fritsch, Hans Albers und Charles Laughton betraute er mit großen Rollen. 1889 in Hildesheim geboren, emigrierte er 1933 nach Frankreich, England und schließlich in die USA. Im Nachkriegsdeutschland engagierte er sich für den Wiederaufbau der Filmindustrie und starb 1966 in Los Angeles. Pommer besaß ein unvergleichliches Gespür für Stoffe und Talente, agierte als Geschäftsmann und war doch auch Künstler. Für diese biographische Darstellung wurde erstmals die umfangreiche Korrespondenz Pommers von 1906 bis in die frühen 1950er Jahre ausgewertet. Zudem wurden bislang nicht erschlossene Akten der Ufa aus dem Historischen Archiv der Deutschen Bank herangezogen.
JÜDISCHE MINIATUREN

Helmut Braun
Rose Ausländer
Der Steinbruch der Wörter
80 Seiten, 20 Abb., Broschur, € 8,90
978-3-95565-239-5
Rose Ausländer (1901-1988) gehört zu den großen Dichterinnen des 20. Jahrhunderts. Ihre Gedichte sind perfektes Handwerk - sie kann alles, was Poeten lernen können. Ihre Gedichte sind perfektes Kopfwerk - hoch reflektiert und eingefügt in ihren dichterischen Kosmos. Und sie sind perfektes Herzwerk - voller Emotion und Emotionen auslösend. Dieser Dreiklang schafft die Faszination, die noch heute Leserinnen begeistert. Leben und Werk von Rose Ausländer sind außergewöhnlich eng miteinander verknüpft. Alle Lebensstationen finden sich in ihren Gedichten wieder: von Kindheit und Jugend, über Shoa und Exil, bis zu Alter und Erwartung des Todes. Sie erzählen von der Liebe, der Angst, der Todesnot, auch vom Glück.
JÜDISCHE MINIATUREN

Christian Dietrich
Eugene Leviné
„Ich fühle russisch und denke jüdisch"
80 Seiten, 2 Abb., Broschur,  € 8,90
978-3-95565-232-6
Eugen Levin (1883-1919) gab nie die Hoffnung auf eine bessere Welt auf. Selbst als er wusste, dass es für ihn keine Zukunft mehr gab, hielt er eine mutige Rede vor dem Münchner Standgericht, das am 3. Juni 1919  seine Hinrichtung beschloss: „Wir Kommunisten sind alle Tote auf Urlaub, dessen bin ich mir bewußt. Ich weiß nicht, ob Sie mir meinen Urlaubsschein noch verlängern werden, oder ob ich einrücken muß zu Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg“ Sein Engagement für die KPD, seine Arbeit für die,,Rote Fahne" und seine Beteiligung an der Münchner Räterepublik sind nur Schlaglichter einer bemerkenswerten Biographie. Christian Dietrich blickt auf das Schaffen des jungen Revolutionärs, der neben seiner politischen Tätigkeit auch literarisch wirken wollte. JÜDISCHE MINIATUREN

Tina Frühauf
Werner Sander
»den Frieden endgültig zu festigen«
80 Seiten, 20 Abb., Broschur,  € 8,90
978-3-95565-237-1
In Breslau geboren, genoss Werner Sander (1902-1972) eine Ausbildung als Musiklehrer mit Schwerpunkt auf Klavier und Gesang. Er arbeitete auch als Musikkritiker und Chorleiter. Nach der Machtübernahme der Nazis etablierte er sich in der jüdischen Musik. Mit seiner Emigration nach Ostdeutschland nach Ende des Zweiten Weltkriegs setzte er seine Laufbahn als Synagogenmusiker fort, verfolgte aber auch sein großes Interesse an Oratorienaufführungen. In Erinnerung bleibt Sander vor allem als Gründer des Leipziger Synagogalchores, den er als Konzertchor kultivierte und der sich bis heute jüdischer Musik in all ihrer Vielfältigkeit widmet.
JÜDISCHE MINIATUREN

Dandy - Komparse - Koch
Die Lebenserinnerungen von Theodor Simon (1897-1965)
Herausgegeben von Olaf Matthes
368 Seiten, zahlr. Abb., Hardcover, € 29,00
978-3-95565-224-1
Theodor Simon (1897-1965), in Berlin geboren, wuchs umgeben von enormem Reichtum auf, machte während des Ersten Weltkrieges sein Notabitur, wurde Soldat, stieg 1919 in das väterliche Baumwollunternehmen,,Gebrüder Simon" ein und ohne Ausbildung zu einem ihrer Chefs auf. Er trug schließlich zum Untergang der einstigen Weltfirma bei, lebte dabei stets auf der Überholspur, genoss das pulsierende Berlin der 1 920er Jahre in vollen Zügen und gab Geld großzügig aus. Nach seiner Entlassung aus der eigenen Firma stand er vor dem Nichts. Theodor Simon begann schon Jahre vor dem Machtantritt der Nazis in den USA ein neues Leben, u. a. als Komparse, Übersetzer und Taxifahrer in Hollywood. Hier lernt er zahlreiche Größen des Showgeschäfts kennen, u. a. Marlene Dietrich, Ernst Lubitsch oder den M.G.M.-Gründer Louis B. Mayer. Sein engster Freund war der Innenarchitekt und Oscar-Preisträger Paul Huldschinsky. Später wurde Simon zu einem der angesehensten Köche und Restaurantinhaber der USA in Taos, New Mexico. Seine Lebenserinnerungen bieten erstmals tiefe Einblicke in das großbürgerliche Leben einer jüdischen Familie Berlins im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts mit all ihren Glanz- und Schattenseiten. Sie illustrieren ebenso schonungslos wie eindrücklich die Lage vieler seit 1933 nach Amerika emigrierter Nazigegner und Juden.


Stefan Zweig
Die geistige Einheit der Welt
Herausgegeben von der Casa Stefan Zweig mit Beiträgen von Alberto Dines, Celso Lafer, Jacques Le Rider und Klemens Renoldner
Deutsch/Englisch/Französisch/Spanisch/ Portugiesisch
184 Seiten, 40 Farbabb. inkl. Faksimiles, br., € 27,90
978-3-95565-214-2
Am 27. August 1936 hält Stefan Zweig in der Musikschule von Rio de Janeiro seinen unter dem TiteI,,L'unit spirituelle de 'Europe" verfassten Vortrag, der schließlich in,,Zur geistigen Einheit der Welt" umbenannt wird. Er bildet den abschließenden Höhepunkt seiner ersten Brasilien-Reise. Das Publikum feiert Zweig mit stehenden Ovationen und lässt sich Autogramme geben. Seine Rede beinhaltet zwei zentrale Botschaften: Völker der Welt, wenn ihr einander nicht versteht, dann gefährdet ihr alles, was die Menschheit in 1 000 Jahren an Kultur hervorgebracht hat. Und: Die Hoffnung auf einen Weltfrieden liegt in den jungen Völkern Südamerikas.Zweig sieht den Zweiten Weltkrieg heraufziehen, der Spanische Bürgerkrieg ist bereits ausgebrochen, seine Bücher sind in Deutschland schon verbrannt worden.Das deutsche Originalmanuskript seines Vortrags schenkt Zweig dem brasilianischen Außenminister Jos Carlos de Macedo Soares. Heute befindet es sich im Besitz der Casa Stefan Zweig in Petrópolis (Brasilien) und wird hier erstmals vollständig faksimiliert in einer aufwendig gestalteten, fünfsprachigen Ausgabe wiedergegeben, ergänzt um Beiträge von Alberto Dines (Casa Stefan Zweig) Celso Lafer (zweimaliger Außenminister Brasiliens) sowie Klemens Renoldner (Direktor des Stefan Zweig Centre der Universität Salzburg) und Jacques Le Rider (coIe Pratique des Hautes Etudes Paris).

Mosse im Museum
Die Stiftungstätigkeit des Berliner Verlegers Rudolf Mosse (.1843-1920)  für das Ägyptische Museum Berlin
Herausgegeben von Jana Helmbold-Doyé und Thomas L. Gertzen mit einem Geleitwort von Julius H. Schoeps und einem Vorwort von Friederike Seyfried
200 Seiten, zahlr. Farbabb., € 35,00
978-3-95565-221-0


Erika und Gerhard Schwarz
Das Rittergut Garzau und jüdische Zwangsarbeit
Mit einem Vorwort von Hermann Simon
168 Seiten, 90 Abb., Hardcover, € 19,90
978-3-95565-222-7
Garzau, östlich von Berlin, ist weit über die lokalen Grenzen hinweg durch den preußischen Kartografen Friedrich Wilhelm Carl Graf von Schmettau (1743-1806) bekannt. Auf dem Areal seines Rittergutes hatte der General einen Landschaftsgarten errichten lassen. Heute zeugt lediglich die 2010 rekonstruierte, ursprünglich als Grabmal gedachte größte Feldsteinpyramide Deutschlands noch von der einstigen Blütezeit des Parks. Die wenigsten der zahlreichen Besucher dürften um die Verbindung des Anwesens und seiner späteren Eigentümer mit der jüdischen Geschichte Berlin-Brandenburgs wissen. Paul von Rohrscheidt und sein Sohn Hans, beide eng verwandt mit Katia Pringsheim, der Gattin des Nobelpreisträgers Thomas Mann, führten das Gut Ende des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts zu wirtschaftlichem Aufschwung. Von 1939 bis 1943 mussten auf dem Besitz Jüdinnen und Juden Zwangsarbeit für die Kriegswirtschaft leisten. Erika und Gerhard Schwarz beschreiben erstmalig das,,Jüdische Arbeitseinsatzlager Garzau", seine Entstehung, Funktion und Verwaltung als Bestandteil der faschistischen Judenverfolgung und rekonstruieren die Biografien der ehemaligen Insassen. Keiner von ihnen überlebte den Holocaust. Die Autoren stützen ihre detektivische Recherche auf einen bisher nicht ausgewerteten Schriftwechsel, der sie von Garzau nach Berlin, Fürstenwalde, Paris, Zürich, London, New York, Tel Aviv und Auschwitz brachte. Dieses Buch soll auch Anregung zur Erforschung der jüdischen Zwangsarbeit in über 20 anderen Orten Brandenburgs sein.

Moppi und Peter
Die wahre Geschichte zweier Hunde in der Nazi-Zeit
Erzählt von Raymond Wolff, aufgezeichnet von Hans-Dieter und Martina Graf und illustriert von Hans Lichtenwagner
64 Seiten, 35 Illustrationen und Fotos, Hardcover, 15,9x 23 cm, € 14,90
978-3-95565-219-7
Moppi ist ein kleiner Spitz aus Nackenheim. Er lebt dort mit Selma, Heinrich, Herbert und Helmut Wolff ein munteres und zufriedenes Leben - bis die Nazis an die Macht kommen. Die mögen die Wolffs nicht, weil sie Juden sind. Familie Wolff muss Nackenheim verlassen und Moppi zieht mit ihnen nach Mainz in ein großes Haus in der Kaiserstraße, wo er die Bekanntschaft mit Peter, einem Terrier, macht. Beide freunden sich an. Aber die Freundschaft währt nur kurze Zeit. Peters Besitzer, Adolf und Nanette Lekisch, sind ebenfalls Juden und verlassen schon bald das Land. Im französischen Nimes lernen sie den jüdischen Schriftsteller Lion Feuchtwanger und dessen Frau Marta kennen. Auf einer beschwerlichen Reise über Frankreich, Spanien und Portugal gelingt es ihnen, zu ihren Kindern in die USA zu flüchten. Für Peter, der in Feuchtwangers,,DerTeufel in Frankreich" literarisch verewigt wurde, beginnt der vielleicht aufregendste Teil seines Lebens.
Dieser Band eröffnete die Buchreihe,,Bittere Vergangenheit! - Bessere Zukunft?" des Vereins,,Child Survivors Deutschland e. V. - Überlebende Kinder der Shoah":


Philipp Sonntag
Wir Überlebende des Nazi-Terrors in Aktion
108 Seiten, Broschur,  € 14,90
978-3-95565-211 -1
Child Survivors haben als jüdische Kinder die Verfolgung der Nazis bis 1945 überlebt. Was sie außerdem kennzeichnet, sind die Folgeschäden, sowohl gesundheitlich als auch emotional und gesellschaftlich. Diese Schäden wurden nach 1945 durch bittere Erfahrungen auf Ämtern und generell in der Gesellschaft verstärkt. Es gab zwar eine als praktische Unterstützung willkommene,,Wiedergutmachung", sie warjedoch auffallend begrenzt. Die Täter kamen nach 1945 weitgehend straffrei davon. Viele der schlimmsten Täter waren Beamte und erhielten so automatisch die höchsten Pensionen. All das lässt vielen Child Survivors keine Ruhe.


„Bittere Vergangenheit! - Bessere Zukunft?' Bd. 2
Liesel Binzer
Ich prägte mein Leben in - wegen - trotz Theresienstadt
84 Seiten, 24 Abb., Broschur,  € 12,90
978-3-95565-212-8
„Ich habe versucht, mein eigenes Leben soweit wie irgend möglich selbst zu gestalten und einiges ist mir gelungen. Eigentlich war das kaum möglich und es ist mir heute noch unheimlich: Ich war mit 15.000 Kindern im Ghetto Theresienstadt und nur etwa 150 haben überlebt. Wie generell bei Child Survivors, welche die Verfolgung der Nazis als Kinder und/oder Jugendliche überlebt haben, so ist auch bei mir der Neuanfang 1945 schwierig gewesen. Natürlich war die Befreiung ein Höhepunkt des eigenen Lebens. Aber es fehlte viel Ausbildung, es fehlte 'das Erlernen des Verhaltens im Alltag' durch eine gesunde Familie in einem respektvollen gesellschaftlichen Umfeld.
„Bittere Vergangenheit! - Bessere Zukunft?", Bd. 3
Charakter, Zorn und Widerstand
Child Survivors aus Expertensicht
80 Seiten, Broschur,  € 12,90
978-3-95565-230-2
Sind Child Survivors besonders sensibel oder gar übersensibel, eigensinnig, kämpferisch oder resignierend im Vergleich zu anderen Vertretern ihrer Generation? Inwiefern engagieren sich Child Survivors gesellschaftlich und persönlich in ihrem Umfeld bzw. wie kann man sie dabei unterstützen? Dieser Band ist den Erfahrungen im Umgang mit Child Survivors gewidmet. Experten im weitesten Sinne - Wissenschaftler, Sozialbetreuer, Aktivisten, Familienangehörige der sog. 2. und 3. Generation (Kinder und Enkelkinder), Multiplikatoren, Literaten, Historiker, Politiker sowie einige Child Survivors selbst - versuchen, diese Fragen zu beantworten.
„Bittere Vergangenheit! - Bessere Zukunft?", Bd. 4
Unbekannter Holocaust im Osten Europas
Alte Grausamkeiten, neue Herausforderungen
80 Seiten, Broschur,  € 12,90
978-3-95565-231-9
Zeitzeugen und Experten des Vereins „Phönix“ der postsowjetischen Child Survivors berichten über die grauenhaften Massenmorde der Nazis in Osteuropa bis 1945. Sie verdeutlichen, wie vor allem in den baltischen Ländern und der Westukraine bereits 1941 Tausende von Juden noch vor Eindringen der Wehrmachtstruppen von den Einheimischen ausgeraubt und ermordet wurden. Viele von ihnen brechen erstmals ihr jahrzehntelanges Schweigen. Hunderte Verfolgte kamen voller Hoffnung nach Deutschland - aber deutsche Behörden verweigerten ihnen den Status von „Verfolgten des Nazi-Regimes“, mit gravierenden sozialen und ökonomischen Folgen für den Einzelnen.

Industrie und Holocaust: Topf & Söhne — Die Ofenbauer von Auschwitz
Industry and the Holocaust: Topf & Sons – Builders of the Auschwitz Ovens
Herausgegeben von / edited by Annegret Schüle
208 Seiten, zahlr. Abb., Klappenbroschur,€ 17,90
978-3-95565-223-4
Für den millionenfachen Mord in den Konzentrations- und Vernichtungslagern brauchte die 55 zivile Experten. Die Erfurter Firma J. A. Topf & Söhne nahm dabei eine entscheidende Rolle ein. Ihre Verbrennungsöfen ermöglichten die schnelle, kostengünstige Beseitigung der Leichen. Ihre Lüftungstechnik optimierte das Morden in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau. Schlüsseldokumente zum Holocaust aus dem Betriebsarchiv, aus Auschwitz und Moskau stehen im Zentrum des von Annegret Schüle herausgegebenen Begleitbandes zur internationalen Wanderausstellung des Erinnerungsortes Topf & Söhne - Die Ofenbauer von Auschwitz in Kooperation mit der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, die in der ehemaligen Wäschereibaracke des Stammlagers im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau 2017 eröffnet wurden.

Michaela Rychlá
Der Glaube Israels
Emunat Jissra‘el
Ein Lehrbuch für Schule und Familie
Band 2
152 Seiten, 50 Farbabb., Hardcover, € 24,90,
978-3-95565-191-6
Aus dem Inhalt: Begegnung mit der Bibel: No'ach und die Sintflut • Ja'akow Awinu - der dritte Patriarch • Mosche Rabejnu und der Auftrag G"ttes • Jüdisches Leben: Schab-bat . Kaschrut • Jüdische Geschichte und Identität: Epoche des Hellenismus - die Gefahr von innen . Der Hellenismus und die Makkabäer-Bücher, Zeugnisse von Chanukka • Die Herrschaft der Römer - die eiserne Faust: Peruschim und Z'dukim Hillel haSaken: Rabban Jochanan ben Sakaj . Rabbi Akiwa Das jüdische Mittelalter - Zeit der Verfolgungen: Die Lage der aschkenasischen Juden • Kehilot SCH-U-"M und ihre Bedeutung • Die Emanzipation • Rabbi Hirsch - Begründer der Neoorthodoxie • Die sefardische Welt: Glanz und Elend . Der Konversionsdruck und die Inquisition • Liebe im Judentum
Verlagsvorschau 2017/I



Michaela Rychlá
Der Glaube Israels
Emunat Jissra‘el
Ein Lehrbuch für Schule und Familie
152 S., 120 Abb., geb., 24,90 €
978-3-95565-133-6
Band 1 (8. Klasse)
Gebet als Ausdruck des Glaubens und der Identität– Der jüdische G”ttesdienst –  B’rachot: die Segenssprüche  – Kabbalat Schabbat– Das Mincha-Gebet, Ma’ariwund die Hawdala-Zeremonie – Das Sch’ma Jissra’el:Höre Israel – Der jüdische Jahreskreis– Berechnung des jüdischen Kalenders – Der Neumond Rosch chodesch– Jüdische Feiertage mideOrajta: aus der Schrift – Rosch haSchana: das Neujahrsfest – Jom Kippur: der Versöhnungstag –  Chag haPessach: das Fest der Befreiung – Schawu’ot: das Fest der Gesetzesoffenbarung – Sukkot: das Laubhüttenfest – Die jüdische Familie– Beginn des Judentums: die Patriarchengeschichte – Awraham Awinu: Abraham, unser Vater  – Begegnung mit der Bibel – Die Lehre des Judentums – Die Fünf Bücher Mose: die Tora – Newi’im rischonim: die älteren Propheten – Newi’im acharonim: die jüngeren Propheten – K’tuwim: Die Schriften – Schöpfung und Verantwortung
Emunat Jissra‘elist eine Lehrbuchreihe in drei Bänden für den Religionsunterricht jüdischer Jugendlicher in den Klassen 8, 9 und 10, geschrieben nach den Lehrplanvorgaben des Bayerischen Kultusministeriums für die gymnasiale Mittelstufe. Dieses Werk ist jedoch auch für Familien sowie Schüler anderer Schultypen geeignet und berücksichtigt insbesondere die Bedeutung des familiären Umfeldes im Judentum. Während sich der erste Band für die 8. Klasse den Grundlagen des jüdischen Glaubens widmet, so dem Gebet, dem Kalender und seinem Feiertagszyklus, dem Beginn des Judentums, der Bibel und der Schöpfung, beleuchten die beiden anderen Bände die Säulen Schabbat und Kaschrut sowie das rabbinische Schrifttum. Eine wichtige Bedeutung kommt auch der Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte vom Altertum bis in die Gegenwart zu. Den krönenden Abschluss bildet die vertiefte Beschäftigung mit der Tora. Dieses insgesamt dreibändige Werk entstand nach langjähriger Unterrichtspraxis in 12 Jahren als erstes seiner Art seit dem Kriegsende.


Vilne – Wilna – Wilno – Vilnius
Eine jüdische Topografie zwischen Mythos und Moderne herausgegeben von Elke-Vera Kotowski und Julius H. Schoeps
200 Seiten, 25 Abb., Klappenbroschur,  € 22,00
978-3-95565-204-3
Der Band bietet eine historische Rückschau auf die wechselvolle Geschichte zwischen der Etablierung eines Zentrums rabbinischer Gelehrsamkeit und der Ghettoisierung und Ermordung der Wilnaer Juden durch Hitler-Deutschland. Ein weiterer Fokus wird auf die wechselseitigen Einflüsse der Ostund Westjuden zwischen Wilna und Berlin gelegt. Im Zuge der jüdischen Aufklärung (Haskala) waren es die sogenannten „Berliner“, Maskilim, die die Wilnaer Juden für die Haskala begeistern wollten. Das Wilnaer Verlagswesen, das die Literatur aus Berlin ins Jiddische übersetzte, brachte diese Texte wiederum der Wilnaer Leserschaft nahe. Umgekehrt wirkten sowohl die rabbinische Gelehrsamkeit und Einflüsse der Kabbala als auch moderne politische Strömungen von Wilna aus auf Berlin. Autorinnen und Autoren aus Litauen und Deutschland stellen ihre Forschungsprojekte vor und erörtern Fragen zu den bisher kaum betrachteten Wechselwirkungen der verschiedenen jüdischen insbesondere jiddischen Kulturen in Berlin und Wilna zwischen Haskala und Holocaust. 

Stefan und Lotte Zweigs südamerikanische Briefe
New York, Argentinien und Brasilien 1940–1942
Herausgegeben von Darién J. Davis und Oliver Marshall
Aus dem Englischen von Karin Hanta
336 Seiten, Hardcover, € 27,90
978-3-95565-188-6
Die in diesem Buch enthaltenen Briefe aus den USA, Argentinien und Brasilien an Familienmitglieder in England vermitteln einen berührenden Eindruck von den letzten 20 Monaten im Leben der Zweigs. Die Briefsammlung von Stefan Zweig stellt nicht nur die umfassendste bis jetzt veröffentlichte Korrespondenz vom amerikanischen Doppelkontinent dar, sondern enthält auch als einzige Briefe von Lotte Zweig, die bis dahin nur als „schweigsame Frau“ dargestellt wurde. Lotte Zweig tritt endlich aus dem Schatten ihres Ehemanns hervor und gibt in ihren Schreiben einen tiefgehenden Einblick in die Beziehung und Exilerfahrung des Ehepaares. 

„Berlin lebt auf!“. Die Fotojournalistin Eva Kemlein (1909–2004)
Herausgegeben von der Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum
128 Seiten, 80 Abbildungen, Klappenbroschur, € 14,90
978-3-95565-181-7
Eva Kemlein (1909–2004) war die Chronistin des Berliner Nachkriegs- und des Berliner Theaterlebens. Als Bildjournalistin für die „Berliner Zeitung“, deren erste Ausgabe 1945 die Überschrift trug: „Berlin lebt auf!“, prägten ihre Bilder von Überlebenden – sie selbst hatte die Nazizeit als Jüdin versteckt überstanden –das Gedächtnis der Nachkriegszeit. Immer Berlinerin, war sie doch Grenzgängerin zwischen den Welten. Über 60 Jahre fotografierte sie an den Bühnen Ost-Berlins und kehrte jeden Abend in ihre Wohnung in den Westen der Stadt zurück. Ein außergewöhnliches Leben zwischen Ost und West.


Thilo Scholle
Paul Levi
Linkssozialist – Rechtsanwalt –Reichstagsmitglied
80 Seiten, 20 Abb., Broschur, € 8,90
978-3-95565-200-5
Paul Levi (1883–1930) zählt zu den interessantesten Persönlichkeiten der politischen Linken in der Weimarer Republik. Als Rechtsanwalt wurde er zum engen Vertrauten Rosa Luxemburgs und übernahm nach ihrem Tod für kurze Zeit den Vorsitz der gemeinsam gegründeten Kommunistischen Partei. Nach seinem Ausschluss aus der KPD und der Rückkehr zur Sozialdemokratie wurde er als Reichstagsabgeordneter und Herausgeber der Zeitschrift „Sozialistische Politik und Wirtschaft“ zu einem der maßgeblichen Akteure auf deren linken Flügel. Öffentlich trat er u.a. als Kritiker der alten reaktionären Eliten und einer gegen die Gefahr von rechts untätigen Justiz auf. Levi war überzeugt davon, dass Demokratie auf Dauer nur durch Überwindung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung möglich sein würde. JÜDISCHE MINIATUREN

Elke-Vera Kotowski
Gabriele Tergit
Großstadtchronistin der Weimarer Republik
80 Seiten, 12 Abb., Broschur,  € 8,90
978-3-95565-197-8
Die Gerichtsreporterin und Journalistin Elise Hirschmann (1894–1982) , die unter dem Pseudonym Gabriele Tergit schreibt machte sich einen literarischen Namen mit ihrem 1931 veröffentlichten Roman „Käsebier erobert den Kurfürstendamm“, den sie in nur 6 Wochen geschrieben hatte. Bis 1933 veröffentlichte die Tochter des Gründers der Deutschen Kabelwerke, Siegfried Hirschmann, vorwiegend Berichte, Feuilletons und Reportagen in verschiedenen deutschsprachigen Zeitungen (Berliner Tageblatt, Vossische Zeitung, Berliner Börsen-Curier, Prager Tagblatt). Im März 1933 entging Gabriele Tergit knapp einem SA-Überfall in ihrer Wohnung. Wenig später verließ sie mit ihrem Mann, Heinz Reifenberg, Deutschland. Über die Tschechoslowakei und Palästina gelangte sie 1938 nach Großbritannien und ließ sich in London nieder, wo sie bis kurz vor ihrem Tode als Sekretärin des Deutschen P.E.N.-Zentrums deutschsprachiger Autorinnen und Autoren im Ausland tätig war. JÜDISCHE MINIATUREN

Oliver Bentz
Anton Kuh
Kaffeehausliterat zwischen Prag, Wien und Berlin
62 Seiten, 7 Abb., Broschur€ 8,90
978-3-95565-190-9
Im Zuge des anekdotischen Erzählens über den 1890 in Wien geborenen Bohemien und Kaffeehausliteraten Anton Kuh wird häufig vergessen, dass er auch ein äußerst fleißiger Schriftsteller und Journalist war, der zu Lebzeiten sechs Bücher und über 1500 journalistische Arbeiten veröffentlichte. Sein publizistisches Wirken stellte Kuh über Jahre in den Dienst des Kampfes gegen Nationalismus, Militarismus und den Aufstieg der Nationalsozialisten. Als hellsichtiger, unabhängiger Beobachter und scharfzüngiger Kommentator seiner Zeit war er, den Alfred Kerr als „Hirnzigeuner von lukianischem Geblüt“ bezeichnete, einer der hervorstechenden Chronisten des politischen und kulturellen Lebens in Wien und Berlin in den ersten vier Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Von den Nazis ins Exil getrieben, starb Anton Kuh 1941 in New York. JÜDISCHE MINIATUREN

Jane Wegewitz, Tom Pürschel
Broder, Cerf & Löbl
Nachbarn auf Zeit – Neighbours for Some Time
152 Seiten, zahlr. Abb., Klappenbroschur, € 19,90
978-3-95565-189-3
Leipzig zwischen 1900 und 1941: Moses Broder gründet ein bald expandierendes Metallwaren-Unternehmen, die Cerfs sind als Rechtsanwälte, Kaufleute und Künstler bekannt, die Löbls im Rauchwarengeschäft erfolgreich – die Familien sind selbstverständlicher Teil der städtischen Nachbarschaft. Es folgen Inhaftierungen und Emigration, Deportation und Ermordung, aber auch mutige Zivilcourage, Widerstand und Neubeginn. Ergänzt durch zahlreiche Fotografien sowie Briefe und viele andere Dokumente aus Privatbesitz lassen die Autoren ein besonderes Familienalbum entstehen, das zugleich ein Stück jüdischer Geschichte Leipzigs von 1900 bis 1941 erzählt: vom Ankommen in einer wachsenden Stadt, von Neuanfängen und vom Alltagsleben sowie von existenziellen Umbrüchen. 

Die Haggada, die aus Ostfriesland kommt
Illustriert von Ricardo Fuhrmann und Daniel Jelin, herausgegeben von Wolfgang Freitag
Deutsch/Hebräisch
96 Seiten, zahlr. Illustrationen, Hardcover, € 24,90
978-3-95565-203-6
Ricardo Fuhrmann und Daniel Jelin wurden beide in Buenos Aires geboren, kommen jedoch aus sehr unterschiedlichen künstlerischen Kontexten. Der eine aus Oper und Theater, der andere aus Zeichnung, Malerei und Skulptur. Obwohl beide ihre künstlerische Individualität bewahrt haben, arbeiten sie seit Jahren erfolgreich in gemeinsamen Projekten. Sie haben zusammen 12 Kinderbücher realisiert und gestalten seit 2000 Künstlerbücher, viele davon mit eigenen Texten. Im Jahr 2013 wurde das Projekt „Ostfriesland-Haggada“ gemeinsam mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Ostfriesland ins Leben gerufen. Seitdem wurde die Ausstellung an zahlreichen Orten gezeigt und u.a. auf Einladung des israelischen Parlaments im Mai 2014 in der Knesset in Jerusalem präsentiert.
Die Haggada ist seit Jahrhunderten das meist illustrierte Buch im Judentum. In ihr vereinen sich künstlerische Fantasie und volkstümliche Überlieferung immer wieder aufs Neue. Jetzt haben zwei gleichermaßen neugierige wie traditionsbewusste Künstler eine Haggada gestaltet, die die Teilnehmer des Sederabends zu aktiver Beteiligung inspiriert. Die Illustrationen schaffen einen offenen Raum für Fragen und Austausch zum zentralen Thema des Pessachfestes: der Freiheit. Ihre künstlerische Expedition führt die Leser an längst bekannte Orte der Haggada und zugleich in ihre geheimnisvollen Schlupfwinkel, in denen die eindringliche Poesie des Textes und seine spielerischen Facetten aufscheinen. Die Arbeit der beiden Künstler wurde inspiriert durch die Tradition der Chavruta, dem Lernen zu zweit. Im gemeinschaftlichen Lesen und Besprechen werden in der Chavruta die überlieferten Texte mit allen Sinnen und intellektuellen Fähigkeiten neu befragt. So entstand ein Gespräch und eine Auseinandersetzung über die künstlerische Interpretation der Haggada und im Ergebnis ein faszinierendes Werk aus unerwarteter Perspektive. Der Titel „Die Haggada, die aus Ostfriesland kommt“ nimmt die Tradition auf, Haggada-Ausgaben nach dem Ort ihrer Entstehung zu benennen. 

Martina Bick
Ebba Agnes Simon und ihre Familie
„Tue Gutes und sprich nicht darüber“
72 S., br., 8,90 €
978-3-95565-183-1
Ebba Simon, 1906 als Ebba Agnes Westberg in Hamburg geboren, war eine Großnichte und Teil-Erbin des Firmengründers der Beiersdorf AG, Dr. Oscar Troplowitz. Aufgrund ihrer jüdischen Abstammung mütterlicherseits musste sie während der NS-Zeit große persönliche und berufliche Einschränkungen und Diskriminierungen hinnehmen. Zweimal wurden ihre Heiratspläne durch die Rassengesetze vereitelt; erst 1949 konnte sie den Chemiker Dr. Alfred Simon heiraten - für eine Familiengründung war es dann jedoch zu spät. Die Hälfte ihres umfangreichen Vermögens vermachte Ebba Simon nach ihrem Tod 1999 der Claussen-Stiftung, einer der großen deutschen Privatstiftungen. Gerade sie, die ihre eigene Ausbildung zur Gymnastiklehrerin und Physiotherapeutin wegen der NS-Zeit nie beruflich nutzen konnte, wurde auf diese Weise dauerhaft zu einer großzügigen Unterstützerin und Förderin der Bildungs- und Berufswege zahlloser junger Menschen aus dem In- und Ausland. JÜDISCHE MINIATUREN

Frank Stern
Franz Rosenzweig
Philosoph und Historiker der Moderne
80 S., Abb., br., 8,90 €
978-3-95565-149-7
Franz Rosenzweig (1886 –1929) ist einer der bedeutendsten deutsch-jüdischen Wissenschaftler. Lange Jahre galt er vor allem als Philosoph und moderner Vordenker des deutsch-jüdischen Gesprächs. Die in verschiedenen Nachlässen vorhandenen und nur zum Teil veröff entlichten Materialien zeigen Franz Rosenzweig heute als Historiker der Moderne, als Vertreter einer die jüdische Geschichte integrierenden Welt- und Politikgeschichte, als Literatur- und Kunstwissenschaftler, als leidenschaftlich Liebenden und Intellektuellen. Aufbauend auf seinen Veröffentlichungen und dem Nachlass wird das Wirken Rosenzweigs, das bürgerliche jüdische Milieu, die Rolle der jüdischen Frauen in seinem Umfeld und seine aktuelle Bedeutung für die Wissenschaft des Judentums dargestellt. JÜDISCHE MINIATUREN

Maier, Dieter G. / Nürnberger, Jürgen
Jeannette Schwerin
Durch Bildung zu Sozialreform und Emanzipation
96 Seiten, 11 Abb., Broschur, € 9,90
978-3-95565-171-8
Als Nachfahrin der bekannten jüdisch-spanischen Familie Abarbanell engagierte sich Jeannette Schwerin (1852-1899) in verschiedenen Organisationen der deutschen Frauenbewegung, so auch im Verein Frauenwohl und im Bund Deutscher Frauenvereine. Sie war Lehrerin von Alice Salomon und maßgeblich beteiligt u.a. an der Gründung der Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur, der Mädchen- und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit sowie der Errichtung der ersten öffentlichen Lesehalle in Berlin. Als vielseitig gebildete Persönlichkeit gab sie in der kurzen Zeit ihres öffentlichen Wirkens wichtige Anstöße zur Sozialreform und Emanzipation, z.B. zu einer qualifizierten Ausbildung und gleichrangigen Beschäftigung der Frauen in der Wohlfahrtspflege sowie zu einem verbesserten Arbeitsschutz für Frauen. Dank ihrer anregenden Vorträge und Publikationen gewann sie auch im Ausland ein so hohes Ansehen, dass sie kurz vor ihrem viel zu frühen Tod als erste Deutsche in den Vorstand des „International Council of Women“ gewählt wurde. JÜDISCHE MINIATUREN

Ruth Zeifert
Nicht ganz koscher
Vaterjuden in Deutschland
Mit einem Vorwort von Micha Brumlik
218 Seiten, Klappenbroschur, € 24,90
978-3-95565-208-1
Jüdisch ist, wer Kind einer jüdischen Mutter ist. Das Religionsgesetz, die Halacha, ist da eindeutig. Allein auf die Mutter kommt es an. Herkunft und Glauben des Vaters sind für den Status irrelevant. In den Jüdischen Gemeinden sind sie nicht registriert. Da der Status oftmals im Widerspruch zu Selbstbild und Fremdzuschreibungen steht, suchte Ruth Zeifert nach der Bedeutung der religiösen Regel und schließlich das Gespräch mit Vaterjuden. Sie lässt diese Menschen mit ihren Erfahrungen, Problemen, Wünschen und Hoffnungen zu Wort kommen und bietet ihnen ein Forum, ihre Lebenswirklichkeit auszudrücken. 
Verlagsvorschau Herbstreise 2016



Gesa Kessemeier
Herrmann Gerson
Das erste Berliner Modekaufhaus
86 S., 21 Abb., br., 8,90 €
978-3-95565-151-0
Das Modehaus Herrmann Gerson ist ein Mythos der Berliner Konfektion. Seinen Zeitgenossen galt es als „das geschmackvollste, großartigste und bedeutendste Manufakturwarengeschäft in Deutschland“. Erstmals werden nun detaillierte Einblicke in das Firmen- und Familienleben der Gersons in den Jahren 1836 bis 1889 gewährt. Den Leser erwartet eine mode- und zeitgeschichtliche Reise in die faszinierende Welt der neu entstehenden Kaufhauskultur des 19. Jahrhunderts, die Berliner Konfektion und das Alltagsleben im ersten, 1848/49 zu diesem Zweck erbauten Modekaufhaus Deutschlands. Ebenso spannend sind die Blicke in das Privatleben der Gersons und ihre Freundschaften zu anderen Größen der Textilbranche wie zu den Familien Liebermann, den Seidenfabrikanten Meyer oder den Israels vom späteren Kaufhaus N. Israel.   LISTE DER JÜDISCHEN MINIATUREN

Zweisamkeiten
Zwölf außergewöhnliche Paare in Berlin
Herausgegeben von Elke-Vera Kotowski, Anna-Dorothea Ludewig, Hannah Lotte Lund
264 S., 60 Abb., br., 19,90 €
978-3-95565-135-0
Berlin ist facettenreich, überraschend und scheint sich immer wieder neu zu erfinden oder wird erfunden, von Männern und Frauen, die sich in dieser Stadt beheimatet fühlen, und sei es nur für kurze Zeit. Vor diesem Hintergrund sind viele interessante (zwischenmenschliche) Konstellationen entstanden, manche waren von Dauer, einige hielten nur für eine kurze Zeit, aber alle waren sie prägend – und außergewöhnlich. Zwölf inspirierenden „Zweisamkeiten“ ist dieses Buch gewidmet und natürlich ihrer Stadt, denn Berlin war und blieb immer die Dritte im Bunde.
Paare :
Charlotte Berend-Corinth – Lovis Corinth
Marlene Dietrich – Josef von Sternberg
Hedwig Dohm, geb. Schlesinger – Ernst Dohm
Valeska Gert – „Ilse Koch“
Henriette Herz, geb. de Lemos – Marcus Herz
Helen Hessel, geb. Grund – Franz Hessel
Mathilde Jacob – Rosa Luxemburg
Lotte Laserstein – Traute Rose
Else Lasker-Schüler – „Prinz von Theben“
Margarete Oppenheim, geb. Eisner, verw. Reichenheim – „Paul Cézanne“
Melitta Schenk Gräfin von Stauffenberg, geb. Schiller – „JU 87“/„JU 88“
Gabriele Tergit – „Käsebier“

Willy Wolff  und die Dinge des Lebens
Erinnerungen und Einsichten
120 S., 20 Abb., br., 12,90 €
978-3-95565-154-1
Willy Wolff hat mit über 80 seinen Wohnsitz und seinen Arbeitsplatz in zwei verschiedenen Ländern: Als Rabbiner arbeitet er in Norddeutschland und schreibt für die Londoner "Times". Er ist britischer Staatsbürger mit deutschen Wurzeln und trägt seine Predigten auf Russisch vor. Außerdem liebt er Yoga, Weihnachtslieder und Pferdewetten. Mehr als drei Jahre begleitete die Regisseurin Britta Wauer den Landesrabbiner von Mecklenburg-Vorpommern mit der Kamera. In zahlreichen Gesprächen blickt Willy Wolff auf sein bewegtes Leben, erzählt von seiner Kindheit in Berlin und Amsterdam, von seiner Karriere als politischer Journalist in England und von seinem lebenslangen Wunsch, Rabbiner zu werden. Neben dem Film über ihn, der im Frühjahr 2016 in die Kinos kommt, hat die preisgekrönte Filmemacherin für dieses Buch Erinnerungen, Betrachtungen und Einsichten einer bezaubernden Persönlichkeit zusammengestellt - spannend, unterhaltsam und inspirierend.

Lorenz Peiffer
Zwischen Erfolg und Verfolgung
Deutsch-jüdische Fußballstars im Schatten des Hakenkreuzes
Deutsch/Hebräisch
112 S., 50 Abb., br., € 14,90
978-3-95565-157-2
Die Entwicklung Deutschlands zu einer der herausragenden Schatten des Hakenkreuzes Fußballnationen der Welt ist auch geprägt durch das Engagement jüdischer Spieler, Trainer, Manager, Funktionäre und Mäzene in den 1920er Jahren. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten werden sie aus dem deutschen Fußball
gedrängt und geraten völlig in Vergessenheit. Erst seit einigen Jahren beginnt der deutsche Fußball damit, seine jüdischen Fußballpioniere und -stars wiederzuentdecken und zu benennen. Mit Porträts von Walther Bensemann, Gottfried Fuchs, Bernhard Grünfeld, Julius ‚Juller‘ Hirsch, Fritz Kerr, Jenö (Eugene) Konrad, Kurt Landauer, Simon Leiserowitsch, Paul (Pavel) Mahrer, Max Salomon, „Eddy“ Emanuel Schaffer, Martin Abraham Stock, Walter Vollweiler

Julia Bertschik, Michael Fürst, Elke-Vera Kotowski, Anna-Dorothea Ludewig
Am I Dandy?
Anleitung zum extravaganten Leben
Deutsch/Englisch
184 S., 54 Abb., br., € 19,90
978-3-95565-161-9
„Wer keinen Rucksack trägt, keinen ausgefransten Pullover zu Fetzenjeans, sondern nur normal angezogen ist, ist eben ein Dandy“, konstatierte der 2015 verstorbene, oft als moderner Dandy bezeichnete Journalist Fritz J. Raddatz. Wer oder was ist aber ein Dandy? Der anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Schwulen Museum Berlin entstandene Katalog versucht dieser Frage auf den Grund zu gehen. Indem historische Dandy-Entwürfe eines ‚Beau‘ Brummell oder Oscar Wilde mit aktuellen Erscheinungsformen des Dandytums erstmals zusammengebracht werden, ist es möglich, die Vielfältigkeit dieses Phänomens zu präsentieren. Dazu gehören auch die Femme Dandy und ihre ‚Erfinderin‘ Coco Chanel, deren neue weibliche Mode Frauen ein Leben ohne Korsett ermöglichte, der Dandy 2.0 in den Männermode-Blogs des Internets und der Black Dandy, der gegenwärtig mit den kongolesischen Sapeurs ein grandioses Comeback feiert. Die Frage mit einer Definition zu beantworten, ist nicht das Anliegen dieses Buches. Dies wäre auch angesichts der zahlreichen Ausprägungen dessen, was als dandyistisch bezeichnet werden kann, wenig sinnvoll. Trotzdem: Ob 19. oder 21. Jahrhundert, einen Dandy erkennen wir an bestimmten Merkmalen, die leicht variieren können, aber doch eine gewisse Beständigkeit aufweisen, wie eine gut gebundene Krawatte. Solche Attribute stellt die Publikation anhand zahlreicher Abbildungen und einer lexikalischen Zusammenstellung folgender Begriffe, Objekte und Räume zur eigenen Dandy-Befragung vor: Aura/Autorität, Blau, Club, Das kleine Schwarze, Dilettantismus, Gender/Sexualität, Kälte/Coolness, Krawatte, Müßiggang, Spiegel/Narzissmus, Vestignomie, Virtualität. 


Federmann, Liorah / Jacobsen, Wolfgang / Schütz, Chana / Sonder, Ines
abgedreht!
Bühnenwelten - Lebenswelten
Chaim Heinz Fenchel (1906-1988)
Englisch, Deutsch
104 S., br., € 14,90
978-3-95565-128-2
Als der Berliner Heinz Fenchel im Februar 1937 in Haifa an Land ging, konnte er auf eine bemerkenswerte Karriere im deutschen und internationalen Filmgeschäft zurückschauen: Er hatte die Sets für insgesamt 45 Filmproduktionen – von Großstadtkomödien bis zu Actionfilmen –  geschaffen. In der Weimarer Republik ein vielbeschäftigter und erfolgreicher Filmset-Designer, durfte Heinz Fenchel seit 1933 als Jude in Deutschland nicht mehr arbeiten. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen entschied sich Heinz Fenchel, nach Palästina auszuwandern, in ein Land ohne nennenswerte Filmindustrie. Hier nutzte er seine Erfahrungen aus der Filmbranche und seine zeichnerische Begabung und schuf Kaffeehäuser, Bars und elegante Geschäfte für die aufblühende Metropole Tel Aviv. Später waren es private Residenzen und luxuriöse Hotels nicht nur in Israel, sondern auch in Afrika, mit denen er Lebenswelten schuf, die von den Bühnenwelten seiner Filmsets nicht zu trennen sind.


Stefan Zweig und sein Freundeskreis
Sein letztes Adressbuch 1940–1942
Herausgegeben mit einem Beitrag von Klemens Renoldner von Alberto Dines, Israel Beloch and Kristina Michahelles
232 S., 50 Faksimiles, 62 Abb., geb., 27,90 €
978-3-95565-134-3
Das letzte Adressbuch Stefan Zweigs (1881–1942) führt ein in den Freundeskreis des weltbekannten österreichischen Schriftstellers. 158 Namen, die ihn auf seinem Weg ins brasilianische Exil begleiteten, werden erstmals in einer hochwertig ausgestatteten Faksimile-Ausgabe vollständig wiedergegeben sowie alle darin enthaltenen Personen und ihre Beziehung zum Schriftsteller von Zweig-Kennern der Casa Stefan Zweig in Petrópolis (Brasilien) kommentiert und in Kurzbiographien vorgestellt. Dieses Telefonbuch und die darin enthaltenen Kontakte geben einen außergewöhnlich intimen Einblick in das persönliche Umfeld Zweigs, der auf diese Weise durch seine Freunde und Weggefährten neu entdeckt werden kann. Es ist zugleich symbolträchtiger Ausdruck seines Versuchs eines Neuanfangs in der Fremde und des tief empfundenen Verlustes der „geistigen Heimat Europa“

Christoph Kreutzmüller, Julia Werner
Fixiert
Fotografische Quellen zur Verfolgung und Ermordung der Juden in Europa
Eine pädagogische Handreichung
64 S., 47 Abb., Br., € 14,90
2., überarbeitete und erweiterte Auflage
978-3-942271-60-8
Fotografien gelten als unbestechliches Abbild der Realität, sind aber das Ergebnis einer Auswahl und somit einer Bearbeitung. Diese ambivalente Qualität – Ausschnitt zu sein, aber für ein Ganzes stehen zu sollen – führt dazu, dass Fotos in politischen Konflikten oft als Waffe eingesetzt wurden. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der historischen Fotografie steht noch am Anfang. Ihre erstaunliche Unsichtbarkeit im Kontext historischen Lernens ist vor allem darauf zurückzuführen, dass diese allzu oft als Illustration gebraucht werden. Als Quelle eingesetzt, sind sie jedoch im pädagogischen Kontext außerordentlich wertvoll. Hier setzt dieses Buch mit dem Ziel an, fünf historischen Fotoserien der Verfolgung und Ermordung der Juden in Europa exemplarisch zu analysieren, um Lehrenden Werkzeuge zu deren Analyse an die Hand zu geben. Fotograf und Überlieferung werden jeweils kurz dargestellt, die Fotos in den Kontext ihrer Entstehung eingeordnet und zusammen mit den anderen Bildern der Serie gezeigt. Es folgt die Detailanalyse des einzelnen Fotos, die anschließend mit Quellen anderer Herkunft und Sichtweise kontrastiert wird. Den Abschluss jedes Kapitels bilden Fotos von heute, die den aktuellen Zustand der Orte zeigen und damit klarstellen sollen, dass diese real existieren.

Pessach Haggada
Herausgegeben von Rabbiner Andreas Nachama
128 S., geb., Abb., 19,90 €
978-3-95565-137-4
Die Haggada ist eine Agende für den ersten und zweiten Abend des Pessachfestes, die den Auszug der Israeliten aus Mizrajim nacherzählt und für Teilnehmer an dem traditionellen Festmahl jüdischer Familien nachempfindbar macht. Diese von Rabbiner Andreas Nachama eingerichtete Neuausgabe beinhaltet die traditionellen hebräischen Texte für den Sederabend - vollständig ins Deutsche übersetzt und transliteriert - mit detaillierten Anweisungen zum liturgischen Ablauf. Die Agende ist aktualisiert entsprechend dem egalitären Ritus eingerichtet. Ein Essay von Rabbiner Edward van Voolen umreißt die Bedeutung der Haggada in der Welt der jüdischen Gebetstexte.

Wiederhergestellte Synagogen
Raum – Geschichte – Wandel durch Erinnerung
Herausgegeben von Benigna Schönhagen
136 S., 40 Abb., br., 14,90 €
978-3-95565-141-1
In diesem Sammelband präsentieren erstmals zehn Expertinnen und Experten aus dem Bereich der jüdischen Museen und Gedenkstätten Sanierungs- und Nutzungskonzepte, die im deutschsprachigen Raum seit den 1980er Jahren für Synagogengebäude entwickelt wurden, die die Zeit des Nationalsozialismus überdauert haben, aber ihrer Gemeinde beraubt wurden. Die Beispiele zeichnen den Bewusstseinswandel für den Umgang mit dem gebauten jüdischen Erbe in den letzten 30 Jahren nach und geben einen Überblick über die Entwicklung der nationalen Erinnerungs- und Gedenkkultur. Ein besonderes Augenmerk gilt der angemessenen Sicherung von Spuren der Geschichte in den Gebäuden wie den Möglichkeiten und Herausforderungen der musealen Arbeit und historischen Vermittlung an einem authentischen Ort.

Stars of David
Wien – New York – Hollywood
Herausgegeben von Marcus G. Patka und Alfred Stalzer
Deutsch/Englisch
352 S., 400 Abb., 29,00 €
978-3-95565-136-7
Barbra Streisand, Bob Dylan, Billy Joel, Neil Diamond, Amy Winehouse, Paul Simon, Leonard Cohen, Lou Reed oder Matisyahu, das sind nur einige Namen von Künstlerinnen und Künstlern, die Musikgeschichte geschrieben haben. Die „heimliche“ Hymne der USA, „God Bless America“, aber auch „White Christmas“ stammen von Irving Berlin, einem Sohn jüdischer Einwanderer aus Weißrussland. Jüdische Musikerinnen und Musiker prägten das Musik-Business des 20. und 21. Jahrhunderts und leisteten einen wesentlichen Beitrag zur Unterhaltungskultur. „Stars of David porträtiert die wesentlichen Exponenten. Musical-Komponisten von George Gershwin über Jerome Kern bis zu Leonard Bernstein und Steven Sondheim landeten Kassenschlager und schufen Klassiker der Filmmusik, viele wurden mit Oscars, Grammys ausgezeichnet. Vor allem im Jazz avancierten jüdische Musiker wie Benny Goodman, Artie Shaw, Stan Getz oder John Zorn zu Szene-Ikonen. In Rock und Pop, in Punk und Rap stachen Gruppen wie Kiss, die Ramones und die Beastie Boys hervor. Von den 1938 vertriebenen Musikern, die in Hollywood Karriere machten, bis hin zu den Sabres um Edek Bartz, Geduldig und Thiman oder Arik und Timna Brauer wird die Wiener Szene beleuchtet.

Alephbeth
Die hebräische Lesefibel für Anfänger
Reprint, herausgegeben von Rabbiner Andreas Nachama
72 S., geb., € 16,90
978-3-95565-081-0
Wie lernt man das Hebräisch der Gebetbücher lesen und wie die ersten Worte des Gebetbuchhebräisch? Diese Lesefibel aus den 1950er Jahren begleitete schon Rabbiner Andreas Nachama bei seinen ersten Schritten in der Sprache der Bibel. Mit ihrer Hilfe lernte er, Hebräisch zu lesen und die wichtigsten Worte dessen, was man braucht, um einen Einstieg in das Hebräisch der jüdischen Gebetbücher zu finden. Sie ebnete über Jahrzehnte vielen Studierenden erfolgreich den Weg ins Hebräische. Dieser Reprint richtet sich an alle ohne Vorkenntnisse oder Hebräischlehrer und an die, die nicht das touristische Iwrith in Israel suchen. In 58 Lektionen können mit täglich rund 30 Minuten Lernzeit in etwa zwei Monaten Hebräisch gelesen und ungefähr 100 Worte des „Iwrith schel Schabbat“– des Gebetbuchhebräisch – verstanden werden.

Jüdische Wirtschafts- und Sozialethik in Zeiten der Globalisierung
Herausgegeben von Elisa Klapheck, Abraham de Wolf, Karl-Hermann Blickle
80 S., br., 9,90 €
978-3-95565-139-8
Im 21. Jahrhundert ist die Welt globaler Märkte vollends Wirklichkeit geworden. Angesichts der damit verbunden Krisen werden zunehmend die Religionen nach ihren wirtschaftsethischen Potentialen befragt. Könnte eine von der Religion her motivierte Wirtschaftsethik substantielle Einsichten zum Gedeihen der Weltwirtschaft beitragen?
Die Tora enthält Wirtschaftsgesetze mit einer dahinter stehenden Vorstellung von Gerechtigkeit. Ebenso bieten die Wirtschaftstraktate im Talmud eine tiefe rabbinische Auseinandersetzung mit der Wirtschaftsrealität. In Frankfurt/Main hat sich „Torat HaKalkala. Verein zur Förderung der angewandten jüdischen Wirtschafts- und Sozialethik“ gebildet, um die wirtschafts- und sozialethischen Quellen der jüdischen Tradition auf die Fragen der Gegenwart hin zu beleuchten. Im Zentrum des dritten Bandes von Machloket / Streitschriftensteht die Globalisierung der Märkte. Am Beispiel der globalisierten Textilindustrien beleuchten Abraham de Wolf und Rabbinerin Elisa Klapheck, beide Gründer
von Torat HaKalkala, zusammen mit dem ehemaligen Textilindustriellen und aktivem Mitglied von „Deutsches Netzwerk Wirtschaftsethik“, Karl-Hermann Blickle, Gesichtspunkte einer jüdischen Wirtschafts- und Sozialethik zur Stärkung sozialer Standards, Förderung des Wirtschaftswachstums und fairer Chancen auf dem globalen Markt.

Jüdische Positionen zur Sterbehilfe
mechaje hametim - der den Sterbenden Leben gibt
Herausgegeben von Elisa Klapheck
120 S., br., 14,90 €
978-3-95565-140-4
Sterbehilfe ist auch im Judentum ein kontrovers diskutiertes Thema. Die Bundestagsdebatte zur neuen Gesetzesregelung hat viele Rabbiner und jüdische Sachverständige veranlasst, Stellung zu beziehen. Im Mai 2015 fand in der Jüdischen Gemeinde Bielefeld und im Palliativzentrum Bielefeld mit Unterstützung der Allgemeinen Rabbinerkonferenz (ARK) und des Zentralrats der Juden in Deutschland eine in Deutschland erstmalige große Tagung statt, um die jüdischen Positionen insbesondere für die deutsche Situation zu sondieren. In den USA und Israel gibt es hierzu bereits eine breit geführte Diskussion. Mit diesem Band der neuen Reihe „Injanim“ (Kernfragen) wird die erste größere deutschsprachige Publikation zu diesem Thema vorgelegt. Rabbiner und Sachverständige nehmen Stellung zu passiver und aktiver Sterbehilfe, assistiertem Suizid, palliativ-medizinischen Erwägungen und der aktuellen Gesetzesregelung. Im Zentrum stehen zugleich jüdisch-religiöse und halachische Positionen über die Menschenwürde des Sterbenden, den Moment des Todes, die Bedeutung des
Sterbens und die Entscheidungsnöte der Angehörigen. 

Bet Debora Journal
Frauenpolitik für ein modernes Judentum
Deutsch/Englisch
148 Seiten, 30 Abb., br., 15,00 €
978-3-95565-131-2
Inhalt/Content: The Mysterious Disappearance of Rabbi Regina Jonas, Rabbi Elli Tikvah Sarah| Regina Jonas: The Shifting Sands of Memory, Gail Twersky Reimer| „Mir war nie darum zu tun, die Erste zu sein“ – Das Vermächtnis von Rabbinerin Regina Jonas, Rabbinerin Elisa Klapheck| Forgotten Holocaust? – Memorizing the Genocide of European Roma and Sinti, Joanna Talewicz-Kwiatkowska| Balkan Collective Memories, Tania Reytan-Marincheshka| Zwangsarbeit ungarischer Jüdinnen in Österreich 1944/45, Eleonore Lappin-Eppel| Mädchen zwischen Hoff nung, Zwangsarbeit und Trauer: Ein Tagebuch von 1941/42, Dieter J. Hecht| Liturgy, Rabbi Dalia Marx / Rabbi Sylvia Rothschild| Building Tents of Meeting: Jewish Feminism, LGBTQIQ Practice and Rainbow Judaism, Rabbi Elli Tikvah Sarah| The epistemic privilege of Jewish feminist perspectives, Hannah Peaceman| From Rebbetzin to
Maharat: the Adventures of an unlikely Feminist, Dina Brawer| Jackie Tabick – the First Woman Rabbi in Britain, Louise Heilbronn| Shulamit Aloni – Critic from Within, Shulamit Reinharz| The Women of the Wall, Ulrike Off  enberg / Rachel de Boor| Jewish Politics, Women Politics, General Politics – The Experience of Project Kesher, Svetlana Yakimenko| Das Religiöse und das Politische bei Margarete Susman, Rabbinerin Elisa Klapheck| Gender Awareness and Jewish Education: Changing Traditions and the Divine Image, Felicia Epstein| Literature for Jewish Children, Anna Makówka-Kwapisiewicz| Ahead of Her Time: Grace Aguilar (1816–47), Voice of Emancipation, Rabbi James Baaden

Henryk Grynberg
Der Sieg
Drei Erzählungen
280 S., br., 22,00 €
978-3-95565-138-1
Henryk Grynberg, einer der wichtigsten jüdisch-polnischen Autoren, schrieb in den Jahren 1965–1970 drei große Erzählungen von einzigartiger Ausdruckskraft: „Der jüdische Krieg“, „Der Sieg“ und „Vaterland“. Sie spannen den Bogen von der Flucht vor den Massendeportationen im besetzten Polen im Sommer 1942 bis in das Jahr 1967, als nach dem Sechstagekrieg ein politisch gesteuerter Antisemitismus die Länder des Warschauer Paktes ergriff. Insbesondere die Titelerzählung des Bandes, die zu den „100 Greatest Works of Jewish Literature“ zählt, führt vor Augen, was in den westlich fokussierten Erinnerungen allzu lange ein weißer Fleck blieb: der Alltag der Überlebenden in der damaligen Volksrepublik Polen. Mit diesem Band, der die drei Erzählungen erstmals chronologisch fortlaufend zusammenfügt, öffnet sich ein Gedächtnis, das den Schlüssel darstellt für eine Auseinandersetzung mit der Shoah und den Verwerfungen der Erinnerung nach Jalta.

Konsum & Gestalt
Leben und Werk von Salman Schocken und Erich Mendelsohn vor 1933 und im Exil
Herausgegeben von Antje Borrmann , Doreen Mölders , Sabine Wolfram
440 S., 70 Abb., 29,00 €
978-3-95565-145-9
Im Zentrum des Sammelbandes stehen zwei bedeutende Akteure deutsch-jüdischen Lebens: Salman Schocken als Kaufhausunternehmer, Verleger sowie Förderer jüdischer Kultur und Erich Mendelsohn als begnadeter Architekt der Moderne. Die Beiträge von Autorinnen und Autoren aus dem In- und Ausland – u.a. der Geschichte, Literaturwissenschaft, Germanistik und Architekturgeschichte – bieten biographische Details einerseits und Einblicke in die Gesellschafts- und Kulturarbeit der Protagonisten als Juden, Intellektuelle und Visionäre andererseits. Durch die Herstellung von Referenzen zu den zeithistorischen Diskursen werden den biographischen Daten die notwendigen kulturhistorischen Konturen verliehen.

Judith N. Levi
Reise der Versöhnung
Eine Jüdin entdeckt ein verändertes Deutschland
280 Seiten, 30 Abb., br., 19,90 €
978-3-95565-144-2
Judith Levi, als Tochter deutscher Juden in Amerika geboren, glaubte Jahre lang, das Deutschland der Gegenwart sei durch seine Nazivergangenheit unausweichlich vergiftet. Doch eine Reihe von Besuchen in Deutschland öffneten ihr die Augen. Sie baute sie sich einen großen deutschen Freundeskreis auf, und lernte, den Menschen, die sie verachtet hatte, mit Anteilnahme und Verständnis zu begegnen. Sie entdeckte das fehlende deutsche Puzzleteil ihrer Identität und begann, die positiven Auswirkungen deutsch-jüdischer Versöhnung zu schätzen. Heute hält sie vor amerikanischem und deutschem Publikum Vorträge über ihre positiven Erfahrungen in Deutschland und ihre Einsichten zum Thema Versöhnung. Ihre einzigartige und mitreißende Geschichte inspiriert nicht nur Deutsche und Juden, sondern alle Menschen. 

,Lehre mich, Ewiger, Deinen Weg‘
Ethik im Judentum
Hrsg.: Zentralrat der Juden in Deutschland und Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund
328 S., 103 Abb., geb., € 24,90
978-3-95565-106-0
„,Lehre mich, Ewiger, Deinen Weg‘ – Ethik im Judentum“ behandelt grundsätzliche ethische Fragen, die nicht nur Jugendliche und junge Erwachsene in ihrem täglichen Leben und in ihrem Bezug zum Judentum beschäftigen. Die 16 Kapitel des Buches befassen sich mit umwelt-, medizin-, sozialethischen und politisch-ethischen Themen. Bisher gab es kein deutschsprachiges Standardwerk oder ein Lehrbuch zu Fragen jüdischer Ethik. Dieses Manko sowie das stetig steigende Interesse von Nichtjuden an dieser Thematik haben die Herausgeber bewogen, ein Buch zu veröffentlichen, das wichtige Aspekte jüdischer Ethik aufgreift. Es soll die gesellschaftspolitischen Diskussionen über ethische Fragen mit einer jüdischen Stimme bereichern. Dieses Buch richtet sich gleichermaßen an Schüler ab 15 Jahren und Lehrer, an Juden und Nichtjuden, und ganz allgemein an den interessierten Leser. Es kann im Selbststudium und im Unterricht, als Lehrbuch, Lesebuch und als Quellensammlung benutzt werden. Erstes Lehrbuch zur jüdischen Ethik – anspruchsvolle didaktische und gestalterische Aufbereitung – hochaktuelle Themen – alle Strömungen des Judentums abbildend – Diskussionen, weiterführende Quellen und Fragestellungen zu jedem Artikel – ergänzende Infoboxen – jüdische Werte und Prinzipien im
Überblick – mit hebräischen Begriffen – QR-Codes für schnellen  Quellenzugriff – Glossar – Übersicht Talmudordnungen und -traktate.

Ernst Jacob
Grundbegriffe des Judentums – kurz gefasst
Eine Einführung in die „Israelitische Religionslehre“
Herausgegeben von Rabbiner Andreas Nachama mit einem Vorwort von Rabbiner Walter Jacob
144 S., geb., € 19,90
978-3-95565-115-2
Diese Einführung in die „Israelitische Religionslehre“ schließt an Rabbi Hillel an, der – während ein Fragender auf einem Bein steht – den Kern des Judentums vermittelt: „Was dir nicht lieb ist, das tue auch deinem Nächsten nicht: das ist die ganze Gesetzeslehre, alles andere ist Erläuterung, gehe und lerne sie.“ Hier wird kurz und knapp zusammengefasst, worauf Judentum basiert. Kurze Quellzitate, vorwiegend aus der Bibel, vermitteln aussagekräftige, einleuchtende und präzise Einblicke in das Judentum – alles, was man von einer Einführung erwarten sollte.


Das „Dritte Reich“ nach Hitler
23 Tage im Mai 1945. Eine Chronik
Herausgegeben von Andreas Nachama und Klaus Hesse
Deutsch / English
344  S., 230 Abb., geb.,  € 39,00
978-3-95565-117-6
Der endgültige Zerfall der NS-Diktatur vollzog sich in Etappen und an verschiedenen Schauplätzen. Als illustrierte Chronik wird jene letzte Phase des „Unterganges“ des „Dritten Reiches“ skizziert, die auf den Suizid Adolf Hitlers in Berlin am 30. April 1945 noch folgte, und für die vor allem die Kleinstadt Flensburg und die dortige Marinekriegsschule Mürwik, im äußersten Norden Deutschlands, die historische Kulisse abgaben. Die immer noch wenig bekannte Geschichte dieser 23 Tage wird wie in einem Kalender aufgeblättert, vom 1. Mai 1945, dem Tag der Übernahme der Funktionen des Staatsoberhauptes und des Oberbefehlshabers der Wehrmacht durch den von Hitler zu seinem Nachfolger bestimmten Großadmiral Dönitz‘, bis zum 23. Mai 1945, dem Tag der Verhaftung Dönitz‘, seiner „Geschäftsführenden Reichsregierung“ und der Führungsspitze des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW), die als desolate Überreste des NS-Staates u.a. in Flensburg letzte Zuflucht gesucht hatten. In biographischen Dossiers werden Minister und Staatssekretäre der von den Westalliierten kurze Zeit geduldeten, jedoch nie anerkannten letzten NS-„Reichsregierung“, sowie weitere nach Norden geflüchtete prominente NS-Funktionäre vorgestellt. 
REIHE JÜDISCHE MINIATUREN  LISTE DER JÜDISCHEN MINIATUREN

Walter Homolka
JESUS von Nazareth
Im Spiegel jüdischer Forschung
2., erweiterte und ergänzte Auflage
136 S., Br., € 12,90
978-3-942271-01-1
Jesu Wahrnehmung im Judentum war vielgestaltig. Rabbiner Walter Homolka zeichnet eine Geschichte von Abgrenzung und Auseinandersetzung. Im 19. Jahrhundert führte die "Heimholung Jesu" ins Judentum zu einer heute selbstbewussten Position. War Jesus aus jüdischer Sicht Pharisäer und Schriftgelehrter? Vielleicht. War er bedeutend? Ohne Zweifel. War er der Messias oder gar Gottes eigener Sohn? Nach jüdischem Verständnis nein.

Chana Schütz
Max Liebermann
Impressionistischer Maler, Gründer der Berliner Secession
3. Auflage
64 S., 15 Abb., Br., € 6,90
978-3-942271-14-1
Der Maler Max Liebermann (1847-1935) war eine der zentralen Persönlichkeiten in der deutschen Kunst der Kaiserzeit und der Weimarer Republik. Er war der führende Kopf jener Berliner Secession, deren Anhänger zum Ende des 19. Jahrhunderts neue Wege in der Kunst betraten und auf diese Weise Berlin zu einem Schauplatz der Moderne machten. In der Weimarer Republik verkörperte er wie kein anderer das künstlerische und geistige Establishment. In den Jahren 1920-1932 amtierte er als Präsident der Preußischen Akademie der Künste. Zeitlebens war er stolz darauf, aus einer erfolgreichen jüdischen Kaufmannsfamilie zu stammen.

Deborah und Hermann Simon
Jüdische Familienrezepte
Ein Kochbuch mit Vignetten von Ingrid Kühnert
2. Auflage
56 S., Br.,  € 5,90
978-3-942271-16-5
Immanenter Bestandteil jüdischen Lebens, ein verbindendes Element des Judentums, das über Jahrtausende beibehalten wurde und zur Einheit der Judenheit beitrug, ist das Befolgen der Speisegesetze. Auch viele Juden, die sich selbst nicht zum orthodoxen Spektrum zählen oder seit langem mit der Tradition gebrochen haben, beachten bestimmte Grundsätze. Doch: koscher allein reicht nicht - es soll auch schmecken. Dem jüdischen Festkalender folgend, haben die Autoren Rezepte der jüdischen Küche zusammengestellt, so wie sie in ihren Familien überliefert sind und sich bewährt haben.

Nicolas Bock, Peter Theiss-Abendroth
Aby Warburg
Der Bilderdenker
80 S., 10 Abb., br., 8,90 €
978-3-95565-148-0
Aby Warburg (1866–1929), Begründer der Ikonologie und einer der bedeutendsten Kulturwissenschaftler des vergangenen Jahrhunderts, war eine schillernde und widersprüchliche Figur, die ein reichhaltiges, aber unfertiges und schwer auszumessendes Werk hinterließ. Nachdem es jahrzehntelang wenig Beachtung erhielt, stellt es inzwischen Gegenstand intensiver Beschäftigung verschiedener Disziplinen dar. Das Autorenduo, ein Psychoanalytiker und ein Kunsthistoriker, vermittelt ein Portrait dieses an sich und der Welt leidenden und zugleich in produktiver Weise ringenden großen Intellektuellen. Dafür werden die individuellen wie kollektiven Brüche, die sein Leben kennzeichnen, ebenso untersucht wie deren schöpferische Bewältigung.

Maria Heiner
Lea Grundig
Kunst für die Menschen
128 Seiten, 35 Abb., Broschur, 12,90 €
978-3-95565-150-3
Die Grafikerin Lea Grundig (1906–1977) schreibt 1944 im palästinischen Exil: „Ein Kunstwerk, das nie ein Mensch gesehen hat, ist wie ein toter Gegenstand.“ In Nazideutschland hatte sie nie die Chance gehabt, auch nur eine einzige Arbeit öffentlich zu zeigen. Die Radierzyklen aus ihrem Erleben der faschistischen Wirklichkeit entstehen faktisch in der Illegalität. Nach mehrfachen Verhaftungen gelingt ihr die Flucht. Sie überlebt den Untergang der „Patria“ im Hafen von Haifa. Im Lande zeichnet sie viele Blattfolgen vom Schicksal der Juden. Ihre Arbeiten sind ein Hilferuf an die Welt, dem Morden und den furchtbaren Gräueln nicht tatenlos zuzusehen. Neben der künstlerischen Aufarbeitung der Shoah wird Lea Grundig zu einer wichtigen Illustratorin hebräischer Kinderbücher. Eine Fähigkeit, die sie nach ihrer Rückkehr nach Deutschland zu wahrer Meisterschaft bei den Illustrationen der Grimmschen Märchen entwickelt. Ihre Selbstbildnisse umfassen ihr bedeutendes Werk wie eine Klammer.

Hermann Simon unter Mitarbeit von Daniela Gauding
Die Neue Synagoge Berlin
„… zum Ruhme Gottes und zur Zierde der Stadt“
120 S., 23 Abb., Br., € 9,90
978-3-942271-25-7
Am 5. September 1866 (25. Elul 5626) fand die feierliche Einweihung der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße statt, einem durch orientalische Vorbilder angeregten prächtigen Bau, in dessen Nähe sich bald das gesamte Spektrum jüdischen Lebens in Berlin entwickelt. Dieses Buch gibt einen Einblick in die Entstehungsgeschichte dieses Gotteshauses, den religiösen Alltag seiner Beter, und wie es nach 1933 nicht mehr nur ein Haus der Versammlung ist, sondern auch zur Heimat der Verfolgten wird. Nach der Befreiung bleibt die Ruine von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet, bis 1988 die Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum ihre Teilrekonstruktion beginnt. Seit 1995 gehören die Kuppeln der Synagoge wieder zur Zierde der wiedervereinigten deutschen Hauptstadt und stehen ihre Tore allen Besuchern offen.
Hermann Simon geboren 1949 in Berlin. Abitur an altsprachlich betonter Schule, Studium an der Humboldt-Universität zu Berlin: Geschichte und Orientalia, anschließend Graduiertenstudium in Prag zur Spezialisierung auf Orientnumismatik. Dr. phil. Arbeit auf diesem Gebiet an den Staatlichen Museen zu Berlin. Seit 1988 Direktor der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum.
Daniela Gauding Studium der Hebraistik /Israelwissenschaft, Geschichte und Politik in Berlin und Jerusalem. Seit 2003 für die Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum tätig.

Andrea F. Bohlman / Philip V. Bohlman
Hanns Eisler
„In der Musik ist es anders“
140 S., 20 Abb., Br., € 12,90
978-3-942271-67-7
Am 6. September vor 50 Jahren starb der Komponist Hanns Eisler (1898–1962). Kritisch und kreativ spiegelte der politisch engagierte Musiker die historischen Ereignisse, Umbrüche und Entwicklungen seiner Epoche wider. Eisler thematisierte Arbeiterkultur, Klassenkampf und Exil in zahlreichen Liedern und Ensemblemusik sowie in seiner Filmmusik – ob Kuhle Wampe (1932), The Forgotten Village (1940/1941) oder Nuit et brouillard (1956). Eislers Leben und Werk werden mehrfach als Widerspruch dargestellt – als Kommunist und Klassenkämpfer, radikaler und konservativer Komponist sowie als Weltbürger, der sein Zuhause nur in der Musik fand. Im Gegensatz dazu lässt sich in Eislers komplexen Stellungnahmen zur jüdischen Geschichte der Moderne eine Kontinuität erkennen, die zum ersten Mal in diesem Buch dargestellt wird. 

Esther Slevogt
Die Synagoge Pestalozzistraße
Deinem Hause gebühret Heiligkeit, Ewiger, für alle Zeiten
150  S., , 38 Abb., Br., € 14,90
978-3-942271-68-4
In kaum einem Bau verdichtet sich die jüdische Geschichte Berlins der letzten hundert Jahre so stark wie in der Synagoge Pestalozzistraße: 1912 als Privatsynagoge errichtet, um in der rasant wachsenden Metropole des Kaiserreichs auch im Westen eine Insel für jene deutschen Juden zu schaffen, die an den überlieferten Riten festhalten und keine Orgel im Gottesdienst dulden wollten. Nach 1945 wurde das Haus zum Symbol für eben diese liberale Tradition mit Orgel und gemischtem Chor. Esther Slevogt verfolgt die Geschichte des Ortes und einiger Menschen, die ihn prägten; sie berichtet, wie die bedrängte Gemeinde das geschändete Gotteshaus im Krieg vor der Zerstörung bewahrte, in dem sie es zweckentfremdete. So konnte der Bau 1945 zu einer Keimzelle der wiedererstehenden Jüdischen Gemeinde werden. 

Nils Busch-Petersen
Adolf Jandorf
Vom Volkswarenhaus zum KaDeWe
80 S., 22 Abb., Br., € 6,90
978-3-938485-10-1
Der jüdische Bauernjunge Adolf Jandorf aus Hengstfeld /Hohenlohe kann kaum über den Ladentisch des Manufakturwarengeschäftes in Mergentheim sehen, als er die Lehre beginnt. Aber flink, zielstrebig und von überdurchschnittlicher Auffassungsgabe, wird schnell ein guter Handlungsgehilfe aus ihm. Nach einem kurzen Aufenthalt in New York findet er eine Anstellung im Handelskonzern M.J. Emden Söhne und soll für diese Firma einen Laden in Berlin eröffnen. Allein in der völlig fremden Stadt eröffnet Jandorf ein Geschäft am Spittelmarkt . Als "A. Jandorf und Co., Hamburger Engros Lager" wird es sein erstes Geschäft und er dabei zum Unternehmer. Jandorf, dessen Führungsmannschaft fast ausschließlich aus seinen Brüdern bestand, verwirklichte 1907 seine größte Vision, er ließ das KaDeWe errichten, Deutschlands Flagschiff der Warenhauskultur und bis heute eines der Spitzenhäuser der Welt. Mit dem Talent eines guten Kaufmannes und der Führungsstärke eines Feldherrn leitete Jandorf sein Unternehmen erfolgreich auch durch Kriegs-, Krisen- und Revolutionszeiten. 1926 verkaufte Adolf Jandorf sein Unternehmen an den "Hermann Tietz" - Konzern. Im Jahre 1932 verstorben, wurde er auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt. Der Autor des Bandes, Handelslobbyist und Hauptgeschäftsführer der Berliner und Brandenburger Handelsverbände, ist ein ausgewiesener Experte der Geschichte des Einzelhandels. Er forscht seit vielen Jahren insbesondere auch zur Geschichte der Waren- und Kaufhäuser und ihrer meist jüdischen Gründer und Inhaber.

Nils Busch-Petersen
Oscar Tietz
Von Birnbaum/Provinz Posen zum Warenhauskönig von Berlin
3., überarbeitete Auflage
64 S., 12 Abb., br., € 6,90
978-3-942271-98-1
Oscar Tietz wuchs in einer jüdischen Händler- und Fuhrunternehmerfamilie im preußischen Provinzstädtchen Birnbaum nahe Posen auf. Seine Lehrjahre verbrachte er bei zur weitverzweigten Tietz-Familie gehörenden Kaufleuten in Prenzlau, Stralsund und Berlin. Eine eigene Geschäftsidee führte ihn nach Gera, wo er zusammen mit seinem Onkel Hermann Tietz 1882 seinen ersten Groß- und Einzelhandel für Weiß- und Korbwaren eröffnete. Das Sortiment wurde zügig erweitert, Filialen kamen hinzu. 1884 wurde das erste Warenhaus der Firma „Hermann Tietz“ in München am Stachus gegründet. Hier konnten bald auf fünf Stockwerken in elf Abteilungen Waren aller Art angeboten werden. Nach modernen Verkaufsprinzipien baute der Visionär und Stratege Oscar Tietz ab 1900 eine Warenhauskette in Berlin auf mit den bekannten Häusern in der Leipziger Straße, am Alexanderplatz und in der Frankfurter Allee. Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg e.V. schildert, wie die inzwischen weltbekannte Firma „Hermann Tietz“ zum größten europäischen Warenhauskonzern in Privatbesitz wurde, Volkswarenhäuser zu sehr günstigen Preisen betrieb, für die Durchsetzung ganzer Warengruppen sorgte, an der Linderung der durch den Ersten Weltkrieg entstandenen Notlagen beteiligt war und die Grundlagen heutiger Kauf- und Warenhaustätigkeit gelegt hat.

Nils Busch-Petersen
Leonhard Tietz (1849–1914)
Fuhrmannssohn und Warenhauskönig von der Warthe an den Rhein
88 S., 25 Abb., Br., €  8,90
978-3-941450-17-2
Nach seinen Jüdischen Miniaturen über Oscar Tietz und Adolf Jandorf schlägt der Autor Busch-Petersen jetzt ein weiteres spannendes Kapitel deutscher Warenhausgeschichte auf: Am 14. August 1879 legt der Kaufmann Leonhard Tietz in Stralsund auf gerade einmal 25 Quadratmetern den Grundstein zu einem Warenhauskonzern, der bis heute unter dem Namen Galeria Kaufhof  allen Krisen getrotzt hat.
Tietz’ Erfolgsrezept kommt einer Revolution im Einzelhandel gleich: feste Preise, Barzahlung, konkurrenzlose Tiefpreise und Umtauschrecht. Der Kunde ist begeistert, und Tietz muss seinen Laden bald vergrößern. Leonhards Bruder Oscar betreibt Mitte der 1880er Jahre bereits gleichartige Handelsgeschäfte in Thüringen und Bayern. Mit dem namensgebenden Onkel legte er dort den Grundstein zum späteren Hermann Tietz-Konzern. Leonhard Tietz wählt das Rheinland für seine Geschäftsexpansion aus. Er beginnt 1889 in der Industrie-Boomstadt Elberfeld und wagt 1891 den Sprung in die Großstadt Köln. Später folgen luxuriöse Konsumtempel wie an der Düsseldorfer Königsallee und der Kölner Hohe Straße, auch heute Landmarken der deutschen Handelskultur. 1914 hinterlässt er einen Konzern mit 5.000 Angestellten und etwa 25 Häusern und Niederlassungen in ganz Europa. Seine Söhne Alfred Leonhard und Gerhardt werden 1934 von den Nationalsozialisten ins Exil gezwungen. Die Firma „Leonhard Tietz“ wird arisiert und firmiert fortan als Kaufhof AG.
Nils Busch-Petersen, Jurist, geboren 1963 in Rostock-Warnemünde. Studium der Rechtswissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. 1990 Stadtbezirksbürgermeister von Berlin-Pankow im Auftrag des Runden Tisches, anschließend Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Berlin, seit 1991 Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes des Einzelhandels Land Berlin und seit 2005 des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg.

Günter Regneri
Luise Kautsky
„Seele des internationalen Marxismus – Freundin von Rosa Luxemburg“
80 S., 15 Abb., br., € 8,90
978-3-942271-82-0
Luise Kautsky (1864–1944) war die Ehefrau von Karl Kautsky, dem bedeutendsten Theoretiker der internationalen Arbeiterbewegung jener Zeit. Für dessen Zeitschrift Die Neue Zeit übersetzte sie französisch- und englischsprachige Texte. Mit Rosa Luxemburg verband sie eine tiefe Freundschaft. Nach ihrem Tod gab Luise die Briefsammlung „Rosa Luxemburg: Briefe an Karl und Luise Kautsky“ heraus. Während der Novemberrevolution 1918 leitete Luise Kautsky im Auftrag des Rates der Volksbeauftragten vorübergehend das Haupttelegraphenamt in Berlin. Danach engagierte sie sich kurzzeitig als Kommunalpolitikerin und zog in die Stadtverordnetenversammlungen von Charlottenburg und Berlin ein. Kurz nach ihrem 80. Geburtstag wurde sie nach Auschwitz deportiert, wo sie an völliger Entkräftung starb.


Hartmut Bartmuß
Hugo Hirsch
„Wer wird denn weinen …“
108 S., 10 Abb., Br., € 9,90
978-3-942271-54-7
Wer wird denn weinen, wenn man auseinander geht...“ zählt zu den bekanntesten Melodien des „Königs der Operette“ Hugo Hirsch (1884-1961). Im Berlin der 1920er Jahre werden seine Revuen und Opern auf allen großen Bühnen der Stadt und darüber hinaus aufgeführt. Doch mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten ist für den einst so gefeierten Komponisten kein Platz mehr in seinem geliebten Berlin. Zusammen mit seiner treuen „arischen“ Frau Ottilie flieht er über London und Belgien nach Frankreich. Auf die Bitte von Ernst Reuter hin kehren sie 1949 nach Berlin zurück. Dort macht Hirsch die bittere Erfahrung, dass ihm bezüglich erneuter öffentlicher Wahrnehmung manche Steine in den Weg gelegt werden; vielen gelten seine Kompositionen als angeblich nicht mehr zeitgemäß. Wie DER TAG anlässlich seines 75. Geburtstags schreibt: „Hirsch ist noch da, er ist mitten unter uns am Roseneck und hat mehrere Schubladen voll neuer Melodien. Hugo Hirsch will immer ein Stück Berlin sein …“

Elke-Vera Kotowski
Valeska Gert
Ein Leben in Tanz, Film und Kabarett
64 S., Abb., Br., € 6,90
978-3-942271-53-0
Valeska Gert (1892-1978) zählt zu den wichtigsten Vertreterinnen des avantgardistischen Tanzes in den 1920er-Jahren. Darüber hinaus war sie ein gefragter Stummfilmstar und später auch Darstellerin unter der Regie von Filmgrößen wie Fellini, Fassbinder und Schlöndorff. Als Tochter einer jüdischen Familie musste sie Anfang der 1930er-Jahre Deutschland verlassen. Sie emigrierte zunächst nach England und anschließend in die USA, wo sie jedoch nicht an ihre Erfolge anknüpfen konnte. 1947 kehrte sie nach Europa zurück und eröffnete zunächst in Zürich, anschließend in Berlin ein Kabarett, in dem sie dem jungen Klaus Kinski ein Forum bot. Sie selbst schlüpfte u.a. in die Rolle der „KZ-Kommandeuse Ilse Koch“, jene für ihre Grausamkeit bekannte und 1951 verurteilte Frau des Lagerkommandanten des KZ Buchenwald. Im gleichen Jahr eröffnete sie den bis heute legendären „Ziegenstall“ in Kampen auf Sylt. Seit den 1960er-Jahren stand sie dann auch wieder vor der Kamera.

Michael Hanisch
Billy Wilder
Von Galizien nach Beverly Hills
64 Seiten, Broschur, € 5,90
978-3-933471-72-7
Billy Wilder begann als Reporter in Wien, später als Eintänzer und Drehbuchautor in Berlin. 1933 ging er nach Amerika. In Hollywood wurde er Regisseur, er filmte mit den Stars seiner Zeit: mit Gary Cooper, Marlene Dietrich, Jack Lemmon, Shirley MacLaine, Audrey Hepburn, Marilyn Monroe u.a. Seine Filme gehören bis heute zum Repertoire der TV-Programme.

Michael Hanisch
Ernst Lubitsch
Von der Berliner Schönhauser Allee nach Hollywood
64 Seiten, Broschur, € 5,90
978-3-933471-54-3
In Berlin drehte Ernst Lubitsch nach seinem Engagement bei Max Reinhardt die sehr bekannt gewordenen Filme "Madame Dubarry", "Carmen", "Die Puppe" und "Anna Boleyn". In der aufstrebenden Filmmetropole Hollywood avancierte Lubitsch nach 1921 schnell zum "Groß-Regisseur" und errang mit Filmen wie "Die Ehe im Kreise", "Liebesparade", "Monte Carlo", "Die lustige Witwe", "Engel" (mit Marlene Dietrich), "Eine Stunde mit dir", "Ninotchka" (mit Greta Garbo) und besonders "Sein oder Nichtsein" Weltruhm. Als Lubitsch 1947 mitten in den Dreharbeiten zu "Die Frau im Hermelin" starb, stand ganz Hollywood an seinem Sarg; ein Rabbi sprach das Kaddisch. Der französische Regie-Kollege François Truffaut bekannte später in großer Verehrung: "Im Lubitsch-Emmentaler ist jedes Loch genial".

Helmut G. Asper
Max Ophüls
Deutscher – Jude – Franzose
112 Seiten, 30 Abb., Br., € 12,90
978-3-942271-36-3
6. Mai 2012: 110. Geburtstag des bekannten Regisseurs Er war Film-, Theater- und Hörspielregisseur: Max Ophüls, eigentl. Maximilian Oppenheimer (1902–1957). Seinen Durchbruch als Filmregisseur erlebt Ophüls 1932 mit der Schnitzler- Verfilmung „Liebelei“. Als Jude wird Ophüls 1933 von den Nazis aus Deutschland vertrieben. Er flieht nach Frankreich, das seine zweite Heimat wird, aus der ihn der Krieg wieder vertreibt; 1941 muss er erneut vor den Nazis flüchten, diesmal in die USA, nach Hollywood. 1949 kehrt er nach Frankreich zurück, nun ein französischer und kosmopolitischer Regisseur, der es als seine Aufgabe ansieht, zur Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich und zwischen Deutschen und Juden beizutragen. Nach ihm ist der Max-Ophüls-Preis benannt, der seit 1980 jährlich in Saarbrücken im Rahmen des gleichnamigen Festivals an deutschsprachigen Filmnachwuchs verliehen wird.
Helmut G. Asper Theater- und Filmhistoriker, lehrte von 1974 bis 2010 an der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft der Universität Bielefeld. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Theater- und Filmexil. 1992 leitete er das Internationale Max Ophüls-Symposium in Saarbrücken. 1998 erschien seine umfangreiche Biographie über Max Ophüls.

Julius H. Schoeps
Theodor Herzl
Die Utopie des Judenstaates
64 Seiten, Broschur, € 5,90
978-3-933471-55-0
Der Wiener Schriftsteller und Politiker Theodor Herzl war nach seinem Jura-Studium von 1891-1895 Korrespondent in Paris, wo ihm die Dreyfus-Affäre zum Grunderlebnis jüdischer Selbstbestimmung wurde. Er gilt als der Begründer des politischen Zionismus. Herzl schuf mit dem Ersten Zionistenkongress in Basel 1897 die Zionistische Weltorganisation. Er riss die jüdischen Massen vor allem in Osteuropa mit, wo Pogrome das Leben der Juden bedrohten. In Basel wurde als Magna Charta des jüdischen Volkes das Basler Programm verabschiedet, in dem es heißt: "Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlichen Heimstätte in Palästina".

Hermann Simon
Moses Mendelssohn
Gesetzestreuer Jude und deutscher Aufklärer
61 Seiten, 13 Abbildungen, Broschur, € 5,90
978-3-933471-45-1
1743 Kam der junge Moses Mendelssohn, gerade mal 14jährig, zu Fuß von Dessau nach Berlin, hier lernte er Sprachen, sammelte und schrieb Bücher und wurde der Freund von Gotthold Ephraim Lessing. Dem klugen Juden, klein und verwachsen, war die Mitgliedschaft in der Königlichen Akademie verwehrt. Sein Ruf als Gelehrter drang aber schnell über die Grenzen Preußens. Mit Moses Mendelssohn ist seit über 200 Jahren der Kampf für Toleranz und bürgerliche Gleichberechtigung verbunden.

Ita Heinze-Greenberg
Erich Mendelsohn
„Bauen ist Glückseligkeit“
88 Seiten, 21 Abb., Br., € 8,90
978-3-942271-34-9
21. März 2012: 125. Geburtstag des grossen Architekten der 1920er Jahre
Erich Mendelsohn (1887–1953) beginnt seine berufliche Karriere nach dem Ersten Weltkrieg mit dem Einsteinturm in Potsdam. Mehr Monument als Labor der Relativitätstheorie, soll der Bau in einer revolutionären nie da gewesenen Formensprache das elastische Potenzial der neuen Baumaterialien Eisen und Beton ausdrücken. Nach diesem spektakulären Debüt setzt Mendelsohn vor allem im Industrie- und Warenhausbau neue aussagekräftige Akzente. Mit seinem Postulat von der „funktionellen Dynamik“ beschreitet er eigene Wege abseits vom Mainstream des Neuen Bauens. Sein Berliner Büro gehört mit zeitweise 40 Mitarbeitern zu den größten in Europa. Nach der Flucht 1933 kommen völlig neue Bauauf - gaben in andersgearteten sozialen und kulturellen Umfeldern auf ihn zu: in London, Jerusalem und San Francisco. Ganz im Sinne seines philosophischen Leitbildes Martin Buber setzt er auf den dialogischen Bezug zum jeweiligen Kontext.
Ita Heinze-Greenberg: Kunsthistorikerin, derzeit wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Kunstgeschichte, TU München. Verschiedene Lehr - tätigkeiten, u.a. am Technion Haifa sowie an der Bezalel Akademie Jerusalem. Zahlreiche Publikationen zu Themen der modernen Architektur, insbesondere über Erich Mendelsohn, und zur Exilforschung. Seit 2009


Olaf Matthes
James Simon
Die Kunst des sinnvollen Gebens
80 Seiten, 12 Abb., Br., € 8,90
978-3-942271-35-6
Der in Berlin geborene James Simon (1851–1932) wächst in wohlhabenden Verhältnissen auf. Die Familie gehört um 1900 durch das erfolgreiche Baumwollgroßhandels-Unternehmen „Gebrüder Simon“ zu den reichsten Deutschlands. Mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln engagiert sich Simon auf zahlreichen Feldern. Dies tut er vor allem dort, wo staatliche oder gesellschaftliche Missstände vorliegen. Dabei belässt er es nicht allein beim Geldgeben, sondern engagiert sich stets persönlich und ehrenamtlich. Soziales und Bildungsengagement für benachteiligte Bevölkerungsteile sind ihm besonders wichtig. Hier investiert er den größten Teil seiner Zeit und Gelder. Berühmt wird Simon jedoch als Sammler, als herausragender Mäzen der Berliner Museen und als Förderer vieler wissenschaftlicher Projekte.
Olaf Matthes geboren 1965, Dr. phil., wissenschaftlicher Abteilungsleiter am Museum für Hamburgische Geschichte. Studium der Geschichte, Klassischen Archäologie und Kunstgeschichte in Berlin, London und Rom. Lehrbeauftragter am Historischen Seminar der Universität Hamburg. Veröffentlichungen und Ausstellungen zu zahlreichen Themen.


Wolfgang Trautwein
Werner Richard Heymann
Berlin, Hollywood und kein Zurück
80 Seiten, 13 Abb., Br., € 8,90
978-3-942271-37-0
„Sie kennen mich nicht, aber Sie haben schon viel von mir gehört“, mit diesen Worten spielt Heymann in den 1950er Jahren Melodien an, die in der Tat jeder kennt: „Das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder“, „Ein Freund, ein guter Freund“, „Das ist die Liebe der Matrosen“. Kein Wunder, in der kurzen Phase des Tonfilms vor 1933 ist er der erfolgreichste Filmkomponist der UFA. 1896 in Königsberg geboren, beginnt er mit ernster Musik, ist Mitbegründer des literarisch-musikalischen Kabaretts und Generalmusikdirektor der UFA zur Stummfilm-Zeit. In der französischen Emigration komponiert er Operetten, in Hollywood für über 40 Filme, u. a. Lubitschs „Ninotschka“. Die Rückkehr nach Deutschland konfrontiert ihn mit einer gewandelten Situation. Seiner vielseitigen Familie, den vier Ehefrauen und seiner Balance von Witz und Humanität gelten weitere Schlaglichter dieses Buches. Wolfgang Trautwein geboren 1949 in Stuttgart, kam als wissenschaftlicher Assistent für Literatur nach Berlin, war Geschäftsleiter des Literarischen Colloquiums, Sekretär der Abteilung Literatur der Akademie der Künste und ist seit 1987 dort Direktor des Archivs. Diverse Veröffentlichungen und Projektleitungen, u. a. der Ausstellung über den Jüdischen Kulturbund in Deutschland.

Horst Helas
Die Grenadierstraße im Berliner Scheunenviertel
Ein Getto mit offenen Toren
128 Seiten, 24 Abb., Br., € 12,90
978-3-941450-21-9
Ein Getto mit offenen Toren dokumentiert den Mikrokosmos einer Straße im Zentrum Berlins und deren städtebaulichen und sozialen Wandel seit 1871. Die unweit des Alexanderplatzes gelegene Grenadierstraße war im Deutschen Kaiserreich und in der Weimarer Republik Ankunftsort von Juden aus ganz Osteuropa, bevor sie in andere Stadtteile Berlins oder in andere Länder Europas zogen. Anhand der Biographien von fünf Familien wird das Leben der jüdischen Bewohner dieser Straße bis in die 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts nachgezeichnet. Ein Überlebender der Schoa prägte die Bezeichnung Getto mit offenen Toren. Berliner und Berlin-Besucher werden mit diesem Büchlein angeregt, die heute sehr ruhige Straße zu Fuß zu erkunden und deren wechselvoller Geschichte und dem Schicksal ihrer Bewohner jenseits des Sichtbaren nachzuspüren.
Horst Helas, geboren 1946 in Leipzig, 1989 Promotion zum Dr. phil., Forschungen zur Sozial- und Politikgeschichte der Weimarer Republik sowie zur Geschichte der Juden in Berlin, zur Entwicklung des Berliner Stadtteils Spandauer Vorstadt und zur Preußischen Militärgeschichte. Mitarbeit an mehreren Ausstellungen. Publikationen u.a.: Das Scheunenviertel. Spuren eines verlorenen Berlins, Scheunenviertel Berlin. Ein Stadtteilführer, Juden in Berlin-Mitte. Biografien – Orte – Begegnungen.

AUFBAU
Sprachrohr. Heimat. Mythos.
Geschichte(n) einer deutsch-jüdischen Zeitung aus New York 1934 bis heute
96 S., 35 Abb., Br., € 9,90
978-3-942271-19-6
Der Aufbau, 1934 in New York als Clubzeitung deutsch-jüdischer Emigranten gegründet, avanciert während des Zweiten Weltkrieges vom Vereinsblatt zum Sprachrohr einer ganzen Generation deutschsprachiger Emigranten in den USA. Als eine Zeitung, die zugleich Platz für Wohnungsanzeigen, Tipps für den Neuanfang und literarisch-kulturelle Debatten bietet, ist sie für viele Flüchtlinge ein letztes Stückchen Heimat und erste Anlaufstelle in der Fremde. Heute wird „unser aller Tagebuch“, dessen Mythos auch schwierige Zeiten überdauerte, mit neuem Gesicht und neuem Ansatz in Zürich herausgegeben. Aus dem Inhalt: Eine kleine Geschichte des Aufbau – Chefredakteure und Mitarbeiter des Aufbau – prominente Kolumnisten und Gastautoren – der Mythos Aufbau – Aktionen und Spendenaufrufe des Aufbau – Leserschaft und Verbreitung des Aufbau – die (Such-)Anzeigen im Aufbau – Exil- oder (E-)Migrantenzeitung? – der Aufbau einst und heute
Unter der Leitung von Elke-Vera Kotowski sind Berliner und Potsdamer Studierende den Spuren des Aufbau bis in die Gegenwart gefolgt und fanden mehr als eine Geschichte dieses über 75jährigen Zeit(ungs)zeugens.

Anita Wünschmann
Anna Seghers
Jüdin, Kommunistin, Weltbürgerin - die große Erzählerin des 20. Jahrhunderts
64 S., 14 Abb., br., € 5,90
978-3-933471-68-0
Die Schriftstellerin Anna Seghers wurde 1900 unter dem Namen Netti Reiling als einziges Kind orthodoxer Juden in Mainz geboren. Sie studierte in Heidelberg Kunstwissenschaft, Geschichte und Sinologie. Dort wurde sie mit dem Marxismus vertraut. Ihr außerordentliches schriftstellerisches Talent zeigte sich früh. Mit 28 Jahren erhielt sie für die Erzählung "Die Fischer von St. Barbara" den Kleistpreis. Mit der Veröffentlichung des Romans "Das siebte Kreuz" 1942 in den USA erlangte sie Weltruhm. Als Jüdin und Kommunistin musste sie Deutschland 1933 verlassen. Sie emigrierte nach Mexiko, von wo sie erst 1947 aus dem Exil zurückkehrte. In der DDR wurde Anna Seghers Präsidentin des Schriftstellerverbandes und engagierte sich im Kulturbund des Weltfriedensrates.


Walter Nowojski
Victor Klemperer
(1881-1960) Romanist - Chronist der Vorhölle
61 S., Br., € 5,90
978-3-933471-59-8
Der Romanist Victor Klemperer, der wegen seiner jüdischen Abstammung mit seinen inzwischen weltbekannten Tagebüchern und philologischen Untersuchungen zum Chronisten der Verfolgungen und Pressionen während der Nazidiktatur wurde, wird von seinem einstigen Schüler und späteren Herausgeber Walter Nowojski in all der Farbigkeit und auch Widersprüchlichkeit seiner Biographie vorgestellt.

Walter Homolka  /Elias H. Füllenbach:
Rabbiner Leo Baeck
Ein Lebensbild
88 S.,  28 Abb., Br., € 7,80
978-3-938485-84-2
Leo Baeck war einer der bedeutendsten Denker des deutschen Judentums und für sein Volk im Terror der Nationalsozialisten - noch in Theresienstadt - ein mutiger und selbstloser Sprecher. Sein Werk wirkt bis heute nach. Es ist das klassische Denkmal einer liberalen jüdischen Theologie des 20.Jahrhunderts. Dieses Buch ist eine Hommage an ein großes jüdisches Leben in Deutschland.

Wolfgang Pauly
Martin Buber
Ein Leben im Dialog
88 S., Br., € 8,90
978-3-942271-09-7
In Leben und Werk erweist sich Martin Buber (1878–1965) als Philosoph des Dialogs. An allen Lebensstationen, von Wien über Lemberg und Heppenheim bis nach Jerusalem, zeigt er hohe Sensibilität für politische und gesellschaftliche Verwerfungen. Sein Werk umfasst unterschiedlichste Dimensionen des geschichtlichen und aktuellen Judentums: Zusammen mit Franz Rosenzweig übersetzt er die Heilige Schrift (Tanach), in Galizien entdeckt er für sich das osteuropäische Judentum und den Chassidismus, sein Menschenbild prägt die Schriften zur Pädagogik und seine konkrete Erziehungsarbeit. Zentral bei allem ist dabei seine dialogische Philosophie, die Existenzphilosophie sowie die moderne Sprachwissenschaft aufnimmt und weiterentwickelt. Ein Leben und Werk auf dem Weg zu einem umfassenden Humanismus.

Regina Scheer
Kurt Tucholsky
ER WAR EIN BISSCHEN LAUT
91 S. Kartoniert, € 7,80
978-3-938485-57-6
"Sie gehören zu den kleinen Propheten, Tucholsky. Große Propheten, wie Marx oder Freud, beschäftigen sich nicht mit Abenteuern , wie sie uns beschieden wurden. Aber Sie dürfen sich sagen: Sie haben alles gesehen, alles gesagt, alles bekämpft. Soweit ein Schriftsteller mit sich zufrieden sein darf, dürfen Sie mit sich zufrieden sein." Dies schrieb der ausgebürgerte deutsche Jude Arnold Zweig am 13. November 1935 aus dem Exil in Haifa / Palästina an den ausgebürgerten Kurt Tucholsky, der im Exil in Hindas / Schweden lebte. Ihre Bücher waren in Berlin gemeinsam verbrannt worden. Tucholsky antwortete ihm am 15. Dezember 1935, sechs Tage vor seinem Tod durch Schlafmittel: "Man muß von vorn anfangen - nicht auf diesen lächerlichen Stalin hören, der seine Leute verrät, so schön, wie es sonst nur der Papst vermag - nichts davon wird die Freiheit bringen. Von vorn, ganz von vorn. Wir werden das nicht erleben. Es gehört dazu, was die meisten Emigranten übersehen, eine Jugendkraft, die wir nicht mehr haben. Es werden neue, nach uns, kommen. So aber gehts nicht. Das Spiel ist aus." Was war das für ein Spiel, das brüchige Leben des Bürgersohns Kurt Tucholsky zwischen Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus? Es endete an einem zugefrorenen schwedischen See, in einem Haus, dessen Miete er nicht mehr bezahlen konnte. Was war das für ein Mann, dessen Texte so angriffslustig waren, so unverschämt frech, dabei auch zart und wissend um die Abgründe der menschlichen Seele? Die Lachsalven, die er hervorrief, waren befreiend, aber ihm selbst blieb das Lachen im Halse stecken. Seine Urne liegt unter einer Steinplattte begraben nahe dem Schloss Gripsholm auf einem Friedhof, den er in seinem Buch beschrieben hatte. Sogar die Gewissheit des letzten Orts war ihm zerbrochen, denn einst hatte er über den Jüdischen Friedhof seiner Heimatstadt Berlin geschrieben: "Da, wo ich oft gewesen bin, / zwecks Trauerei , / da kommst du hin, da komm ich hin / wenns mal vorbei." 

Klaus Schütz
Heinz Galinski
(1912-1992) Ein Berliner unter dem Davidsschild
Mit einem Beitrag von Heinz Galinski
64 S., 10 Abb., br., € 5,90
978-3-933471-70-3
Heinz Galinski wurde 1943 in das KZ Auschwitz deportiert. 1949 wurde er zum Vorsitzenden der Berliner Jüdischen Gemeinde gewählt, 1988 zum Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er kämpfte entschieden und unerbittlich gegen alle Anzeichen des alten oder des neu aufflammenden Antisemitismus. Der Autor Klaus Schütz war von 1967 bis 1977 Regierender Bürgermeister von Berlin.


Elisa Klapheck
Regina Jonas
Die weltweit erste Rabbinerin
64 S., 16 Abb., br., € 5,90
978-3-933471-48-2
Regina Jonas wuchs in Berlin in sehr einfachen Verhältnissen auf. Sie studierte an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums und bestand mit einer bahnbrechenden Streitschrift "Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden?" ihre Abschlussprüfung. Regina Jonas blieben jedoch nur wenige Jahre, in denen die passionierte Predigerin und einfühlsame Seelsorgerin den von Verfolgung und Deportation bedrohten Berliner Juden beistand. 1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert. Auch hier wirkte sie als Rabbinerin, hielt Vorträge und half den Mithäftlingen in ihrer Not. 1944 wurde sie in Auschwitz ermordet.

Christian Schölzel
Walther Rathenau
Industrieller, Schriftsteller, Politiker
64 S., 19 Abb., br., € 5,90
978-3-933471-44-4
Der Wirtschaftsmanager und philosophische Schriftsteller, der europäische Staatsmann und feinnervige Künstler Walther Rathenau (1867-1922) wurde von einem englischen Historiker der "Schutzheilige" der deutschen Demokratie genannt. Er setzte Maßstäbe als Organisator der Rohstoffwirtschaft im 1. Weltkrieg und als entschiedener Verteidiger der schon in den Anfängen bedrohten Weimarer Republik. Rathenau war, wie sein Freund und Biograph Harry Graf Kessler schrieb, ein "Stockpreuße..., soweit er nicht ein alttestamentlicher Jude war".

Ralf Dose
Magnus Hirschfeld
Deutscher, Jude, Weltbürger
128 S., Br., € 9,80
978-3-933471-69-7
Magnus Hirschfeld (1868-1935) stammte aus einer jüdischen Familie, war Sozialdemokrat, Sexualwissenschaftler und Vorkämpfer der Homosexuellenbewegung. Die Lehre von den "sexuellen Zwischenstufen" war sein Versuch, den homosexuellen Männern und Frauen ihren Platz in der Natur und dadurch in der Gesellschaft zu geben. Ein Konzept, das Geschlechtergrenzen zum Fließen brachte in einer Zeit, die sehr festgefügte Vorstellungen über "den Mann" und "die Frau" und ihre "natürlichen" Eigenschaften hatte. "Durch Wissenschaft zur Gerechtigkeit" war sein Motto - durchdrungen vom Ethos der Aufklärung wurde ihm Wissenschaft Mittel zum Zweck zur Durchsetzung sozialer Gerechtigkeit. Zeitlebens war er wegen seines Anspruchs umstritten. Als die Deutschen Hirschfeld als Juden ausgrenzten, musste er sich neu definieren. "Deutscher, Jude, oder Weltbürger?", notierte er 1933 und entschied sich für "Weltbürger" oder "alles drei".

Heinrich Simon
Leben im Judentum
Persönliche Feste und denkwürdige Tage
64 S. , 14 Abb., br., € 5,90
978-3-933471-60-4
Als Jude gilt ein Kind, das von einer jüdischen Mutter geboren wurde. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Mutter jüdisch von Geburt an ist, oder ob sie zum Judentum übergetreten ist. Männliche jüdische Kinder werden im Regelfall am achten Tag nach ihrer Geburt beschnitten und mit dieser Zeremonie in den Bund aufgenommen, den Gott mit dem Stammvater Abraham geschlossen hat. Behandelt werden außerdem das Erreichen der religiösen Mündigkeit, Ehe und Scheidung, Speisegesetze, Beerdigungen u.a. Mit einem Essay "Sinn und Ziel des menschlichen Lebens in jüdischer Sicht"


Heinrich Simon
Jüdische Feiertage
64 S. , 7 Abb., br., € 5,90
978-3-933471-56-7
Die jüdischen Fest- und Gedenktage sind durch den Kalender festgelegt und fallen - abgesehen vom Schabbat, dem wöchentlichen Ruhetag - immer auf die selben Tage nach dem jüdischen Kalender. Dieser ist ein Mondkalender, der durch die Berücksichtigung des Sonnenstandes in einer solchen Weise korrigiert und ausgeglichen wird, dass die einzelnen Monate in jedem Jahr in die gleiche Jahreszeit fallen. Es gibt ernste Feiertage wie Rosch ha-Schana (Neujahrsfest) und Jom Kippur (Versöhnungstag), freudige Festtage, wie die drei Wallfahrtsfeste Pessach, Schawuot (Wochenfest) und Sukkot (Laubhüttenfest) und schließlich Gedenktage, wie z.B. Chanukka (Fest der Tempelweihe) und Purim (Losfest) oder den 9.Aw, den Tag der Tempelzerstörung.


Wünschmann, Anita:
Helene Weigel
Wiener Jüdin - Große Mimin des epischen Theaters
64 S. Kartoniert, € 5,90
978-3-938485-29-3
Die Schauspielerin und Theaterleiterin Helene Weigel (1900-1971) war an der Seite Bertolt Brechts eine außerordentliche Darstellerin mit unübertroffenen gestischen Mitteln. Ihre Herkunft alsJüdin und Österreicherin konnte und wollte sie nicht verbergen.


Völker, Klaus:
Fritz Kortner
Jude und Rebell gegen das privilegierte Konventionelle
64 S. Kartoniert, € 5,90
 978-3-938485-31-6
Der Schauspieler und Regisseur Fritz Nothan Kortner(1 832-1970) engagierte sich mit geistiger Schärfe leidenschaftlich für die politische Wahrheit und setzte nach der Emigration im Nachkriegsdeutschland den widerspruchsvollen Theaterrealismus beharrlich durch.


Grözinger, Elvira:
Heinrich Heine
Deutscher Dichter, bedeutender Publizist, politischer Emigrant
64 S. Kartoniert, € 5,90
978-3-938485-15-6
Heinrich Heine (1797-1856), Sohn eines jüdischen Tuchhändlers, war der wichtigste Vertreter der deutschen Romantik und gilt als einer der ganz großen deutschen Dichter. Während der Nazizeit wurde er als „jüdisch entartet" diffamiert, und seine Werke wurden nicht mehr verbreitet.

Harry B. van der Linden
Veitel Heine Ephraim
Hofjude Friedrichs II.
76 S., 30 Abb., br., € 8,90
978-3-95565-008-7
Das Ephraim-Palais zählt zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Berlins. Das Rokokogebäude steht am Rande des Nikolaiviertels als steinerner Zeuge des Wirkens der einst mächtigen Familie Ephraim. Im 18. und19. Jahrhundert prägte sie nicht nur die Berliner Jüdische Gemeinde, sondern auch die Wirtschafts- und Finanzwelt der Stadt. Veitel Heine Ephraim (1703–1775) unterhielt enge Verbindungen zu Friedrich II. und finanzierte, wie auch seine Nachkommen, viele Unternehmungen des Königs. Diese Familie hat bisher nur sporadisch die Aufmerksamkeit von Biographen auf sich gezogen, sodass viele Informationen in alle Welt verstreut sind. Harry van der Linden hat diese zusammengetragen und gibt eine Übersicht über den Handel und Wandel dieser außergewöhnlichen Familie und ihre vielfältigen Beziehungen zu berühmten Zeitgenossen wie Moses Mendelssohn oder Daniel Itzig.


Braun, Helmuth F:.
Sigmund Freud (1856-1939)
64 S. Kartoniert, € 7,80
978-3-938485-16-3
Sigmund Freud (1856-1939) ist der Begründer der Psychoanalyse. Er mußte 1938 als Jude von Wien nach London emigrieren. Freuds Lehre hat vielfachen Einfluß auf Philosophie, Literatur und Kunst.
Jüdische Miniaturen Band 25

Albert Einstein 1879-1955
120 Seiten, 29 Abbildungen € 9,80
978-3-933471-83-3
Albert Einstein gehört zu den bedeutendsten Wissenschaftlern der Geschichte und hat mit seinen Entdeckungen die moderne Physik maßgeblich begründet. Einstein war aber nicht nur die Zentralfigur der Physik des 20. Jahrhunderts. Sein Eintreten für Menschenrechte, Demokratie und Frieden machten ihn überdies zu einer Symbolfigur des modernen, gesellschaftlich engagierten Wissenschaftlers unserer Zeit. Er war zudem ein engagierter Jude. All dies trug ihm Bewunderung und Verehrung, aber auch Missgunst und Angriffe auf Person und Werk ein, die nicht zuletzt auf Einstein als Juden und sein Engagement für die zionistische Idee zielten.

Alfred Etzold:
Der Jüdische Friedhof Weißensee
Ein Berliner Kulturdenkmal
64 S. Kartoniert, € 5,90
978-3-938485-17-0
Auf diesem Friedhof schufen Architekten und bildende Künstler des ausgehenden 19. und des 20.Jahrhunderts Monumente von großem künstlerischen und historischen Wert. Der Senat von Berlin hat beschlossen, den Antrag zu stellen, den Friedhof Weißensee als schützenswertes Kulturdenkmal in die Welterbeliste der Unesco aufzunehmen. Im Buch gibt es eine Darstellung der Grabstätten bedeutender Persönlichkeiten, sowie ein ausführliches Verzeichnis der Grabmalkünstler.

Klaus Haupt
Egon Erwin Kisch
Der rasende Reporter
aus dem Prager "Haus zu den Goldenen Bären"
72 S., Br.,  € 6,90
978-3-938485-72-9
Egon Erwin Kisch (1885-1948) erlebte als junger Prager Journalist und als österreichischer Soldat im Ersten Weltkrieg den Zusammenbruch des österreichisch-ungarischen Weltreiches. Er bewegte sich im Kreis der deutsch schreibenden Prager Juden und der Boheme im legendären Berliner Romanischen Café. Seine weltbekannten Reportagen von fast allen Brennpunkten seiner Zeit sind sehr viel mehr als nur Erlebnisberichte auf fünf Kontinenten, sie sind Zeugnisse seiner kämpferischen Teilnahme am Weltgeschehen, gegen den aufkommenden Nationalsozialismus in Deutschland, für die Demokratie an der Seite der Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg. Es ist überliefert, der Rasende Reporter Kisch soll auf die Frage, wie er sein bewegtes und abenteuerliches Leben überhaupt bewältigen konnte, geantwortet haben: Ich stamme aus Prag, ich bin Tscheche, ich bin Deutscher, ich bin Jude, ich bin Kommunist, ich komme aus einem guten Haus - irgend etwas davon hat mir immer geholfen.

Simon, Hermann:
Die Synagoge Rykestraße
2. erweiterte Auflage mit einem Vorwort von Albert Meyer
66 S., 16 Abb., € 5,90
978-3-938485-65-1
Vor 100 Jahren wurde die Synagoge in der Rykestraße im Nordosten Berlins eingeweiht. Sie ist bis heute eines der würdigsten und größten Gotteshäuser der jüdischen Gemeinde, mit Platz für 2000 Menschen. Im Novemberpogrom 1938 wurde das Gebäude in Brand gesteckt, wurde aber zügig gelöscht. Zwischen 1940 und 1945 unterstand die Synagoge der Heeresstandortverwaltung, nach der Befreiung fanden wieder Gottesdienste und Hochzeiten dort statt.

Claudia Keller
Sukkat Schalom
Soldaten, Agenten und ein Neuanfang:
Wie das liberale Judentum nach Berlin zurückkehrte
80 S., 15 Abb., br., € 8,90
978-3-95565-121-3
Wir sind in Berlin, und wir leben – das soll die ganze Stadt sehen: Das erste Pessach nach dem Krieg feiern 2.000 Juden im Rathaus Schöneberg. Der jüdische Chaplain der U.S. Armee hat eingeladen. Die Militärgeistlichen bringen Selbstbewusstsein, Hoffnung und ihr Judentum in die Stadt. Es ist das liberale Judentum, dessen Wurzeln in Berlin liegen. So beginnt die Geschichte des Synagogenvereins Sukkat Schalom. Sie wird zum ersten Mal erzählt, anhand bislang unveröffentlichter Dokumente und Erinnerungen. Die Chaplains helfen den traumatisierten Juden, sie schmuggeln sie nach Palästina und arbeiten im Untergrund für die Haganah. Später, als Berlin eingemauert ist, schmeckt die Ice Cream im Chaplain Center nach Freiheit. Hier entstehen Freundschaften fürs Leben, es wächst eine Gemeinschaft, die bis heute trägt.


Lorenz Peter Johannsen
Janusz Korczak
Kinderarzt
76 S., br., € 8,90
978-3-95565-110-7
Janusz Korczak (1878–1942) war ein polnischer Arzt, Schriftsteller und Reformpädagoge, der die Rechte von Kindern formulierte und damit die 1989 von der UNO-Vollversammlung angenommene Kinderrechtskonvention vorbereitete. Seine belletristischen und theoretischen Schriften werden bis heute weltweit gelesen. 1942 begleitete Janusz Korczak zweihundert Kinder des von ihm geleiteten jüdischen Waisenhauses aus dem Warschauer Ghetto in die Gaskammern von Treblinka. Sein Name wurde zu einem Mythos. Auch wenn bekannt ist, dass Janusz Korczak zunächst als anerkannter und sozial engagierter Kinderarzt in Warschau wirkte, hat dieser Lebensabschnitt bisher wenig Aufmerksamkeit erfahren. Durch seine Erfahrungen in der Sozialen Pädiatrie wurde Korczaks von Sensibilität und Achtsamkeit geprägtes Interesse an der kindlichen Psyche und ihrer Entwicklung wachgerufen. Pädiatrie und Pädagogik bildeten für ihn eine Einheit. So konnte Janusz Korczak seine uneingeschränkte Liebe zum Kind in seinem Werk weitergeben.


Ingeborg Boxhammer
Marta Halusa und Margot Liu
Die lebenslange Liebe zweier Tänzerinnen
92 S., 20 Abb., br., € 9,90
978-3-95565-116-9
Die Tänzerinnen Marta Halusa (1910–1999) und Margot Holzmann (1912–1993) werden in Berlin von den Nazis verfolgt: Margot Holzmann vor allem wegen ihrer jüdischen Herkunft, beide Frauen wegen Prostitution und „lesbischer Betätigung“. Die erhoffte Sicherheit über die Eheschließung mit dem Chinesen Chi-Lan Liu erfüllt sich für Holzmann kaum. Margot Liu und Marta Halusa werden über Jahre immer wieder denunziert und festgenommen. Mit viel Glück überlebt das Paar den Nationalsozialismus. Ingeborg Boxhammer folgt der bewegenden Lebensgeschichte der beiden Frauen: von ihrem Kennenlernen im Hamburger Varieté und ihren Jahren in Berlin bis zu ihrer Emigration nach England und ihrem langen Kampf mit den bundesdeutschen Behörden um sogenannte Entschädigungsleistungen.


Michael Schäbitz
Hans Rosenthal
Deutschlands unvergessener Quizmaster und bewusster, stolzer Jude
2. Auflage
64 S., 19 Abb., br., € 6,90
978-3-95565-125-1
Hans Rosenthal (1925–1987) war ein Star der Unterhaltungskunst, ein Showmaster und Entertainer unverwechselbaren Formats. Nach dem frühen Tod der Eltern wuchs er in Berliner Waisenhäusern auf und musste nach dem Mittelschulabschluss Zwangsarbeit leisten. Im Frühjahr 1943 tauchte er unter und versteckte sich bis zur Befreiung u.a. in einer Schrebergartenkolonie. Bereits 1945 kam er zum Rundfunk und machte schnell Karriere bei RIAS Berlin. Seit Anfang der 1970er Jahre moderierte er die äußerst beliebte und erfolgreiche ZDF-Quizsendung „Dalli Dalli“. Er war Vorsitzender der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.

Henning Müller
FRIEDRICH WOLF
Deutscher Jude – Schriftsteller - Sozialist
72 S., Br.,  € 6,90
978-3-938485-90-3
Das Leben des jüdischen Arztes und Dramatikers Friedrich Wolf ist von vielen Verwerfungen und Brüchen geprägt. In der Weimarer Republik muss Wolf 1933 vor den Nazis in die Sowjetunion fliehen. 1938 entkam er Stalins Schergen nach Frankreich, wo er später in verschiedenen Internierungslagern festsaß. Friedrich Wolf überlebte den Faschismus und den Stalinismus und kehrte 1945 nach Deutschland zurück.

Gernot Wolfram
PAUL CELAN
Der Dichter des Anderen
70 S., Br.,  € 6,90
978-3-941450-07-3
Von der Kindheit in der deutsch-jüdischen Bukowina bis zu seinem Freitod 1976 in Paris entstand die einzigartige Dichtung Paul Celans, eines der bedeutendsten Dichter des 20. Jahrhunderts.

Johanna Obrusnik
Jurek Becker
Geborener Jude, selbsternannter Atheist, deutscher Schriftsteller
61 S., Br., € 5,90
978-3-933471-57-4
Seine Kindheit verbrachte Jurek Becker (1937-1997) im 1939 errichteten Ghetto von Lodz und in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Sachsenhausen. Mit dem Vater kam er 1945 nach Berlin; hier musste er mühsam die deutsche Sprache lernen und sich als Jude im Nachkriegsdeutschland zurechtfinden. Er studierte Philosophie, wurde aus politischen Gründen exmatrikuliert und lebte als Drehbuchschreiber, zunehmend anerkannter Romanschriftsteller und Kabarett-Autor bis 1977 in Ostberlin. Für den Kinofilm nach seinem Roman "Jakob der Lügner" errang die Filmproduktion der DDR ihre einzige Oscar-Nominierung. In der Bundesrepublik verfasste Becker 27 Folgen der beliebten Fernsehserie "Liebling Kreuzberg".

Esther Slevogt
Das Jüdische Gemeindehaus in der Fasanenstraße
"Aufgebaut werden durch Dich die Trümmer der Vergangenheit"
63 S., 15 Abb., Br., € 5,90
978-3-941450-06-6
"Möge der Bau bis in die fernsten Zeiten seiner hohen Bestimmung dienen" schloss der Text der Grundsteinurkunde für die Synagoge in der Fasanenstraße in Berlin. Doch nur 26 Jahre nach ihrer Weihung im Jahr 1912 wurde sie am 9. November 1938 niedergebrannt und stand weitere 19 Jahre als Ruine mahnend in unmittelbarer Nähe zum Kurfürstendamm. Heinz Galinski, legendärer Gründervater der Westberliner Nachkriegsgemeinde, entschied sich statt für den Wiederaufbau für einen radikalen Neuanfang, ließ die Ruinen abtragen und einen eleganten Zweckbau nicht mehr als Synagoge, sondern als jüdisches Kulturzentrum errichten: ein klassisches Stück Fünfziger-Jahre-Architektur, das gleichwohl die neoromanisch-byzantinischen Elemente des Vorgängerbaus zitierte und zum Symbol des wiedererstandenen jüdischen Lebens im Nachkriegsdeutschland geworden ist.

Daniela Gauding  /Christine Zahn
Die Synagoge Fraenkelufer (Kottbusser Ufer) 1916 - 1959 - 2009.
64 S., Br.,  € 5,90
978-3-941450-00-4
Im September 1916 - noch während des 1. Weltkrieges - wurde unter großer Anteilnahme der staatlichen und städtischen Behörden Berlins die Gemeindesynagoge Kottbusser Ufer geweiht. Sie war bis zum Novemberpogrom 1938 und der Beschlagnahme des gesammten Synagogengeländes 1942 durch die Gestapo ein geistiges und soziales Zentrum jüdischen Lebens, insbesondere in den südlichen Stadtbezirken Kreuzberg und Neukölln. Am 8. September 1945 fand zum jüdischen Neujahrsfest der erste Gottesdienst in der noch stark beschädigten Jugendsynagoge Fraenkelufer statt, da die Hauptsynagoge völlig zerstört war. Die wenigen Überlebenden der Shoa, aus den Konzentrationslagern befreite polnische Juden und auch Soldaten der Alliierten feierten Rosch ha-Schana 5706 gemeinsam. Am Vorabend des jüdischen Pessachfestes 1959 weihte die jüdische Gemeinde zu Berlin die restaurierte Jugendsynagoge am angestammten Platz ein. Die Daten 1916 - 1959 - 2009 weisen auf die Brüche, ebenso aber auf die Kontinuität jüdischen Jebens in Berlin. Am 22. April 2009 jährte sich die Neueinweihung zum fünfzigsten Mal. Aus diesem Anlass wird die Synagoge in Geschichte und Gegenwart hier vorgestellt.

Sibylle Quack
Straßen am Denkmal ehren ihr Andenken
Cora Berliner - Gertrud Kolmar – Hannah Arendt
60 S., Br., € 5,90
978-3-938485-12-5
Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas (Stelenfeld am Brandenburger Tor) wird von drei Straßen umgeben, die nach drei jüdischen Frauen benannt sind, deren Schicksale mit der Ermordung und Vertreibung unmittelbar verbunden sind. Die drei bedeutenden Frauen, deren Lebensgeschichten in dieser Miniatur dargestellt werden, waren Teil der deutschen und jüdischen Kultur in Deutschland. Zwei von ihnen wurden ermordet, die dritte konnte nur durch Flucht entkommen. Auch ihr Schicksal ist Zeugnis des ungeheuren Zivilisations- und Traditionsbruchs, der durch die nationalsozialistische Politik hervorgerufen wurde.

Christian Thiel
Paul Hensel
Der „Sokrates von Erlangen“ – Lebenskünstler und kritischer Philosoph
80 S., 15 Abb., br., 8,90 €
978-3-95565-147-3
Paul Hensel (1860–1930), noch 1994 im Diccionario de Filosofía mit einem eigenen Artikel bedacht, ist in Deutschland nahezu vergessen. Doch fasziniert noch heute, wie sich
der Nachkomme Moses Mendelssohns trotz eines Augenleidens zum Kenner vieler Sprachen und Sachgebiete und zum Vermittler der philosophischen Gehalte literarischer Werke entwickelt. Als fesselnder Redner wirkt Hensel nicht nur an drei Universitäten, sondern auch in der Erwachsenenbildung bis fast an sein Lebensende. Die Herzlichkeit und Menschlichkeit des toleranten Konservativen, seine Vitalität und eine späte zweite Ehe, aus der zwei Töchter hervorgehen, verschaff en ihm den Ruf eines „Sokrates von Erlangen“. Die Darstellung der Lebensumstände Paul Hensels, seiner Rolle im Kulturleben und seines Beitrags zu Philosophie- und Geistesgeschichte, Ethik und Religionsphilosophie liefert ein farbiges Bild dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit, die der Vergessenheit zu entreißen sich lohnt.

Kay Schweigmann-Greve
Kurt Löwenstein
Demokratische Erziehung und Gegenwelterfahrung
80 S., 13 Abb., br., 8,90 €
978-3-95565-153-4
Der in Bleckede geborene Kurt Löwenstein (1885–1939) gehört zu den wohl einfl ussreichsten sozialdemokratischen Schul- und Erziehungspolitikern der Zwischenkriegszeit. Seine eigene, jüdisch-weltliche Schulbildung erhält er in Hannover, in der Davidschen Freischule; am Rabbiner-Seminar kommt ihm jedoch sein Glaube abhanden. Er gründet die größte laienpädagogische Organisation der Weimarer Republik, die „Kinderfreunde“. In deren Kindergruppen („Rote Falken“) und selbstverwalteten „Kinderrepubliken“ lernen Proletarierkinder Selbstachtung, Kritikfähigkeit und demokratische Formen der Konfl iktlösung. In Berlin-Neukölln kann Löwenstein seine Vorstellungen sozialistischer Reformschulpädagogik umsetzen, bis er 1933 fliehen muss. In Frankreich widmet er sich dem Aufbau einer sozialdemokratischen Internationale von Kinder- und Erziehungsorgani sationen, der heutigen IFM-SEI. Im Mai 1939 stirbt Löwenstein im Pariser Exil.

Rebecca Schwoch
Herbert Lewin
Arzt – Überlebender – Zentralratspräsident
80 S., 20 Abb., br., 8,90 €
978-3-95565-152-7
Prof. Dr. med. Herbert Lewin (1899–1982) zeigte als Gynäkologe ein ausgeprägtes sozialpolitisches und sozialmedizinisches Engagement. 1933 wurden jedoch all seine Aktivitäten brutal unterbunden. Der Nationalsozialismus zerstörte mit seinem vehementen Antisemitismus nicht nur Lewins berufl iches Wirken, sondern auch seine private Sphäre: Im Oktober 1941 wurde Herbert Lewin mit Frau und Sohn in das Lodzscher Ghetto deportiert. Seine Frau tot wissend, seinen Sohn tot glaubend, versuchte Herbert Lewin, sich nach der so genannten Befreiung ein neues Leben aufzubauen. Es gelang ihm, noch eine ärztlich-wissenschaftliche Karriere einzuschlagen, zudem stand er mehrere Jahre an der Spitze des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er fand erneut privates Glück. Aber der Schatten des Nationalsozialismus war lang: Seine Berufung an die Städtische Frauenklinik in Offenbach war vom ersten großen antisemitischen Skandal in der Bundesrepublik Deutschland überschattet.

Thomas L. Gertzen
Jean Pierre Adolphe Erman
und die Begründung der Ägyptologie als Wissenschaft
78 S., 20 Abb., br., € 8,90
978-3-95565-126-8
Adolf Erman (1854–1937) war der Spross einer französisch-schweizerischen Refugié-Familie, dessen Großvater Paul in die Familie Itzig einheiratete. Als Nachfolger Richard Lepsius’ auf dem Lehrstuhl für Ägyptologie an der Berliner Universität hatte Erman zeitweilig die Leitung über das Ägyptische Museum, die Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde und das Ägyptische Wörterbuchvorhaben an der Berliner Akademie inne. Zusätzlich war er an der Gründung und Aufsicht über das Deutsche Institut für Ägyptische Altertumskunde in Kairo und der Deutschen Orientgesellschaft beteiligt. Der durch ihn bewirkte Paradigmenwechsel hat die deutsche Ägyptologie nachhaltig geprägt. Kurz vor seinem Tode erfuhr er durch die rassistische Gesetzgebung der Nationalsozialisten eine tiefe Demütigung durch seinen Ausschluss aus der Fakultät.

Sonja Mühlberger
Geboren in Shanghai als Kind von Emigranten
Leben und Überleben im Ghetto von Hongkew (1939-1947)
Neuausgabe
62 S., br., 14 Abb.,€ 7,90
978-3-95565-155-8
Sonja Mühlberger wurde 1939 als Tochter jüdischer Emigranten kurz nach deren Ankunft in Shanghai geboren. Frühzeitig lernte sie das entbehrungsreiche Leben des Exils in China unter japanischer Besatzung im Ghetto-Bezirk Hongkew kennen und wurde in den Kampf der Exilanten um das tägliche Überleben eingebunden. Erst 1947 konnten etwa 500 Shanghaier Emigranten nach Deutschland zurückkehren.


Udo Bayer
Jüdisches aus Laupheim
Prominente Persönlichkeiten einer Landjudengemeinde
80 S., 10 Abb., br., € 8,90
978-3-95565-122-0
Aus der württembergischen Landgemeinde Laupheim ging eine für ihre Größe ganz überraschende, ja in Deutschland einzigartige Zahl bedeutender jüdischer Persönlichkeiten hervor, die auf unterschiedlichsten Gebieten Herausragendes leisteten. Dazu gehören u.a. der Begründer der Württembergischen Vereinsbank und Mäzen Kilian von Steiner, der Künstler und Designer Friedrich Adler, der Komponist Moritz Henle, die Kinderärztin Hertha Nathorff, der Schriftsteller Siegfried Einstein und nicht zuletzt die Unternehmerfamilie Bergmann, aus der die erfolgreiche Hochspringerin Gretel Bergmann hervorging, deren Leben auch verfilmt wurde. Zum ersten Mal werden von dem anerkannten Laupheim-Experten Udo Bayer eine kompakte historische Überblicksdarstellung der ehemaligen Laupheimer Judengemeinde und Kurzporträts sechs dieser bekannten Persönlichkeiten miteinander vereint.


Dieter G. Maier, Jürgen Nürnberger
Die Töchter der Familie Max A. Klausner
„Alles Leute über dem Durchschnitt“
100 S., 14 Abb., br., € 9,90
978-3-95565-119-0
Die Klausners waren Nachfahren einer berühmten jüdischen Gelehrtenfamilie und zugleich ein Beispiel für eine gelungene Integration – bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten. Max Albert Klausner (1848–1910) war ein bekannter Journalist und Kämpfer gegen den Antisemitismus. Irma (1874–1959), Dr. med., gehörte zu den ersten Frauen, die in Deutschland die humanistische Reifeprüfung ablegen und Medizin studieren durften. Gertrud (1877–1939), Dr. phil., wurde Lehrerin. Sie engagierte sich im Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und war Abgeordnete im Preußischen Landtag. Judith (1878–1933) machte sich als Künstlerin einen Namen, vor allem durch ihre Buchillustrationen und Tierplastiken. Edith (1879–1941), Dr. rer. pol., amtierte nach einem nachgeholten Studium der Staats- und der Rechtswissenschaften als eine der ersten Richterinnen in Deutschland.


Harro Jenss
Hermann Strauß
Internist und Wissenschaftler in der Charité und im Jüdischen Krankenhaus Berlin
Neuauflage mit einem Beitrag von Peter Reinicke über Elsa Strauß
88 S., 34 Abb., br., € 8,90
978-3-95565-123-7
Hermann Strauß gehörte um die Wende zum 20. Jahrhundert zur Gruppe höchst kreativer jüdischer Ärzte der Berliner Medizinischen Fakultät, die wichtige originäre Beiträge zur Fortentwicklung der Medizin lieferten. Strauß befasste sich wissenschaftlich intensiv mit Magen-, Darm-, Nieren und Stoffwechselkrankheiten. Die Einführung der kochsalzarmen Diät bei Nierenerkrankungen, das Straußsche Sigmoidoskop sowie die Strauß-Kanüle gehen auf ihn zurück. Strauß starb 1944 im Konzentrationslager Theresienstadt. Ergänzt wird dieser Band mit einem Beitrag über Elsa Strauß, Begründerin der Krankenhausfürsorge. Sie gehörte zur Generation bürgerlicher Frauen, die sich darum bemühten, bestehende Klassengegensätze im Kaiserreich aufzubrechen. Sie gründete Arbeiterinnenheime, war aktiv im Jüdischen Frauenbund und gilt als Wegbereiterin einer modernen Krankenhaussozialarbeit in Deutschland.


Hans Gál
Ein Jahrhundert Musik
Herausgegeben von Anthony Fox, Eva Fox-Gál, Gerold Gruber
88 S., Br., € 8,90
978-3-942271-77-6
Der Komponist und Musikwissenschaftler Hans Gál (1890–1987) wurde am 5. August 1890 in Brunn am Gebirge nahe Wien geboren. Von Dezember 1929 bis März 1933 war er Direktor der Musikhochschule in Mainz. Nach der Machtübernahme Hitlers verlor er diesen Posten. Mit seiner Familie entfloh er dem Terror nach England und wurde dort zusammen mit anderen Flüchtlingen als „enemy alien“ interniert. Nach seiner Freilassung ließ er sich in Edinburgh nieder und war bis ins hohe Alter aktiv. Seine Werke wurden vor dem Zweiten Weltkrieg häufig aufgeführt, insbesondere seine Opern waren an zahlreichen Opernhäusern in Deutschland jahrelang präsent. Nach 1945 wurde Hans Gál in weiten Teilen Europas vergessen. Erst in letzter Zeit beginnt man sich wieder mit seinen Werken zu beschäftigen.

Eva Fox-Gál, Anthony Fox
Hans Gál
A Century of Music
Edited by Gerold Gruber
88 pp, 11 pic., br., € 8,90
978-3-95565-124-4
The composer and musicologist Hans Gál (1890–1987) was born on 5th August 1890, near Vienna. From December 1929 until March 1933 he was Director of the Music Conservatoire in Mainz, but was dismissed from his post after Hitler came to power. He returned to Vienna, but following the annexation of Austria by the Nazis in 1938 he fled to Britain, where, together with other refugees, he was interned as an ‘enemy alien’. After his release he settled in Edinburgh, where he remained a much-loved and active composer, teacher, performer and writer. Before 1933 he had enjoyed considerable success as a composer, particularly with his operas. After the War, his music became increasingly neglected and forgotten. In recent years, however, his substantial oeuvre has begun to be rediscovered.



Heike Stange
Familie Sobernheim
… und das „Haus Waltrud“ auf Schwanenwerder
80 S., 20 Abb., br., € 8,90
978-3-95565-087-2
1912 kauft Walter Sobernheim, der promovierte Jurist und  Generaldirektor der Bierbrauerei Schultheiß-Patzenhofer,  ein Grundstück auf der Insel Schwanenwerder. Mit dem  Entwurf und der Inneneinrichtung beauftragt er den Architekten  und Leiter der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums  Bruno Paul. Das Haus soll ein Rückzugsort für das  Ehepaar und ihre drei Kinder, ein Idyll im Grünen werden. Die Villa erhält den Namen „Haus Waltrud“, der aus den beiden  Silben der Vornamen der Ehepaars Walter und Gertrud  zusammengesetzt wird. Auch das Logo des Briefpapiers, das Exlibris und Postkarten zeigen Hausansichten. Die jüdische  Familie emigriert 1933 und verliert ihr Zuhause. Dieses Buch ist eine historische Spurensuche zur Erinnerung  an die Villa und ihre Bewohner – die Familie Sobernheim.

Bernd Fechner, York-Egbert König
Paul Westheim
Kunstkritiker – Publizist – Sammler
80 S., 20 Abb., br., 8,90 €
978-3-95565-095-7
Die Kunstszene in der Weimarer Republik ist ohne die Arbeit des Kritikers, Publizisten und Vermittlers Paul Westheim (1887–1963) undenkbar. Wie kaum ein anderer hat er sich um Kunst und Künstler des 20. Jh. verdient gemacht, hat sie beschrieben, gefördert und ihre Werke gesammelt. Heute berühmte Vertreter des Expressionismus wie Otto Dix, Ernst Kirchner und Oskar Kokoschka wurden vor allem durch ihn einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten ist er ihnen als Propagandist der sog. entarteten Kunst und wegen seiner politischen Einstellung und jüdischen Herkunft dreifach verhasst, sodass er bereits sehr früh ins Exil nach Frankreich gehen muss. Nach dem deutschen Einmarsch in Frankreich wird er interniert, kann jedoch fliehen und findet schließlich in Mexiko ein neues Zuhause, wo er durch seine Arbeiten über die altmexikanische Kunst und indianische Architektur bekannt wird und bis heute hohe Wertschätzung genießt. Als er 30 Jahre nach seiner Flucht Deutschland erstmals wieder besucht, stirbt er ganz überraschend in Berlin.

Raimund Wolfert
Die Goldbergs
Zwischen Friedenstempel, Lunapark und Haus der Modeindustrie
90 S., 13 Abb., br., 9,90 €
978-3-95565-088-9
Die Goldbergs erzählt vom Erfindungsreichtum und „Stehaufwillen“ einer großbürgerlichen Berliner Familie, die heute so gut wie vergessen ist, deren Spuren aber bis nach Belgien, Frankreich, Brasilien und Norwegen reichen. Salomon Goldberg macht sich in den 1920er Jahren als Bankier und Stifter der Synagoge Friedenstempel in Berlin-Halensee, später auch als Uhrenfabrikant einen Namen, doch seine fünf Geschwister stehen ihm in ihren beruflichen Ambitionen, ihrer Kreativität und ihrem Lebensmut kaum nach. Bezeichnenderweise schreibt seine Schwester Selma Hochhaus den Text zu dem Walzer „Sei immer heiter!“ (1959), während sich der gemeinsame Bruder Max Goldberg – vor 1933 noch Generaldirektor des Berliner Lunaparks – in der Nachkriegszeit anschickt, in Düsseldorf ein gigantisches Haus der Modeindustrie zu errichten.


Leo Blech
Komponist – Kapellmeister –Generalmusikdirektor
96 S., 20 Abb., br., 8,90 €
978-3-95565-091-9
„Mit mir nicht!“ pflegt Leo Blech (1871–1958) zu sagen, wenn auf der Bühne etwas geschehen soll, das nicht im Sinne der Musik liegt, die er dirigiert. Auch sonst lässt der 1871 in Aachen geborene, über Prag nach Berlin gewanderte Komponist und Kapellmeister sich nicht alles gefallen. Nachdem er seit 1913 für musikalischen Glanz an der Berliner Staatsoper sorgte, muss er sich 1937 zwangspensionieren lassen und 1938 nach Riga emigrieren. 1941 von der Deportation bedroht, erwirkt er freies Geleit über Berlin nach Stockholm, wo er seit den 1920er Jahren ein gern gesehener Gast ist. 1949 kehrt er für eine letzte Periode als Generalmusikdirektor der Städtischen Oper nach Berlin zurück. Seine Art, deutsche, italienische und französische Oper zu dirigieren, ist einzigartig. Von seinem sinfonischen Repertoire existieren hervorragende historische Aufnahmen. Der Band ist von Musikpublizisten geschrieben, die fassungslos registrierten, dass die Stadt Berlin Anfang 2013 glaubt, diesem Künstler das ihm 1958 verliehene Ehrengrab wieder entziehen zu dürfen.

Sabine Neubert
Karl Wolfskehl
Vom Bohemien zum Dichter des Exils
80 S., 2 Abb., br., € 8,90
978-3-95565-075-9
Einst war er „der König von Schwabing“, Integrationsfigur der Münchner Bohème und ein enger Vertrauter Stefan Georges. Die Nazis vertrieben ihn ins Exil, er emigrierte 1934 nach Italien und 1938, zusammen mit seiner Lebensgefährtin Margot Ruben, nach Neuseeland. In Deutschland „halb vergessen“, starb er verarmt im Jahr 1948 in Auckland und hinterließ ein einzigartiges jüdisch-religiöses Spätwerk von sehr hohem Rang. Der Dichter Karl Wolfskehl (geb. 1869) ist zu entdecken und das epische Werk neu zu erschließen. Sein sogenanntes Trostbuch „Die Stimme spricht“ und der Zyklus „Hiob oder Die Vier Spiegel“ wurzeln im jüdischen Seinsgrund und haben in ihrer Universalität nichts Vergleichbares. Karl Wolfskehls Leben spiegelt die Tragik und Zerrissenheit des assimilierten Judentums in Deutschland und dessen systematische Vernichtung während des Nationalsozialismus. Aus einer alt eingesessenen, wohlhabenden Darmstädter Familie stammend, wurde Karl Wolfskehl zunächst Germanist und Altphilologe. Die Begegnung mit Stefan George war Initiation eigenen Dichtertums. München wurde sein Lebensmittelpunkt. In den 1920er Jahren arbeitete er als Journalist und Herausgeber, bis er mit der Katastrophe 1933 zum „Exul Poeta“ wurde. Trotz Ausgrenzung und Vertreibung blieb er, eigenem Bekenntnis nach, „jüdisch, römisch, deutsch zugleich“.
Jüdische Miniaturen Bd. 106


Anna Havemann
Gertrude Sandmann
Künstlerin und Frauenrechtlerin
88 S., 19 Abb., Br., € 9,90
978-3-942271-18-9
Gertrude Sandmanns (1893–1981) außergewöhnliche Biographie vereint das Schicksal einer verfolgten Berliner Jüdin mit dem einer politisch aktiven und berufstätigen Künstlerin. Dank der couragierten Hilfe von Freunden überlebt die Schülerin von Käthe Kollwitz die Schoah im Untergrund in Berlin. Auch ihr künstlerisches Werk kann gerettet werden. Jedoch ist sie nach ihrem Tod in Vergessenheit geraten. Die Entdeckung ihres Nachlasses 2008 ermöglicht die postume Würdigung dieser hervorragenden Künstlerin und ihres Werks, das über alle Zeitströmungen hinweg Bestand hat. Durch Verzicht auf Details und laute Töne gelingt es ihr, die Tiefe menschlicher Empfindungen darzustellen. In bewegenden Tagebüchern gibt sie Einblick in ihre Gedanken zu den Themen Krieg, Religion, Juden in der Schoah, Kunst und die Rolle der Frau.  http://www.gertrudesandmann.de
Anna Havemann studierte Kunstgeschichte in New York und wurde 2009 an der Universität Potsdam promoviert. Sie lehrte in Hongkong und New York. Seit 2001 ist sie als Dozentin und Kuratorin in Berlin/Potsdam tätig. Zur Zeit erarbeitet sie das Werkverzeichnis von Gertrude Sandmann und kuratiert die Ausstellung Vom Sehen und Leben – Gertrude Sandmann. Retrospektive einer Künstlerin und Zeitzeugin. Sie hat mehrfach über den emanzipatorischen Kampf von Künstlerinnen publiziert.

Berliner Fenster, 1945

Christopher Kopper
Ludwig Bamberger
Vom Revolutionär zum Vater der Goldmark
80 S., 15 Abb., br., € 8,90
978-3-95565-089-6
Seine Lebensgeschichte ist voller Wendungen und streckenweise  unglaublich, aber wahr. Der radikale Demokrat flieht nach der Revolution von 1848 aus Deutschland und wird zum Tode verurteilt. Mit der Hilfe seiner Familie startet  er im Pariser Exil eine Karriere als Bankier. Nach 20 Jahren  wird er amnestiert und kehrt zurück nach Deutschland. Er  berät Bismarck und entwickelt sich zu einem der führenden  liberalen Politiker im neu gegründeten Kaiserreich. Bamberger  steht für den vergeblichen Kampf um eine konsequente  Freihandelspolitik, die Einführung der Goldmark und die  Gründung der Deutsche Bank AG und der Reichsbank. Ab  1879 geht er in Opposition zu Bismarcks Politik. Bamberger  berät den Kronprinzen Friedrich III. und seine Frau Victoria,  den Hoffnungsträgern einer liberalen Politik im Kaiserreich.

Alfred Gottwaldt
Benno Orenstein
Ein jüdischer Lokomotivbauer
88 S., 38 Abb., br., 8,90 €
978-3-95565-090-2
Der Name „Orenstein & Koppel“ ist im deutschen Maschinenbau seit der Kaiserzeit ein Begriff wie Henschel, Krupp oder Siemens. Vor allem im Lokomotivbau hat das Unternehmen mit über 15.000 Stück zwischen 1876 und 1981 einen guten Ruf. Das internationale Vertriebsnetz für Feldbahnen ist ein besonderes Kennzeichen des Konzerns. Der Firmengründer Benno Orenstein (1851–1926) und sein Kompagnon Arthur Koppel sind Juden. In den Jahren nach 1900 steigt Kommerzienrat Orenstein in der Berliner Gesellschaft auf. Er liegt auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee begraben. Seit 1926 wird das Unternehmen von seinem Sohn Alfred Orenstein (1885–1969) geleitet, der 1935 emigrieren muss. Nach dem Zweiten Weltkrieg nimmt „Orenstein & Koppel“ den alten Namen wieder an. Doch die Firma verschwindet um das Jahr 2011 vom Markt. 

Matthias Marschik, Georg Spitaler
Leo Schidrowitz
Autor und Verleger, Sexualforscher und Sportfunktionär
84 S., 18 Abb., br., 8,90 €
978-3-95565-093-3
Leo Schidrowitz (1894–1956) ist ein Multitalent: Er verfasst Bücher und Essays kultur- und kunstkritischen Inhalts und etabliert sich als einer der umtriebigsten Verleger der ersten österreichischen Republik, der Texte von Victor Hugo ebenso bearbeitet, wie er die Romane Hugo Bettauers verlegt. Ab dem Ende der 1920er Jahre wendet er sich der Sexualforschung zu, publiziert eine Sittengeschichte der Kulturwelt und ein Bildlexikon der Erotik. Zugleich betätigt er sich als Fußballfunktionär beim SK Rapid in Wien.
Als Jude und „Pornograph“ doppelt gefährdet, muss er elf Jahre im brasilianischen Exil verbringen. Nach seiner Remigration wird er Propagandareferent“ des Österreichischen Fußballbunds. Schidrowitz kann sowohl als Repräsentant eines assimilationswilligen jüdischen Bürgertums als auch als Vorläufer einer alltagsorientierten Kulturwissenschaft angesehen werden.


Hartmut Bartmuß
Joseph Bendix
Regierungsbaumeister, Ingenieur und Offizier in Deutsch-Südwestafrika
96 S., 15 Abb., br., 9,90 €
978-3-95565-094-0
Als die Otavi-Minen-und-Eisenbahngesellschaft den Bau einer eigenen Bahnlinie von Swakopmund nach Tsumeb (Namibia) beschließt, zeigt auch Regierungsbaumeister Joseph Bendix (1874–1904) aus Dülmen/Westfalen Interesse an diesem Projekt. Ende September 1903 trifft er in Swakopmund ein. Seine Mitarbeit ist jedoch von kurzer Dauer, denn im Januar 1904 erheben sich die Hereros gegen die deutsche „Schutzmacht“. Der Leutnant d.R. wird zur Kaiserlichen Schutztruppe eingezogen. Am 13. März 1904 gehört Bendix zu einer Erkundungsabteilung, die bei Owikokorero fast völlig aufgerieben wird. Unter den Gefallenen ist auch Joseph Bendix, einer der jüdischen Soldaten, die in den deutschen Kolonial- und Überseetruppen gedient und gekämpft haben. 

Thomas Lackmann
Albrecht Mendelssohn Bartholdy
Völkerrechtler und Pionier der deutschen Friedensforschung
80 S., 12 Abb., br., 8,90 €
978-3-95565-097-1
Albrecht Mendelssohn Bartholdy (1874–1936) ist ein kreatives Multitalent wie sein berühmter Großvater, der Musiker Felix. Als Völkerrechtler, Friedensforscher und deutscher Vertreter in Den Haag wird der liberale Ururenkel Moses Mendelssohns zum politischen Aufklärer in düsteren Zeiten. Seinen eigenen Vater, der Jahrzehnte in einer Anstalt verbrachte, hat er nie kennengelernt. Der private Albrecht ergibt sich Liebessehnsüchten, die unerfüllbar sind – und komponiert. Der brillante Jurist will den frischgebackenen Weimarer Demokraten Spielregeln der Völkerfamilie vermitteln. 1934 von seinem Hamburger Lehrstuhl verjagt, rettet Mendelssohn Bartholdy die Korrespondenz seines Großvaters ins Exil. Während Englands Diplomaten Hitlers Zusagen vertrauen, hofft er als Pazifist auf den Tyrannenmord.

Günter Regneri
Herbert Weichmann
„Aus dem Bestehenden die Bausteine des Besseren entwickeln“
80 S., 10 Abb., br., 8,90 €
978-3-95565-096-4
Der frühere Erste Bürgermeister Hamburgs Herbert Weichmann (1896–1983) war der bisher einzige jüdische Regierungschef in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. In den 1920er Jahren arbeitet der promovierte Jurist erst als Journalist, später als persönlicher Referent des preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun. Zwei Mal zwingen die Nationalsozialisten ihn und seine Frau Elsbeth zur Flucht, 1948 kehrt Weichmann nach Deutschland zurück. In Hamburg baut der Mann mit dem gewinnenden Lächeln den unabhängigen Rechnungshof auf. Als Landesvater initiiert er richtungsweisende Infrastrukturprojekte für die Hansestadt, so den Bau eines Containerhafens, des CCH und des neuen Elbtunnels.

Joachim H. Knoll, Udo Michael Krüger,
Julius H. Schoeps, Manfred Stoffers
Alphons Silbermann
Professor und Bonvivant
80 S., 5 Abb., br., 9,90 €
978-3-95565-092-6
Alphons Silbermann (1909–2000), Vertreter der Soziologie an der Universität zu Köln und seit 1970 Professor und Direktor der Abteilung für Massenkommunikation des Instituts für Soziologie, hat die Kunstsoziologie, die Massenkommunikationsforschung und die Alltagssoziologie auf eine empirische Grundlage gestellt und solchermaßen versucht, die Soziologie ihres Herkommens von den Anfängen bei Max Weber, Emil Durkheim und Alfredo Pareto zu erinnern. Das gilt in jedem Fall für die empirischen Grundlagen der Massenkommmunikationsforschung, der Alltagssoziologie und für die noch heute weithin relevanten Ergebnisse seiner Vorurteilsforschung, darin vor allem für die Erhebungen über das Ausmaß des Antisemitismus in der Bundesrepublik und anderen europäischen Ländern. Silbermann war Verfechter einer bekennenden Soziologie, die stets an die Adressaten von Wissenschaft und Lebensrealität dachte. Die Breite seiner kulturellen, künstlerischen und wissenschaftlichen Interessen ist imponierend, enzyklopädisch könnte man seinen Beitrag zu einer sich als Leitwissenschaft verstehenden Soziologie nennen.

Hartmut Bomhoff
Abraham Geiger
Durch Wissen zum Glauben.
Through Reason to Faith: Reform and the Science of Judaism
Deutsch/Englisch
2.Auflage
80 S., 7 Abb., br., 8,90 €
978-3-95565-098-8
Abraham Geiger (1810–1874) lieferte die geistigen Grundlagen für eine Erneuerung des Judentums nach der Aufklärung. Der bedeutende Gelehrte war Wegbereiter des liberalen Judentums im 19. Jahrhundert. Das Jüdisch-Theologische Seminar in Breslau und die Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums verdanken ihm ihre Existenz. Vergeblich forderte Geiger die Gleichberechtigung bei der Ausbildung für das geistliche Amt mit den Kirchen. Das Abraham Geiger Kolleg verwirklicht gemeinsam mit der „School of Jewish Theology“ an der Universität Potsdam seine Vision von der Jüdischen Theologie im Haus der Wissenschaft 

David Shneer
Lin Jaldati
Trümmerfrau der Seele
80 S., 20 Abb., br., 8,90 €
978-3-95565-072-8
1952 kam Lin Jaldati, holländische Sängerin und Shoah-Überlebende, mit ihrem Ehemann Eberhard Rebling aus den Niederlanden in die DDR.  Beide wurden die berühmtesten Jiddisch-Interpreten nicht nur in der DDR, sondern in der ganzen sozialistischen Welt: sie mit ihrer Stimme und ihren Erinnerungen an Auschwitz, er  begleitete sie am Flügel. Lin Jaldati wurde 1912 geboren und gab ihr erstes jiddisches Konzert 1934, ein Jahr nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Sie starb 1988 – kurz vor dem Zusammenbruch der DDR.  In ihrer 50-jährigen Karriere sang Jaldati ihre Lieder sowohl vor Überlebenden als auch vor Nachgeborenen in den jüdischen Gemeinden, vor Nicht-Juden und Sozialisten in aller Welt, einschließlich Nordkorea und Indonesien. Als Mitgefangene von Anne Frank in Auschwitz und Bergen-Belsen war sie eine der ersten, die ihre eigene und Annes Geschichte erzählte.


Volker M. Welter
Ernst L. Freud und das Landhaus Frank
Ein Wohnhaus der Moderne bei Berlin
80 S., 20 Abb., br., 8,90 €
978-3-95565-073-5
Hoch über dem Schwielowsee, zwischen Berlin und Potsdam, baute von 1928 bis 1930 der Architekt Ernst L. Freud für das Bankiersehepaar Dr. Theodor und Margot Frank ein modernes Landhaus. Der Entwurf war zugleich Höhepunkt wie Endpunkt der Karrieren von Architekt und Bankier, denn mit dem Beginn des Nationalsozialismus mussten beide aus Deutschland fliehen; das Landhaus verfiel in einen Dornröschenschlaf. Der Autor beschreibt die Geschichte des Hauses, stellt Architekt und Bauherren vor und verortet den Entwurf im Werk Ernst L. Freuds, dem Architektensohn von Sigmund Freud. In der Baugeschichte der Moderne nimmt das Landhaus Frank heute wieder seinen verdienten Platz ein als ein herausragendes Beispiel großbürgerlichen Wohnens in der Weimarer Republik.

Jüdische Miniaturen Bd. 110

Christian Dirks / Axel Klausmeier / Gerhard Sälter
„Verschüttet“
Leben, Bombentod und Erinnerung an die Berliner Familie Jaschkowitz
Mitherausgegeben von der Gedenkstätte Berliner Mauer
88 S., 6 Abb., Br., € 8,90
978-3-942271-24-0
Warum werden im Dezember 1943 zwei Juden auf einem evangelischen Friedhof bestattet? Max und David Jaschkowitz sterben am 23. November bei einem Luftangriff. Neben ihnen werden auch Clara und Margarete Jaschkowitz auf dem Kirchhof der Sophien-Gemeinde an der Bergstraße in Berlin-Mitte beigesetzt. Wer waren diese beiden jüdischen Männer und die zwei – nichtjüdischen – Frauen? In welchem Verwandtschaftsverhältnis standen sie zueinander? Warum konnten sie Ende des Jahres 1943, als bereits zehntausende Berliner Juden deportiert und umgebracht worden waren, überhaupt noch in der damaligen Reichshauptstadt leben? Und warum wurden sie – im Totenbuch als Juden kenntlich – auf dem evangelischen Friedhof der Sophien-Gemeinde bestattet? Christian Dirks begibt sich auf die Spuren der Familie Jaschkowitz, deren Gräber nach dem Mauerbau 1961 auf dem „Todesstreifen“ zwischen Ost und West an der Bernauer Straße lagen. Sie stehen symbolisch für die deutsche Zeitgeschichte, die sich schichtenweise an diesem Ort überlagert. Axel Klausmeier und Gerhard Sälter von der Gedenkstätte Berliner Mauer beschreiben den schwierigen Umgang mit der doppelten Erinnerung an diesem historischen Ort.
Christian Dirks promovierter Historiker und Ausstellungsmacher, geschäftsführender Gesellschafter von BERGZWO communication+concepts, Berlin, Kurator der Ausstellungen des Centrum Judaicum relativ jüdisch. Albert Einstein – Jude, Zionist, Nonkonformist (2005) und …auf dem Dienstweg. Die Verfolgung von Beamten, Angestellten und Arbeitern der Stadt Berlin 1933 bis 1945 (2010).
Jüdische Miniaturen Bd. 80

Zum 90. Geburtstag am 27. März 2010

Hartmut Bomhoff
Ernst Ludwig Ehrlich
Ein Leben für Dialog und Erneuerung
80 S., 12 Abb., Br., € 8,90
978-3-942271-11-0
Die Lebensgeschichte des Historikers und Judaisten Ernst Ludwig Ehrlich (1921–2007) umfasst die Erfahrung von Verfolgung und Wiederaufbau des europäischen Judentums im 20. Jahrhundert. Der gebürtige Berliner studiert von 1940 bis 1942 bei Rabbiner Leo Baeck an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Nach Schließung der Hochschule durch die Nazis, Zwangsarbeit und Leben im Untergrund gelingt Ernst Ludwig Ehrlich 1943 die Flucht in die Schweiz, wo er nach der Schoah zu einem der Wortführer im jüdischchristlichen Dialog wird, u.a. als Berater von Kardinal Bea während des Zweiten Vatikanischen Konzils. Der überzeugte Europäer engagiert sich für die Konsolidierung des liberalen Judentums in Deutschland und widmet sich nach 1989 der Erneuerung jüdischen Lebens auch in Mittel- und Osteuropa.
Hartmut Bomhoff studierte in Göttingen und Berlin Neue Geschichte, Kunst- und Literaturwissenschaft sowie Holocaust Communication. Er ist Mitarbeiter des Abraham Geiger Kollegs an der Universität Potsdam und Redakteur von Kescher. Informationen über liberales Judentum im deutschsprachigen Raum. Bei Hentrich & Hentrich ist von ihm erschienen: Abraham Geiger. Durch Wissen zum Glauben (978-3-938485-27-9) und Israel Jacobson. Wegbereiter jüdischer Emanzipation (978-3-942271-03-5).
Jüdische Miniaturen Bd. 105


Peter Reinicke
Die Geschichte der Krankenhausfürsorge für jüdische Patienten
64 S., 12 Abb., Br., € 6,90
978-3-942271-13-4
In Deutschland wird 1895 erstmals in der Berliner Charité Krankenhausfürsorge angeboten. Lina Basch, eine Jüdin, Mitglied der Mädchen- und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit, sieht in der Betreuung von Patienten eine Möglichkeit, ihnen persönliche Hilfe bei den oft langen Aufenthalten anzubieten. Unterstützung erfährt diese Arbeit durch Elsa Strauß. Ihre in den USA gewonnenen Erkenntnisse führen 1913 dazu, die Fürsorge zu einem modernen psycho-sozialen Betreuungsbereich im Krankenhaus und für die Vorbereitung der Entlassung auszubauen. Ab 1914 wird sie vom Jüdischen Krankenhaus angeboten, ab 1927 mit einer hauptamtlichen Sozialarbeiterin. Unterstützt wird die Arbeit durch Mitglieder des Jüdischen Frauenbundes und dem Bund der jüdischen Kranken- und Pflegeanstalten Deutschlands. Der Verband diskutiert erstmals in Deutschland über dieses Aufgabengebiet, stellt Richtlinien für die Betreuung jüdischer Patienten auf und unterstützt den Ausbau. Berichte über die Tätigkeit der Krankenhausfürsorge ergänzen diese Arbeit.
Peter Reinicke geboren 1938 in Erfurt. Diplom-Sozialarbeiter/-Sozialpädagoge. Diplompädagoge, Dr. phil. TU Berlin. 1979 Professor Evangelische Hochschule Berlin, em. Beschäftigt sich mit Themen der Sozialarbeit, insbesondere Sozialarbeit im Gesundheitswesen und Geschichte der Sozialarbeit. Ehrenmitglied der Deutschen Vereinigung für Sozialarbeit im Gesundheitswesen.
Jüdische Miniaturen Bd. 107


Günter Regneri
Salomon Neumann
Sozialmediziner – Statistiker – Stadtverordneter
64 S., 14 Abb., Br., € 6,90
978-3-942271-22-6
Salomon Neumann (1819–1908) gilt als Wegbereiter der sozialen Medizinalstatistik und prägte den Satz „Die Medizin ist eine soziale Wissenschaft“. Neumann lässt sich 1845 in Berlin als Arzt und Geburtshelfer nieder. Demokratisch gesinnt, engagiert er sich bald in der preußischen Medizinalreformbewegung. Zwischen 1859 und 1905 gehört Neumann der Berliner Stadtverordnetenversammlung an. 1861 und 1864 organisiert er die Berliner Volkszählungen. Die dabei gesammelten sozialpolitischen Daten nutzt er als Stadtverordneter zur Verbesserung der sozialen und hygienischen Verhältnisse Berlins. Eine von ihm gegründete Stiftung zur Förderung der Wissenschaft des Judentums wird 1940 von den Nationalsozialisten aufgelöst.
Günter Regneri geboren 1963 in Wuppertal, Erstausbildung zum Elektroniker, 1991 bis 1998 Studium der Geschichte, Soziologie und Germanistik in Berlin und London. Langjährige Tätigkeit im Informationsmanagement und der politischen Bildungsarbeit. Seit 2005 Gewerkschaftssekretär. Vorstandsmitglied des Förderkreises „Dokumentation der Arbeiterjugendbewegung“.
Jüdische Miniaturen Bd.  108


York-Egbert König /Christina Prauss/Renate Tobies
Margarete Kahn und Klara Löbenstein
Mathematikerinnen – Studienrätinnen – Freundinnen
80 S., 24 Abb., Br., € 8,90
978-3-942271-23-3
Margarete Kahn (1880–1942) und Klara Löbenstein (1883–? ) gehören zu einer kleinen Elite junger Frauen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Abitur extern an Knabenschulen ablegen. Danach studieren sie in Berlin und Göttingen – zunächst als Hörerinnen, weil das Land Preußen Frauen erst zum Wintersemester 1908/09 das reguläre Studium gewährt. Die AutorInnen zeichnen die Wege dieser beiden Pionierinnen des Frauenstudiums nach, die bei einem der bedeutendsten Mathematiker, David Hilbert, zeitgleich zur Doktorwürde streben. Sie rekonstruieren ihre herausragenden Leistungen, berichten über die Hürden, die Gegner des Frauenstudiums errichteten, über ihre Tätigkeit als Studienrätinnen im preußischen Schuldienst, sowie über das Ende ihrer Karrieren und das Schicksal ihrer Familien im Nationalsozialismus.
York-Egbert König geboren 1949 in Eschwege; Studium an der Universität Göttingen; tätig im Stadtarchiv und Stadtmuseum Eschwege; Autor zahlreicher Veröffentlichungen zur hessischen und thüringischen Regionalgeschichte.
Christina Prauss geboren 1954 in Heide/Holstein; Studium an der Universität Göttingen; lebt als Publizistin in Berlin; Veröffentlichungen auf dem Gebiet des Buchwesens und zur Niedersächsischen Regionalgeschichte.
Renate Tobies geboren 1947 in Horburg; Mathematik- und Naturwissenschaftshistorikerin; zahlreiche Gastprofessuren, aktuell an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena.

Peter Theiss-Abendroth
Ernst Federn
Anmerkungen zu einem Überlebenden
80 S., 6 Abb., br., 8,90 €
978-3-95565-074-2
Ernst Federn (1914–2007), dessen Geburtstag sich am 26. August 2014 zum hundertsten Mal jährt, überlebte eine insgesamt siebenjährige Inhaftierung in den Konzentrationslagern von Dachau und Buchenwald nicht nur, sondern vermochte als einer der ersten diese auch zu reflektieren. In seiner Jugend prägte ihn das Milieu des um Assimilation bemühten jüdischen Bildungsbürgertums Wiens. Sein Vater Paul war Psychoanalytiker der ersten Stunde und zugleich engagierter Sozialdemokat; diese beiden Pole sollten auch Ernst Federns Selbstverständnis bestimmen. Seine Analyse der psychologischen Tiefenstrukturen des Lagerterrors zeigt ihn als präzisen, selbstkritischen Beobachter und zugleich großen Humanisten. Aus derselben Haltung heraus wirkte er nach der Befreiung als psychoanalytischer Sozialarbeiter, Historiker der Psychoanalyse und zuletzt auch als engagierter Lehrer.


Dieter G. Maier und Jürgen Nürnberger
Oscar und Max Levy
Europäer und „Nietzsche-Apostel“ – Patriot und Unternehmer
100 S., 17 Abb., br., 9,90 €
978-3-95565-064-3
Aus einer angesehenen Stargarder jüdischen Familie stammend, entwickelten sich die Brüder Oscar und Max Levy ganz unterschiedlich. Oscar (1867–1946), der älteste von drei Brüdern, empfand sich als Europäer und verließ nach dem Medizinstudium das aus seiner Sicht chauvinistische Deutschland. In England verbreitete er in Aufsätzen und Büchern die Ideen Friedrich Nietzsches und gab dessen erste englischsprachige Gesamtausgabe heraus. Dadurch wurde er wiederum selbst Opfer von Missverständnissen und Anfeindungen. Max (1869–1932), der jüngste, wirkte nach seinem Ingenieurstudium zunächst als Pionier in der Röntgentechnik, bevor er in Berlin einen Betrieb gründete und diesen zu einem mittelständischen Unternehmen ausbaute. Er engagierte sich darüber hinaus in der Kommunalpolitik und erwies sich – auch im Ersten Weltkrieg – als deutscher Patriot.


Alfred Gottwaldt
Paul Levy
Ingenieur der Hedschasbahn und der Reichsbahn
94 S., 22 Abb., br., 9,90 €
978-3-95565-065-0
In Danzig ausgebildet, zog es den Maschinenbauer Paul Levy (1876–1943) 1904 in den Nahen Osten zur Hedschasbahn, wo am 1. September 1908 die Bahnstrecke von Damaskus im heutigen Syrien nach Medina in Saudi-Arabien in Betrieb genommen wurde. Im Mai 1906 heiratete Paul Levy seine Cousine Ida und lebte mit ihr in Damaskus und Beirut. Im Ersten Weltkrieg erhielt er das Eiserne Kreuz.


Abraham de Wolf
Hugo Sinzheimer
und das jüdische Denken im deutschen Arbeitsrecht
80 S., 20 Abb., br., 8,90 €
978-3-95565-067-4
Hugo Sinzheimer (1875–1945) gilt als „Vater des deutschen Arbeitsrechts“. Er war Rechtsanwalt, Politiker und Rechtsgelehrter. In der Weimarer Verfassung sind die wirtschaftlichen und sozialen Grundrechte sowie der Satz „Eigentum verpflichtet“ vor allem seiner argumentativen Durchsetzungskraft zu verdanken. Bis heute gelten seine juristischen Begründungen für den Tarifvertrag, den Betriebsrat und das Arbeitsrecht als Schutz für Arbeitnehmer. Sinzheimer war Jude und gehörte zu den führenden religiösen Sozialisten der Weimarer Republik. In diesem Kreis arbeitete er eng mit Martin Buber, Gustav Radbruch und Paul Tillich zusammen. Mit seiner Lehre der „Sozialen Selbstbestimmung im Recht“ von 1916 hat er eine wichtige Grundlage für den sozialen und demokratischen Rechtsstaat geschaffen. Mit diesem Buch wird zum ersten Mal untersucht, wie stark das jüdische Gesetzesdenken und die Würde der Arbeit im Judentum Hugo Sinzheimer geprägt haben.

Jüdische Miniaturen Bd. 31, 2., aktualisierte Auflage

Norbert Haase
Die Synagoge zu Görlitz
64 S., Br., € 5,90
978-3-942271-02-8
Die Neue Synagoge zu Görlitz in der Otto-Müller-Straße ist der einzige erhalten gebliebene jüdische Sakralbau im Freistaat Sachsen, der die Pogromnacht des November 1938 überstanden hat. Sie wurde nach Plänen der Dresdner Architekten Lossow & Kühne unter Beteiligung des Glasmalers Josef Goller errichtet. Das 33 Meter hohe Jugendstilgebäude gehörte zu den ersten in Stahlbetonweise errichteten Bauten in Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg als Kulturdenkmal nur notdürftig gesichert, erfuhr sie seit den 80er Jahren, zunächst in der DDR, später in der Bundesrepublik zunehmende Beachtung. Mit einer ökumenischen Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der nationalsozialistischen Pogromnacht wurde die Synagoge in Görlitz 2008 als Kultur- und Begegnungs - zentrum wiedereröffnet.

Dekel Peretz und Elke-Vera Kotowski
Franz Oppenheimer
Wegbereiter der Sozialen Marktwirtschaft
64 S., 20 Abb., br., 6,90 €
978-3-95565-068-1
Franz Oppenheimer (1864–1943) hatte Deutschlands ersten Lehrstuhl für Soziologie inne und gilt als wichtiger Wegbereiter der Sozialen Marktwirtschaft. Als Sohn eines Reformrabbiners 1864 in Berlin geboren, erkannte der angehende Arzt früh die sozialen Missstände in der Gesellschaft. Als Reaktion auf die Verelendung des Industrieproletariats entwickelte er Siedlungskonzepte, die eine Rückkehr in ländliche Regionen vorsahen. Seine Ideen waren eng mit dem Zionismus verbunden, für den er sich zunehmend interessierte. 1919 nahm Oppenheimer die erste Professur für Soziologie und Nationalökonomie in Frankfurt am Main an. Als Nationalökonom warb er für einen liberalen Sozialismus, den dritten Weg zwischen Kapitalismus und Kommunismus. Seine Flucht aus Deutschland führte ihn über Japan und Shanghai nach Los Angeles, wo er 1943 starb. 
Jüdische Miniaturen Bd. 94


Klaus Völker
Peter Zadek (1926–2009)
Mit dem „Fertigen“ gab er sich nicht zufrieden
72 S., 12 Abb., Br., €  6,90
978-3-941450-18-9
„Das ist nicht unser Shakespeare“, empörte sich das Hamburger Publikum 1976 über Peter Zadeks Othello-Inszenierung. Nach einem halben Jahr standen sie in Schlangen vor den Theaterkassen. Für heftige Diskussionen sorgte auch die Figur des Shylock in seiner Inszenierung von Shakespeares Kaufmann von Venedig. Zugleich war diese Rolle für ihn eine ganz persönliche, „weil ich mich mit der Figur komplett identifiziert habe – als Jude, als Außenseiter und natürlich besonders in Deutschland“. Zadek wurde 1926 als Sohn einer gut-bürgerlichen jüdischen Familie in Berlin geboren, die 1933 nach Großbritannien auswanderte. Erst 1958 kehrte er nach Deutschland zurück. Mit seinen wilden Inszenierungen und frei improvisierenden nackten Schauspielern revolutionierte er das bürgerliche Bildungstheater der 50er- und 60er-Jahre und stellte damit Zuschauer und Kollegen gleichermaßen auf die Probe. Sein letztes Stück inszenierte Zadek im Februar 2009 in Zürich: Major Barbara von George Bernhard Shaw. Klaus Völker widmet diesem unerschrockenen Provokateur und einzigartigen Theatergenie ein ganz persönliches Porträt.
Klaus Völker, geboren 1938 in Frankfurt am Main, Studium in Frankfurt und Berlin, Literatur- und Theaterkritiker. 1969 bis 1985 leitender Dramaturg an Theatern in Zürich, Basel, Bremen und am Schiller-Theater Berlin. 1992 Berufung zum Professor für Theatergeschichte und Dramaturgie an die Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin, deren Rektor er von 1993 bis 2005 war. Herausgeber, Übersetzer und Autor zahlreicher Publikationen,  u.a. Fritz Kortner, Hans Lietzau (Hentrich & Hentrich).
Jüdische Miniaturen Bd. 93


Christoph Kreutzmüller/Björn Weigel
Nissim Zacouto (1891-1987)
Jüdischer Wunderknabe und türkischer Teppichgroßhändler
Mit einem Vorwort von Fred Zacouto
64 Seiten, 10 Abb., Br.,€ 5,90
978-3-941450-16-5
Aus alter sephardischer Familie stammend, kam Nissim Zacouto vor dem Ersten Weltkrieg nach Berlin und baute dort eine Teppichgroßhandlung auf, die in den 1920-er Jahren einen ausgezeichneten Ruf genoss. Nach 1933 war Zacouto als türkischer Staatsangehöriger zunächst vor direkten Angriffen durch die Nationalsozialisten geschützt. Vor dem Hintergrund von Schikanen und Handelsbeschränkungen verlegte er sein Geschäft aber peu a peu nach Paris, wohin er auch 1939 emigrierte. Nach der Besetzung Frankreichs tauchte Zacouto mit seiner Familie unter und entging so knapp der Deportation. Nach 1945 baute er wiederum erfolgreich eine Teppichgroßhandlung in Paris. Seine Versuche, für die in Deutschland erlittenen Verluste entschädigt zu werden, zogen sich qualvoll in die Länge. Die ebenso ungewöhnliche, wie bewegende Lebensgeschichte Zacoutos wird durch ein Vorwort seines Sohnes Fred Zacouto bereichert.
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Auf Türkisch: Jüdische Miniaturen Bd. 93A

Christoph Kreutzmüller, Bjoern Weigel
Nesim Zacouto
Micize yahudi cocuglu türk hali tüccari
Aus dem Deutschen von Gürsel Köksal
64 S.,10 Abb., Br., € 6,90
978-3-942271-12-7
Christoph Kreutzmüller, geboren 1968 in Bad Oeynhausen, koordiniert die Forschungsprojekte Geschichte kleiner und mittlerer jüdischer Gewerbeunternehmen in Berlin (1930/31-1945) und Geschichte der Rückerstattung kleiner und mittlerer jüdischer Gewerbeunternehmen in Berlin in der Nachkriegszeit am Lehrstuhl Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt im Nationalsozialismus der Humboldt-Universität zu Berlin.
Björn Weigel, geboren 1980 in Berlin, ist Historiker und promoviert am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin über die Vernichtung jüdischer Gewerbetätigkeit in Berliner Theaterunternehmen.

Gerda E. H. Koch und Wolf-Simon Greling
Selig Sigmund Auerbach
Ein deutsches Rabbinerschicksal
im 20. Jahrhundert
98 S., 25 Abb., br., 9,90 €
978-3-95565-069-8
Selig S. Auerbach (1906–1997) war Rabbiner und stand als Vertreter der Neo-Orthodoxie in einer langen Familientradition. Die Auerbachs waren mit vielen bedeutenden Rabbinerfamilien in Deutschland verwandtschaftlich verbunden. In Hamburg geboren und aufgewachsen, studierte Selig u.a. am Rabbinerseminar in Berlin und an der Universität Würzburg, wo er promoviert wurde.
In Recklinghausen (Westfalen) fand er 1934 seine erste Anstellung als Rabbiner in einer eigenen großen Gemeinde. Dort erlebten er und seine Familie das Jahr 1938. Der Verurteilung zur KZ-Haft konnte er sich durch Flucht entziehen. In den USA stand er vor einem erzwungenen Neuanfang. Wenige Jahre vor seinem Tod entschlossen er und seine Frau sich zu zwei Reisen nach Deutschland. Mit bisher unbekannten Fotos und Archivmaterialien werden die Begegnungen in Recklinghausen in dieser Biographie dokumentiert und rekonstruiert.

Marion Röwekamp und Anke Gimbal
Marie Munk
Rechtsanwältin – Richterin – Rechtsreformerin
80 S., 15 Abb., br., 8,90 €
978-3-95565-071-1
Dr. iur. Marie Munk (1885–1978) war 1924 die erste Rechtsanwältin in Berlin und 1930 eine der ersten Richterinnen in Deutschland. 1914 gründete sie in Berlin mit Kolleginnen den Deutschen Juristinnen-Verein und 1932 den deutschen Zweig der International Federation of Business and Professional Women. Als Rechtsspezialistin des Bundes Deutscher Frauenvereine wurde sie nach 1918 durch zahlreiche Vorschläge zur Familienrechtsreform (eheliches Güterrecht, Scheidungsrecht, elterliche Gewalt und uneheliche Kinder) zur fachlich am stärksten beachteten Juristin Deutschlands.
Wegen ihrer jüdischen Herkunft wurde Munk 1933 aus dem Justizdienst entlassen. 1936 emigrierte sie in die Vereinigten Staaten. Ab 1939 arbeitete sie als Gastprofessorin, nach ihrer Einbürgerung 1943 auch wieder als Rechtsanwältin.


Klaus Bertisch
Leo Smit
Unerhörtes Talent
Mit einer Einführung von Volker Ahmels
102 S., 8 Abb., br., 9,90 €
978-3-95565-070-4
Leo Smit (1900–1943) studierte Klavier und Komposition am Amsterdamer Konservatorium. Wie viele niederländische Komponisten seiner Zeit war er von der neuen französischen Musik fasziniert und ging 1927 nach Paris, wo er neun Jahre lebte und von Komponisten wie Milhaud, Ravel und Strawinsky inspiriert wurde. Das Concertgebouw Orchester spielte mehrere seiner Stücke, dirigiert von Eduard van Beinum und Pierre Monteux. Smit komponierte im neoklassischen Stil, deutlich beeinflusst von der neuen Musik. Viele seiner Werke enthalten Anleihen aus dem Jazz. Seine Kompositionen sind insgesamt warm und melodiös, klassisch in der Form und kühn in den Harmonien.´Ende April 1943, zwei Monate nach Vollendung seiner wunderbaren Sonate für Flöte und Klavier, wurde Smit ins Konzentrationslager Sobibor deportiert und sofort ermordet. Ein Projekt der Leo Smit Stiftung Amsterdam in Kooperation mit dem Zentrum für verfemte Musik an der hmt Rostock.


Julia Röseler
Edgar Michaelis
Arzt und Seelsorger
Mit einem Geleitwort von Iris Ritzmann
72 S., 6 Abb., br., 8,90
978-3-95565-035-3
Edgar Michaelis (1890–1967) wächst in einer liberalen jüdischen Familie des Berliner Bürgertums auf. Seine persönlichen Vorbilder findet er in dem Arzt C. G. Carus und in J. W. von Goethe. Als Nervenarzt und Psychotherapeut setzt er sich in Zeitungskritiken und Vorträgen kritisch mit der Psychoanalyse Freuds auseinander. In seinem Hauptwerk "Die Menschheitsproblematik der Freud’schen Psychoanalyse" von 1925 fordert er die Ergänzung der Psychoanalyse durch eine sich anschließende ärztliche Seelsorge. Diese orientiert sich an den Ideen der „Psychosynthese“ aus dem Kreis um C. G. Jung, Martin Buber, Hans Trüb und Alphonse Mäder. Fünf Jahre nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten geht er ins Schweizer Exil. Die Idee der Psychosynthese lebt in heutigen Integrativen Therapien weiter.


Peter Sühring
Gustav Jacobsthal
Glück und Misere eines Musikforschers
80 S., 20 Abb., br., 8,90
978-3-95565-042-1
„Für Niemanden aber ist die Gefahr der Phrase größer als für den, der über musikalische Kunstwerke zu sprechen hat.“ Dieser von ihm benannten Gefahr versuchte Gustav Jacobsthal (1845–1912) durch gewissenhafte musikwissenschaftliche Forschungen zu entgehen. In einer jüdischen Familie in Pommern geboren, konnte er sich trotz dieser Herkunft zum ersten reichsdeutschen Ordinarius seines Fachs emporarbeiten. In Stettin und Berlin aufgewachsen, bei Carl Loewe und Heinrich Bellermann ausgebildet, über Wien nach Straßburg gelangt, hinterließ er außer zwei Büchern ein riesiges Konvolut von Vorlesungsskizzen und Notizen, die sich außer mit dem Mittelalter auch mit Operngeschichte (vor allem Monteverdi und Mozart) beschäftigen. Während seiner Tätigkeit an der Universität Straßburg blieb er als akademischer Lehrer und Chorleiter schon damals relativ einsam und einer breiteren Öffentlichkeit verborgen und konnte das Hauptziel seiner Forschungen – die Erklärung der frühen Mehrstimmigkeit in der Motette des 12. Jahrhunderts – nicht erreichen. Sein Nachlass aber zeigt die Richtung seiner Forschungen: auf empirische und skeptische Weise die Vielfalt der musikalischen Überlieferung zu erweisen.


Esther Seidel
Zacharias Frankel
Und das Jüdisch-Theologische Seminar
And the Jewish-Theological Seminary
94 S., 5 Abb., br., € 9,90
978-3-95565-027-8
Anlässlich der Gründung des Zacharias Frankel College an der Universität Potsdam 2013 zeichnet Esther Seidel Leben und Wirken Zacharias Frankels (1801–1875) im Kontext des Jüdisch-Theologischen Seminars nach, dessen Gründung sich 2014 zum 160. Mal jährt.
Frankel, einer der herausragenden rabbinischen Vertreter der Wissenschaft des Judentums, gilt vielen als Vordenker des Mittelwegs zwischen Orthodoxie und klassischer Reform. Der Entwurf eines „positiv-historischen“ Judentums versucht, Gelehrsamkeit mit Frömmigkeit in Einklang zu bringen. Damit wurde er später zu einer Gründungsgestalt des konservativen Judentums in den USA. Seinen programmatischen Höhepunkt fand Frankels Lebenswerk am Breslauer Jüdisch-Theologischen Seminar von 1854.

Esther Slevogt
Magnus Davidsohn
"Wir beten Geschichte".
Ein großer Berliner Kantor des 20. Jahrhunderts
76 S., br., 14 Abb., € 8,90
978-3-95565-032-2
Magnus Davidsohn (1877–1958) war einer der bedeutendsten Kantoren seiner Zeit. Seit ihrer Weihe im August 1912 bis zur Zerstörung dieses Gotteshauses am 9. November 1938 war er Oberkantor der Synagoge Fasanenstraße. Nach seiner Flucht gehörte er 1939 zu den Gründern der "New Liberal Congregation" in London, der einzigen britischen Emigrantengemeinde. Aus ihr ging die heutige Belsize Square Synagoge hervor. Ein Leben lang hat sich Davidsohn auch mit der Erforschung liturgischer Musik befasst. Seine bedeutende Sammlung ihrer Zeugnisse aus vielen Jahrhunderten ging bei seiner Flucht verloren. Esther Slevogt skizziert Magnus Davidsohns Lebensgeschichte. In Originaltexten kann man dem universal gebildeten wie von inbrünstiger Leidenschaft für seinen Beruf ergriffenen Kantor auch selbst begegnen.

Alfred Gottwaldt
Ernst Spiro
Ein jüdischer Reichsbahndirektor
80 S., 20 Abb., br., 8,90
978-3-95565-044-5
Ab 1933 entließ die Deutsche Reichsbahn ihre jüdischen Beamten. Der Maschinenbauer Ernst Spiro (1873–1950) war der wichtigste Ingenieur jüdischer Herkunft an der Spitze der Staatsbahn. Seit Dezember 1930 war er in Berlin als Direktor des Reichsbahn-Zentralamts für Einkauf tätig gewesen. Zuvor hatte Ernst Spiro jahrzehntelang im Werkstättendienst gearbeitet: 1911 baute er das Ausbesserungswerk Trier auf und führte moderne elektrische Krananlagen ein. Seit 1920 leitete er die Werkstättenabteilung der Reichsbahndirektion Altona und rationalisierte die Lokomotiv-Ausbesserung. 1939 emigrierte er mit seiner Frau nach England, wo er 1950 starb. Am Beispiel Ernst Spiros, der aus Ostrowo bei Posen stammte, wird das Schicksal deutsch-jüdischen Eisenbahner seit 1933 beschrieben. Zugleich wird an einen Ingenieur erinnert, der sein Schaffen vollkommen in den Dienst der Reichsbahn gestellt hatte.


Konrad Herrmann
Leopold Silberstein
Der Berliner Slawist
80 S., 20 Abb., br., 8,90
978-3-95565-043-8
Leopold Silberstein, geboren 1900, wird 1922 an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität zum Doktor der Philosophie promoviert. 1933 emigriert er wegen der Judenverfolgung mit seiner Familie nach Prag. Hier wirkt er aktiv im Prager Linguistischen Zirkel und anderen wissenschaftlichen Gesellschaften mit. 1937 entsendet ihn die Regierung der CSR als Lektor für tschechische Sprache und Kultur an die Universität Tartu in Estland, wo er 1941 ermordet wird – weil er Jude ist. Leopold Silberstein ist ein äußerst produktiver Wissenschaftler und bringt in seinem kurzen Leben über 100 Veröffentlichungen in Form von Büchern, Aufsätzen und Rezensionen heraus.

Elmar P. Ittenbach
Samuel Hirsch
Rabbiner – Religionsphilosoph – Reformer
Deutsch/Englisch
176 S., 27 Abb., br., 9,90
978-3-95565-045-2
Was ist das Wesen und die Aufgabe des Judentums? Das ist die Kernfrage, die das bedeutende Lebenswerk von Samuel Hirsch (1815–1889) prägt. Die Antwort findet sich in seinen zahlreichen Schriften und in seinem Wirken als liberaler Rabbiner in Dessau, Luxemburg und Philadelphia, wo er zum einflussreichsten Anführer der Reformbewegung wird. Der Sohn eines einfachen Viehhändlers aus Thalfang entwickelt mit Hegels Dialektik eine komplexe Religionsphilosophie. Als „absolute Religion“ sieht er das Judentum dazu erwählt, als „Licht für die Völker“ den Glauben an den einen Gott über die Zeiten hinweg zu tragen. Hirsch beschreibt das Judentum als die Religion von Freiheit, Toleranz, Liebe und Humanität. Über alle Bekenntnisse und Religionsgemeinschaften besitzt sein Leitspruch noch heute Gültigkeit: „Verständigung ist das Losungswort unserer Zeit“.


Hartmut Bartmuß
Bernhard Dernburg
Kolonialpolitiker der Kaiserzeit
112 S., 16 Abb., br., 9,90
978-3-95565-034-6
Bernhard Dernburg (1865–1937) prägte und gestaltete maßgeblich die deutsche Kolonialpolitik unter Kaiser Wilhelm II. in den Jahren 1906 bis 1910, zunächst als Direktor der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes und später als Staatssekretär des Reichskolonialamtes. Der liberale Politiker stammte väterlicherseits aus einer traditionsreichen jüdischen Familie, mütterlicherseits aus einem evangelischen Pfarrhaus. Für die Rasseantisemiten war das jedoch ohne Bedeutung. Dernburg war für viele ein Jude. Bartmuß unternimmt den Versuch, den Politiker und Finanzexperten aus seiner Zeit heraus zu verstehen. Dernburg war ein auf Ausgleich bedachter Vertreter der Kolonialmacht des Deutschen Reiches.


Jascha Nemtsov
Arno Nadel
His contribution to Jewish Musical Culture
68 S., 10 Abb., Br., € 6,90
978-3-95565-033-9
Englische Ausgabe der bereits erschienenen deutschsprachigen Version Jascha Nemtsov Arno Nadel (ISBN 978-3-938485-89- 7)


Stephan J. Kramer
Daring the Future
60 years of the Central Council of Jews in Germany
80 Seiten, 17 Abb., br., 8,90
978-3-95565-003-2




Verena Lenzen
Schalom Ben-Chorin
Ein Leben im Zeichen der Sprache und des jüdisch-christlichen Gesprächs
96 S., 9 Abb., br., € 9,90
978-3-95565-021-6
Schalom Ben-Chorin (1913–1999) war einer der großen Pioniere des jüdischchristlichen Dialogs, und er war zugleich ein Dichter, Journalist, Religions - philosoph und Repräsentant der deutsch-jüdischen Kultur in Israel. Brücke aller Begegnungen blieb für ihn die deutsche Sprache, aus der er nie auswanderte. Sein bewegter Lebensweg führte ihn von München nach Jerusalem, aus einem jüdisch-assimilierten Elternhaus über die Orthodoxie, den Zionismus hin zum Reformjudentum und zur jüdisch-christlichen wie deutsch-israelischen Verständigung. Wir begegnen hier dem jungen Lyriker Fritz Rosenthal, dem Journalisten S. B. C., dem mutigen Vorkämpfer des interreligiösen Gesprächs und einem modernen Denker auf der Suche nach einer Theologie des Judentums und einer religiösen Antwort nach der Shoah.



Susanne Guski-Leinwand
Gustav Levinstein
Unternehmer und Schriftsteller gegen „wissenschaftlichen Antisemitismus“
64 S., 14 Abb., br., € 6,90
978-3-95565-024-7
Gustav Levinstein war Berliner Bürger und Mitglied der Berliner Jüdischen Gemeinde. Er wurde 1842 in Berlin geboren und verstarb dort 1910. Sein Leben und Wirken zeigen ein vielfältiges Engagement als Unternehmer in der Textilindustrie zusammen mit seinen Brüdern und eine konsequente Entwicklung als Schriftsteller zu Themen der Geisteswissenschaften und des Judentums. In einem Vortrag mit Publikation prägte Gustav Levinstein zum Ausgang des 19. Jahrhunderts den Begriff des „Wissenschaftlichen Antisemitismus“. Mit seinen Gedanken und Schlussfolgerungen zu einem Phänomen innerhalb der Geisteswissenschaften im damaligen Berlin machte er bereits früh auf die Gefahren aufmerksam, die von antisemitischen Haltungen und Forderungen innerhalb der akademischen Kreise ausgingen und stellte die Ehre des jüdischen Glaubens in den Mittelpunkt seines gesamten Wirkens.


Daniela Gauding
Die Synagoge
Lindenstraße
86 S., 21 Abb., br., € 8,90
978-3-942271-92-9
Die am 27. September 1891 eingeweihte Synagoge in der Lindenstraße 48–50 im heutigen Ortsteil Kreuzberg war die vierte Gemeindesynagoge in Berlin. Sie wurde nach Entwürfen des Berliner Architektenbüros Cremer & Wolffenstein im Stil der Neogotik unter Verwendung romanisierender Elemente erbaut und bot 1.800 Menschen Platz. Der Gottesdienst orientierte sich am neuen Ritus der Synagoge Oranienburger Straße. Im Vorderhaus war neben Wohnräumen die II. Religionsschule der Jüdischen Gemeinde Berlin eingerichtet. Von 1940 bis 1942 lernten hier Jungen und Mädchen der Jüdischen Mittelschule, denen die Emigration aus NS-Deutschland nicht gelungen war. Während des Novemberpogroms 1938 wurde die Synagoge beschädigt, 1939 bis 1942 als Getreidespeicher missbraucht. Der Abbruch des im Februar 1945 zerstörten Hauses erfolgte 1956. Heute ist das Grundstück Sitz der BARMER GEK. In deren Hof erinnern ein Denkmal sowie Informationstafeln an die Geschichte des Gotteshauses.


Jürgen Nürnberger, Dieter G. Maier
Josephine Levy-Rathenau
Frauenemanzipation durch Berufsberatung
90 S., 17 Abb., br., € 8,90
978-3-942271-93-6
Aus der bekannten Rathenau-Familie stammend, erlangte Josephine Levy-Rathenau (1877–1921) durch ihr Engagement in der deutschen Frauenbewegung große Anerkennung. Bis zu ihrem frühen Tod widmete sie sich wegweisend dem Aufbau der Berufsberatung für Frauen und Mädchen. Sie gründete verschiedene Organisationen mit und leitete u.a. die „Auskunftsstelle für Frauenberufe“, das „Kartell der Auskunftsstellen für Frauenberufe“ sowie das „Frauenberufsamt des Bundes Deutscher Frauenvereine“. Levy-Rathenau gab die Zeitschrift Frauenberuf und -erwerb heraus und veröffentlichte neben drei Büchern zahlreiche Aufsätze zur Frauenarbeit und Berufsberatung. Während des Ersten Weltkrieges war sie Vorsitzende des Berliner „Nationalen Frauendienstes“ und engagierte sich danach als eine der ersten Frauen als Stadträtin und Bezirksverordnete in der Berliner Stadtverwaltung.


Ute Simon
Ludwig Pappenheim
Sozialdemokrat – Redakteur – Menschenfreund
80 S., 20 Abb., br., € 9,90
978-3-942271-94-3
Ludwig Pappenheim (1887-1934) gehörte aufgrund seiner familiären Herkunft und seiner politischen Tätigkeit zu den Ersten, die bereits kurz nach der nationalsozialistischen Machtergreifung im März 1933 verhaftet und wenig später ermordet wurden. Die Autoren zeichnen den Lebensweg dieses aufrechten Demokraten nach, der schon früh zur SPD gestoßen war. Seine aktive politische Laufbahn beginnt in der Stadtverordnetenversammlung seiner hessischen Heimatstadt Eschwege. Allerdings entscheidet er sich schon bald für das damals ebenfalls noch hessische Schmalkalden am südlichen Rand des Thüringer Waldes, wo er neben seinem kommunal- und sozialpolitischen Engagement noch die Leitung einer Tageszeitung übernimmt. 

Bodo Becker
Das „Jüdische Erholungsheim Lehnitz“
„Ein Heim wie dieses ist nicht nur eine leibliche Wohltat“
80 S., 24 Abb., br., € 8,90
978-3-942271-78-3
Am nördlichen Eingang des Oranienburger Ortsteils Lehnitz steht ein Gebäude in unmittelbarer Nähe zum Lehnitzsee, das Spaziergängern sofort wegen seiner Größe und architektonischen Ausstrahlung auffällt. Bis 1938 beherbergte das Gebäude das „Jüdische Erholungsheim Lehnitz“. In den Jahren nach 1933 entwickelte sich hier jüdisches Leben in großer Vielgestaltigkeit, wie man es sich unter den Bedingungen der antijüdischen Verfolgungs- und Terrorpolitik heute nur noch schwer vorstellen kann. Dies war das Verdienst von Frauen, Männern und Jugendlichen, die hier einen Zufluchtsort inmitten einer feindlichen Umwelt geschaffen hatten. Heute ist das Haus einer der wenigen noch vorhandenen authentischen Orte jüdischer Sozial-, Bildungs- und Kulturarbeit in der Region Berlin-Brandenburg. Zahlreiche Fotos und Dokumente ermöglichen lebendige Einsichten in den Überlebenskampf der deutschen Judenheit vor achtzig Jahren.


Wolfgang Ayaß
Max Hirsch
Sozialliberaler Gewerkschaftsführer und
Pionier der Volkshochschulen
74 S., 14 Abb., br., € 8,90
978-3-942271-96-7
Max Hirsch (1832–1905) war ein linksliberaler Gewerkschaftsführer und Sozialpolitiker. Er wurde in Halberstadt geboren, wuchs in Magdeburg auf und studierte in Berlin, Göttingen und Tübingen Jura und Nationalökonomie. Nachdem er zunächst einige Zeit im Verlagsbuchhandel tätig war, führte er in Magdeburg etwa ein halbes Jahrzehnt lang das väterliche Großhandelsgeschäft. Ab 1868 lebte er in Berlin, wo der zusammen mit dem Verlagsbuchhändler Franz Duncker die liberalen „Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine“ gründete, deren Anführer er bis zu seinem Tod blieb. Ab 1869 war er auch Abgeordneter der linksliberalen Fortschrittspartei, zunächst mit Unterbrechungen im Reichstag, zuletzt im preußischen Landtag. Hirsch engagierte sich zeitlebens in der Erwachsenenbildung und gründete 1878 in Berlin die Humboldt-Akademie, die als eine der ersten Volkshochschulen Deutschlands gilt.

Christoph Kreutzmüller / Eckart Schörle
Stadtluft macht frei?
Jüdische Gewerbebetriebe in Erfurt 1919 bis 1939
92 S., 10 Abb., br., € 9,90
978-3-942271-97-4
In den 1920er Jahren gab es in Erfurt zwar nur eine relativ kleine jüdische Gemeinde, doch engagierten sich Juden auf vielfältige Weise in der Wirtschaft Erfurts. Neben so bekannten Großunternehmen wie der Berlin-Erfurter Maschinenfabrik Henry Pels oder Kaufhaus Römischer Kaiser gehörten auch viele kleine und kleinste Betriebe zur Palette jüdischen Gewerbetreibens, deren Spuren nur schwer zu finden sind. Wenn die Unternehmen auch fester Bestandteil der Wirtschaft waren, kam es doch seit den 1920er Jahren zunehmend zu antisemitischen Übergriffen. Mit dem sog. Aprilboykott wurde die wirtschaftliche Ausgrenzung Teil der Politik auch der Erfurter Stadt- verwaltung. Trotz verzweifelter Gegenwehr mussten die meisten Betriebe bereits Mitte der 1930er Jahre aufgeben, die restlichen jüdischen Gewerbebetriebe wurden im Novemberpogrom zerstört und geplündert. Diesen Prozess der Vernichtung der jüdischen Gewerbetätigkeit in Erfurt, aber auch die Reaktion der jüdischen Unternehmer hierauf, zeichnet der Band nach.
Jüdische Miniaturen Bd. 104


Lorenz Peter Johannsen
Erich Aschenheim, Albert Eckstein, Julius Weyl
Jüdische Pädiater im Vorstand der Vereinigung Rheinisch-Westfälischer Kinderärzte
96 S., Br., € 9,90
978-3-942271-05-9
Die Lebensgeschichten dreier jüdischer Kinderärzte berühren sich im Vorstand der Vereinigung Rheinisch-Westfälischer Kinderärzte, wo sie in den Jahren 1931 bis 1933 gleichzeitig im Vorstand tätig waren, bevor sie gezwungen wurden, von ihren Ämtern zurückzutreten. Sie verlieren ihre berufliche Existenz. Ihren weiteren Lebensweg teilen sie mit fast allen aus Deutschland stammenden jüdischen Ärzten im Nationalsozialismus: Der selbst gewählte Tod (Erich Aschenheim), die Emigration (Albert Eckstein), der Tod im Konzentrationslager (Julius Weyl). Diese Schrift erinnert an drei hoch verdiente Pädiater, die sich über ihre ärztlichen Aufgaben hinaus für die mit der Kindermedizin untrennbar verbundenen sozialen Belange von Kindern und Familien einsetzten. Die Bereitschaft einer medizinischen Fachgesellschaft, bei der Ausgrenzung und Entrechtung jüdischer Kolleginnen und Kollegen mitzuwirken sowie die Verleugnung nach der NS-Zeit sind weitere Themen dieses Bandes.
Jüdische Miniaturen Bd. 102


Jens Thiel
Paul Abraham
Rechtshistoriker an der Preußischen Akademie der Wissenschaften
72 S., 17 Abb., Br., € 6,90
978-3-942271-04-2
Paul Abraham (1886–1943) wuchs als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Berlin auf. Als Rechtshistoriker widmete er sein gesamtes Arbeitsleben fast ausschließlich einem der renommierten Langzeitprojekte der Preußischen Akademie der Wissenschaften: dem Wörterbuch der Römischen Rechtssprache. Fast dreißig Jahre lang arbeitete er als „Kärrner“ im Schatten der prominenten Herausgeber dieses rechtshistorischen Standardwerkes an der Berliner Akademie. Auf Grund seiner jüdischen Herkunft musste er 1939 seine wissenschaftliche Tätigkeit dort endgültig aufgeben. In den letzten ihm verbleibenden Jahren schlug er sich als Gelegenheits- und Zwangsarbeiter durch. 1943 wurde er von Berlin aus in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert, wo er ums Leben kam. Sein Schicksal geriet in Vergessenheit.

Wladimir Struminski
An allen Fronten
Jüdische Soldaten im Zweiten Weltkrieg
Mit einem Vorwort von Dieter Graumann
96 S., 23 Abb., br., € 9,90
978-3-942271-80-6
Anderthalb Millionen Juden kämpften zwischen 1939 und 1945 als Soldaten alliierter Armeen gegen Hitlerdeutschland. Ihre Geschichte gehört zu den ungenügend erforschten und in der Öffentlichkeit kaum bekannten Kapiteln des Zweiten Weltkrieges. Als Soldaten leisteten sie einen wichtigen Beitrag zur Befreiung Europas vom Nationalsozialismus. Als Juden verteidigten sie ihre Würde, bewiesen ihren Mut an allen Fronten und widerlegten antijüdische Vorurteile. Sie haben Anspruch auf Anerkennung und auf Dankbarkeit der Nachgeborenen. Zugleich rundet ihr Einsatz das Bild des jüdischen Volkes in jenen dunklen Jahren ab. Diese Dokumentation will Wissenslücken schließen. Sie erinnert an das Schicksal jüdischer Kämpfer und Kämpferinnen des Zweiten Weltkrieges und an die Vielen, die dabei ihr Leben ließen. Wladimir Struminski geboren 1954 in Warschau, kam 1969 mit seiner Familie nach Deutschland. Seit seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Köln ist er journalistisch tätig und war unter anderem langjähriger Korrespondent der „Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung“ in Israel, wo er seit 1987 lebt. In den neunziger Jahren arbeitete er zudem im Bereich der Entschädigung für Holocaust- Überlebende. Seit 2010 ist Wladimir Struminski Israel-Repräsentant des Zentralrats der Juden in Deutschland und Redaktionsmitglied des vom Zentralrat herausgegebenen Informationsblatts „Zukunft“.


Tina Frühauf
Salomon Sulzer
Reformator, Kantor, Kultfigur
84 S., br., € 8,90
978-3-942271-86-8
English Edition:
Salomon Sulzer
Reformer, Cantor, Icon
82 S., br., € 8,90
978-3-942271-87-5
Salomon Sulzer (1804–1890) war der erste Chasan im modernen Europa, der durch seine außerordentlichen musikalischen, intellektuellen und charismatischen Fähigkeiten bestach. Er war eine Autorität in seiner Gemeinde und ein Anziehungspunkt im allgemeinen Musikleben seiner Zeit. Die Folgen seines musikalischen und gesellschaftlichen Beitrags sind noch heute in der jüdischen Musikwelt spürbar. Als Obercantor – seiner Berufsbezeichnung in Abgrenzung zum Kantor – am Wiener Stadttempel entwickelte er eine gemäßigte Reform der Liturgie und Synagogalmusik, die Tradition und Moderne unter Einhaltung des jüdischen Gesetzes in Einklang brachte. Im Rahmen seiner Reformen begann Sulzer, ein bedeutendes Repertoire jüdisch-liturgischer Musik zu produzieren, das heute noch in vielen liberalen und konservativen Synagogen erklingt. Sulzer definierte auch die Stellung des Chasans neu und lenkte die Aufmerksamkeit auf Gesangstechnik. Mit einer ausgezeichneten Stimme gesegnet, machte sich Sulzer auch als Liederinterpret einen Namen und komponierte auch weltliche Musik. Sulzer gilt als ein Symbol für die Erneuerung des Judentums. 

Eliyahu Schleifer
Samuel Naumbourg
Kantor der französisch-jüdischen Emanzipation
64 S., 12 Abb., br., € 6,90
978-3-95565-023-0
Unter den Musikern, die im 19. Jahrhundert die Synagogenmusik revolutioniert und modernisiert haben, ragen Salomon Sulzer (1804–1890) in Wien, Samuel Naumbourg (1817–1880) in Paris und Louis Lewandowski (1821–1894) in Berlin als besonders einflussreich heraus. Der in Bayern geborene Naumbourg fügte sich gut in die intellektuelle Gesellschaft von Paris ein. Er war von einer tiefen Leidenschaft für die traditionellen jüdischen Gesänge Süddeutschlands getrieben und einem ausgeprägten Bewusstsein, dass die Emanzipation der französischen Judenheit nach einer neuen Art der Synagogalmusik verlangte. In seinen kantoralen Kompendien Semiroth Israel und Agudath Schirim finden sich viele alte Gesänge und zahlreiche neue Kompositionen von Naumbourg selbst sowie seinen Freunden, darunter Jacques Fromental Halévy. Auch auf dem Gebiet der Erforschung der historischen Wurzeln der jüdischen Musik war Naumbourg ein Vorreiter.


Eliyahu Schleifer
Samuel Naumbourg
The Cantor of French Jewish Emancipation
62 S., br., € 6,90
978-3-942271-88-2
Among the musicians who revolutionized and modernized synagogue music during the 19th century, three stand out as the most influential ones: Salomon Sulzer (1804–1890) in Vienna, Samuel Naumbourg (1817–1880) in Paris and Louis Lewandowski (1821–1894) in Berlin. Naumbourg was born in Bavaria and integrated into the intellectual society of Paris. He was moved by a deep love for the traditional Jewish chants of Southern Germany and a keen awareness that the Emancipation of French Jewry called for a new kind of synagogue music. His cantorial compendia Semiroth Yisrael and Agudath Shirim included many old chants and numerous new compositions by Naumbourg himself and by his friends, among them Jacques Fromental Halévy. Naumbourg was also a pioneer in searching for the historical roots of Jewish music. 

Sabine Neubert
Rudolf Frank
Theatermann – Humanist – Magier der Sprache
Herausgegeben von Vincent Frank-Steiner
88 S., 9 Abb., Br.€ 8,90
978-3-942271-66-0
Er brachte den jungen Brecht auf die Bühne. Er förderte große Talente wie die von Helene Weigel und Elisabeth Bergner. Er holte Carl Valentin aus den Bierlokalen in die Münchner Kammerspiele. Er schrieb einen Antikriegsroman für junge Menschen, der in sechs Sprachen übersetzt wurde. Rudolf Frank (1886–1979) war Schauspieler, Regisseur, Romanautor, Verfasser von Theaterstücken, Filmskripten und Rundfunktexten, Journalist und Übersetzer. Als Sohn einer deutsch-jüdischen Mainzer Familie begeisterte er sich schon in der Gymnasialzeit für das Theater. Nach der Promotion zum Dr. jur. ergriff ihn „der Theaterteufel“. Stationen seiner Bühnenzeit waren unter anderem Berlin, Meiningen, Frankfurt und München. Als Leiter einer Schauspieltruppe tourte er zwei Jahre durch Italien. Schon 1933 wurde Rudolf Frank zwei Monate lang in Berlin inhaftiert. 1936 emigrierte er nach Wien, von dort gelang ihm in letzter Minute die Flucht in die Schweiz. Rudolf Franks Autobiographie „Spielzeit meines Lebens“ liest sich wie ein „Who‘s who“ der Theater- und Künstlerwelt.


Harro Jenss / Peter Reinicke
Ferdinand Blumenthal
Kämpfer für eine fortschrittliche Krebsmedizin und -fürsorge
78  S., Br., € 8,90
978-3-942271-69-1
Der Berliner Internist Ferdinand Blumenthal (1870–1941) steht Anfang des 20. Jahrhunderts an der Spitze der Krebsbekämpfung in Deutschland. Frühzeitig plädiert er – trotz vieler Widerstände – für eine kombinierte Krebstherapie und für die Einrichtung von Tumorzentren zur bestmöglichen Patientenbetreuung. Mit großem Einsatz fördert Blumenthal die nachgehende Krebsfürsorge. Über viele Jahre leitet er das Institut für Krebsforschung an der Charité Berlin. 1933 verliert Ferdinand Blumenthal aufgrund seiner jüdischen Herkunft alle Ämter. Er emigriert über Belgrad nach Reval/Tallinn. Anfang Juli 1941 kommt er in Estland vermutlich bei einem Angriff der Wehrmacht auf einem Transport in die Sowjetunion ums Leben. 

Jutta Lange-Quassowski / Volkmar Schneider
Eine bedeutende Ärztedynastie
Die Strassmanns
176  S., Br., € 14,90
978-3-942271-70-7
Die Strassmann-Familie brachte zwei bedeutende Ärztedynastien hervor: eine von Frauenärzten und eine von Gerichtsmedizinern. Fritz Strassmann (1858–1940) war 1904 Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin und Institutsdirektor an der Charité. Sein Sohn Georg, ebenfalls ein bedeutender Gerichtsmediziner, musste mit seiner Familie in die USA emigrieren, um dem Nationalsozialismus zu entkommen. Der jüngste Sohn von Fritz Strassmann, Reinhold, war ein ausgezeichneter Mathematiker, der unter anderem wegen schwerer Kriegsverletzungen nicht rechtzeitig emigrieren konnte. Dank vieler neuer Briefe und Fotos, die von seinem Neffen Fred zur Verfügung gestellt wurden, kann hier ein eindrückliches Bild seiner Persönlichkeit gezeichnet werden. 

Walter Homolka
Der moderne Rabbiner
Ein Rollenbild im Wandel
112 S., Br., 18 Abb., € 9,90
978-3-942271-62-2
Seit der Aufklärung haben sich Rabbiner zu offiziell beauftragten Amtsträgern entwickelt, um die vielfältigen Aufgaben der Gemeinschaft zu erfüllen: zu lehren, seelsorglich tätig zu sein und zu predigen, Gottesdienste zu leiten und Lebenshilfe zu geben, Rituale zu vollziehen am Beginn des Lebens, an dessen Ende und mitten im Leben, in religiösen Fragen zu entscheiden, administrativ tätig zu werden und vielleicht sogar ein bisschen "zwischen Himmel und Erde" zu vermitteln. Walter Homolka geht der Entwicklung des Rollenbildes vom Rechtsgelehrten zum modernen Rabbiner nach, dessen Identität, Autorität und Legitimation in den letzten beiden Jahrhunderten einem großen Wandel unterlagen.


Walter Briedigkeit
Karl Landsteiner
Arzt, Forscher und Entdecker der menschlichen Blutgruppen
64 S., Abb., Br. € 6,90
978-3-942271-52-3
Der österreichisch-US-amerikanische Pathologe, Bakteriologe, Serologe und Immunologe Karl Landsteiner (1868?1943) gehört zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Medizingeschichte. Sein Name ist in der Öffentlichkeit wenig bekannt; er tritt hinter seinem Schaffen zurück. 1900/1901 entdeckt Landsteiner die „klassischen“ Blutgruppen A, B und Null und schafft damit die wichtigste Voraussetzung für den gefahrlosen Blutersatz. Zu den wissenschaftlichen Großtaten Landsteiners und seiner Mitarbeiter gehören weiterhin die Entdeckung des Rhesusfaktors 1940 und die danach mögliche Klärung der Entstehung der schweren Neugeborenengelbsucht (fetale Erythroblastose). 1919 verlässt er seine Heimatstadt Wien und wandert 1923 über Holland in die USA aus, wo er 1929 die amerikanische Staatsbürgerschaft erwirbt. 1930 erhält Karl Landsteiner den Nobelpreis für Medizin.

Karla Wolff
Ich blieb zurück
Erinnerungen an Breslau und Israel
Mit einem Geleitwort von Uwe Neumärker herausgegeben und mit einem Nachwort von Ingo Loose
192 S., Abb., Br., € 14,80
978-3-942271-55-4
Karla Wolff wird 1928 in Breslau als Tochter einer christlichen Mutter und eines jüdischen Vaters geboren. Zwischen 1933 und 1945 erlebt sie unmittelbar die Verfolgung und Ermordung der Breslauer Juden; ihr Vater studiert an der Kantorenschule in Berlin und ist zwischen 1941 und 1943 einer der Kantoren der Storch-Synagoge Breslau. Als Aushilfskraft im Jüdischen Altenheim begleitet sie die zur Deportation bestimmten Menschen zu den Sammelstellen, arbeitet auf der Krankenstation für die noch in Breslau lebenden „Mischehen“ sowie auf dem Jüdischen Friedhof Cosel bei der Bestattung der Toten aus den umliegenden Zwangsarbeitslagern. In den letzten Monaten versteckt sie sich zusammen mit ihrem Vater bis zur Befreiung der Stadt. Karla Wolff emigriert 1947 aus dem nun polnischen Wroc?aw nach Palästina und gründet hier eine eigene Familie. Ihre Eltern emigrieren zunächst in die USA und kehren Anfang der 1950er Jahre nach Deutschland zurück. Der Vater amtiert über 20 Jahre als Kantor und Religionslehrer in Düsseldorf. Heute lebt Karla Wolff mit ihrem Mann in Naharija, Israel. Ihre Erinnerungen „Ich blieb zurück“ wurden erstmals 1990 veröffentlicht und erscheinen nun überarbeitet und durch zusätz - liche Bilder ergänzt in einer Neuausgabe. 

Barbara Hartlage-Laufenberg
Hermann Sinsheimer
Lebensfroher Pfälzer, Jurist und vielseitiger Literat
64 S., Abb., Br., € 6,90
978-3-942271-56-1
Hermann Sinsheimer (1883–1950), in der Pfalz aufgewachsen, ist schon früh eifriger Besucher des nahen renommierten Mannheimer Theaters und schreibt Kritiken u.a. für die Schaubühne. Er wird Rechtsanwalt, doch seine Liebe gehört dem Theater. Nach kurzem Militärdienst geht er 1916 nach München, ist zunächst künstlerischer Leiter der Kammerspiele, dann Theaterkritiker und schließlich Redakteur beim Simplicissimus. 1929 wechselt er in das kulturelle Zentrum Deutschlands, um beim Ulk, einer Beilage des Berliner Tageblatts, bis September 1933 als Redakteur zu arbeiten. Danach wendet er sich verstärkt seinem Judentum zu und befasst sich u. a. mit Shakespeares Bühnenfigur Shylock. 1938 emigriert er nach England, wo er auch stirbt. 

Hanni Mittelmann
Sammy Gronemann
Ein Leben im Dienste des Zionismus
64 S., Abb., Br., € 6,90
978-3-942271-57-8
Sammy Gronemann (1875–1952), Berliner Rechtsanwalt, satirischer Schriftsteller und Publizist, gehört zu den frühen Verfechtern und Propagandisten der von Theodor Herzl gegründeten modernen zionistischen Bewegung. Er vermittelt mit seinem Werk eine unterhaltsame Soziologie des deutschen Judentums vor der Schoa in all seinen Fraktionen und macht zugleich humor voll die Ungereimtheiten des jüdischen Lebens in Deutschland sichtbar. Mit seinem Werk will der Sohn eines orthodoxen Rabbiners die auf Oppositionskurs verschworenen Fraktionen des Judentums auf den gemeinsamen Nenner des jüdischen Erbes vereinen und die Folgerichtigkeit eines traditionsbewussten natio nalen jüdischen Lebens in einem eigenen jüdischen Land in Eretz Israel unter Beweis stellen. 
JÜDISCHE MINIATUREN Band 111


Karolin Steinke
Simon Adler
Ostjüdischer Eierhändler in Berlin
88 Seiten, 26 Abb., Br., € 8,90
978-3-942271-30-1
Bereits 1936 verkünden deutsche Zeitungen: „Endlich wieder arische Ostereier“. Als eine der ersten Branchen wird in Berlin der Eierhandel, bis dato in den Händen von Ostjuden, „arisiert“. Der Eierhändler Simon Adler, 1905 aus Galizien eingewandert, hatte in Berlin einen erfolgreichen Lebensmittelhandel aufgebaut. Er und seine Frau Rachel werden 1944 in Auschwitz ermordet. Bis auf fünf Kidduschbecher im Museum Neukölln und wenige Dokumente hinterlässt er keine Spuren. Sein Schicksal steht beispielhaft für das vieler jüdischer Kaufleute, denen die Nationalsozialisten erst ihre wirtschaftliche Existenz und dann das Leben nahmen. Neben Adlers Biographie werden in diesem Buch auch die Lebensverläufe der Familienmitglieder zwischen Emigration und Deportation nachgezeichnet.
Karolin Steinke geboren 1977 in Berlin, studierte Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie in Berlin. Freiberufliche Arbeit als Ausstellungskuratorin (Museum Neukölln, Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück), Journalistin (u. a. für den „Tagesspiegel“) und Informationsreferentin.

JÜDISCHE MINIATUREN Band 117

Walter Jacob
Benno Jacob
Kämpfer und Gelehrter
Mit einem Vorwort von Hanna Liss
Aus dem Englischen von Esther Kontarsky
72 Seiten, 15 Abb., Br., € 6,90
978-3-942271-32-5
Die Grabinschrift für Benno Jacob (1862–1945) beschreibt gut seine Lebensleistung: „Zu leben und zu lehren, zu kämpfen und zu helfen“. Die Bibel ist die erste und bleibende Liebe von Rabbiner Benno Jacob. Der gebürtige Schlesier, der in der Emigration in London stirbt, zählt zu den bedeutendsten jüdischen Bibelkommentatoren des 20. Jahrhunderts. Als solcher steht er in einer lebendigen Auseinandersetzung mit der Methodik der christlichen Bibelkritik. Sein Ziel ist es, die „Tora zum Glänzen zu bringen“. Aus seinem umfangreichen exegetischen OEuvre sind heute vor allem seine Kommentare zu den beiden ersten Büchern der Tora, Genesis und Exodus, bekannt. Der Gelehrte und Gemeinderabbiner in Göttingen und Dortmund steht aber auch mitten im Leben und stellt sich den Herausforderungen seiner Zeit. Als deutscher Patriot und Kämpfer gegen den Antisemitismus macht sich Jacob einen Namen; er ist Mitbegründer der ersten schlagenden jüdischen Studentenverbindung in Breslau und Fürsprecher der Integration der sogenannten Ostjuden.
Rabbiner Professor Dr. Walter Jacob geboren 1930 in Augsburg, ist ein großer Kenner der Werke seines Großvaters. Der langjährige Rabbiner der Rodef- Shalom-Gemeinde in Pittsburgh war Präsident der Central Conference of American Rabbis. Er ist heute Präsident des Abraham Geiger Kollegs an der Universität Potsdam und des Solomon B. Freehof Institute for Progressive Halakhah.



Benno Jacob
Scholar and Fighter
english edition
72 Seiten, 15 Abb., Br., € 6,90
978-3-942271-33-2

JÜDISCHE MINIATUREN Band 113

Jascha Nemtsov / Hermann Simon
Louis Lewandowski
„Liebe macht das Lied unsterblich!“
80 S., 12 Abb., Br., € 8,90
978-3-942271-38-7
Louis Lewandowski (1821–1894) war nicht nur einer der bedeutendsten Komponisten von Synagogenmusik in Deutschland, er ging in die Musikgeschichte auch als der größte Reformator der jüdischen liturgischen Musik ein. Bis heute bilden seine Kompositionen den Grundstock des Repertoires in liberalen und konservativen Synagogen rund um die Welt. Traditionelle jüdische Melodien wurden von Lewandowski mit stilistischen Mitteln der europäischen romantischen Musik seiner Zeit bearbeitet. Seine Werke können somit als Ausdruck eines mühsam erlangten Gleichgewichts zwischen Tradition und Assimilation im deutschen Judentum des 19. Jh. betrachtet werden. Dieses Buch bietet einen Überblick über Leben und Werk von Lewandowski, dessen Kompositionen sich weltweit ungebrochener Popularität erfreuen.
Jascha Nemtsov Pianist und Musikwissenschaftler, Mitglied des Instituts für Jüdische Studien der Universität Potsdam, Akademischer Studienleiter des Kantorenseminars des Abraham Geiger Kollegs. Preis der Deutschen Schallplattenkritik 2007. Forschungsprojekte und Publikationen zu jüdischer Musik und jüdischen Komponisten im 20. Jahrhundert. Bei Hentrich & Hentrich: Arno Nadel (ISBN 978-3-938485-89- 7), Oskar Guttmann und Alfred Goodman (ISBN 978-3-941450- 13-4)
Hermann Simon geboren 1949 in Berlin. Abitur an altsprachlich betonter Schule, Studium an der Humboldt-Universität zu Berlin: Geschichte und Orientalia, anschließend Graduiertenstudium in Prag zur Spezialisierung auf Orientnumismatik. Dr. phil. Arbeit auf diesem Gebiet an den Staatlichen Museen zu Berlin. Seit 1988 Direktor der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum.


Ursula Adam
Helene Feistmann
„Ich blieb eine Deutsche“
80 S., 20 Abb., br., € 8,90
978-3-95565-118-3
Die Berliner Jüdin Helene Feistmann (1915–2011) flieht 1937 vor den Nazis nach London. Die Familie, ebenfalls im Exil, hält ein intensiver Briefwechsel zusammen. Lebenszeichen erreichen einander aus Europa und Übersee. Nach 1945 erwägt Helene, in Ostberlin zu leben; seitens des Staates und der SED wird ihr dies schließlich 1951 nicht verweigert. Kurz nach ihrer Heirat mit dem Schriftsteller Arno Reinfrank geht sie 1955 zurück nach London. Geschichtlich und politisch interessiert, ist sie Chronistin ihres eigenen Lebens und ihrer Familie. Ihre einzigartige Sammlung von Dokumenten, Briefen, Fotos, Erinnerungen und Notizen hat sie der Freundin und Historikerin Ursula Adam übereignet. Auf dieser Grundlage und neuen Archivquellen erzählt Adam die Lebensgeschichte einer jüdischen Frau im 20. Jahrhundert.

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